Rudolf Löb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rudolf Löb (auch Rudolf Loeb, * 21. November 1877 in Elberfeld; † 30. Januar 1966 in Boston) war deutsch-jüdischer Bankier beim Bankhaus Mendelssohn & Co. und Berater der damaligen deutschen und russischen Regierung.[1]

Leben[Bearbeiten]

Rudolf Löb kam als Kind nach Berlin und besuchte dort das Askanische Gymnasium, welches er im Oktober 1893 mit dem Befähigungszeugnis für den Einjährig-Freiwilligen Dienst verließ. Anschließend durchlief er eine zweijährige Lehrzeit im Berliner Bankgeschäft Hugo Mankiewicz & Co.[2] 1896 trat Löb Bankhaus Mendelssohn & Co. ein und wurde später Einzelprokurist, 1919 Teilhaber. Als Bankier wurde er Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Verkehrskredit-Bank AG Berlin und der Bayerischen Vereinsbank München und war seit 1924 Berater mehrerer Reichskabinette. Nach dem Tod von Franz von Mendelssohn und Paul von Mendelssohn-Bartholdy im Jahr 1935 wurde Löb als erstes Nicht-Familienmitglied Seniorchef von Mendelssohn & Co. Auf Druck der Nationalsozialisten, an dem sich auch Reichsbankvizepräsident Friedrich Dreyse beteiligte[3], schieden am 5. Dezember 1938 er, Marie von Mendelssohn[4], Paul Kempner[5] und Fritz Mannheimer aus dem Bankhaus aus. Marie von Mendelssohn übertrug ihre Anteile auf als „arisch“ eingestufte Familienmitglieder. Zum 31. Dezember 1938 ging das Bankhaus Mendelssohn in Liquidation, Hermann Josef Abs hatte die „Arisierung“ des aktiven Geschäfts durch die Deutsche Bank organisiert.

Löb war belgischer Generalkonsul. 1923 wurde er Fördermitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft[6], der auch viele andere Teilhaber und Prokuristen des Bankhauses Mendelssohn & Co. angehörten. Er war zudem Mitglied der Gesellschaft der Freunde.

1939 emigrierte Rudolf Löb nach Argentinien und 1948 in die Vereinigten Staaten.

Werke[Bearbeiten]

  • Karl Brandt, Walter Eucken, Wilhelm Gerloff, Rudolf Löb und Karl Lange. Autarkie. Fünf Vorträge. Auf d. 1. Kundgebg d. "Dt. Bundes f. freie Wirtschaftspolitik" gehalten. Eingeleitet von Carl Petersen. Bln., Rowohlt 1932.DNB

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingo Köhler: Die "Arisierung" der Privatbanken im "Dritten Reich" - Verdrängung, Ausschaltung und die Frage nach Wiedergutmachung, München 2008 ISBN 978-3-406-53200-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Förster: Das ungeklärte Ende des Bankhauses Mendelssohn. In: Berliner Zeitung, 17. Oktober 1997. 
  2. Siehe Bewerbungsschreiben Löbs an das Bankhaus Mendelssohn & Co. vom 12. Dezember 1895 im Archiv des LBI New York, Löb collection (AR 4057).
  3. Ingo Köhler: Die "Arisierung" der Privatbanken im "Dritten Reich", S. 246
  4. Witwe von Franz von Mendelssohn der Jüngere
  5. Paul Kempner, 1889–1956 Jurist, Bankier. Kurzbiografie auf der Seite Mendelssohn-Enzyklopädie und DNB
  6. Mitgliederverzeichnis KWG