Rudolf Eucken

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Rudolf Eucken
Gedenkstein für Rudolf Eucken auf dem Friedhof in Aurich
Euckens Wohnhaus in Jena, Botzstr. 5
Gedenktafeln an Euckens Wohnhaus in Jena. Die Tafel links oben erinnert an den Maler Ferdinand Hodler, der 1908 in diesem Hause wohnte.

Rudolf Christoph Eucken (* 5. Januar 1846 in Aurich, Ostfriesland; † 15. September 1926 in Jena) war ein deutscher Philosoph. 1908 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Biografie[Bearbeiten]

Euckens Vater, der Postmeister Ammo Becker Eucken, und sein einziger Bruder verstarben früh; umso enger war die Bindung an seine Mutter Ida Maria (geb. Gittermann, 1814–1872). Nach dem Besuch des Gymnasiums Ulricianum in Aurich studierte er ab 1863 Philosophie, klassische Philologie und alte Geschichte bei Gustav Teichmüller und Rudolf Hermann Lotze an der Universität Göttingen, wo er sich einer Progressbewegung anschloss, der späteren Burschenschaft und heutigem Corps Frisia. Außerdem sang er im Studenten-Gesangverein Göttingen. Im Anschluss studierte er in Berlin. Eine engere Freundschaft pflegte er zu dem Philosophen Friedrich Adolf Trendelenburg. Nach seiner Promotion 1866 über das Thema De Aristotelis dicendi ratione („Über den Stil des Aristoteles“) arbeitete er ab 1867 als Gymnasiallehrer in Husum und Berlin. 1869 bis 1871 unterrichtete er Alte Sprachen und evangelische Religion am Städtischen Gymnasium Frankfurt am Main. Gleichzeitig beschäftigte sich Eucken auch weiterhin mit philosophiegeschichtlichen Fragen, insbesondere um Aristoteles und Thomas von Aquin.

1871 wurde er als Ordinarius der Philosophie und Pädagogik an die Universität Basel berufen; um Ostern 1874 folgte eine Professur für Philosophie an der Universität in Jena. Dieses Amt behielt er bis 1920; einige Rufe von anderen Universitäten lehnte er ab.

1882 heiratete er Irene (1863–1941), Tochter von Carl Adolf Passow. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, der Chemiker Arnold Eucken (1884–1950), der Nationalökonom Walter Eucken (1891–1950), sowie die Tochter Ida Marie (* 10. Januar 1888; † 16. Oktober 1943, studierte Gesang (Sopran) und trat unter anderem mit Max Reger auf). Die Kinder wachsen in einem weltoffenen und kulturell interessierten Elternhaus auf. In der Eucken’schen Villa in der Botzstraße in Jena gehen unter anderem der Komponist Max Reger und Literaten wie Stefan George und Hugo von Hofmannsthal ein und aus.

1908 erhielt Eucken den Nobelpreis für Literatur– „auf Grund des ernsten Suchens nach Wahrheit, der durchdringenden Gedankenkraft und des Weitblicks, der Wärme und Kraft der Darstellung, womit er in zahlreichen Arbeiten eine ideale Weltanschauung vertreten und entwickelt hat“, wie es zur Begründung hieß. Es folgten Austauschprofessuren in England (1911), den USA (1913–1914) und Holland (1914). Während des Ersten Weltkriegs unterstützte er die nationale Idee. So unterzeichnete er das Manifest der 93, welches die Vorwürfe der Alliierten gegen Deutschland bestritt.

Am 5. Januar 1916 – Euckens siebzigstem Geburtstag – wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Jena ernannt. Als Begründung wurde genannt, dass er als Professor der Universität Jena 41 Jahre lang „als Zierde der Hochschule zum Ruhme der Stadt“ beigetragen habe. In seinen Büchern Der Sinn und Wert des Lebens und Geistige Strömungen der Gegenwart setzte Eucken sich kritisch mit dem Monismus seines Jenaer Kollegen Ernst Haeckel auseinander, mit dem er persönlich aber befreundet war.

Auf Euckens Anregung hin wurde am 26. September 1918 in Wittenberg die Luther-Gesellschaft gegründet.

Rezeption[Bearbeiten]

Das Werk von Rudolf Eucken fand vor allem Anerkennung in Schweden. König Oscar II. befasste sich mit den religionsphilosophischen Schriften und Eucken wurde Mitglied der schwedischen Akademie der Wissenschaften. Seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis wurde von deutschen Gelehrten wie Ernst Haeckel dagegen eher mit Skepsis aufgenommen. Eucken hatte in der deutschen Wissenschaft eher eine Außenseiterposition und der Wert seiner Schriften wurde hinsichtlich sprachlicher und systematischer Güte gering geschätzt. Rudolf Eucken ist heutzutage eher unbekannt und in Vergessenheit geraten.[1]

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Methode der aristotelischen Forschung, 1872
  • Geschichte und Kritik der Grundbegriffe der Gegenwart, 1878, 2. veränd. Aufl. 1893; auch ins Englische übersetzt, 1880
  • Geschichte der philosophischen Terminologie, 1879
  • Die Lebensanschauungen der großen Denker, 1890
  • Der Kampf um einen geistigen Lebensinhalt, 1896
  • Der Wahrheitsgehalt der Religion, 1901
  • Grundlinien einer neuen Lebensanschauung, 1907
  • Philosophie der Geschichte, 1907
  • Geistige Strömungen der Gegenwart, 1908
  • Der Sinn und Wert des Lebens, 1908
  • Erkennen und Leben, 1912
  • Present-day Ethics in their Relation to the Spiritual Life (Alltagsethik in ihrem Verhältnis zum geistigen Leben), Vorlesungen, 1913
  • Die Träger des deutschen Idealismus, 1915[2]
  • Die geistesgeschichtliche Bedeutung der Bibel, 1917
  • Mensch und Welt. Eine Philosophie des Lebens, 1918
  • Deutsche Freiheit. Ein Weckruf, 1919

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Aden: Rudolf Christoph Eucken: Grundlinien einer neuen Weltanschauung. In Walter Jens (Hrsg.): Kindlers neues Literaturlexikon. 1988 ff., Bd. 5.
  • Wolfgang Beutin: Rudolf Eucken. In: Preisgekrönte: Zwölf Autoren und Autorinnen von Paul Heyse bis Herta Müller. Ausgewählte Werke, sprachkritisch untersucht. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-631-63297-0, S. 55–76.
  • Peter Hoeres: Der Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71731-6.
  • Thomas Raeber: Eucken, Rudolf Christoph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 670–672 (Digitalisat).
  • Michael Schäfer: Kapitalismus und Kulturkrise. Walter Eucken und die Philosophie Rudolf Euckens. In: Swen Steinberg, Winfried Müller (Hrsg.): Wirtschaft und Gemeinschaft. Konfessionelle und neureligiöse Gemeinsinnsmodelle im 19. und 20. Jahrhundert (= Histoire. Bd. 43). Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 3-83-7624064, 303−318.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Eucken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Rudolf Eucken – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Rudolf Eucken: Der vergessene Nobelpreisträger". NDR, abgerufen am 22. März 2014.
  2. Dieser Titel wurde 1937 auch für eine Tarnschrift der KPD im Dritten Reich verwendet. Das Buch enthielt dann tatsächlich eine Kommunistische Internationale-Schrift. Online bei Deutsche Nationalbibliothek