Rudolf Lämmel

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Rudolf Lämmel (* 2. März 1879 in Wien; † 9. August 1962 in Zürich) war ein Reformpädagoge und Schriftsteller.

Lämmel wuchs in Wien und Graz auf, erwarb aber später die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er studierte in Zürich Naturwissenschaften. 1902 gründete er dort das Reformgymnasium, das er 1913 veräußert, um Mittel für die Gründung des Landerziehungsheimes Hertenstein am Vierwaldstättersee zu gewinnen, in dem eine auf der Verbindung von Körperkultur (Tanz) und wissenschaftlichen Fächern beruhende Bildungsidee verwirklicht werden soll. Das Projekt scheitert aufgrund des Beginns des Ersten Weltkrieges. Nach Beendigung eines Gastaufenthaltes an der Odenwaldschule aufgrund eines Zerwürfnisses mit deren Leiter Paul Geheeb gründet Lämmel 1917 in Mettmenstetten das Landerziehungsheim Schillerheim, das ebenfalls wirtschaftlich scheitert. Ab 1918 propagierte er die Einrichtung einer Volkshochschule in Zürich. Ab September 1923 erhält er aufgrund seiner pädagogischen und bildungspolitischen Publikationen eine Anstellung als Studienrat im Kultusministerium Thüringens, bereits im Juli des folgenden Jahres wird er jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Notlage bei drastischer Kürzung seiner Bezüge in den Wartestand versetzt. Lämmel betätigt sich seither als populärwissenschaftlicher Schriftsteller und Kinderbuchautor und veröffentlicht 1928 sein programmatisches Werk über den modernen Tanz, in dem er sich energisch gegen die seiner Meinung nach durch die Tradition des Geist-Körper-Dualismus des Christentums verursachte Leibfeindlichkeit und Prüderie wandte und die Zulassung auch der Nacktheit bei Tanz und Gymnastik gerade in der Pädagogik forderte, wovon er sich eine befreiende Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung versprach.[1]. 1933 wird er wegen seiner Nähe zur Sozialdemokratie aufgrund des Gesetzes "zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" in den Ruhestand versetzt und kehrt daraufhin nach Zürich zurück, wo er mit seiner großen Familie unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebte, bis er eine Anstellung als Lehrer an der Juventus-Schule und später am zugehörigen Abendtechnikum erhielt, wo er bis zum 80. Lebensjahr Physik unterrichtete. In seiner 1936 erschienen "Einführung in die Grundprobleme der Rassentheorie" setzte er sich kritisch mit der nationalsozialistischen Rassentheorie auseinander.

Lämmel war zweimal verheirat, seit 1903 mit Sophie Axelrod, seit 1917 mit Luise Dorothea Frank. Aus der ersten Ehe gingen zwei (darunter die Tänzerin Vera Skoronel), aus der zweiten vier (oder fünf) weitere Kinder hervor.

Werke[Bearbeiten]

  • Wege zur Relativitätstheorie, Stuttgart 1921.
  • Die neue Kolonie, 1924. Roman unter dem Pseudonym H. Inführ.
  • Sozialphysik. Naturkraft, Mensch und Wirtschaft, Stuttgart 1925.
  • Moderne Elektrowirtschaft, Jena 1927.
  • Von Naturforschern und Naturgesetzen, 1927.
  • Galileo Galilei. Im Licht des zwanzigsten Jahrhunderts, Berlin 1927.
  • Der moderne Tanz. Eine allgemeinverständliche Einführung in das Gebiet der Rhythmischen Gymnastik und des Neuen Tanzes, Berlin-Schöneberg o. J. 1928.
  • Die moderne Naturwissenschaft und der Kosmos, Berlin 1929.
  • Das moderne wiss. Weltbild, 1932.
  • Die menschlichen Rassen. Eine populärwissenschaftliche Einführung in die Grundprobleme der Rassentheorie, Zürich 1936.
  • Galileo und sein Zeitalter, 1942.
  • Physik für jedermann, 1946.
  • Isaac Newton, 1957.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Näf: “Die Wirkung ins Grösste ist uns versagt…” Rudolf Laemmel (1879–1962) – Reformpädagoge, Erwachsenenbildner, Aufklärer. Versuch einer biografischen Rekonstruktion. In: Spurensuche. Zeitschrift für Geschichte der Erwachsenenbildung und populären Wissenschaft, 11. Jg., 2000, Heft 3–4 (Online)
  • Karl Toepfer: Empire of Ecstasy. Nudity and Movement in German Body Culture, 1910–1935. Berkeley 1997 (Online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Lämmel, Der Moderne Tanz. Eine allgemeinverständliche Einführung in das Gebiet der Rhythmischen Gymnastik und des Neuen Tanzes, Berlin-Schöneberg o. J. (1928), S. 9-30; Tafel 60; 78f.; 90-95.

Weblinks[Bearbeiten]