Rudolf Perco

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Fürstenhof Praterstraße 1913
Der Holy-Hof in Wien-Hernals, 1928–1929 errichtet
Wohnhausanlage Am Engelsplatz, 1929–1933 errichtet und Percos letztes Werk für die Gemeinde Wien

Rudolf Perco (* 14. Juli 1884 in Görz; † 31. Januar 1942 in Wien) war ein österreichischer Architekt.

Leben[Bearbeiten]

Rudolfo Perco war italienischer und slowenischer Abstammung, sein Vater Andrea Perco war einfacher Arbeiter. 1890 übersiedelte die Familie nach Wien. Da Perco zeichnerisch sehr begabt war, war er 1898 bis 1900 Zeichner im Büro von Rudolf Peschel und konnte 1900 bis 1904 als Stipendiat die Staatsgewerbeschule besuchen. Anschließend zeichnete er 1905 im Büro von Albert Pecha und studierte 1906–1910 an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er Schüler von Otto Wagner war. 1908 erhielt er den Peinpreis, für seine Abschlussarbeit erhielt er ein Staatsreisestipendium, den „Rompreis“. Während seines Studiums war Perco auch als Chefzeichner im Büro von Hubert Gessner tätig gewesen.

Danach begann Perco als Mitarbeiter bei Friedrich Ohmann, ehe er sich 1913 als Architekt selbständig machte. Im Ersten Weltkrieg leistete er die ganze Zeit Kriegsdienst, wobei er für die Militärbehörde einige Projekte plante. Er rüstete als Leutnant der Reserve ab, geriet jedoch von 1918–1919 in italienische Kriegsgefangenschaft.

Durch den Krieg war die erfolgreich begonnene Karriere als Architekt unsanft unterbrochen worden. In den ersten Nachkriegsjahren mit ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation des Landes hatte Perco nur einen einzigen Auftrag, den Umbau der Villa Toscana in Gmunden für Margarethe Stonborough-Wittgenstein. Deswegen studierte er 1920 bis 1923 an der Technischen Hochschule und gleichzeitig 1920 bis 1924 Jus, das er mit dem Doktorat abschloss.

Erst das Mitte der 1920er Jahre voll einsetzende umfassende Wohnbauprogramm der Stadt Wien brachte Perco Beschäftigung als Architekt. Er erhielt von der sozialdemokratischen Stadtverwaltung sogar mehrere Aufträge für Großprojekte. Doch schon nach wenigen Jahren, als durch die Wirtschaftskrise kaum noch öffentliche Mittel für weitere Wohnbauprojekte existierten, wurde Percos produktive Phase wieder beendet. Dazu kam ab 1933, als im nunmehrigen christlich-sozialen Ständestaat alles sozialdemokratische zurückgedrängt wurde, dass er dem neuen Regime auch politisch nicht genehm war.

Nach unzähligen vergeblichen Versuchen, in den 30er Jahren bei Ausschreibungen zum Zug zu kommen, begrüßte er daher das Ende der austrofaschistischen Diktatur 1938 durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Der bis dahin beschäftigungslose Perco erhielt von den nationalsozialistischen Behörden sofort eine Stelle im Planungsbüro von Ludwig Stigler und danach von 1938 bis 1941 im Büro von Franz Kaym. Schließlich kam er im Baureferat des Reichsleiters Baldur von Schirach unter, wo er mit Ausbauplänen für das neugeschaffene Groß-Wien beschäftigt war. 1942 wurde er aus unbekannten Gründen jedoch plötzlich entlassen, wobei interne Intrigen innerhalb des Baureferates als Ursache vermutet werden. Er galt als einzelgängerisch und schwierig, als notorischer Nörgler, der zeitlebens unverheiratet blieb. Diesen neuerlichen Rückschlag verkraftete Perco nicht mehr und er beging Selbstmord.

1990 wurde ihm zu Ehren die Percostraße in Wien-Kagran benannt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Rudolf Perco hatte in seinen Arbeiten stets den Hang zu einer monumentalen, repräsentativen Bauweise, die sich sowohl in seinen Arbeiten vor dem Ersten Weltkrieg, besonders in den großen Wohnbauten des Roten Wien (Superblocks), als auch in seinen späteren Plänen für das NS-Regime ausdrückte. In den großen Gemeindebauten sollte sich die neu errungene Macht der Arbeiterschaft widerspiegeln, wobei sich die Monumentalität seines größten und bedeutendsten Werkes, der Wohnhausanlage am Engelsplatz, durchaus im Stile einer modernen Sachlichkeit aussprach. In anderen Bauten war seine Architektur stärker mit traditionellen Elementen gekennzeichnet. Charakteristisch für Perco ist die Kühnheit seiner meist unausgeführten Entwürfe.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • O. A. Graf: Die vergessene Wagnerschule. München 1969.
  • Hans Hautmann, Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919–1934. Wien 1980.
  • Das ungebaute Wien 1800–2000. Ausstellungskatalog. Historisches Museum der Stadt Wien, 1999.
  • Ursula Prokop: Rudolf Perco 1884–1942. Von der Architektur des Roten Wien zur NS-Megalomanie. Böhlau, Wien 2001, ISBN 3205993047.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Perco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien