Rubinkehlkolibri

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Rubinkehlkolibri
Ein männlicher Rubinkehlkolibri im Flug

Ein männlicher Rubinkehlkolibri im Flug

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Archilochus
Art: Rubinkehlkolibri
Wissenschaftlicher Name
Archilochus colubris
(Linnaeus, 1758)

Der winzige Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) ist ein auffallend farbenprächtiger Vogel, der in den östlichen Teilen der USA und Kanadas anzutreffen ist.

Merkmale[Bearbeiten]

Seinen Namen hat der Rubinkehlkolibri durch sein Gefieder, das in der Sonne metallisch in vielen Farben glänzt. Im Schatten dagegen wirkt das Gefieder matt.

Der Rubinkehlkolibri hat die geringste Federzahl von allen bekannten Vögeln. Seine Länge beträgt normalerweise zehn Zentimeter und seine Flügelspannweite zwölf Zentimeter. Mit dem Gewicht von drei Gramm ist er extrem leicht. Durch seinen langen Schnabel, der am Ende manchmal gekrümmt ist, stößt er ein kurzes, hochfrequentes Piepen aus.

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Lebensräume der Rubinkehlkolibris sind Wälder, Obstplantagen und Gärten. Dort sieht man sie oft im Schwirrflug herumsausen. Das älteste bekannteste Exemplar in der Wildnis ist mit fünf Jahren gestorben. Die normale Lebenserwartung liegt bei drei Jahren.

Balz und Brutbiologie[Bearbeiten]

Weibchen an einer Blüte

Nach ihrer Überwinterung erreichen zuerst die Männchen die Brutgebiete und suchen sich Reviere. Sobald die Weibchen kommen, werden sie in Balzflügen umworben, wobei das Männchen in vollendeten Bogenflügen hin- und herfliegt. Danach saust das Paar voreinander auf und ab.

Das Nest besteht aus Laub, Flechten und flaumigem Pflanzenmaterial, das durch Spinnweben zusammengehalten wird. Es befindet sich etwa sechs Meter über dem Boden auf einem Baum. Zwischen März und Juli legt das Weibchen ein oder zwei Eier, die es 16 Tage bebrütet. Danach zieht es die Jungen 22 bis 24 Tage lang hoch, während das Männchen sich nicht um die Aufzucht der Jungen kümmert.

Nahrung[Bearbeiten]

Durch ihr Flugvermögen, das ihnen erlaubt, vorwärts, seitwärts und rückwärts zu fliegen sowie einfach in der Luft zu stehen, können Rubinkehlkolibiris wie Insekten vor Blüten schwirren und ihren dünnen Schnabel in die Blütenkronen einführen. Dort saugen sie mit ihren zusammengerollten Zungen den Nektar heraus. Sie lieben vor allem rote Blüten. Zu den bevorzugten Pflanzen gehören Geißblätter, Flieder, Petunie und Brunnenkresse. Sie beziehen nicht nur ihre Nahrung aus den Blüten, sondern sie bestäuben sie auch und tragen auf diese Weise dazu bei, dass ihre Nahrungsversorgung für das nächste Jahr gesichert ist. Der Nektar versorgt den Kolibri mit dem lebenswichtigen Zucker; manchmal frisst er auch Insekten und Spinnen.

Verbreitung und Bedrohung[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Rubinkehlkolibris

Rubinkehlkolibris überwintern in Mittelamerika und auf den westindischen Inseln und brüten im östlichen Nordamerika. Dazwischen legen sie einen 3000-Kilometer-Zug zurück, darunter einen 1000 Kilometer langen Non-Stopp-Flug über den Golf von Mexiko.

Aufgrund seiner geringen Größe und seinem geringen Gewicht hat der Kolibri zahlreiche natürliche Feinde wie Libellen, Gottesanbeterinnen oder Frösche. Manche verfangen sich auch in Spinnennetzen oder werden von Disteln aufgespießt. Obwohl sie im 19. Jahrhundert aufgrund ihrer farbenprächtigen Federn beliebte Sammelobjekte waren und in der viktorianischen Zeit ausgestopfte Exemplare oft in den Wohnzimmern hingen, wurde der Bestand dadurch kaum beeinträchtigt. Zurzeit sind sie nicht bedroht und werden in den Hauptverbreitungsgebieten oft gesehen.

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Carl von Linné beschrieb den Rubinkehlkolibri unter dem Namen Trochilus Colubris. Als Fundort nannte er South Carolina.[1] Später wurde die Art der Gattung Archilochus zugeordnet. »Archilochos Ἀρχίλοχος« war ein Poet von der Insel Paros.[2] Das Artepitheton »colubris« ist das spanische Wort für »Kolibri«.[3] Arthur Schopenhauer prägte ein deutsch-lateinische Wortspiel, welches Kolibri auf »praeda colubri« von »Beute der Schlange« zurückführt. Allerdings betonte er, dass die Ähnlichkeit von »Kolibri« mit »coluber« für »Schlange« wohl eher zufälliger Natur sei.[4] Bereits 1731 beschrieb und illustrierte Mark Catesby mit The Humming-bird bzw. Le Colibri den Rubinkehlkolibri.[5] 1751 folgte George Edwards mit dem Red-throated Humming bird, der die Art ebenfalls beschrieb und illustrierte.[6] Da damals noch keine Linné'schen Nomenklatur existierte, gilt heute Carl von Linné als Erstautor.

Literatur[Bearbeiten]

  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  Carl von Linné: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. 10 Auflage. Bd. 1, Imprensis Direct Laurentii Salvii, Stockholm 1758 (online, abgerufen am 15. Juni 2014).
  •  Arthur Schopenhauer: Arthur Schopenhauers sämtliche Werke inzwölf Bänden. Mit Einleitung von Dr. Rudolf Steiner. 10 Auflage. Bd. 11, J. G. Gotta'sche Buchhandlung Nachfolger G.m.b.H., Stuttgart und Berlin 1894 (online, abgerufen am 15. Juni 2014).
  •  Marc Catesby: The natural history of Carolina, Florida and the Bahama Islands: containing the figures of birds, beasts, fishes, serpents, insects, and plants: particularly, the forest-trees, shrubs, and other plants, not hitherto described, or very incorrectly figured by authors: together with their descriptions in English and French : to which, are added observations on the air, soil, and waters: with remarks upon agriculture, grain, pulse, roots, &c.: to the whole, is prefixed a new and correct map of the countries treated of. Bd. 1, Printed at the Expence of the Author, London 1731 (online, abgerufen am 18. Juni 2014).
  •  George Edwards: A Natural History of Uncommon Birds: And of Some Other Rare and Undescribed Animals, Quadrupeds, Fishes, Reptiles, Insects, &c., Exhibited in Two Hundred and Ten Copper-plates, from Designs Copied Immediately from Nature, and Curiously Coloured After Life, with a Full and Accurate Description of Each Figure, to which is Added A Brief and General Idea of Drawing and Painting in Water-colours; with Instructions for Etching on Copper with Aqua Fortis; Likewise Some Thoughts on the Passage of Birds; and Additions to Many Subjects Described in this Work. In Four Parts. Printed for the Author, at the College of Physicians, London 1751 (online, abgerufen am 18. Juni 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rubinkehlkolibri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rubinkehlkolibri – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl von Linné, S. 120
  2. James A. Jobling, S. 53
  3. James A. Jobling, S. 114
  4. Arthur Schopenhauer, S. 255f
  5. Mark Catesby, S. 65, Tafel 65
  6. George Edwards, S. 38, Tafel 38