Rudolf Kjellén

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Rudolf Kjellén

Rudolf Kjellén (* 13. Juni 1864 in Torsö; † 14. November 1922 in Uppsala) war ein schwedischer Staatswissenschaftler und Politiker.

Allgemeines[Bearbeiten]

Kjelléns Vater war Pfarrer. In Mariestad legte er sein Abitur ab, anschließend studierte er an der Universität Uppsala. 1890 wurde er mit einer staatswissenschaftlichen Arbeit zum Dr. phil. promoviert und wurde 1891 Dozent, 1901 Professor für Staatswissenschaft und Statistik an der Hochschule in Göteborg, dem Vorläuder der Universität Göteborg. 1916 wurde er auf die angesehene Professor Skytteanus für Staatswissenschaft in Uppsala berufen, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Von 1905 bis 1917 gehörte Kjellén dem schwedischen Reichstag an, zuerst als Mitglied der zweiten Kammer, ab 1910 in der ersten Kammer. Hier war er einer der Wortführer der als Unghögern bezeichneten konservativen Strömung. Diesen Begriff hatte er schon 1902 in die politische Debatte eingeführt.

Kjellén war seit 1899 Mitglied der Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället i Göteborg und wurde 1918 von der Universität Rostock mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Heutzutage ist Kjellén am bekanntesten auf geopolitischem Gebiet, er gilt als der Begründer des Begriffs "Geopolitik". Der Staat als Lebensform ist in deutscher Sprache geschrieben, es ist sein opus magnum in Staatswissenschaften.

Einflüsse auf völkisch-nationale Politik[Bearbeiten]

Nicht nur Eduard Stadtler und andere Vordenker des Nationalsozialismus sowie Vertreter der Neuen Rechten heute sehen sich von ihm wie durch Houston Stewart Chamberlain in ihrem völkischen Denken und in der Verherrlichung von Krieg und Sozialdarwinismus beeinflusst. Für Kjellén bestand der große Streit "nicht bloß zwischen Völkern, sondern zwischen Weltanschauungen", konkret zwischen den Ideen von 1789 und den Ideen von 1914, also zwischen westlich-liberaler Demokratie und autoritär-obrigkeitsstaatlichen Staatswesen wie dem Deutschen Kaiserreich.

Im Ersten Weltkrieg gehörte Kjellén zu den Verfechtern der Ideen von 1914. Politisch ist Kjellén in Schweden in den letzten Jahren wieder aktuell geworden. Karl A. Wittfogel nannte Kjellen bereits 1929 einen „faschistischen Propheten". Nationalkonservative Politiker wie z.B. Tommy Funebo nützen Kjellén als ideologische Grundlage für ihre politische Agitation.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke in deutscher Sprache[Bearbeiten]

  • Die Grossmächte der Gegenwart. B. G. Teubner, Leipzig/Berlin, 1914. 10. Auflage 1916.
  • Die Ideen von 1914: eine weltgeschichtliche Perspektive. - Leipzig, 1915.
  • Die politischen Probleme des Weltkrieges. Leipzig, 1916 (Übersetzung von Friedrich Stieve).
  • Der Staat als Lebensform. Leipzig, 1917.
  • Studien zur Weltkrise. München, 1917.
  • Grundriss zu einem System der Politik. Leipzig, 1920.
  • Die Grossmächte vor und nach dem Weltkriege. Leipzig, Berlin, 1930.

Weblinks[Bearbeiten]