Rudolf Seck

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Rudolf Joachim Seck (* 15. Juli 1908 in Bunsoh; † 1974 in Flensburg) war ein deutscher SS-Führer während des Zweiten Weltkrieges.

Leben[Bearbeiten]

Seck gehörte dem Einsatzkommando 2 beim Kommandeur der Sicherheitspolizei in Riga an. Seck war von August 1941 bis Juli 1944 Kommandant des KZ Jungfernhof.[1][2] Bei der SS erhielt er den Rang eines SS-Oberscharführers.[3] Er nahm auch an der Bekämpfung von Partisanen im Baltikum und Weißrussland teil.

Von Rudolf Lange erhielt Seck den Auftrag, das „vernachlässigte“ KZ Jungfernhof als Kommandant zu ordnen, so dass rund 1.000 deutsche Juden aus dem Rigaer Ghetto in das KZ Jungfernhof überführt werden konnten. Bis zum Frühjahr 1942 stieg die Zahl der Häftlinge im Lager auf 4.000. Die Todesstrafe wurde im KZ Jungfernhof von Seck schon für kleine Vergehen wie Diebstahl, Tausch und illegale Abwesenheit aus dem Lager verhängt. Laut einem Zeugen erschoss Seck persönlich am 16. Januar 1942 einen kranken Häftling.

Um im Lager Landwirtschaft zu betreiben, regte Seck an, die Anzahl der Häftlinge deutlich zu reduzieren. Im Februar 1942 legte eine Anweisung von Rudolf Lange die künftige Zahl auf 440 fest. Seck beauftragte daraufhin den Lager-Ältesten Lore Kleemann eine Liste zu erstellen, wobei Seck persönlich die Häftlinge auswählte, die im Lager verbleiben sollten. Die ausgewählten Häftlinge waren vornehmlich für landwirtschaftliche oder handwerkliche Arbeiten geeignet. Die nicht ausgewählten Häftlinge wurden ab dem 26. März 1942 aus dem Lager abtransportiert. Unter ihnen waren alte und kranke Häftlinge, Kinder unter 13 bis 14 Jahren mit ihren Müttern und Häftlinge über 46 bis 50 Jahren. Den Häftlingen wurde mitgeteilt, dass sie nach Dünamünde transportiert würden, um in einer Konservenfabrik zu arbeiten. Sämtliche selektierten Häftlinge wurden im Wald von Biķernieki bei Riga erschossen.

Laut dem jüdischen Häftling Joseph Bermann aus Ventspils, der mit der Reinigung des Dienstwagens von Seck beauftragt war, hatte Seck engen Kontakt mit Lange. Seck machte es sich zur Gewohnheit, sich mit Lange bei der Ankunft von Transporten aus Deutschland, Österreich oder der Tschechoslowakei am Bahnhof von Šķirotava zu treffen. Die Deportierten wurden direkt vom Bahnhof Šķirotava in das Ghetto Riga, in das KZ Jungfernhof oder das Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager Salaspils geschickt. Unklar bleibt, wie viele der 15.073 auf den Transportlisten verzeichneten deutschen Juden tatsächlich aufgenommen wurden; wahrscheinlich sind viele Deportierte sofort nach ihrer Ankunft im Wald von Biķernieki oder im Wald von Rumbula erschossen worden.

Nach dem Krieg berief sich Seck vor dem Landgericht Hamburg darauf, dass er weder wusste noch ahnte, dass die selektierten Häftlinge getötet werden sollten. Keiner der beim Prozess gehörten Zeugen konnte Auskunft zum Verbleib der selektierten Häftlingen vom 26. März 1942 geben. Sie konnten nur davon berichten, was Letten den verbliebenen jüdischen Häftlingen in Jungfernhof erzählten. Seck wurde für die Selektion von 1.600 bis 1.700 Juden sowie deren Exekution im Wald von Biķernieki, der sogenannten Aktion Dünamünde durch das Landgericht Hamburg[4] am 29. Dezember 1951 zu lebenslanger Haft verurteilt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 575.
  2. http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//Riga.html
  3. Gertrude Schneider: The Unfinished road: Jewish survivors of Latvia look back. Greenwood Publishing Group, 1991, ISBN 978-0-275-94093-5, S. 61.
  4. Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager: Entwicklung und Struktur, Band 1. Wallstein Verlag, 1998, ISBN 978-3-89244-289-9, S. 487.