Rubén Blades

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Rubén Blades Bellido de Luna (* 16. Juli 1948 in Panama-Stadt, Panama) ist ein panamaischer Sänger und Schauspieler. Von 2004 bis 2009 war er Tourismusminister von Panama.

Biografie und Diskografie[Bearbeiten]

Rubén Blades wuchs in eher ärmlichen Verhältnissen im Barrio San Felipe in Panama-Stadt auf. Seine Großmutter mütterlicherseits war eine Feministin, die bevorzugt ihre Töchter auf eine höhere Schule schickte. Aus diesem Grunde lernte Blades durch seine Mutter lesen und schreiben, aber auch ihre Liebe zur Poesie und zum Klavier. Sein Vater war englischer Abstammung und von Beruf Jockey, Basketballspieler und zuletzt bei der Geheimpolizei. Im Jahr 1964 kumulierten die Spannungen mit den USA um den Panama-Kanal – nach einer Demonstration gab es 25 Tote. Das bewirkte ein Umdenken beim 16-jährigen Rubén Blades, der bis dahin nach eigenen Angaben in Geschmack, Musik und in allem 'pro-yanqui' gewesen war.

Nach der Schule schrieb er sich als Student für Jura und Politikwissenschaften an der Universidad Nacional de Panamá ein, sang aber nebenbei in diversen Conjuntos Latinos. Als 20-Jähriger reiste er mit Hilfe seines Bruders, der bei einer Fluggesellschaft arbeitete, nach New York. Dort nahm er seine erste Platte mit dem Orchester von Pete Rodríguez auf. Er kehrte aber nach Panama zurück, um sein Studium zu beenden. 1983 verschärfte sich die politische Situation im Land unter General Noriega. Sein Vater musste wegen interner Spannungen im Geheimdienst das Land verlassen; er wurde mitbeschuldigt, die Ermordung Generals Omar Torrijos geplant zu haben. Die Familie floh in die USA, Rubén Blades blieb allein zurück um das Studium abzuschließen, folgte ihnen dann aber nach Miami nach.

In New York suchte er den Kontakt zum Musikverlag Fania Records, wo er anfangs in der Postzustellung arbeitete. Nachdem er zunächst im Orchester von Ray Barretto gesungen hatte, bot sich ihm die Möglichkeit, im Orchester von Willie Colón als Nachfolger von Héctor Lavoe zu singen. Die erste Schallplatte Metiendo Mano (1977) wurde sofort ein großer Erfolg, übertroffen noch 1978 von Siembra, der lange Zeit erfolgreichsten Salsaplatte. Sechs Jahre blieb er bei Willie Colón, bis er 1982 seine eigene Gruppe Seis del Solar gründete, die er teilweise mit Robby Ameen leitete. Mit ihr verließ er die klassische Salsa-Formation und nahm neben dem Bläsersatz vor allem Rock-Instrumente mit auf. Er veröffentlichte 1984 Buscando América, 1985 Escenas, wofür er seinen ersten Grammy bekam. Streitigkeiten mit Fania um seine Urheberrechte führten zum Wechsel zu Elektra Records, er vergrößerte seinen Bläsersatz und die Gruppe wurde in Son del Solar umbenannt.

1987 folgte Agua Luna, basierend auf Gedichten von Gabriel García Márquez, danach Antecedente, wofür er seinen zweiten Grammy erhielt. Seine Faszination für den Rock ’n’ Roll kombiniert mit afro-kubanischen Rhythmen manifestierte sich in seinem ersten rein englischsprachigen Album Nothing But The Truth (1988). Er trat im 1988 produzierten Film Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld auf.

In den 1990er Jahren trat Rubén Blades verstärkt als Filmschauspieler in einer Vielzahl von Produktionen auf, u.a. zusammen mit Schauspielern wie Richard Pryor, Whoopi Goldberg und Jack Nicholson. Dafür verlegte er seinen Wohnsitz nach Kalifornien.

Zwischenzeitlich gründete er 1994 zu den Präsidentschaftswahlen in Panama seine eigene politische Partei. Mit 20 % der Stimmen wurde er zwar nicht Präsident, seine Partei aber drittstärkste Kraft im Parlament.

In die USA zurückgekehrt nahm er 1995 wiederum eine LP mit Willie Colón auf: Tras la Tormenta. Einen weiteren Grammy gab es 1996 mit seiner neuen Gruppe Saravá und dem Album La Rosa de los Vientos und den vierten 1999 für das Album Tiempos.

Im Jahre 2000 wurde er UN-Sonderbotschafter gegen Rassismus und 2003 kehrte er wieder nach Panama zurück, um sich in Sozialprojekten und Umweltschutzorganisationen zu engagieren. 2001 arbeitete er mit Michael Jackson zusammen. Von Oktober 2004 bis Juni 2009 war Blades Direktor des panamaischen Tourismusinstituts IPAT im Rang eines Ministers, seine musikalische Karriere hatte er hierfür unterbrochen.

Stil und Bedeutung[Bearbeiten]

Sänger, Komponist, Filmschauspieler, Umweltaktivist, Politiker – 20 Musikalben, 26 Filme und vier Grammys: Rubén Blades ist ein Multitalent. Ende der 1970er Jahre gehörte er noch mit zur ersten Generation von Salsa-Musikern. Er hat die Salsa-Musik weit über die Grenzen der USA hinaus bekannt gemacht. Der erste Kontakt mit Salsa bestand für viele lateinamerikanische Zuhörer aus Titeln wie Pablo Pueblo, Pedro Navaja, Ligia Elena, La Maleta. Das Willie-Colón-Orchester mit seinem typischen Posaunen-Satz und Willie Colón selbst an der Solo-Posaune prägten den Sound der damals neuen Musik entscheidend mit.

Besonders hervorstechend in der Musik von Rubén Blades ist seine Experimentierfreude mit verschiedenen Rhythmen, Stilen und Instrumenten. Das macht ihn oft wenig konform zur kommerziellen Tanzmusik. Die Einleitung der E-Gitarre zu Plástico ist zum Beispiel zum Salsa-Tanzen viel zu lang geraten, dennoch ist dieses Stück ein Klassiker des Genres geworden.

Seine Amerika- und sozialkritischen Texte, oft mit viel lateinamerikanischem Witz, kamen beim Publikum gut an. Zum vollen Hörgenuss von Rubén Blades muss man daher nicht unbedingt Lateinamerikaner sein, aber man muss die Texte verstehen können:

[Chor:] Sie hat kein Talent, aber sie sieht sehr gut aus,
sie hat einen guten Körper, und das ist
eine sehr wichtige Sache beim Fernsehen,
und sie hat einen Hintern, der Aufmerksamkeit erregt.
Sie liebte den Programmdirektor und verzauberte ihn,
sie bewegt den Hintern ein wenig und schon hatte sie ihn,
und so spielte sich die Geschichte in der Show ab:
Es war nichts, sie konnte nicht, wo sie weinen sollte, weinte sie nicht,
in der Szene, in der es Gesang gab, wurde sie gedoubelt,
und trotzdem kassiert sie jetzt noch besser als vorher.
[Chor:]Sie hat kein Talent, aber sie sieht sehr gut aus,
sie hat kein Talent, aber sie kommt vorwärts,
ah, guck mal, guck mal, guck mal, wie elegant!
Vielleicht wohl auch, weil sie ein sehr schönes Ding hat.
Aber sie hat einen guten Körper – ein wichtiger Grund.
Aber guck mal, guck mal, guck, mal, wie es sich verhält:
Sie hat kein Talent, aber sie kommt vorwärts.
(Aus: Talento de Televisión [1995], Musik und Text: Amilcar Boscán)

Diskografie[Bearbeiten]

Mit Ray Barretto

  • Barretto (Fania, 1975)

Mit Pete Rodríguez

  • De Panamá a New York/From Panamá to New York (Fania, 1976)

Mit Willie Colón

  • Metiendo mano (Fania, 1977)
  • Siembra (Fania, 1978)
  • Canciones del Solar de los Aburridos (Fania, 1981)
  • The Last Fight (Música Latina, 1982)
  • Tras la tormenta (Sony, 1995)

Solo

  • Bohemio y poeta (Fania, 1979)
  • Maestra vida: primera parte (Fania, 1980)
  • Maestra vida: segunda parte (Fania, 1980)
  • El que la hace la paga (Fania)
  • Mucho mejor (Fania)
  • Ruben Blades with Strings (Fania)
  • Buscando América (Elektra, 1984)
  • Escenas (Elektra, 1985)
  • Agua de luna (Elektra, 1986)
  • Crossover Dreams (Elektra, 1986)
  • Doble Filo (1987)
  • Antecedente (Elektra, 1988)
  • Nothing But the Truth (Elektra, 1988)
  • Live! (Elektra, 1990)
  • Caminando (CBS, 1991)
  • Amor y Control (CBS, 1992)
  • Joseph & His Brothers (Rabbit Ears, 1993)
  • La rosa de los vientos (Sony, 1996)
  • Tiempos (Sony, 1999)
  • Mundo (Sony, 2002)

Mit dem Spanish Harlem Orchestra

  • Across 110th Street (Red Ink, 2004)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]