Nidaa Tounes

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نداء تونس
Nidaa Tounes
Ruf Tunesiens
Parteilogo
Beji Caid el Sebsi (2011)
Partei­vorsitzender Beji Caid el Sebsi
General­sekretär Taieb Baccouche
Gründung Juni 2014
Aus­richtung säkulare Sammlungsbewegung
Sozialdemokratie[2]
Parlamentsmandate 85 von 217 in der Volksrepräsentantenversammlung
Mitglieder­zahl 110.000 (2014)[1]
Website www.nidaatounes.org

Nidaa Tounes (arabisch ‏نداء تونس‎, DMG Nidāʾ Tūnis, übersetzt „Ruf Tunesiens“) ist eine säkulare Sammlungspartei in Tunesien. 2012 gegründet, wurde sie bei der Parlamentswahl im Oktober 2014 auf Anhieb zur stärksten Kraft in der Volksrepräsentantenversammlung gewählt. Gründungsvorsitzender Beji Caid el Sebsi siegte zudem Ende 2014 im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Moncef Marzouki.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Nidaa Tounes wurde durch den ehemaligen Premierminister Beji Caid el Sebsi nach den postrevolutionären Wahlen 2011 gegründet. Die Partei zielt darauf ab, die säkularen Kräfte des Landes zu einen und gegen die nach der tunesischen Revolution und der ersten freien Wahl dominierende islamistische Partei Ennahda anzuwirken.[3]

Der Ruf Tunesiens vereinigt ehemalige Mitglieder der Konstitutionellen Demokratischen Sammlung (RCD) des gestürzten Präsidenten Ben Ali, säkulare Linke, und fortschrittliche Liberale. Außerdem hat die Partei die Unterstützung von zahlreichen Mitgliedern sowohl des tunesischen Gewerkschaftsbunds UGTT als auch des nationalen Arbeitgeberverbands UTICA. Führende Mitglieder der Partei identifizieren sich als Destouriens, sie berufen sich also auf die Tradition der Neo-Destur-Partei beziehungsweise Sozialistischen Destur-Partei des ersten tunesischen Präsidenten und „Staatsgründers“ Habib Bourguiba. Von Kritikern wird sie als Sammelbecken von Vertretern des alten Regimes angesehen.[4][3] Der Parteivorsitzende el Sebsi war unter Bourguiba Innen-, Verteidigungs- und Außenminister und während der Präsidentschaft Ben Alis Parlamentspräsident. Im Zuge der revolutionären Ereignisse 2010/11 wurde er Premierminister und führte während der Transformationszeit eine Übergangsregierung.

Verfassungsgebende Versammlung[Bearbeiten]

In der Verfassunggebenden Versammlung war Nidaa Tounes ab August 2012 durch Überläufer von anderen Parteien vertreten.[5] Im Oktober 2012 starb ein Funktionär der Partei in Tataouine, angeblich nachdem er von Regierungsanhängern bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Ennahda- und Nidaa-Unterstützern zusammengeschlagen worden war.[6] Im Juli 2013 hatte sie 11 Abgeordnete,[7] von denen mehrere die Partei aber wieder verließen. Bei Auflösung der Versammlung im Herbst 2014 hatte sie noch 6 Parlamentarier.[8]

Parlamentswahl 2014[Bearbeiten]

Im Februar 2013 gründete sie zusammen mit der Republikanischen Partei und mehreren kleineren oppositionellen und säkularen Parteien das Bündnis Union für Tunesien.[9] Im Juli 2013 schlossen sie sich mit weiteren Parteien, darunter die linke Volksfront, zur noch breiteren Nationalen Rettungsfront zusammen, die die Opposition gegen die Regierung der sogenannten Troika koordinieren wollte.[10] Sie zerfiel aber bald wieder.

Zur Parlamentswahl im Oktober 2014 trat sie dann nicht als Teil der Union für Tunesien, sondern mit einer eigenen Liste an.[11] Nach vorläufigen Ergebnissen wurde sie dabei mit 86 der insgesamt 217 Sitze stärkste Kraft.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. L'interview intégrale de Béji Caïd Essebsi à Leaders : J'irai jusqu'au bout! 1. September 2014, abgerufen am 24. Dezember 2014 (französisch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPreviewing Tunisia’s Parliamentary & Presidential Elections. Oktober 2014, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  3. a b Monica Marks, Omar Belhaj Salah: Uniting for Tunisia? Sada, 28. März 2013, abgerufen am 21. Juli 2012.
  4.  Erik Churchill: The ‘Call for Tunisia’. In: Foreign Policy. 27. Juni 2012.
  5. Brahim Qassas et Mouldi Zidi rejoignent officiellement Nidaa Tounes. BusinessNews.com.tn, 8. August 2012.
  6. Tunisia clash leaves opposition official dead. AlJazeera, 19. Oktober 2012.
  7. Deux élus d’Ettakatol rejoignent Nidaa Tounès. Tunisie Numerique, 9. Juli 2013.
  8. Website der Verfassunggebenden Versammlung, abgerufen am 29. Oktober 2014.
  9. Union for Tunisia. Jebali's initiative "step forward on right path". TAP, 12. Februar 2013
  10. Tunisia: Political Parties and Civil Society Components Announce Formation of National Salvation Front, allAfrica.com, 26. Juli 2013
  11. Après la défection de Nidaa Tounès: L’Union pour la Tunisie dans l’expectative! Le Temps, 28. Juni 2014