Rudolf Knietsch

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Rudolf Theophil Josef Knietsch (* 13. Dezember 1854 in Oppeln, heute Opole; † 28. Mai 1906 in Ludwigshafen) war ein deutscher Chemiker.

Rudolf Knietsch

Leben und Werk[Bearbeiten]

Grabmal von Rudolf Knietsch Bergfriedhof (Heidelberg) in der Abteilung C

Geboren als Sohn eines Schmiedemeisters, erlernte er, nachdem er das Gymnasium ohne Abschluss verlassen hatte, das Schlosserhandwerk (Abschluss 1870) und besuchte anschließend von 1873 bis 1875 die Königliche Gewerbeschule in Gleiwitz. Seinen Militärdienst absolvierte er im 4. oberschlesischen Infanterieregiment Nr. 63 in Neiße. Knietsch studierte von 1876 bis 1880 Chemie an der Königlichen Gewerbeakademie bei Karl Friedrich Rammelsberg und Carl Theodor Liebermann. Bei Josef Weber in Berlin sammelte er praktische Erfahrungen. Das Thema seiner Abschlussprüfung lautete «Schilderung und Kritik der neuesten Methoden für die Bestimmung von Dampfdichten und spezifischer Wärme nebst Angabe, inwieweit die gewonnenen Resultate mit dem chemischen Verhalten der Körper übereinstimmen». Im Jahr 1881 promovierte er in Jena mit einer Arbeit «Über das Äsculin und seine Derivate», die er im Labor von Carl Theodor Liebermann entwickelt hatte.

Seine erste Anstellung als Chemiker fand er in Görlitz bei der chemischen Fabrik von Theodor Schuchard, die Im Jahr 1972 von der Merck KGaA übernommen wurde. Nach kurzer Zeit verließ er diese jedoch wieder und arbeitete in Berlin für Emil Jacobsen. 1882 trat er in die Firma Bindschedler und Busch in Basel und 1884 in die Firma BASF ein. Er war dort als Chemiker und ab 1904 als Direktor und Vorstandsmitglied tätig. Dort entwickelte er 1888, aufbauend auf Ergebnissen von Clemens Winkler, das Kontaktverfahren zur industriellen Synthese von Schwefelsäure. Ebenso gelang ihm erstmals die technische Verflüssigung von Chlor als eine der Grundlagen der technischen Chlorchemie. Er ist der Fachwelt ebenfalls bekannt durch die Herstellung des synthetischen Indigos. Durch seine Verbesserungen des Syntheseverfahrens nach Karl Heumann konnte die BASF die Großproduktion des Indigos aufnehmen. 1897 kam Indigo unter der Bezeichnung „Indigo rein BASF“ in den Handel.

Das Grabmal für Rudolf Knietsch auf dem Bergfriedhof Heidelberg zeigt die lebensgroße Bronze eines Jünglings in der ikonographischen Tradition des antiken Todesgenius, auf einer Ruhebank kauernd. Die Lebens Fackel in der Linken gesenkt haltend, umfasst die Rechte den Lorbeerkranz. Zwei bronzene Schrifttafeln zeigen die Lebensdaten der Familie.[1].

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Justus-von-Liebig-Medaille von Rudolf Knietsch

Ehrungen[Bearbeiten]

  • In der Maxdorfer BASF-Siedlung wurde die Knietschstraße nach ihm benannt.
  • Ehrendoktorwürde, Dr.-Ing. h. c. der Technischen Hochschule Dresden.

Weblinks[Bearbeiten]

Helmut Pfitzner: Knietsch, Rudolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12, Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 183 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. L. Ruuskanen: Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit, Verlag Regionalkultur, 2008, S.81. Zitat Leena Ruuskanen: Der Sinnlichkeit dieser Grabfigur scheint auch die alte Bezeichnung (vor Lessing) "Grab-Eros" angemessen

Quellen[Bearbeiten]