Rudy Van Gelder

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Rudy Van Gelder (3. von links) mit dem Roger Dawson Septet vor seinem Studio in Englewood Cliffs (1976)

Rudolph „Rudy“ Van Gelder (* 2. November 1924 in Jersey City, New Jersey)[1] ist ein amerikanischer Tonmeister und Betreiber eines eigenen Tonstudios, das sich auf Jazz-Aufnahmen spezialisiert hat.

Während der 1950er und 60er wurde Van Gelder insbesondere durch seine Arbeiten für das Label Blue Note Records bekannt, er arbeitete mit nahezu allen wichtigen Jazzmusikern dieser Zeit. Seit Ende der 90er beschäftigt sich Van Gelder hauptsächlich mit der digitalen Nachbearbeitung seiner alten Originalaufnahmen. Der All Music Guide urteilte über Van Gelder: „Rudy Van Gelder ist einfach der beste Tonmeister der Jazzgeschichte.[2]

Leben[Bearbeiten]

Bereits als Jugendlicher interessierte sich Van Gelder für Audiotechnik, wobei sich sein Interesse zunächst auf die Wiedergabe von Schallplatten beschränkte. Später beschäftigte sich Van Gelder, der eigentlich Augenoptiker gelernt hatte, mit Aufnahmetechnik und arbeitete neben seinem eigentlichen Beruf als Tonmeister für regionale Radiostationen und kleine Jazzlabels. Er betrieb zunächst im Haus seiner Eltern in Hackensack (New Jersey) ein eigenes Tonstudio. Seine ersichtlich ersten Aufnahmen entstanden am 2. März 1952 mit dem vom Jazzsaxophonisten angeführten Gil Mellé Septet, die Alfred Lion 1953 auf seinem Label Blue Note Records veröffentlichte. 1959 gab Van Gelder seinen Beruf als Optiker auf und richtete sich ein Studio in Englewood Cliffs, einer Kleinstadt nur wenige Kilometer südöstlich von Hackensack, ein, in dem er bis heute tätig ist. Die ersten Aufnahmen dort entstanden am 12. August 1959 für Coleman Hawkins With The Red Garland Trio.

Werk[Bearbeiten]

Van Gelder verstand wie kaum ein anderer, die Wünsche der Musiker und Komponisten bezüglich des Klangbildes ihrer Musik umzusetzen. Zudem hatte er ein ausgeprägtes Verständnis von der Aufnahmetechnik der 1950er und 60er Jahre. Die Schwierigkeit bestand darin, dass Aufnahmen zu dieser Zeit noch live eingespielt wurden, d. h. alle für eine Aufnahme nötigen Musiker fanden sich im Studio ein und spielten einen Titel in einem sogenannten Take – teilweise von mehr als zehn Minuten Länge – ein. Wollte man nun die Musik auf Tonband aufzeichnen, so mussten die unterschiedlichen Lautstärken, Klangspektren und Richtcharakteristika der einzelnen Instrumente in Abhängigkeit von den einzelnen Faktoren voneinander, sowie die daraus folgende Eignung unterschiedlicher Mikrofontypen beachtet werden. Van Gelder hatte nun die Fähigkeit, Musiker und Mikrofone so zu gruppieren, dass der Klang möglichst optimal (dem Livespiel entsprechend) auf Band aufgezeichnet werden konnte. Er äußerte sich in einem Interview über seine Besessenheit, den optimalen Klang zu reproduzieren, wie folgt:

Qualität ist es, was meine Arbeit bestimmt. Seit dem Anfang ist es alles, worüber ich nachdenke, Tag und Nacht: Wie kann ich die Aufnahmen, die ich gemacht habe, besser klingen lassen? [3]

Logo von Blue Note Records, dem langjährige Auftraggeber von Van Gelder

Van Gelder verstand sich selbst immer als Tontechniker im wörtlichen Sinn, d. h. jemand der nicht nur für die Qualität der Aufnahme selbst steht, sondern sich auch um den Aufbau der notwendigen Technik kümmert. Insbesondere zur Anfangszeit wurden Plattenaufnahmen in den Studios der großen Radiostationen erstellt. Diese waren aber ihrem eigentlichen Sinn entsprechend technisch und personell auf die Produktion von Radiobeiträgen ausgerichtet. Eine spezielle Studiotechnik, wie sie heute üblich ist, war zur damaligen Zeit kaum verfügbar. Das Van Gelder Studio in Englewood Cliffs befindet sich noch heute auf dem neuesten Stand der Technik.

Auch bei der Herstellung der sogenannten Väter (sozusagen der Masternegative) für die Produktion von Schallplatten überließ Van Gelder nichts dem Zufall. Die Bandaufnahmen wurden meist von Van Gelder selbst auf die Lackfolien überspielt, aus denen später der Vater hergestellt wurde. In der Anfangszeit wurde jede dieser Folien von Van Gelder von Hand mit der Signatur RVG versehen. Später geschah die Signatur mittels eines Stempels.

Zu den Auftraggebern des Van Gelder Studios gehörte in erster Linie das Jazzlabel Blue Note Records. Von 1953 bis 1967 entstanden nahezu alle Studioaufnahmen für Blue Note unter Van Gelders Federführung, er gilt daher als Schöpfer des klaren und ausgewogenen Blue Note Sounds. Obwohl er auch für Ozzie Cadenas Savoy Records, Orrin Keepnews’ und Bill Grauers Riverside, Bob Weinstocks Prestige und Bob Thieles Impulse! Records sowie später für Creed Taylors Verve, CTI Records und für das Klassik-Label Vox tätig war, wird sein Name meist nur mit Blue Note in Verbindung gebracht.


Van Gelder arbeitete mit Musikern wie Thelonious Monk, Miles Davis, John Coltrane und Art Blakey. Nicht zuletzt dadurch haben Van Gelder und Alfred Lion (als Produzent) den Bebop und die nachfolgenden Jazzstile nachhaltig mitgeprägt. Zu den bekanntesten Aufnahmen aus Van Gelders Studio gehört John Coltranes A Love Supreme aus dem Jahr 1964, das in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Bob Thiele für Impulse! entstand. 1965 erhielt das Album zwei Grammy-Nominierungen und wird in der Jazzliteratur als „John Coltranes legendäres Album“ bezeichnet.[4]

Seit 1999 veröffentlicht Blue Note in Zusammenarbeit mit Van Gelder die sogenannte The Rudy Van Gelder Edition (kurz: RVG Edition). Hier werden Aufnahmen aus den 1950er und 60er Jahren mit Hilfe moderner 24-bit-Technologie von den originalen Bandaufnahmen neu abgemischt. Die Originalaufnahmen entstanden zum größten Teil bereits unter Mithilfe von Van Gelder, es wurden jedoch auch Aufnahmen wie Birth of the Cool von Miles Davis aus dem Jahren 1949/50 neu bearbeitet.[5] Später widmete sich Van Gelder der digitalen Bearbeitung der Aufnahmen, die er für Prestige Records betreut hat, sie sind seit 2006 als Rudy Van Gelder Series erhältlich.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für 2009 erhielt er die NEA Jazz Masters Fellowship.[1]

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten]

Widmungen von Musikern[Bearbeiten]

Ein Indiz für Van Gelders Reputation und den mythischen Beiklang seines Namens bei den Musikern ist die lange Liste der ihm und seinen Studios gewidmeten Jazzstücke.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Biographie von NEA Seite
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSteve Huey: Rudy Van Gelder - Biography. In: Allmusic.com. Abgerufen am 28. Dezember 2006.:

    Rudy Van Gelder is, quite simply, the greatest recording engineer in jazz history.

  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJeff Forlenza: Rudy Van Gelder – Jazz and the Art of Technical Excellence. In: Mixonline.com. 1. Mai 2005, abgerufen am 28. Dezember 2006.

    Quality is what drives the work I do. From the beginning, that’s all I would think about, day and night: How could I make the recordings that I made sound better?

  4. a b Ashley Kahn: A Love Supreme. John Coltranes legendäres Album. Rogner und Bernhard Verlag, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-8077-0030-7
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Rudy Van Gelder Edition. In: Bluenote.com. Abgerufen am 28. Dezember 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

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Dieser Artikel wurde am 24. Februar 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.