Rudolf Graefenhain

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Rudolf Julius Wilhelm Graefenhain (* 19. Juni 1867 in Harburg; † 14. März 1940 in Hannover) war ein deutscher Lehrer und Prinzen-Erzieher. Der Autor wirkte unter anderem jahrzehntelang als Direktor des Ratsgymnasiums in Hannover.[1]

Leben[Bearbeiten]

Rudolf Graefenhain war der Sohn eines hannoverschen Kaufmanns. Nach seinem Abitur 1887[2] am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Hannover studierte er klassische Philologie an der Universität München sowie der Universität Marburg. Er schloss 1891 mit der Promotion.[1] Im Jahr 1909 wurde Graefenhain zum Professor ernannt. Von 1894 bis 1897 war Graefenhain in Bückeburg tätig, sowohl als Gymnasiallehrer als auch als Prinzenerzieher.[1] Im April 1899 wurde er in Hannover zunächst als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Realschule III beschäftigt, ab 1900 dann als Oberlehrer an der Leibnizschule.[1]

Der Graefenhainweg in Seelhorst hebt die Bedeutung Graefenhains als Schuldirektor hervor.

Noch im Deutschen Kaiserreich wurde er zum 1. Dezember 1912 Direktor des Ratsgymnasiums in Hannover: Die „Ära Graefenhain“ währte während der Zeit des Ersten Weltkrieges und beinahe der gesamten Weimarer Republik bis zum 1. April 1932.[1] In dieser Zeit verfasste er sein Verzeichnis der noch lebenden ehemaligen Schüler des Ratsgymnasiums (vormals Lyceum 1).[3]

Rudolf Graefenhain galt in der demokratischen Zeitspanne der 1920 und 1930er Jahre in Hannover als „feste Größe der hannoverschen Kunst- und Kulturszene“: Er war einflussreiches Mitglied des Mitte der 1920 gebildeten Kunstausschusses der Stadt, langjähriger Leiter der Theaterbesucher-Organisation des „Bühnenvolksbundes“ und wurde 1930 – in der Nachfolge von Albrecht Haupt – Erster Vorsitzender des Hannoverschen Künstlervereins.[1]

Graefenhain war in den Worten seines Schülers Georg Schnath „ein Mann von ausgesprochener Kultur, ein großer Musiker und entschieden mehr Künstler als Schulmann“.[4] Ganz ähnlich drückte es auch Ulrich de Maizière aus: „Der Direktor …, eine in der Stadt bekannte und respektierte Persönlichkeit, literarisch und musikalisch hoch gebildet, leitete die Schule am langen Zügel mit Toleranz und Humor und gab ihr einen besonderen Charakter.“[5] Andererseits stimmte er mit der rechtsgerichteten Öffentlichkeit ein in den 1925 aufkommenden Empörungschor über Theodor Lessings Polemik[6] gegen Paul von Hindenburg. Er schrieb über den ehemaligen Ratsgymnasiasten an das preußische Kultusministerium: „In diesem Sinne erkläre ich mich völlig eins mit dem Bestreben der Hochschuljugend, solche Schmarotzer an dem Gottseidank neu ergrünenden Stamme echten Deutschtums zu tilgen! Treudeutsch allewege! Gez. Prof. Dr. Rudolf Graefenhain. Direktor des Ratsgymnasiums.“[7] Und Werner Kraft schrieb im Rückblick 1969, dass er den Lehrer zwar „wegen seiner strengen Sachlichkeit sehr bewunderte“, aber: „Leider wurde er später ein Anhänger Hitlers.“[8]

Werke[Bearbeiten]

Im Bundesarchiv findet sich in der Zentralen Datenbank Nachlässe EROMM:[3]

  • Rudolf Graefenhain: Verzeichnis der noch lebenden ehemaligen Schüler des Ratsgymnasiums (vormals Lyceum 1) zu Hannover [nach dem Stande vom 1. Oktober 1927], mit Geleitworten von Hermann Augustin, Hermann Burghard, Karl Friedrich Leonhardt u. a., Hannover: Helwingsche Verlagshandlung, 1927[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Der 1969 angelegte Graefenhainweg im hannoverschen Stadtteil Seelhorst ehrt den Studiendirektor durch seine Namensgebung.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Graefenhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Klaus Mlynek: Graefenhain, Rudolf (siehe Literatur)
  2. Siehe Ruth Simolick, Elisabeth Prüssen: Verzeichnis der Abiturienten 1875–1975. In: 1875–1975. 100 Jahre Kaiser Wilhelms Gymnasium zu Hannover. Selbstverlag, Hannover 1975, S. 205–227, hier S. 205.
  3. a b c siehe GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek.
  4. Georg Schnath: Das alte Haus. Erinnerungen an eine hannoversche Jugendzeit, 1898–1916. Hahn, Hannover 1998, S. 167.
  5. Ulrich de Maizière: In der Pflicht. Lebensbericht eines deutschen Soldaten im 20. Jahrhundert. Mittler Verlag, Herford 1989, S. 15.
  6. Theodor Lessing: Hindenburg. In: Prager Tagblatt, 25. April 1925, S. 3: „Nach Plato sollen die Philosophen Führer der Völker sein. Ein Philosoph würde mit Hindenburg nun eben nicht den Thronstuhl besteigen. Nur ein repräsentatives Symbol, ein Fragezeichen, ein Zero. Man kann sagen: besser ein Zero als ein Nero. Leider zeigt die Geschichte, daß hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht.“
  7. Zitiert nach Elke-Vera Kotowski: „Nun ist auch dieser unselige Spuk weggewischt“ – Theodor Lessing im Geiste seiner Zeitgenossen. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 50 (1998), S. 195–218, hier S. 211.
  8. Werner Kraft an Curd Ochwadt, Jerusalem, 15. September 1969, in: Werner Kraft: Zwischen Jerusalem und Hannover. Die Briefe an Curd Ochwadt. Hrsg. von Ulrich Breden und Curd Ochwadt, Wallstein, Göttingen 2004, S. 113 f., hier S. 114.
  9. Helmut Zimmermann: Graefenhainweg. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 96.