Rudolf Antonin Dvorský

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Rudolf Antonin Dvorský (* 24. März 1899 als Rudolf Antonin in Dvůr Králové; † 2. August 1966 in Prag) war ein tschechischer Sänger, Komponist, Verleger und Big Band-Leader. Der Nachname war war ein von seiner Geburtsstadt abgeleiteter Künstlername.[1]

Leben[Bearbeiten]

Er wuchs in der ostböhmischen Stadt Dvůr Králové auf und wurde zunächst Angestellter einer Bierbrauerei. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er mit 19 Jahren nach Prag. Als Redakteur eines Verlages lernte er die Notenliteratur der Jazzmusik kennen und wechselte in die Musikbranche. Nach seinem Geburtsort legte er sich den Künstlernamen R. A. Dvorský zu. Er trat zunächst bei Karel Hašler in dessen Kabarett Lucerna auf. 1926 gründete er sein Quartett Melody Makers, das er allmählich zu einer erstklassigen Bigband entwickelte und in Melody Boys umbenannte. Den Jazz machte er mit seinen Arrangements etwas salonfähiger, war auch offen für andere Musikrichtungen und integrierte zum Beispiel auch die volkstümlichere heimische Polka in seine Programme. Weitere Inspirationen holte er sich vor allem aus dem Ausland, wo er sich öfter aufhielt, oder bei ausländischen Formationen, die in Prag auftraten. So spielte er zu Beginn der 1930er Jahre als Pianist im Orchester des Geigers Sam Baskini und dessen „Jazz-Symphonikern“ in Berlin mit.

Zu der Sängerelite seines Orchesters gehörten Inka Zemánková, Arnošt Kavka, oder die drei "Allan-Sisters" Máša Horová, Věra Kočvárová und Jiřina Salačová. Den größten Erfolg feierte aber immer der Orchesterleiter selbst, wenn er ans Mikrophon trat. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war für Dvorsky die schönste, produktivste und glücklichste. Mit seinem Orchester gastiert er auch in westböhmischen Kurorten und in Dänemark.

1936 gab er im eigenen Verlag das Gesamtwerk von Jaroslav Ježek heraus, daneben auch eigene Kompositionen und die anderer herausragender Persönlichkeiten der tschechischen Jazz- und Tanzmusikszene. Sie wurden auch in andere europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande und Großbritannien exportiert. Bei der zum deutschen Telefunkenkonzern gehörenden Plattenfirma Ultraphon nahm er insgesamt etwa 2000 Titel auf Schellackplatten auf. Ferner wirkte er als Sänger und mit seinem Orchester bei etwa 25 Filmen mit.

Am 2. Mai 1940 sang er im Prager Lucerna-Saal in Begleitung seiner Big Band den Titel "Unser Tschechisches Lied" im Beisein des zu Tränen gerührten Autors Karel Hašler, der ein Jahr später im KZ Mauthausen starb.

1944 erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung. Nach dem Krieg 1945 wurde sein Orchester aufgelöst. Im Februar 1948 wurde auch sein Musikverlag enteignet. Von 1953 bis 1956 war er aus politischen Gründen in Haft und durfte erst 1965 wieder öffentlich auftreten. 1967, ein Jahr nach seinem Tode, wurde sein Titel "Ein Märchen von Maiglöckchen" zum Schlager des Jahres gewählt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. youtube.com

Weblinks[Bearbeiten]