Rubrizierung

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Beispiel einer Rubrizierung aus der Weingartner Liederhandschrift (14. Jhd.)
Beispiel für einen rubrizierten Anfangsbuchstaben und weitere manuelle Rubrizierungen in einem Frühdruck, der Ecloga Theoduli. (gedruckt von Konrad Kachelofen 1492 in Leipzig)

Die Rubrizierung (von lat. rubricare „rotfärben, mit Rubriken versehen“) ist das System der farbigen Gliederungs-, Ordnungs- und einfachen Schmuckelemente, das als ein Arbeitsgang sehr umfänglich bei der Herstellung mittelalterlicher Handschriften eingetragen wurde (siehe auch Layout). Diese Praxis gab es schon im alten Ägypten, wofür der Papyrus Ebers als ein bekanntes Beispiel gilt.

In den Handschriften wurden mit der Rubrizierung besondere Textstellen hervorgehoben. Das waren beispielsweise Anfangsbuchstaben, Absatzmarkierungen durch kleine Zeichen (Alineazeichen), Schlußformulierungen, Überschriften oder einfache schmückende Initialen. Die Einbringung sehr dekorativer Initialen in den Handschriften und Frühdrucken lag dagegen bei den Illuminatoren. Für die Rubrizierung benutzte man überwiegend eine Tinte, die aus zerriebenem Zinnober (minium) in Wasser unter Zusatz von Eiweiß oder Eigelb angesetzt wurde. Dieses rote Pigment wurde entweder aus natürlichen Vorkommen oder in einem Herstellungsprozess (erstmals in der Mappae Clavicula erwähnt) gewonnen.

Der mit der Rubrizierung beschäftigte Schreiber, der Rubrikator, übernahm nicht nur die Einfügung roter Textelemente in die bereits geschriebene Handschrift, sondern korrigierte bei Bedarf auch die von den Skriptoren vor ihm gefertigten Textabschnitte.

Ferner nahmen die Rubrikatoren auch Auszeichnungen mit blauen (lazurium) und grünen Pigmenten vor. Rote und blaue Anfangsbuchstaben treten seit dem 13. Jahrhundert häufiger auf.[1]

Nach anfänglichen Erfolgen mit dem Druck von roten Schriftsatzelementen verschwand die Tradition der farbigen Rubriken, weil sie drucktechnisch zu aufwendig war. Von Hand eingefügte Rubrizierungen sind in Frühdrucken ebenso noch verbreitet gewesen. Innerhalb einer Übergangsperiode arbeiteten Schriftsetzer, Drucker, Skriptoren, Rubrikatoren und Illuminatoren gemeinsam an der Herstellung von Druckwerken, so beispielsweise um 1470 in der Offizin von Anton Koberger.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Joachim Elias Zender: Lexikon Buch Druck Papier. Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/Wien 2008, ISBN 978-3-258-07370-5, S. 233-234.
  •  Gerhard Strauss, Harald Olbrich (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Band 6 R–Stad. 1. Auflage. E.A. Seemann Kunstverlagsgesellschaft, Leipzig 1994, ISBN 3-363-00049-9, S. 278.
  •  Helmut Schweppe: Handbuch der Naturfarbstoffe. Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 1993, ISBN 3-933203-46-5, S. 546–547.
  •  Jürgen Helbig: Zur Geschichte des Buchdruckes – von Gutenberg bis zur industriellen Revolution. Oranienbaum 1982, S. 23.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Wattenbach: Das Schriftwesen im Mittelalter. Leipzig 1896, S. 247-248