Rudolf Levy

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Rudolf Levy; Selbstbildnis (1943)

Rudolf Levy (* 15. Juli 1875 in Stettin; † Januar 1944 in Italien) war ein deutscher Maler des Expressionismus.

Leben[Bearbeiten]

Levy stammte aus einer orthodox-jüdischen Familie, die sich seinem Wunsch, Künstler zu werden, widersetzte. Die Familie übersiedelt von Stettin nach Danzig, wo Rudolf seine Kindheit und Jugend verbrachte. Nach dem Besuch des Gymnasiums erlernte er von 1890 bis 1892 zunächst, in den Augen des Vaters anständigen Beruf, des Kunstschreiners. Seine künstlerische Ausbildung begann im Jahr 1895 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (damals Kunstgewerbeschule Karlsruhe).

1897 ging er zusammen mit Hans Purrmann nach München, um Kunstmaler zu werden. An der Akademie der Bildenden Künste wurde Levy 1899 in die Naturklasse von Nikolaus Gysis aufgenommen, studierte dann in der privaten Malschule von Heinrich Knirr, in der u.a. Paul Klee, Eugen von Kahler, Hermann Haller und Georges Kars seine Mitschüler waren. Levy war Mittelpunkt der Künstlervereinigung Sturmfackel, die sich im Schwabinger Café Stefanie traf; Alfred Kubin, Albert Weisgerber, Walter Bondy, Alexander von Salzmann, Gino von Finetti, Ernst Stern u.a. gehörten hierzu. Mit Albert Weisgerber war er u.a. eng befreundet. Levys Trauerspiel Sappho kommt um 1900 im Atelier des Malers Ernst Stern zur Aufführung. 1901/02 studiert Levy dann Freilichtmalerei bei Heinrich von Zügel.

Rudolf Levy, Federzeichnung von Rudolf Großmann, (1906)

Im Herbst 1903 ging er nach Paris und wurde mit Hans Purrmann und Walter Bondy zum Begründer des Kreises deutschsprachiger Künstler, die im „Café du Dôme“ ihr Hauptquartier hatten. 1905 war er mit seiner Malerei auf dem „Dritten Pariser Herbstsalon“ im Grand Palais vertreten, sowie 1906 auf dem „Vierten Pariser Herbstsalon“ mit dem Gemälde „Sitzender weiblicher Akt mit Fächer“.[1] Ab 1907 studierte Levy Malerei im damals neu gegründeten Schüler-Atelier bei Matisse.

In den Jahren 1910 bis 1913 unternahm Levy Reisen nach Tunis und regelmäßig nach Südfrankreich, mit den Orten Cassis, L’Estaque und Sanary-sur-Mer,[2] die sich in einem weiter abstrahierenden Stil in seiner Malerei niederschlugen.

1912 nahm Levy zwei Werken an der Kölner Sonderbundausstellung teil.[3] Seine Teilnahme an Ausstellungen wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Levy meldete sich als Freiwilliger und kämpfte als deutscher Soldat in Frankreich, im Artois und in Flandern und erhielt 1915 das Eiserne Kreuz.

Im Jahre 1919 kehrte der Künstler nach Deutschland zurück, beteiligte sich an der ersten Ausstellung der Gruppe Das Junge Rheinland in Düsseldorf. Im Kreis um den Galeristen Alfred Flechtheim, der seine Düsseldorfer Galerie 1919 wiedereröffnet hatte, traf Levy viele Freunde aus den Pariser Jahren vor 1914 wieder. Der Künstler malte vorwiegend Stilleben, daneben auch Porträts und Landschaften. In München heiratete er am 29. Dezember 1919 die Fotografin und Schauspielerin Eugenie Schindler (1894-1953), Künstlername Genia Morelli[4].

Nach Aufenthalten in verschiedenen Städten schließlich er sich 1921 in Berlin nieder. Hier organisierte 1922 der Galerist Flechtheim Rudolf Levys erste Einzelausstellung. Gezeigt wurden Landschaften, Stilleben und Porträts des Künstlers und Flechtheim machte ihn damit zum ersten Mal breiteren Kreisen bekannt. Deutsche Kunstkritker sprachen Lob und Anerkennung aus. In den 1920er Jahren erlangte er zunehmend Erfolge und nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil.

Von 1924 bis 1926 hielt sich Levy erneut in Paris auf und wurde dort für Flechtheim zu einem wichtigen Vertreter, der ihm Kontakte zu Künstlern und Ausstellern in Paris vermittelte. Während seiner Sommeraufenthalte in Sanary-sur-Mer malte Levy zahlreiche Landschaften, die bei Flechtheim in Berlin und Düsseldorf gezeigt wurden. Seinen 50. Geburtstag, am 15. Juli 1925 feierte er in der Galerie von Flechtheim in Düsseldorf, seine Freunde und Malerkollegen aus all den Jahren nahmen teil.

1927 kam Levy wieder nach Berlin. Zu seinem Freundeskreis zählten Erika und Klaus Mann, Gustaf Gründgens, Erik Charell, Salomo Friedlaender, Renée Sintenis, Joachim Ringelnatz und Ernst Stern. 1928 wurde Levy Vorstands- und Jurymitglied der Berliner Secession zusammen mit Hans Purrmann, Charlotte Behrend-Corinth, George Grosz und Max Pechstein und engagierte sich bis zu seiner Emigration in 1933. Levy gründete 1929, vermutlich in Anlehnung an das Matisse-Schüler-Atelier, eine private Malschule am Kurfürstendamm. In den letzten Berliner Jahren malte Levy vor allem Porträts und Stilleben.

Emigration[Bearbeiten]

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft verließ Rudolf Levy am 1. April 1933 Deutschland und reiste an die italienische Riviera, nach Rapallo, wo sein Freund und Schüler Bob Gesinus-Visser[5] ein Haus, die „Villa Olimpo“, besaß. Levy wohnte dort eine zeitlang mit Oskar Kokoschka, bevor er nach Paris und von da aus 1935 nach Mallorca ging. In Cala Rajada traf er andere Emigranten wie Franz Blei, Heinrich Maria Davringhausen, Arthur Segal und Karl Otten. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs verließ Levy im August 1936 die Insel und bestieg ein Schiff nach New York, wo ihn der Freund Erik Charell erwartete. Trotz Aufenthaltserlaubnis bis Oktober 1937 wollte Levy nicht in den USA bleiben, kehrte im Mai 1937 nach Europa zurück und reiste zunächst nach Zaton (Dubrovnik) in Kroatien und 1938 weiter nach Ischia. Dort verweilte er in der Künstlerkolonie mit Karli Sohn-Rethel, Kurt Craemer (1912–1961), Werner Gilles, Max Peiffer Watenphul und Eduard Bargheer, mit welchen er sich befreundete.[6]. Levy lebte von gelegentlichen Bilderverkäufen und erhielt finanzielle Unterstützung von seiner Familie, auch von seiner inzwischen von ihm geschiedenen Frau Genia.

Den Kriegsausbruch 1939 erlebte er mit Karli Sohn-Rethel und Kurt Craemer auf der Insel Procida. Im Herbst 1939 wurde seine Aufenthaltsgenehmigung auf Ischia nicht verlängert und Levy musste zum 25. November 1939 Italien verlassen. Erik Charell, bereits in den USA, versucht für Levy ein Visum zu erwirken. Alle Versuche, auch Alternativen nach Chile oder Brasilien, schlugen fehl und scheiterten. Dies offenbar aus finanziellen Gründen: 500 Dollar kostete die Reise, 500 Dollar mussten für die Bürgschaft hinterlegt werden.

Im Dezember 1940 übersiedelte Levy nach Florenz wo ihn seine Freunde Heinz Battke und Kurt Craemer erwarteten. In der Pension der Schwester Bandini die sich im Palazzo Guadagni an der Piazza Santo Spirito befand, kam er unter. Im Caffè Le Giubbe Rosse an der Piazza della Repubblica trafen sich Künstler und Emigranten. Levy begann wieder zu malen und es entstand sein Alterswerk, das vorwiegend in Stillleben bestand, aber auch aus Porträtmalerei. Einen Teil seines Lebensunterhaltes konnte Levy durch Bilderverkäufe bestreiten, Florentiner Sammler interessieren sich für seine Malerei.

Im Mai 1943 zogen sich Levy mit Purrmann und Friedrich Kriegbaum wegen der Kriegsgefahr nach Saltino-Vallombrosa bei Florenz zurück.[7] Als Florenz am 11. September 1943 vom Deutschen Reich besetzt wurde und somit die deutschen antijüdischen Gesetze Gültigkeit in den besetzten Gebieten erhielten, war Levy auch in Italien vor Entdeckung und Deportation nicht sicher. Er wurde von Freunden gewarnt und konnte zunächst untertauchen.[8]

Im Dezember 1943 täuschten ihn als Kunsthändler getarnte SS-Leute, unter dem Vorwand, sie wollten seine Bilder kaufen, und lockten ihn in eine Falle. Arglos kehrte Levy in seine alte Wohnung in die Pensione Bandini, wo er am 12. Dezember 1943 von Gestapo-Beamten verhaftet und in das Florentiner Gefängnis Le Murate gebracht wurde.[9] Als am 30. Januar 1944 von von Florenz über Carpi bei Modena und Mailand ein Transportzug jüdischer Gefangener nach Auschwitz ging, war Rudolf Levy mit der Nummer 297 auf der Liste. Er starb vermutlich im Januar 1944 auf dem Transport, denn vieles weist darauf hin, da er am 6. Februar 1944 nicht mehr lebend in Auschwitz angekommen ist.

Werke von Rudolf Levys wurden 1937 von den Nationalsozialisten bei der Aktion „Entartete Kunst“ in deutschen Museen beschlagnahmt und sind bislang verschollen oder vernichtet.[10]

Sein Frühwerk ist in Deutschland nur in wenigen öffentlichen Sammlungen, wie im Landesmuseum Mainz, im Kunstmuseum Gelsenkirchen und im Lehmbruck-Museum in Duisburg, erhalten; Werke aus der Zeit in Florenz tauchen gelegentlich im Kunsthandel auf.

Familie[Bearbeiten]

Rudolf Levy wird am 15. Juli als erstes Kind der Eheleute Julius und Therese Levy in Stettin geboren. Seine Geschwister waren Paul Levy (1876-1943), ermordet in KZ Auschwitz-Birkenau und Käthe Levy (1879- 1954), welche nach Tel Aviv auswanderte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Craemer: Mein Panoptikum, Hamburg 1965, S. 121ff., 227ff. u.ö.
  • Susanne Thesing: Levy, Rudolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 405 f. (Digitalisat).
  • Susanne Thesing, Manfred Rothenberger, Heinz Neidel: Rudolf Levy (1875-1944). Leben und Werk. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 1990 ISBN 3-922531-89-X
  • Rudolf Levy. Ölbilder. Katalog der Gedächtnis-Ausstellung vom 20. Februar bis 26. März 1959 im Frankfurter Kunstkabinett.
  • Friedrich Ahlers-Hestermann: Kunst und Künstler. Der deutsche Künstlerkreis des Café du Dôme in Paris, Jg.XVI, Berlin 1918, S.369-404

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Levy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abbildung „Sitzender weiblicher Akt mit Fächer“
  2. Klaus und Erika Mann erklärten Levy in ihrem Riviera-„Reiseführer“ 1931 gar zum „Entdecker“ des bei deutschen Künstlern damals zunehmend beliebten Hafenstädtchens Sanary-sur-Mer. Siehe Erika Mann, Klaus Mann: Das Buch von der Riviera. Reprint der Originalausgabe im Piper-Verlag von 1931. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2002. S. 39.
  3. Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln, 1912
  4. Deutsche Biographie: Genua Morelli
  5. Der Querschnitt, November 1926, Bild oben: Die Maler Arnthal, Detaille, Rudolf Levy, Gesinus Visier und Jules Pascin mit ihren Damen, Sanary-sur-Mer; Bild unten: Rudolf Levy, Sanary abstrakt
  6. Galerie Magnus P. Gerdsen, Hamburg. Biografie Eduard Bargheer: 1939 Übersiedlung nach Italien (Ischia und Florenz) Freundschaft mit Rudolf Levy, Abgerufen 7. Mai 2015
  7. Hans Purrmann, Florenz 1935-1943
  8. Zeittafel: Italien 1938 - 1945
  9. „Le Murate“ ursprünglich im 14. Jahrhundert als Kloster gebaut, dann 1808 zum Männer-Gefängnis von Florenz umgebaut. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden Gegner des Faschistischen Regimes dort grausam gefoltert.
  10. Verschollene Werke Rudolf Levy: Verschollene Werke, als entartet beschlagnahmt und/oder verschollen