Rubensfigur

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Peter Paul Rubens, Ankunft der Maria de' Medici in Marseille (Detail)

Der Begriff Rubensfigur (oder Rubensfrau) hat sich als Bezeichnung für Frauen mit üppiger Figur eingebürgert.[1] Die Bezeichnung geht auf Bilder des Barockmalers Peter Paul Rubens zurück. Dieser stellte in seinen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandenen Bildern insbesondere Frauen mit üppigen Rundungen dar. Der analogische Begriff hat sich in der Alltagssprache vor allem im Zusammenhang von Auseinandersetzungen über Schönheitsideale etabliert, in denen die Standpunkte anhand von Bildwerken der Kunst und der Fotografie verdeutlicht werden sollen.

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Schönheitsideale spiegeln im gesellschaftlichen Kontext immer den jeweiligen Partnerwert, der durch die Parameter, wie Jugendlichkeit, Attraktivität, Fruchtbarkeit, genetische Qualität bestimmt wird im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Verhältnissen (Nahrungsmittelangebot, Notzeiten) wider. In Zeiten der Nahrungsmittelknappheit galten üppigere Körperformen als attraktiv, symbolisierten sie doch einen gewissen Wohlstand.[2] Mit starken weiblichen Rundungen wurde ab der Renaissance das Idealbild der Frau geprägt, sie galten als verführerisch und besonders gebärfähig im Gegensatz zu schlanken Frauen. In der Zwischenzeit kam die Wespentaille in Mode, dennoch blieben Frauen üppiger. Nur ein Korsett diente hier als Mittel zum Zweck.

Später malte der Barockmaler Rubens mit starken weiblichen Rundungen. Im Rokoko wurden Figuren in Gemälden noch leibhafter, was sich in der gehobenen Gesellschaft schnell verbreitete. Füllige Menschen wurden als intelligent und wohlhabend anerkannt. Zucker und Fett diente dem Erhalt der damaligen Idealfigur. Diäten hatten es nicht zum Ziel Gewicht abzunehmen, sondern eher einer weiteren Gewichtszunahme bzw. -erhalt dienten. Noch vor der Französische Revolution zum nahendem Ende des 18. Jahrhunderts galt wieder eine schlanke Figur als zeitgemäß.[3]

Erweiterte Begriffsverwendung[Bearbeiten]

Cindy aus Marzahn

Während der Begriff Rubensfigur vor und kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts ausschließlich in der Kunstliteratur zu finden ist,[4][5] erfolgte in den 1920er und 1930er Jahren eine Übernahme in Unterhaltungszeitschriften,[6] oder in Romane, beispielsweise bei Ferdinand von Hornstein,[7] wobei Rubensfigur als rhetorisches Stilmittel (in diesem Fall Synekdoche für eine kräftig gebaute Frau) verwendet wird.

Derzeit wird der Begriff, auch in der durchaus positiv belegten Variante Rubensweib[8] (beispielsweise „prächtiges Rubensweib“) beschreibend, ironisch oder selbstironisch verwendet.

Die bekannte Stand-up-Komikerin Cindy aus Marzahn, „die voller Selbstironie und Spott mit ihrer Rubens-Figur kokettiert“,[9] wird in der feministischen Zeitschrift Emma beschrieben als „Cindy aus Marzahn: Rubensfigur und ganz in Rosa gekleidet, pinke Lider, blonde Ringellocken“.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elisabeth Leinfellner: Der Euphemismus in der politischen Sprache. Duncker & Humblot, 1971, S. 112.
  2. Andreas Hergovich: Psychologie der Schönheit: physische Attraktivität aus wissenschaftlicher Perspektive. Facultas Univ.-Verl. Wien, 2002, ISBN 3-85114-705-7.
  3. Anja Dostert: Die verrückte Geschichte der Diät: Schlankheitswahn und Schönheitskult. o.S.
  4. Albert Dresdner: Der Weg der Kunst.. E. Diederichs, 1904.
  5. Kunst und Künstler: Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgeschichte.. Bruno Cassirer, 1917.
  6. Illustrirte Zeitung.. J.J. Weber, 1921.: „Aus der Frau, die es trägt, machte er eine üppige Rubensfigur, von der man sich wundert. wie sie in dieses Kleid kommt.“
  7. Ferdinand von Hornstein: Die Sphinx und der Sadist: Roman.. Müller & I. Kiepenheuer G.m.b.H., 1930.
  8. Kim Schneyder: Hilfe, ich hab den Prinzen verzaubert!: Roman.. Piper ebooks, 10 March 2014, ISBN 978-3-492-98072-2.
  9. Christa Kanand: Comedy-Star in Ulm - 1500 Fans sehen Cindy aus Marzahn in der Donauhalle, Südwest Presse, 15. Mai 2009; abgerufen am 19. März 2015.
  10. Emma: das Magazin von Frauen für Menschen.. Emma-Verlag, March 2008.

Weblinks[Bearbeiten]