Rudolf Lange (NSDAP)

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Rudolf Lange (* 18. April 1910 in Weißwasser, Kreis Rothenburg (Preußen); † 23. Februar 1945 in Posen) war ein deutscher SS-Standartenführer, Kommandeur, später Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (KdS bzw. BdS) während der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten]

Rudolf Lange wurde in Weißwasser als Sohn eines Reichsbahnbauinspektors geboren. Nach seinem Jurastudium war er zunächst als Gerichtsreferendar in Stassfurt und am Oberlandesgericht Naumburg tätig. Während seiner Referendarzeit wurde er an der Universität Jena mit einer Arbeit zum „Direktionsrecht des Arbeitgebers“ promoviert. Seinen Vorbereitungsdienst schloss Lange 1933 bei der Gestapostelle Halle ab. Im selben Jahr trat er der SA bei.[1] 1936 arbeitete er im Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin und war dann wieder in Halle tätig.

Am 11. Oktober 1936 trat er der SS bei; Mitglied der NSDAP wurde er am 15. November 1937. Zwischen 1938 und Juni 1939 war Lange bei der Gestapoleitstelle in Wien. Wahrscheinlich dort lernte er Walther Stahlecker kennen, der später in Riga sein Vorgesetzter wurde. Sein beruflicher Weg führte ihn über die Gestapostellen in Stuttgart, Weimar, Erfurt und Kassel 1940 nach Berlin. Bis zu diesem Zeitpunkt lag Langes Aufgabenbereich in der „Gegnerbekämpfung“. Lange gehörte über Jahre hinweg zu den Gestapobeamten der „mittleren Ebene“, die das Funktionieren des Terrorapparates garantierten.

Als unter dem Kommando Reinhard Heydrichs die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD formiert wurden, um die Juden in der Sowjetunion zu ermorden, wurde Lange der Leiter des Gruppenstabes der Einsatzgruppe A. Im Baltikum führte er zeitweilig das Einsatzkommando 2, das bis Dezember 1941 etwa 60.000 lettische und nach Lettland deportierte Juden ermordete. Als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Lettland kommandierte Lange persönlich Massenerschießungen am Stadtrand Rigas. Beim Aufbau des Lagers in Salaspils war er die treibende Kraft. Lange war einer der Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz und dabei der „erfahrene Praktiker“ der Massenexekutionen.[2]

Bei Inspektionen erschoss Lange mehrfach Häftlinge aus nichtigen Gründen. In den Aussagen jüdischer Überlebender wird er als herrisch und brutal geschildert.[3] Ab Januar 1945 war Lange Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Warthegau. Beim Kampf um Posen wurde Lange verwundet und beging Suizid, um einer Gefangennahme zu entgehen. Für vorgebrachte Zweifel an seinem Tod gibt es keine stichhaltigen Argumente.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 356.
  2. Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz (Hrsg.): Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden (Katalog). Berlin 2006, ISBN 3-9808517-4-5, S. 104.
  3. Peter Klein: Dr. Rudolf Lange als Kommandant …, S. 125 / in: ISBN 3-549-07161-2.
  4. Andrej Angrick, Peter Klein: Die „Endlösung“ in Riga. Darmstadt 2006, ISBN 3-534-19149-8, S. 453/454.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Klein: Dr. Rudolf Lange als Kommandant der Sicherheitspolizei und des SD in Lettland. Aspekte seines Dienstalltags, in Wolf Kaiser (Hrsg.): Täter im Vernichtungskrieg. Der Überfall auf die Sowjetunion und der Völkermord an den Juden. Propyläen-Verlag, 2002, S.125–136, ISBN 3-549-07161-2.

Weblinks[Bearbeiten]