Ruhr-Universität Bochum

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Ruhr-Universität Bochum
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Motto menschlich - weltoffen - leistungsstark
Gründung 1962
Trägerschaft MIWFT NRW (staatlich)
Ort Bochum
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Rektor Elmar Weiler
Studenten 41.456 WS 2013/14[1]
Mitarbeiter 5.600 (1. Dezember 2012)[2]
davon Professoren 411 (plus Juniorprofessoren (71), inkl. Medizin)[2]
Jahresetat ca. 530 Mio. € (2013)[3]
Website www.ruhr-uni-bochum.de
Luftaufnahme der Ruhr-Universität
Haupteingang zur Ruhr-Universität

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in Bochum ist mit 41.456 Studierenden eine der zehn größten Universitäten in Deutschland.

Überblick[Bearbeiten]

Das Audimax
Luftaufnahme des Campus-Geländes mit Audimax und Mensa

Die RUB war 1962 (Aufnahme des Lehrbetriebs 1965) die erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik. Die Universität wurde außerhalb der Stadt als Campus-Universität in Bochum-Querenburg angelegt: Bis auf wenige Außenstellen sind alle Fakultäten auf dem Universitätsgelände untergebracht. Die Universität, die Wohnstadt Hustadt und das beide versorgende Einkaufszentrum Uni-Center dominieren seither den Stadtteil.

Die Studierenden der Medizin absolvieren ihre praktische Ausbildung nicht zentral in einem eigenen Klinikum, sondern werden auf verschiedene Krankenhäuser in Bochum und Umgebung verteilt. Bis 2012 wurde diese deutschlandweit einmalige dezentrale Ausbildung auch als Bochumer Modell bezeichnet. Seit 2012 präsentieren sich die beteiligten Kliniken jedoch in einem einheitlichen Erscheinungsbild als Universitätsklinikum der Ruhr-Universität (UK RUB).

Die RUB ist von Anbeginn eine Reformuniversität. In der Einführung gestufter Studiengänge nach Vorgabe der Bologna-Erklärung nimmt sie eine Vorreiterrolle in Deutschland ein.

Bundesweit belegt sie den zweiten Platz in der Liste der DFG-Sonderforschungsbereiche. Im aktuellen DFG-Ranking unter den 40 deutschen Hochschulen mit dem höchsten Bewilligungsvolumen für Forschungsvorhaben der Jahre 2002 bis 2004 erreichte sie Rang drei in den Lebenswissenschaften, den neunten Platz in den Ingenieurwissenschaften und Platz 12 in den Naturwissenschaften. Im gesamten Vergleich erzielte die RUB den 15. Platz. Die Ruhr-Universität befand sich 2007 und 2011 in der Endrunde der vom Bund geführten Exzellenzinitiative und setzte sich jeweils in zwei von drei Förderlinien durch.

Geschichte[Bearbeiten]

Siegel der RUB, welches bis 2009 zugleich als Logo genutzt wurde

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Universität in Bochum beginnt bereits 1948 in der ersten Wahlperiode des Landtages mit der fraktionsübergreifenden Forderung nach einer zweiten technischen Hochschule in Westfalen. Favorit für den Standort war allerdings die Stadt Dortmund. Im Kulturausschuss wurden am 20. Dezember 1960 – und damit erst knapp zwölf Jahre später – die Mittel für den Kauf eines entsprechenden Geländes in Westfalen genehmigt. Nach weiteren, teilweise erbittert geführten Diskussionen setzte sich der Standort Bochum-Querenburg mit 102 zu 87 Stimmen gegenüber Dortmund im Landtag durch.

Planung[Bearbeiten]

Zur schnellen Realisierung wurde nach weiterer Vorplanung der wissenschaftlichen Schwerpunkte 1962 ein Ideenwettbewerb ausgelobt, zu dem bekannte Architekten wie Gropius und Mies van der Rohe direkt eingeladen wurden, bei dem aber auch alle anderen in der Bundesrepublik niedergelassenen Architekten zugelassen waren. Aus den 85 eingereichten Entwürfen setzte sich der Entwurf des Büros Hentrich, Petschnigg & Partner aus Düsseldorf durch.

Bau[Bearbeiten]

Begonnen wurde der Bau der Universität offiziell am 2. Januar 1964 mit den Erdarbeiten für die Gebäude IA, IB und IC der Ingenieurwissenschaften. Durch die Verwendung eines einheitlichen Rastermaßes für die Struktur der Gebäude konnten Betonfertigteile direkt auf der Baustelle in industriellen Gussverfahren hergestellt werden, was dazu führte, dass die Ingenieurwissenschaften bereits am 30. Juni 1965 den Betrieb aufnehmen konnten, während die Bauarbeiten für die Gebäude der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Medizin noch bis August 1969 andauerten. Der zentrale Forumsbereich mit Bibliothek, Verwaltung, Audimax und Mensa wurde erst 1971 begonnen und am 1. August 1974 abgeschlossen.[4]

Universitätsallianz Metropole Ruhr[Bearbeiten]

Im März 2007 wurde von den drei Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) gegründet. Diese soll die Kooperation der Lehr- und Forschungsaktivitäten der beteiligten Universitäten stärken und den Universitäten eine bessere Ausgangsposition als exzellentem Standort in der nationalen und internationalen Wissenschafts- und Studienlandschaft geben.[5] Als eines der ersten Projekte der UAMR fördert Ruhr Campus Online die hochschulübergreifende Lehre zwischen den drei Ruhruniversitäten mittels Blended Learning.[6]

Architektur[Bearbeiten]

Treppenhaus im Gebäude IC vor der Kernsanierung des Gebäudes
Grundzertifikat

Der Campus liegt am Rand einer Anhöhe über dem Kemnader See. 13 Hauptgebäude gruppieren sich in vier symmetrischen Komplexen aus je drei bis vier Hochhäusern um die Mensa, das Audimax, die Universitätsbibliothek und das Forum der Universität.

Das architektonische Konzept stammt von Helmut Hentrich (Architekturbüro Hentrich, Petschnigg & Partner). Er sieht die Universität als einen Hafen im Meer des Wissens. Die Gebäude selbst symbolisieren Schiffe, die an ihren Zugängen „angelegt“ haben, das Dach des Audimax erinnert an eine Muschel. Dazu passend wurde auch Anfang der 1990er Jahre die Station „Ruhr-Universität“ der Stadtbahnlinie U35 gestaltet, deren Dach Wellen darstellen soll.

Ursprünglich war die RUB noch deutlich größer geplant. Mehrere Gebäude wurden nicht gebaut, unter anderem das geplante Universitätsklinikum. Zwei der drei für die medizinische Fakultät vorgesehenen Gebäude (MB und MC) wurden zwar fertiggestellt, aber nie bezogen. Sie standen jahrelang leer, bis sie schließlich an private Unternehmen verpachtet wurden. Die daraus erzielten Einnahmen wurden für den Bau des Wohnheims „Europahaus“ verwendet.[7]

Im Audimax, das auch als Spielstätte der Bochumer Symphoniker dient, befindet sich eine der modernsten und größten Orgeln der Orgelmanufaktur Klais. Die Orgel aus dem Jahr 1998 verfügt über 6146 Pfeifen, zusammengefasst in 82 Register.

Die Architektur der Ruhr-Universität ist bis heute ein kontrovers diskutiertes Thema. Der fast alleinige Baustoff Beton erzeugt bei schlechtem Wetter einen tristen Gesamteindruck. Bei gutem Wetter dagegen kontrastiert der helle Beton mit dem blauen Himmel, so dass ein offener sonnendurchfluteter Gesamteindruck entsteht. Anfang der 1990er Jahre wurde die harte Betonarchitektur durch farblich abgesetzte Außenanstriche, Umgestaltungen der Hauptgebäude und durch die Anlage von Grünflächen abgemildert. Auch im Zuge der Exzellenzinitiative wird die Universität seit Anfang 2007 renoviert.

Auf dem steil zur Ruhr hin abfallenden Hang befindet sich der Botanische Garten der Universität.

Der Campus soll in den nächsten Jahrzehnten grundlegend saniert werden. Die Hauptmensa wurde bereits zwischen 2003 und 2006 entkernt und grundlegend umgestaltet, für die Sanierung der Bürogebäude wurde im August 2010 in der I-Reihe das neue Gebäude ID fertiggestellt. Es dient als Ausweichfläche, um die anderen Gebäude nacheinander kernsanieren zu können.[8] Die Gesamtkosten werden mit knapp 1,2 Mrd. € veranschlagt. Das Gebäude IC wurde kernsaniert und 2013 wieder zur Nutzung freigegeben. Die beiden Gebäude IA und IB werden weger zu hoher PCB-Belastung nicht kernsaniert sondern vollständig rückgebaut (abgerissen) und durch zwei ansichtsmäßig ähnliche Gebäude ersetzt. Die Fertigstellung ist für 2018 geplant.[9]

Im Zuge der Sanierungen wurde und wird der Campus deutlich umgestaltet. Unter anderem werden nach und nach fast alle verbliebenen Grünflächen zwischen und neben den Gebäuden bebaut. Diese Gebäude werden z.T. kommerziell genutzt. Im Ausgleich dazu beginnt man allerdings, die Flachdächer zu begrünen.

Fakultäten[Bearbeiten]

Geistes- und Gesellschaftswissenschaften[Bearbeiten]

Ingenieurwissenschaften[Bearbeiten]

Naturwissenschaften[Bearbeiten]

Medizin[Bearbeiten]

Fächerübergreifende Einrichtungen[Bearbeiten]

Gruppen, Kultur[Bearbeiten]

Musisches Zentrum

Überregional bekannt sind verschiedene studentische Initiativen der Ruhr-Universität:

  • Der „Studienkreis Film“, das Uni-Kino der RUB, wurde 1966 von Studierenden gegründet. Als gemeinnütziger e. V. haben sich seine Mitglieder der Auseinandersetzung mit dem Medium Film verschrieben. Der SKF bereichert mit Filmvorführungen, Vorträgen und Publikationen das kulturelle Leben auf dem Campus in Bochum.
  • Einmal im Jahr findet das Internationale Bochumer Videofestival statt.
  • Seit 1967 gibt der allgemeine Studierendenausschuss die „bsz“, die Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung heraus. Diese ist damit die älteste kontinuierlich erscheinende Studierendenzeitung Deutschlands.
  • Das studentische Theaterfestival MegaFon findet seit 2002 jährlich im musischen Zentrum der Ruhr-Universität statt und lädt seit 2006 studentische Theatergruppen aus ganz Europa ein.
  • 1997 startete mit CT das radio das erste Campusradio Nordrhein-Westfalens, das rund um die Uhr und auf einer eigenen Frequenz sendet.
  • Seit 2009 existiert eine Lehr- und Lernredaktion für audiovisuellen Journalismus, in der u.a. eine studentische Magazinsendung produziert wird.[10]
  • Seit 1996 besteht der Arbeitskreis „rote ruhr uni“, der sich in der Tradition von Karl Marx und der Kritischen Theorie mit Gesellschaftskritik, vor allem mit der Kritik der politischen Ökonomie und mit Antisemitismus, beschäftigt.[11]

Botanischer Garten[Bearbeiten]

Chinesische Bau- und Gartenkunst im Botanischen Garten der RUB

Die Universität unterhält den Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum, der als Ausflugsziel weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Teil des Botanischen Gartens ist der etwa 1000 Quadratmeter große Chinesische Garten, der von der Tongji-Universität Shanghai gestiftet wurde und den Namen „Qian Yuan“ (chinesisch 潜园Pinyin Qián Yuán) trägt.

Studierendenvertretung[Bearbeiten]

Die Interessen der Studierenden werden durch einen Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) vertreten, der vom Studierendenparlament gewählt wird. Die Zusammensetzung des Parlaments mit 35 Sitzen wird in jährlichen Wahlen festgelegt, die Wahlbeteiligung betrug im Jahr 2008 17,66 %. Der AStA vergibt unter anderem Mittel an die Fachschaftsräte.

Im Dezember 2007 geriet der von Jusos, RCDS und Liberalen geführte AStA der Ruhr-Universität Bochum in den Blickpunkt der Presse, weil er aufgrund einer fehlgeplanten Musikveranstaltung mit prominenten Bands hohe Verluste erwirtschaftete.[12]

Studiengebühren[Bearbeiten]

Am 18. September 2006 verabschiedete der Senat der Ruhr-Universität eine Satzung, in der die Erhebung von Studiengebühren geregelt ist. Gemäß dieser Gebührensatzung hatten die Studierenden der Ruhr-Universität ab dem Sommersemester 2007 Studiengebühren in Höhe von 500€ pro Semester zu zahlen. Diese wurden für das Wintersemester 2008/2009 und das Sommersemester 2009 gesenkt und betrugen 480€ pro Semester.[13] Die Gebührenordnung sah einige Ausnahmen z.B. für studierende Eltern, Spitzensportler oder einkommensschwache Studierende vor.[14] Zum Wintersemester 2011/12 fallen die Studiengebühren in NRW weg, sodass nur noch der Sozialbeitrag zu zahlen ist.[15]

Tierversuche[Bearbeiten]

Die Tierversuche an der Ruhr-Universität Bochum sind in der Verfassten Studierendenschaft und verschiedenen Hochschulgruppen umstritten. 1998 kam es zu einer gemeinsamen Aktion beider Seiten auf der Gerhard-Petschelt-Brücke.[16]

Laut Angaben der Organisation Ärzte gegen Tierversuche wurden im Jahr 2009 an der Ruhr-Universität Bochum allein 12.962 Wirbeltiere für Forschung und Lehre beschafft:[17]

Die Experimente mit Makaken-Affen am Lehrstuhl für Neurobiologie wurden von der Bezirksregierung Arnsberg bis zum 31. August 2012 genehmigt.[18] Moniert wurde von Tierversuchsgegnern, dass der Verbleib der Tiere danach unklar sei.[19]

Der Tierschutzbeauftragte der Ruhr-Universität, Matthias Schmidt, weist darauf hin, dass Studenten auch im Beruf damit rechnen müssten, Tierversuche durchzuführen. Ziel und Zweck des Versuchs müssten vernünftig gerechtfertigt sein.[20]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Rektoren[21][Bearbeiten]

Kanzler[Bearbeiten]

Professoren[Bearbeiten]

Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Ruhr-Universität Bochum)

Bekannte Studenten/Absolventen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Stallmann: Euphorische Jahre. Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum. Klartext-Verlag, Essen 2004, ISBN 3-89861-318-6.
  • Wilhelm Bleek, Wolfhard Weber: Schöne neue Hochschulwelt. Idee und Wirklichkeit der Ruhr-Universität Bochum. Klartext-Verlag, Essen 2003, ISBN 3-89861-202-3.
  • Alexandra von Cube: „Die Ruhr-Universität Bochum“ Eine Kunsthistorische Untersuchung, Universitätsverlag N. Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0002-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ruhr-Universität Bochum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Statistik und Informationsportal der RUB (abgerufen am 14. März 2014)
  2. a b Ruhr-Universität Bochum. Kurzübersicht: Zahlen und Fakten. Ruhr-Universität Bochum, abgerufen am 8. November 2013.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRuhr-Universität Bochum. Kurzübersicht: Haushalt der RUB. Ruhr-Universität Bochum, abgerufen am 15. Januar 2013.
  4. Alexandra von Cube: Die Ruhr-Universität Bochum Eine kunsthistorische Untersuchung, Universitätsverlag N. Brockmeyer, Bochum 1992
  5. vgl. die Webpräsenz der Universitätsallianz Metropole Ruhr
  6. http://www.ruhrcampusonline.de/
  7. Gebäude der Ruhr-Universität: MC (heute UTC, kein Uni-Gebäude)
  8. Neubau ID an die Ruhr-Universität Bochum übergeben Pressemitteilung der Ruhr-Universität, abgerufen am 13. September 2010
  9. http://www.ruhr-uni-bochum.de/iaib
  10. http://tv.rub.de/
  11. rote-ruhr-uni-com
  12. Dirk Graalmann: Teurer Mensa-Pop. In Süddeutsche Zeitung, 17. Dezember 2007 (online)
  13. Studienbeiträge an der Ruhr-Universität Bochum
  14. Satzung über die Erhebung von Studienbeiträgen und Hochschulabgaben der Ruhr-Universität Bochum vom 22. September 2006 (PDF; 161 kB)
  15. Information der ZSB zu Studiengebühren, abgerufen am 19. September 2011.
  16. Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum (online)
  17. Stoppt Tierversuche an der Ruhr-Uni Bochum. Informationen der Ärzte gegen Tierversuche (online)
  18. WAZ (online)
  19. Bochum Alternativ (online)
  20. Unicum (online)
  21. Liste der Rektoren
  22. Abschied Wiebel
  23. [1]
  24. Interview mit Dr. Ludwig Jörder, bis Juli 2011 Chef der Westfalenhallen Dortmund, Ruhr-Universität Bochum zu RUB Alumni


51.44397.2615722222222Koordinaten: 51° 26′ 38″ N, 7° 15′ 42″ O