Rudolf Kelber

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Rudolf Kelber (* 1948 in Traunstein, Oberbayern) ist ein deutscher Organist, Cembalist, Dirigent und Kirchenmusiker.

Werdegang[Bearbeiten]

Schon während der Gymnasialzeit besuchte Rudolf Kelber das Konservatorium in Nürnberg und erhielt Unterricht in den Fächern Klavier, Orgel, Violoncello und Musiktheorie. Von 1967 bis 1974 studierte er an der Musikhochschule München in den Fächern "Kirchenmusik" (A-Examen: 1971), "Kapellmeister" und "Meisterklasse Orgel". Lehrer waren u.a. Karl Richter und Franz Lehrndorfer (Orgel), Maria Landes-Hindemith und Erik Then-Bergh (Klavier) sowie Jan Koetsier und Kurt Eichhorn (Dirigieren).

Nach dem Studium war Rudolf Kelber als Theaterkapellmeister in Gelsenkirchen (1974-1976) und Heidelberg (1976-1982) tätig. Parallel dazu beschäftigte er sich mit Kammermusik und historischer Aufführungspraxis (Kurse bei Alan Curtis, Gustav Leonhardt und Nicolaus Harnoncourt).

1982 wurde Rudolf Kelber zum Nachfolger von Heinz Wunderlich als Kantor und Organist an die Hauptkirche St. Jacobi zu Hamburg berufen und dort 1993 zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

Kelber initiierte die grundlegende Restaurierung der Arp-Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi, die 1993 abgeschlossen wurde. 2008 wurde auf sein Betreiben auch die zweite Orgel von St. Jacobi (Kemper 1960/1968) wieder in Stand gesetzt.

Organist[Bearbeiten]

Höhepunkt der konzertanten Tätigkeit als Organist war die dreimalige Aufführung des gesamten Orgelwerkes von Johann Sebastian Bach in den Jahren 1985, 1994 und 2000.

Kelber gastierte als Orgelsolist in den USA, Japan, Israel und fast allen europäischen Ländern mit einem breiten Repertoire: Neben den durch die historische Orgel vorgegebenen Alten Meistern spielt er z.B. auch Liszt, Reger und Messiaen sowie Bearbeitungen von Sinfonien oder Teilen aus Opern, Tangos und Blues. Er hat mehrfach Stummfilme improvisierend begleitet.

Dirigent[Bearbeiten]

Rudolf Kelber hat neben den großen Passionen, Oratorien und Requien auch viele sinfonische Werke aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne dirigiert.

Unter seiner musikalischen Leitung entstanden in Heidelberg und Hamburg szenische Aufführungen von Opern und Oratorien von Cavalieri, Monteverdi, Stradella, Purcell, Händel, Gluck und Mozart.

2005 wurde die Rockoper Jesus Christ Superstar von Andrew Lloyd Webber in St.Jacobi produziert.

Für die Zeit-Stiftung hat Kelber 2005 bis 2009 fünf Barockopern aus dem Repertoire der Hamburger Gänsemarktoper in konzertanten Aufführungen im Bucerius Kunst Forum dirigiert.

Erstaufführungen[Bearbeiten]

  • Andrew Lloyd Webber: Requiem (Norddeutsche Erstaufführung 1987)
  • Ernst-Ulrich von Kameke: Moabiter Requiem "In Tyrannos" (Erstaufführungen in Hamburg (1999, Hauptkirche St. Michaelis) und in Hannover im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000)
  • Edward Elgar: The Apostles (Hamburgische Erstaufführung 2005)
  • Olivier Messiaen: La Transfiguration de notre Seigneur Jésus-Christ (Hamburgische und Bremer Erstaufführung 2008)

Werke[Bearbeiten]

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Missa super Cantus Lennonenses McCartnesque (gem. Chor a cappella / 2001)
  • Cantata in honorem Henrici Sagittarii (Sopran, Vibraphon, gem. Chor / 2006)
  • Paul-Gerhardt-Kantate (Mezzosopran solo, Chor, Blechbläser / 2007)

Rekonstruktionen und Kompilationen[Bearbeiten]

  • Claudio Monteverdi: Arianna (1997)
  • Johann Sebastian Bach: Markus-Passion (1998)
  • Claudio Monteverdi: Vespro secondo (1999, Kompilation)
  • Modest Mussorgskij: Glagolitische Messe (2005)
  • Johann Sebastian Bach: Lukas-Passion (2011, Pasticcio)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1972 erhielt Kelber den Richard-Strauss-Preis der Stadt München.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Rudolf Kelber lehrt seit 2003 an der Hochschule für Künste Bremen Orgelspiel.

Diskographie[Bearbeiten]

  • Norddeutsche Orgelmeister und Bach - Arp-Schnitger-Orgel (1993)
  • Europäische Orgelmusik des 17. und 18. Jahrhunderts - Arp-Schnitger-Orgel (1993)
  • Johann Sebastian Bach - Arp-Schnitger-Orgel (1997)
  • Nu ward veel dusend Lichter hell - Plattdeutsche Weihnachtslieder (1998)
  • J. S. Bach, Markus-Passion BWV 247 in der Rekonstruktion von Rudolf Kelber (1999)
  • Monteverdi: Vespro secondo (neue Zusammenstellung von Psalmen / 1999)
  • Orgelimprovisationen über Themen-Skizzen von Hans Henny Jahnn (2000)
  • Fremde Vögel - Missa Super Cantus Lennonenses McCartnesques für Chor a cappella, Tangos, Blues, Ragtimes für Orgel und Cembalo (2003)
  • Gott loben, das ist unser Amt - Kantorei St. Jacobi Hamburg 1958 - 2008 - Konzertmitschnitte (2008)
  • Ostwärts schweift der Blick: Mussorgskij, Glagolitische Messe und Kodály, Missa brevis (2010)

Weblinks[Bearbeiten]

Einträge in der Deutschen Nationalbibliothek / im Deutschen Musikarchiv: