Rudolfinische Tafeln

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Frontispiz
Weltkarte

Die Rudolfinischen Tafeln (lat.: Tabulæ Rudolphinæ) stellen eine Sammlung von verschiedenen Tafeln und Regeln zur Vorhersage der Planetenstellungen dar.

Sie waren genauer als die bis dahin verwendeten Alfonsinischen Tafeln aus dem 13. Jahrhundert und die 1551 von Erasmus Reinhold berechneten Tabulæ Prutenicæ Coelestium Motuum. Der mittlere Fehler zwischen vorhergesagter und beobachteter Planetenposition konnte so von fünf Grad auf zehn Minuten Abweichung reduziert werden. Weiter enthält das Werk Refraktionstabellen, Logarithmen, ein Verzeichnis der Städte der Welt sowie einen Katalog von 1005 Sternorten, der auf der Arbeit von Tycho Brahe basiert.

Nachdem Johannes Kepler im Jahr 1600 Assistent von Tycho Brahe in Prag geworden war, erhielten Brahe und Kepler von Kaiser Rudolf II. einen Auftrag für die Berechnung von neuen genaueren Planetentafeln, die nach dem Kaiser Rudolfinische Tafeln (lat. Tabulæ Rudolphinæ) benannt wurden. Als Tycho Brahe im Oktober 1601 verstarb, wurde Kepler dessen Nachfolger als kaiserlicher Mathematiker Rudolfs II. und er arbeitete allein an den Tafeln weiter. Im Mai 1612 erhielt Kepler eine Anstellung in Linz, wo er weiter an den Rudolfinischen Tafeln und den Harmonices mundi libri V, den fünf Büchern über die Weltharmonik, arbeitete. Die Harmonices mundi libri V gingen 1619 in Druck, die Herausgabe der Rudolfinischen Tafeln zögerte sich jedoch unerwartet hinaus, als während des Oberösterreichischen Bauernkriegs 1626 in Linz die Druckerei, in der die Tabulae Rudolfinae gedruckt werden sollten, in Flammen aufging. Kepler übersiedelte daraufhin nach Ulm (1626–1627), um dort die Tafeln im September 1627 fertigzustellen.

Die Rudolfinischen Tafeln waren das letzte große Werk Keplers, das zu seinen Lebzeiten erschien, und stellen eine beachtliche Leistung Keplers in praktischer Astronomie dar. Das Werk bildete bis zum 18. Jahrhundert die Grundlage vieler astronomischer Berechnungen. Der englische Mathematiker und Physiker Sir Isaac Newton stützte sich bei der Formulierung seiner Theorie der Gravitationskraft auf die Keplerschen Theorien und Beobachtungen.

Das von Kepler entworfene Frontispiz wurde vom Frankfurter Kupferstecher Georg Keller ausgeführt. Es zeigt eine Allegorie der Geschichte der Astronomie.

Ein Exemplar des Werks versah Johannes Kepler am 1. November 1627 mit einer handschriftlichen Widmung an Herzog August von Braunschweig-Lüneburg, es befindet sich noch heute in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.

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