Ruhnu

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Ruhnu
Wappen
Wappen
Staat: Estland Estland
Kreis: Saaremaa lipp.svg Saare
Koordinaten: 57° 48′ N, 23° 15′ O57.823.25Koordinaten: 57° 48′ N, 23° 15′ O
Fläche: 11,9 km²
 
Einwohner: 56 (2006)
Bevölkerungsdichte: 5 Einwohner je km²
Zeitzone: EET (UTC+2)
 
Webpräsenz:
Karte von Estland, Position von Ruhnu hervorgehoben

Ruhnu (schwedisch und deutsch Runö) ist eine kleine Insel der Moonsund-Inseln in der Ostsee, gelegen in der Bucht von Riga, die politisch zu Estland gehört und eine eigene Gemeinde bildet. Ruhnu ist die südlichste Insel Estlands.

Ruhnu liegt rund 40 km östlich des lettischen Kap Kolka. Zum estnischen Pärnu sind es 96 km. Die Insel ist nur 11,9 km² groß. Es gibt ein kleines Dorf, dessen Holzkirche 1644 errichtet wurde.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Insel von Schweden bewohnt. Erstmals wurde sie in einem Erlass des Bischofs von Kurland im Jahre 1341 erwähnt, der ihre Bewohner der schwedischen Rechtsprechung unterstellte. Auch als Runö an das russische Zarenreich fiel, konnten sich die Bauern auf diesen Brief berufen. So war die Leibeigenschaft auf der Insel nicht möglich. Auf der Insel entwickelte sich ein eigener schwedischer Dialekt, das Runsk.

Runö.jpg

Nach dem Ende des Zarenreiches schrieben die Bewohner der Insel einen Brief an den schwedischen König und ersuchten ihn, Runö in den schwedischen Staat aufzunehmen. Dieser lehnte jedoch ab und überließ den Bewohnern die Wahl, sich Estland oder Lettland anzuschließen. Man entschied sich für Estland, da es dort eine schwedische Minderheit gab. Das traditionelle Leben der Bewohner dokumentiert eindrucksvoll der 1931 gedrehte, 18-minütige Dokumentarfilm Ruhnu saar des estnischen Filmemachers Theodor Luts.

Am 4. August 1944 floh fast die gesamte Bevölkerung vor der Roten Armee nach Schweden. Dies bedeutete das Ende der mehr als 700 Jahre währenden schwedischen Kultur auf der Insel.

Heute leben auf Ruhnu etwa 60 Esten. Nur diese sowie dort arbeitende Menschen dürfen auf der Insel motorisiert unterwegs sein. Urlauber dagegen bewegen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder werden zwischen Fähre und Dorf mit einem Kleinbus transportiert. Dadurch sind auf der Insel meist nur natürliche Geräusche zu hören. Im Sommer gibt es eine regelmäßige Personen-Fährverbindung nach Kuressaare und nach Pärnu.

Zudem hat Ruhnu einen kleinen Flugplatz. Die Fluggesellschaft Air Livonia flog von dort bis 30. April 2006 wöchentlich nach Pärnu und Kuressaare, musste die Verbindung aber einstellen, nachdem dem Flugzeugtyp Antonow An-28 in Estland die Flugberechtigung entzogen wurde. Seit November 2006 fliegt das norddeutsche Luftfahrtunternehmen Luftverkehr Friesland Harle die Strecken nach Kuressaare und Pärnu mit einer zweimotorigen Britten-Norman BN-2 Islander. Seit 2009 gilt ein neuer Vertrag mit einer ganzjährigen Versorgung der Insel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Friedrich Wilhelm Rußwurm: Eibofolke oder die Schweden an den Küste Ehstlands und auf Runö. Eine historisch-ethnographische Untersuchung mit Urkunden, Tabellen und lithographirten Beilagen. Fleischer in Kommission, Reval u. a. 1855.
  • Jörgen Hedman, Lars Åhlander: Runö. Historien om svenskön i Rigabukten. Dialogos, Stockholm 2006, ISBN 91-7504-185-5.

Weblinks[Bearbeiten]