Rudolfsheim-Fünfhaus

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Rudolfsheim-Fünfhaus
XV. Wiener Gemeindebezirk
Wappen Karte
Wien Wappen Rudolfsheim.png
Innere Stadt Leopoldstadt Landstraße Wieden Margareten Mariahilf Neubau Josefstadt Alsergrund Favoriten Simmering Meidling Hietzing Penzing Rudolfsheim-Fünfhaus Ottakring Hernals Währing Döbling Brigittenau Floridsdorf Donaustadt LiesingLage von Rudolfsheim-Fünfhaus  in Wien (anklickbare Karte)
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Geographische Lage: 48° 12′ N, 16° 20′ O48.19705555555616.329Koordinaten: 48° 12′ N, 16° 20′ O
Fläche: 3,86 km²
Einwohner: 73.527 (1. Jänner 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 19.048 Einw./km²
Postleitzahl: 1150
Adresse des
Bezirksamtes:
Gasgasse 8–10
1150 Wien
Website: www.wien.gv.at
Politik
Bezirksvorsteher: Gerhard Zatlokal (SPÖ)
Bezirksvertretung
(2010[2]):
22
11
9
4
22 11 
Von 46 Sitzen entfallen auf:
Karte: Rudolfsheim-Fünfhaus mit Bezirksteilen
Bezirksteile von Rudolfsheim-Fünfhaus

Rudolfsheim-Fünfhaus ist der 15. Wiener Gemeindebezirk und liegt westlich des Stadtzentrums. Obwohl er ob seiner Lage außerhalb des Gürtels als Außenbezirk Wiens gilt, ähnelt er in vielem den Innenbezirken: geringe Größe, hohe Bevölkerungsdichte, Altstadtnähe und - ungleich den anderen Außenbezirken - ein fehlender Anteil am Wiener Grüngürtel. Durch die Trassenführung der Westbahn bedingt, ist der Fünfzehnte von einer starken Nord-Süd-Differenzierung geprägt. Während sich die bis ins Mittelalter zurückreichenden Ortskerne der einstigen Vororteagglomeration um Fünfhaus und Rudolfsheim im Südteil befinden, wurde der Nordteil (Schmelz), in dem heute etwa mehr als die Hälfte der Bezirksbewohner lebt, erst nach 1850 verstädtert. So ist es wohl der Fragmentierung des Bezirksgebiets zu schulden, dass sich in Rudolfsheim-Fünfhaus kein Lokalpatriotismus herausgebildet hat, der mit dem anderer Außenbezirke wie Floridsdorf, Ottakring oder Meidling vergleichbar wäre. In den letzten Jahren ist allerdings eine Tendenz zu einem wachsenden Grätzlbewusstsein merkbar, so etwa im Nibelungenviertel und um die Reindorfgasse. Früher häufig mit abgewohnten Gründerzeitvierteln, Arbeitsmigration und der mittlerweile großteils an den Stadtrand verdrängten Straßenprostitution assoziiert, gewann der Bezirk seit der Jahrtausendwende wieder im Hinblick auf Einwohnerzahl und Attraktivität. Seine bekanntesten Bauwerke sind der Westbahnhof, die Wiener Stadthalle und die Kirche Maria vom Siege.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbarbezirke[Bearbeiten]

Rudolfsheim-Fünfhaus wird wie folgt begrenzt:

Topographie[Bearbeiten]

Das Bezirksgebiet von Rudolfsheim-Fünfhaus war während des Mesozoikums von einem Meer bedeckt, das sich vor 70 Millionen Jahren zurückzog und allmählich ein Binnenmeer bildete. Nach dem endgültigen Rückzug des Meeres kam es während der Eiszeit durch Frost zur Bildung großer Schuttmassen, die vor allem von der Donau, aber auch dem Wienfluss in das Wiener Becken verfrachtet wurden. In den warmzeitlichen Phasen schnitten sich in der Folge Donau und Wien in den Schotterkörper und bildete Terrassen heraus, wobei die Terrassen mit zunehmender Entfernung zu den Gewässern immer älter werden. Rudolfsheim-Fünfhaus liegt im Bereich der ältesten Terrasse (Laaer-Berg-Terrasse), die vom Laaer Berg über die Gloriette bis zur Schmelz und Türkenschanze reicht. In diese Terrasse schnitt sich das Wiental ein, das einst von der Schmelz bis zur Gloriette reichte. Durch den immer weiter zurückgehenden Wasserspiegel entstanden die Höhenabstufungen auf dem heutigen Bezirksgebiet.

Die oberste Bodenschicht auf dem Bezirksgebiet besteht aus einer dünnen Schicht Löss, der sich mit Kalk- und Sandsteinschotter aus dem Wienerwald vermischt hat. Darunter liegen Schichten aus Flussschotter, vor allem Quarze, die aus den Alpen abgetragen wurden. Unterhalb dieser Kiesschicht finden sich die Relikte des Süßwassermeeres, in welchem sich Schichten aus Sand, Schotter und Tegel ablagerten.

Das Bezirksgebiet steigt von Süden nach Norden und von Osten nach Westen an. Der am tiefsten gelegene Bereich befindet sich an der Kreuzung Sechshauser Gürtel / Ullmannstraße auf einer Seehöhe von 184 Meter, der höchste Punkt an der Kreuzung Johnstraße/Hütteldorfer Straße (240,6 Meter).[3]

Gewässer[Bearbeiten]

Der Wienfluss war in vorgeschichtlicher Zeit mehrere hundert Meter breit und bildete noch in der Römerzeit ein breites Gewässer mit vielen Inseln. Auch im Mittelalter und in der Neuzeit spielte die Wien jahrhundertelang eine prägende Rolle. Einerseits verursachte der Fluss mit seinen Hochwässern immer wieder schwere Zerstörungen. Andererseits diente der Fluss vielen Menschen als Einkommensquelle, sowohl durch den Fischfang als auch durch die Nutzung des Wassers für die Industrie oder zum Betrieb der zahlreichen Mühlen. Der größte Mühlbach folgte der Ullmannstraße im Bezirksteil Sechshaus und der Mollardgasse im 6. Bezirk. In die Wien mündeten kleinere Gewässer wie der heute kanalisierte Hollerbach, dessen Flurname in der Hollergasse erhalten blieb.

Bezirksteile[Bearbeiten]

Rudolfsheimer Kirche
Vogelweidhof

Rudolfsheim-Fünfhaus wurde im Wesentlichen aus den Gemeinden Rudolfsheim, Fünfhaus und Sechshaus gebildet (die drei Einheiten bestehen als Katastralgemeinden fort). Im Laufe der Zeit wurde der Bezirk zusätzlich um Teile von Gaudenzdorf (zwischen Wienzeile und Diefenbachgasse) erweitert. Die früheren Orte Rudolfsheim und Sechshaus und die Teile von Gaudenzdorf und Penzing bildeten bis 1938 den damaligen 14. Bezirk, Rudolfsheim; Fünfhaus blieb als 15. Bezirk „selbstständig“. Das Areal zwischen Linzer Straße im Norden, Hollergasse im Osten, Linker Wienzeile im Süden und Winckelmannstraße im Westen, damals im Wesentlichen an der Schwendergasse und der Sechshauser Straße mit zwei Betriebsbahnhöfen und dazwischen mit großen Werkstätten der städtischen Straßenbahnen belegt, gehörte bis 1938 zum 13. Bezirk[4] und wurde damals nicht dem neuen 14., sondern dem neuen 15. Bezirk zugeordnet. Der westlich anschließende Auer-Welsbach-Park (früher: Schönbrunner Vorpark) gelangte 1992 vom 14. zum 15. Bezirk.[5]

Sechshaus befindet sich im Südosten zwischen Hollergasse, Sechshauser Straße und Diefenbachgasse bzw. Wienfluss. Rudolfsheim liegt im Südwesten des Bezirksgebietes, Fünfhaus nördlich und östlich davon, der Ursprung lag im Bereich Clementinengasse an einem Verbindungsweg zwischen Gumpendorf und der Schmelz. Die Grenze zwischen den Bezirken Rudolfsheim und Fünfhaus verlief an der Hütteldorfer Straße (von der Johnstraße ostwärts), Pouthongasse, Schmelzbrückenrampe, Grenzgasse, Mariahilfer Straße, Geibelgasse und Sechshauser Straße zum Gürtel. 1912 zählte ein Teil der Schmelz noch zum 14., in der Zwischenkriegszeit gehörte die ganze Schmelz zum 15. Bezirk.

Die östliche Grenze von Fünfhaus verlief nach der Eingemeindung von der Bernardgasse (heute 7. Bezirk) bis zur Stollgasse einen Häuserblock östlich des Gürtels, somit durch Wimbergergasse und Kenyongasse. Der Urban-Loritz-Platz zählte zum 15. Bezirk. Durch das Landesgesetz vom 28. Dezember 1904 (mit dem die Eingemeindung von Floridsdorf beschlossen wurde) wurde festgelegt, dass diese Bezirksgrenze (wie auch andere, die den Gürtel überschnitten) an die Gürtelstraße verlegt sei.[6] In der dazugehörigen Kundmachung des niederösterreichischen Statthalters vom 7. Juni 1905[7] wurde konkretisiert, dass die neue Grenze zum 7. Bezirk an der „westlichen Grenze des Stadtbahnkörpers“ verlaufe und ab 1. Juli 1905 gelte.

Die ehemaligen Gemeinden Rudolfsheim und Fünfhaus sind auch selbst in verschiedene Bezirksteile gegliedert. Rudolfsheim wurde aus den Gemeinden Rustendorf, Braunhirschen und Reindorf gebildet, deren Ortskerne südlich der Mariahilfer Straße lagen. Der nördliche Teil von Fünfhaus nördlich der Hütteldorfer Straße gliedert sich wiederum in die Schmelz mit dem Universitätssportinstitut und der Kleingartenanlage, das östlich angrenzende Nibelungenviertel und dem Gebiet von Neu-Fünfhaus, das die beiden Gebiete umschließt.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die sieben Zählbezirke in Rudolfsheim-Fünfhaus sind Stadthalle, Reithofferplatz, Fünfhaus-Westbahnhof, Sechshaus, Rudolfsheim-Braunhirschen, Rauscherplatz und Schmelz.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die Baufläche von Rudolfsheim umfasst 52,8 % (Wienweit 33,3  %) der Bezirksfläche. 81,0 % der Baufläche entfallen auf Wohnbauflächen, womit der Bezirk im oberen Bereich der Wiener Gemeindebezirke liegt. Betriebsflächen umfassen in Rudolfsheim-Fünfhaus einen Anteil von 8,2 % an der Baufläche, kulturelle, religiöse, sportliche oder öffentliche Bauflächen nehmen einen Anteil von 10,6 % ein. 33,5 % der Bezirksfläche entfallen auf Verkehrsflächen. Dies stellt den dritthöchsten Wert eines Wiener Gemeindebezirks fest. Demgegenüber fällt der Grünlandanteil im Bezirk eher gering aus. Sie nehmen im Bezirk einen Gesamtanteil von 12,7 % ein. Rund die Hälfte der Grünflächen sind Parkanlagen, 31,2 % entfallen auf die Kleingärten der Schmelz, 18,5 % werden von Sport- und Freizeitflächen eingenommen. 1,0 % entfallen schließlich auf Gewässer, d.h. das Flussbett der Wien.[8]

Flächennutzung in ha 2001[8]
Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen
204,04 49,16 3,68 129,46
Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeit- Flächen
165,35 16,62 21,59 0 24,5 0 15,34 0,21 9,11
Die Synagoge in der Turnergasse (um 1900)

Geschichte[Bearbeiten]

Die Alte Schieberkammer (errichtet 1873) des Trinkwasser-Reservoirs auf der Schmelz

Nach der zweiten Türkenbelagerung entstanden die Dörfer Reindorf (Name erstmals schon 1411 erwähnt), Braunhirschen (vormals Dreihaus) und Rustendorf, welche 1863 zur Gemeinde Rudolfsheim (benannt nach Kronprinz Rudolf) vereinigt wurden, östlich davon Fünfhaus und südlich Sechshaus. Im 19. Jahrhundert wurde das gesamte Gebiet dicht verbaut.

1890 wurden die drei Gemeinden mit Wirkung vom 1. Jänner 1892 nach Wien eingemeindet, wobei das östlich und nördlich gelegene Fünfhaus den 15. Bezirk und die ehemaligen Gemeinden Rudolfsheim und Sechshaus den 14. Bezirk mit dem Namen Rudolfsheim bildeten. Unter der NS-Herrschaft wurden per 15. Oktober 1938 Rudolfsheim und Fünfhaus zum 15. Bezirk vereinigt, die Bezirksnummer 14 für Penzing freigemacht. Ab 1957 wurde der 15. Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus genannt.

Im Zuge der Revolution 1848 plünderten Arbeiter, nachdem ihnen ein Marsch in die Stadt vom Militär unmöglich gemacht worden war, Bäckereien, Fleischhauer und Gasthäuser in Fünf- und Sechshaus. Ein Finanzwächter am Mariahilfer Linienamt wurde ermordet. Als erste von mehreren Textilfabriken wurde die Textildruckfabrik A. & E. Granichstätten (in der heutigen Pillergasse) demoliert. Nach der Verwüstung einer Branntweinfabrik wurden das Amtsgebäude am Braunhirschengrund und die Polizeiwachstube zerstört. Die Brandstiftung an der Reindorfer Pfarrkirche wurde von Bürgern verhindert. Als die Menge tags darauf zum Schloss Schönbrunn zog, wurde sie von Militär niedergeschossen.[9] Als Grund für die Zerstörung von Textilfabriken wird genannt, dass die Textilarbeiter wegen der Einführung von Maschinen um ihre Arbeitsplätze fürchteten.

Von 1871 bis 1938 bestanden der israelitische Turnertempel und die Storchenschul, beide während der Novemberpogrome am 10. November 1938, wie auch 91 weitere Wiener Synagogen, zerstört bzw. schwerst beschädigt. (Nur das Gebäude des Stadttempels im 1. Bezirk überstand diese Nacht unbeschädigt.) Der Kultusgemeinde wurde vom Magistrat daraufhin bewilligt, die Ruine des Turnertempels abzureißen.[10] 1938 / 1939 wurden alle Gebäude, Wohnungen und Betriebe jüdischer Inhaber entschädigungslos entzogen, die jüdischen Bezirksbewohner, soweit sie nicht flüchten konnten, ab 1942 in Vernichtungslager abtransportiert. 2008 wurde eine Liste der Ariseure des 15. Bezirks (in seinen Grenzen vor dem 15. Oktober 1938) publiziert.[11] Mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde des Bezirks befasst sich das Forschungs- und Ausstellungsprojekt Herklotzgasse 21.

Wesentlich für die Bezirksgeschichte waren weiters die Entwicklung der Schmelz, des großen Parade- und Exerzierplatzes der k.u.k. Armee bis 1918, der Bau der den späteren Bezirk in zwei wenig zusammenhängende Hälften teilenden, 1858 eröffneten Westbahn mit dem Westbahnhof, einem der großen Verkehrsknotenpunkte der Stadt, und der Bau der 1898 eröffneten Wiener Stadtbahn, die den Bezirk im Osten und im Süden einrahmt und heute als U-Bahn betrieben wird. 1958 wurde die Wiener Stadthalle eröffnet, Wiens größtes Veranstaltungszentrum. 1993 wurde am Westbahnhof die erste Station der neu errichteten U-Bahn-Linie U3, einer Direktverbindung mit dem Stadtzentrum, eröffnet. 1994 folgten die Stationen Schweglerstraße und Johnstraße. Seit 1998 kann man nordwestlich bis zur Endstation Ottakring fahren.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Daten lt. Statistik Austria [5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Das heutige Bezirksgebiet von Rudolfsheim-Fünfhaus umfasste 1869 bereits 64.042 Einwohner und war damit ähnlich dicht besiedelt wie heute. Durch den permanenten Zuzug von Menschen in das Gebiet wuchs die Bevölkerung in der Folge stark an und verdoppelte sich bis 1910 auf den Höchstwert von 145.694 Menschen. Danach setzte ein permanenter Bevölkerungsrückgang ein, der vor allem auf höhere Wohnraumansprüche zurückzuführen ist. Nach einem historischen Tiefstand von 64.895 Einwohnern im Jahr 2001 begann die Bezirksbevölkerung im wienweiten Trend wieder zu wachsen. 2013 lag die Einwohnerzahl bereits bei 73.527.[12]

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Die Altersstruktur der Bezirksbevölkerung war 2001 leicht jünger als der Wiener Durchschnitt. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren lag mit 15,3 % leicht über dem Bereich Gesamtwiens (14,7 %). Der Anteil der Bevölkerung zwischen 15 und 59 Jahren lag mit 65,8 % (Wien: 63,6 %) deutlicher über dem durchschnittlichen Rahmen, der Anteil der Menschen im Alter von 60 mit 19,0 % (Wien: 21,7 %) deutlich darunter. Die Geschlechterverteilung lag im Bezirksgebiet bei 48,2 % Männern und 51,8 % Frauen, die Anzahl der verheirateten Bevölkerung war mit einem Anteil von 40,6 % gegenüber 41,2 % leicht unter dem Durchschnitt Wiens.[13]

Herkunft und Sprache[Bearbeiten]

Der Anteil der ausländischen Bezirkseinwohner lag 2006 bei 31,8 % (Wien: 19,1 %) und war damit der höchste Wert eines Wiener Gemeindebezirks.[14] Wie im gesamten Bundesland weist der Anteil ein Wachstum auf, 2001 lag er bei 29,2 %. Den höchsten Anteil der Ausländer stellten 2005 mit rund 9,6 % Anteil an der Bezirksbevölkerung Staatsbürger aus Serbien und Montenegro. Weitere 4,7 % waren türkische, 2,5 % polnische, 2,3 % kroatisch, 2,2 % bosnische und 1,1 % deutsche Staatsbürger. Insgesamt waren 2001 35,2 % der Bezirksbevölkerung nicht in Österreich geboren worden. 13,0 % sprachen als Umgangssprache Serbisch, 8,7 % Türkisch und 5,4 % Kroatisch.[13][15]

Einer von der MA18 durchgeführten komparativen Studie über die Nutzung und Bewertung des Sozialraums in ausgewählten Wiener Grätzln zufolge, wird Multikulturalität im 15. Bezirk anders bewertet als etwa im 10. Bezirk. So wurde in Alt-Favoriten ein „pessimistischer Leitdiskurs“ festgestellt, in dem Zuwanderung mit Gebietsabwertung und -Verdichtung in Verbindung gebracht wird, während in Neu-Fünfhaus ein „pragmatisch-positiver Leitdiskurs“ erkennbar sei, „der die Perspektive eines Aufwertungsprozesses artikuliert, in dem u. a. die Zuwanderung als positive Ressource bezeichnet wird.“ Die Wahrnehmung einer „bunten und attraktiven Urbanität durch die Präsenz von Menschen unterschiedlicher Herkunft und qualitativ hochwertiger ethnischer Infrastrukturen" würde im 15. Bezirk auch von jüngeren Personen ohne Migrationshintergrund geteilt. Ein weiterer wesentlicher Unterschied sei, so das Ergebnis der Befragung, dass im 15. Bezirk lokal bedeutsame Bezüge als wichtiger erachtet werden als überregionale. Dagegen sei die „tendenziell nach außen gerichtete Sicht“ bei den Befragten in Alt-Favoriten wesentlich prekärer und anfälliger als die nach innen bezogene Sicht des 15. Bezirks, welche „stärker auf lokal vorhandene Ressourcen fokussiert und diese als potenzielle Entwicklungsfelder begreift.“[16]

Religionsbekenntnis[Bearbeiten]

Auf Grund des hohen Ausländeranteils weist Rudolfsheim-Fünfhaus mit 40,2 % den geringsten römisch-katholischen Bevölkerungsanteil eines Wiener Bezirkes auf (Wien: 49,2 %). Es gibt im Gemeindebezirk sieben römisch-katholische Pfarren, die das Stadtdekanat 15 bilden. Der Anteil der Menschen mit islamischem bzw. orthodoxem Glauben erreichte mit 14,7 % bzw. 11,4 % die höchsten Werte in Wien. Der Anteil der evangelischen Bewohner lag mit 3,1 % unter dem Durchschnitt. 23,3 % der Bezirksbevölkerung gehörten 2001 keiner Religionsgemeinschaft an, weitere 7,4 % hatten kein oder ein anderes Religionsbekenntnis angegeben.[13]

Politik[Bearbeiten]

Bezirksvorsteher seit 1945
Johann Klugmayer (KPÖ) 1945–1946
Heinrich Hajek (SPÖ) 1946–1963
Leopold Mistinger (SPÖ) 1963-1968
Maximilian Eder (SPÖ) 1968–1985
Kurt Menger (SPÖ) 1985–1990
Friedrich Krammer (SPÖ) 1990–1996
Rolf Huber (SPÖ) 1996–2003
Walter Braun (SPÖ) 2003–2008
Gerhard Zatlokal (SPÖ) 2008–

Die SPÖ verfügt in Rudolfsheim-Fünfhaus seit jeher über eine starke Mehrheit und stellte durchgehend den Bezirksvorsteher. Lange Zeit regierten die Sozialdemokraten im Bezirk auch mit einer absoluten Stimmen- oder Mandatsmehrheit. Bei den Wahlen 1991 konnte die aufsteigende FPÖ erstmals die ÖVP überholen, die traditionell die zweitstärkste Partei im Bezirk mit dem höchsten Ausländeranteil gewesen war. 1996 gelang es der FPÖ, mit dem besten Ergebnis in einem Wiener Gemeindebezirk die absolute Mandatsmehrheit der SPÖ zu brechen. Bei den Wahlen 2001 büßte jedoch die FPÖ massiv an Stimmen ein und fiel sogar hinter das Ergebnis von 1991 zurück. Von den Verlusten profitierten SPÖ und Grüne. Die SPÖ erreichte mit rund 47 % der Stimmen wieder ein Ergebnis nahe der absoluten Stimmenmehrheit, die Grünen stiegen mit 14 % zur drittstärksten Kraft auf und konnten die ÖVP überholen. 2005 setzte sich der Trend fort. Die SPÖ gewann leicht und erreichte 49 %, die Grünen überholten mit rund 18 % die FPÖ und stiegen zur zweitstärksten Partei auf, die traditionell einen Bezirksvorsteher-Stellvertreter stellt. Die ÖVP blieb auch 2005 nur die viertstärkste Partei, wobei ihr Stimmenanteil weiterhin stagnierte.

Bezirksvertretungswahlen 1991-2010[17]
Jahr SPÖ ÖVP FPÖ Grüne LIF BZÖ Sonstige
1991 49,9 15,5 23,9 8,2 n.k - 2,5
1996 38,1 12,6 32,3 9,1 5,6 - 2,3
2001 47,3 12,9 22,0 14,4 2,6 - 0,9
2005 49,5 13,5 16,1 17,6 0,5 1,1 1,7
2010 43,6 9,7 23,4 19,4 0,8 1,0 2,2

Bei den Nationalratswahlen 2013 wählten 32,94% der Wahlberechtigten in Rudolfsheim-Fünfhaus die SPÖ (2008: 37,50%), 21,96 die Grünen (2008: 19,00%), 18,31% die FPÖ (2008: 18,31%), 11,19% die ÖVP (2008: 11,19%). 6,18% die NEOS, 3,58% das Team Stronach, 2,20% die KPÖ (2008: 1,45%), 1,91% das BZÖ (2008: 3,93%), 1,23% die Piratenpartei Österreichs, 0,32% die Liste "Wandl" und 0,18% die Sozialistische Linkspartei.[18] Den Grünen gelang es somit, die FPÖ auch auf Nationalratswahlebene als zweitstärkste Partei im Bezirk zu überholen. Der Stimmenverlust der FPÖ (-553 gegenüber 2008) mag angesichts der oft tendenziösen massenmedialen Repräsentation des 15. Bezirks als "Ausländerbezirk" mit steigendem Problempotenzial überraschen. Auch die SPÖ musste einen schmerzlichen Stimmenverlust von 1392 Stimmen gegenüber der Nationalratswahl 2008 hinnehmen. Der mit gemeinsam 28,14% relativ hohe Stimmenanteil der Mittelschicht-Parteien Grüne und Neos dürfte den demografischen Wandel des 15. Bezirks widerspiegeln, der in den letzten Jahren für Studenten, Kreative und Wiener aus dem bürgerlichen Umfeld attraktiver geworden ist.

Wappen[Bearbeiten]

Rudolfsheim-Fünfhaus

Das Wappen von Rudolfsheim-Fünfhaus setzt sich aus den Wappen von vier ehemaligen Gemeinden zusammen. Die obere Hälfte zeigt das Wappen der Gemeinde Rudolfsheim, die 1853 aus den davor selbständigen Gemeinden Rustendorf, Reindorf und Braunhirschen gebildet wurde. Der blaue Teil des Wappens repräsentiert dabei Rustendorf, das durch einen silbernen Halbmond symbolisiert wird. Daneben zeigt der grüne Wappenteil das Wappen von Reindorf. Die goldene Weintraube mit zwei Weinblättern auf grünem Grund symbolisiert den hier früher betriebenen Weinbau hin. Ein sprechendes Wappen steht für den darunter liegenden Stadtteil Braunhirschen. Der braune Zwölfender mit seinem mächtigen Geweih steht für ein ehemaliges Gasthaus, das der ehemaligen Gemeinde zu ihrem Namen verhalf. Der rote Wappenteil steht für die frühere Gemeinde Fünfhaus und Sechshaus. Er zeigt den Erzengel Michael in einem silbernen Gewand und einem goldenen, mit Straußenfedern besetzten Helm. Michael hält in seiner Hand eine goldene Kreuzlanze, mit der er einen grünen feuerspeienden Drachen tötet. Die Darstellung symbolisiert hier das Barnabitenkollegium Sankt Michael in Wien, dem Grundherren der Siedlungen Fünfhaus und Sechshaus. Da das ehemalige Wappen von Sechshaus mit jenem von Fünfhaus praktisch identisch war, ging es im Wappen von Fünfhaus auf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rudolfsheim-Fünfhaus

Museen[Bearbeiten]

Das Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus wurde 1972 im Amtshaus des Bezirkes eingerichtet. Neben einer Dauerausstellung zur Bezirksgeschichte verfügt das Museum über ein umfangreiches Bildarchiv sowie alte Straßenkarten und Literatur zur Bezirksgeschichte. In der Goldschlagstraße befindet sich zudem das private „Billardmuseum Weingartner“, das nach Voranmeldung besucht werden kann. Eine überaus kurzfristige Sehenswürdigkeit war das im März 2008 an der Kreuzung Felberstraße/Schweglerstraße zum Gedenken an eine verunglückte Radfahrerin aufgestellte Ghostbike.

Das Gebäude in der Herklotzgasse 21 wurde zu einem Forschungs- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der Bewohner des Stadtteils.

Kirchen[Bearbeiten]

Die Kirchen des Bezirks sind (die katholischen Pfarren siehe Liste der Pfarren im Stadtdekanat 15):[19]

Kunst im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

Zwischen dem Meiselmarkt und dem Kardinal-Rauscher-Platz wurde im Zuge der Oberflächengestaltung nach den Bauarbeiten zur Verlängerung der U-Bahnlinie U3 in den 1990 Jahren die Wiener Wasserwelt mit sieben künstlerisch gestalteten Brunnenanlagen errichtet. Die Skulptur Lebensbaum mit integrierter Photovoltaikanlage stammt vom Bildhauer Hans Muhr.[20] Eine Auflistung der im digitalen Kulturstadtplan der Stadt Wien verzeichneten Kunstwerke an öffentlichen Plätzen im 15. Bezirk findet sich im Eintrag Liste der Kunstwerke im öffentlichen Raum in Wien/Rudolfsheim-Fünfhaus.

Kulturelle Veranstaltungszentren[Bearbeiten]

Die 1958 eröffnete Wiener Stadthalle in Neu-Fünfhaus ist das größte Veranstaltungszentrum Österreichs. Neben Sportveranstaltungen finden vor allem in den Hallen D, E und F auch Ausstellungen, Konzerte, Messen und Tagungen statt.

Auf der Südseite des Einkaufszentrums Meiselmarkt, an der Meiselstraße Nr. 20, befindet sich die denkmalgeschützte, 1873 erbaute Alte Schieberkammer, die seit 1995 als temporäres Veranstaltungszentrum für Ausstellungen, Vorführungen und Feiern genutzt wird.

Sport[Bearbeiten]

Der traditionsreiche österreichische Rekordmeister SK Rapid Wien wurde 1898 als „Erster Wiener Arbeiter-Fußball-Club“ gegründet und trug seine Spiele zunächst auf der Schmelz aus. 1903 übersiedelte Rapid auf einen neuen Sportplatz in Rudolfsheim, zog jedoch 1912 nach Hütteldorf (Penzing) um. Der ursprünglich als Erweiterungsfläche für den Trinkwasserspeicher vorgesehene Fußballplatz in Rudolfsheim wurde zu einem Marktplatz, dem Meiselmarkt, verbaut. In Rudolfsheim-Fünfhaus ist derzeit der Handballverein WAT15 angesiedelt, der seine Spiele in der Wienerliga (dritthöchste Liga) absolviert. Für die Bezirksbevölkerung stehen mit dem ASKÖ Freizeitpark Schmelz, der Fritz-Grassinger-Halle und dem Universitätssportinstitut (USI) mehrere Infrastruktureinrichtungen zur Verfügung. In der Wiener Stadthalle findet das traditionelle Wiener Stadthallenturnier (Fußball) statt, 2000 wurde hier die Eiskunstlauf-Europameisterschaft und 2005 die Eishockey-Weltmeisterschaft durchgeführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Westbahnhof
Schwendermarkt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Bezirksgeschichte Rudolfsheim Fünfhaus. Dokumentarfilm. 45 Minuten. Wien 2007.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Wiener Bezirkskulturführer: XV. Rudolfsheim-Fünfhaus. Jugend und Volk, Wien 1980, ISBN 3-7141-6227-5
  • Monika Griebl: Wien Rudolfsheim-Fünfhaus. Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-794-1
  • Wilhelm Kainrath: Die alltägliche Stadterneuerung: drei Jahrhunderte Bauen und Planen in einem Wiener Außenbezirk. Löcker, Wien 1984, ISBN 3-85409-062-5
  • Christine Klusacek, Kurt Stimmer: Rudolfsheim-Fünfhaus. Mohl, Wien 1978, ISBN 3-900272-08-5
  • Carola Leitner (Hg.): Rudolfsheim-Fünfhaus: Wiens 15. Bezirk in alten Fotografien. Ueberreuter, Wien 2008, ISBN 978-3-8000-7335-1
  • Helfried Seemann (Hg.): Rudolfsheim-Fünfhaus: 1860 – 1930. Album Verlag für Photographie, Wien 1995, ISBN 3-85164-015-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Rudolfsheim-Fünfhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rudolfsheim-Fünfhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria – Bevölkerung zu Jahresbeginn seit 2002 nach Politischen Bezirken
  2. Bezirksvertretungswahlen 2010
  3. Klusacek, Stimmer: Rudolfsheim Fünfhaus. S. 11 f.
  4. Verordnung des Bürgermeisters der Stadt Wien über die Einteilung des Gebietes der Stadt Wien in Bezirke vom 15. Oktober 1938
  5. Landesgesetz LGBl. Nr. 9 / 1992
  6. Art. VII § 2 Abs. 2 lit. b Gesetz vom 28. Dezember 1904, Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 1 / 1905
  7. a.a.O., Nr. 104 / 1905
  8. a b Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken [1]
  9. Michael Kofler, Judith Pühringer, Georg Traska (Hrsg.): Das Dreieck meiner Kindheit. Eine jüdische Vorstadtgemeinde in Wien, Mandelbaum-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-279-9, S. 67 ff.
  10. Kofler u.a., a.a.O., S. 83 ff.
  11. Kofler u.a., a.a.O., S. 216 f.
  12. http://www.wien.gv.at/statistik/bevoelkerung/tabellen/bevoelkerung-bez-zr.html
  13. a b c Statistik Austria (Volkszählung 2001)[2] (PDF; 10 kB) [3] (PDF; 11 kB)
  14. Bevölkerungsfortschreibung nach Bezirken 2004 bis 2006 (Basis: Volkszählung 2001), wien.gv.at
  15. MA 5 Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit und Bezirken 2001-2005 [4]
  16. MA18, Soziale Veränderungsprozesse im Stadtraum: Wiener Sozialraumanalyse mit Vertiefung in acht ausgewählten Stadtvierteln (Wien, 2010), S. 92f.
  17. Stadt Wien – Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen
  18. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wahlen/wahlergebnisse_nr_2013
  19. Kirchen im 15. Bezirk, wien.gv.at
  20. wien.at – Photovoltaikanlage „Wasserwelt“ am Kardinal-Rauscher-Platz