Ruhrort

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Duisburg-Ruhrort ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum gleichnamigen Krimi, siehe Tatort: Duisburg-Ruhrort.
Duisburger Stadtwappen
Ruhrort
Stadtteil von Duisburg
Wappen von Ruhrort
Karte
Karte von Ruhrort
Basisdaten
Koordinaten: 51° 27′ 22″ N, 6° 43′ 56″ O51.4560138888896.732266666666731Koordinaten: 51° 27′ 22″ N, 6° 43′ 56″ O
Höhe: 31 m ü. NN
Fläche: 5,41 km²
Postleitzahl: 47119
Vorwahl: 0203
Bevölkerung [1]
Einwohner: 5224 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 965,6 Einwohner/km²
Ausländeranteil: 17,1 % (892)
Wohngebäude: 690
Wohnungen: 3415
Gliederung
Stadtbezirk: Homberg/Ruhrort/Baerl
Ortsteilnummer: 401
Eingemeindung: 1. Oktober 1905
Stadt Ruhrort mit Kastell 1587

Ruhrort ist ein rechtsrheinischer Stadtteil von Duisburg. Er liegt unmittelbar nördlich des Zusammenflusses von Rhein und Ruhr und hat 5.224 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2013). Der Stadtteil gehört zum Stadtbezirk 400 Homberg-Ruhrort-Baerl.

Namensursprung[Bearbeiten]

Bereits über 100 Jahre vor Gründung Ruhrorts im Jahre 1371 wurde der nun rechtsrheinische Homberger Werth als „Ruhr-oort“ bezeichnet. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts machte der Rhein an der Stelle des heutigen Ruhrorts eine weite östliche Schleife, die dann durch den Rheindurchbruch von Süden nach Norden abgeschnitten wurde. Der ehemals linksrheinische Homberger Werth – späterer Standort Ruhrorts – sowie das Caßler Feld (Kasslerfeld) waren dadurch rechtsrheinisch geworden. Höchstwahrscheinlich aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Ruhr-oort“, wobei „Oort“, hochdeutsch „Ort“, Spitze bedeutet und damit die „Ruhrspitze“ als Landspitze benennt. Die aus Osten kommende Ruhr umfloss den Werth zuerst sowohl im Süden als auch im Norden, so dass er eine Insel blieb. Später verlandete der Hauptstrom der Ruhr nördlich des Werths. Über alle Gewässerverlagerungen hinweg gab es immer an der jeweiligen Ruhrmündung eine Landspitze zwischen Ruhr und Rhein, die jeweils „Ruhr-oort“ genannt wurde oder eben hochdeutsch als „Ruhrort“. Die so bezeichnete Siedlung konnte auch der eigentlichen Spitze gegenüber auf der anderen Seite der Mündung liegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der klevische Ort wurde 1371 auf dem ehemals links- und nach dem Rheindurchbruch rechtsrheinischen „Homberger Werth“ gegründet, auf dem die Grafen von Moers eine Rheinzollstelle errichteten. Graf Johann von Moers war zuvor von Kaiser Karl IV. am 28. April 1371 in Prag durch Urkunde dazu bevollmächtigt worden, an beliebiger Stelle in der Herrschaft Moers einen neuen Zoll zu errichten. Auf dem Gelände der Burgfreiheit entwickelte sich rasch eine städtische Ansiedlung im Umfang der Ruhrorter Altstadt. Die Zollrechte wurden bald an die Herzöge von Kleve und die Grafen von der Mark verpfändet. Sie errichteten auch das Kasteel – damaliges Haus Ruhrort – und befestigten den Ort, wozu sie 1437 verpflichtet wurden, um Zollfreiheit für die Ruhrorter auf dem Rhein zu erlangen. Das Stadtrecht wurde ihnen aufgrund der mangelnden Befestigung vorerst verwehrt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts durfte die Gemeinde ihren Gottesdienst in den eigenen Mauern abhalten, was rasch zum Bau einer kleinen Kirche auf dem Ruhrorter Marktplatz führte. 1551 trat die Gemeinde geschlossen zum protestantischen Glauben über.

Seit 1551 wurde diese Siedlung als Stadt bezeichnet.

Aufgrund des Vertrages von Xanten aus dem Jahre 1614 und der darin geregelten Jülich-Klevischen Erbteilung, die in eine vorläufigen Teilung der Herzogtümer endete, gingen die Gebiete von Kleve-Mark an die Kurfürsten von Brandenburg.

1636 wurde der Befehl zum kompletten Abtragen des wehrtechnisch nutzlos gewordenen „Kasteels“ vom Kurfürsten von Brandenburg gegeben. Zwei Turmstümpfe blieben jedoch bis zur ersten Stadterweiterung 1754/1756 erhalten, wie auch die städtische Anlage bis zu diesem Zeitpunkt in ihren kleinen Dimensionen bestehen blieb. Reste des „Kasteels“ sind noch Ende des 20. Jahrhunderts in Kellern Ruhrorter Häuser entdeckt worden.

Blick über den Vinckekanal auf das Ruhrort-Panorama


In Ruhrort entstand 1665 eine Schiffergilde, deren Mitglieder sich in den rheinaufwärts gelegenen Städten als Kohlehändler betätigten.

Ruhrort kam 1701 zu Preußen. 1712 entstand die erste Schiffswerft in Ruhrort. Nach einem Beschluss des Magistrats wurde 1716 der erste angemessene Hafen angelegt. Als erstes Haus außerhalb der Ruhrorter Stadtmauer wurde 1756 das so genannte Packhaus, das Stammhaus der Familie Haniel, errichtet. 1808 wurde Meiderich nach Ruhrort eingemeindet. 1828 eröffnete Franz Haniel eine Werft für den Bau von Dampfschiffen. Dort lief 1830 das erste Rheindampfschiff vom Stapel, die Stadt Mainz.[2] Von dieser Haniel Werft ist noch ein Magazingebäude von 1862 erhalten.

Seit 1766 wurde der Ruhrorter Hafen durch die preußische Regierung verwaltet, die für einen zielstrebigen Ausbau der Häfen sorgte. In den Jahren 1837–1842 wurde der Schleusenhafen gebaut, der durch einen Durchstich mit dem Inselhafen verbunden war.

Die Ruhrorter Häfen wurden 1848 von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft durch einen Zweiganschluss nach Oberhausen angeschlossen. Bis 1850 wurde der Ruhrorter Eisenbahnhafen erbaut, an dem 1852 die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gemeinsam mit der Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher Eisenbahn-Gesellschaft das Trajekt Ruhrort-Homberg errichtete und damit die Verbindung über den Rhein nach Aachen über Hohenbudberg – KrefeldViersenMönchengladbach herstellte.

Die Schifferbörse in Ruhrort
Aus den Ruhrorter Häfen auf allen Binnenschiffahrtsstraßen unterwegs
Das Haniel Magazin von 1862

In den Jahren 1860 bis 1867 folgte der Bau des Nord- und Südhafens in Ruhrort.

1874 schied Meiderich aus der Bürgermeisterei Ruhrort aus und bildete seitdem eine eigene Bürgermeisterei.

1901 wurde eine Schifferbörse in Ruhrort eingerichtet. Am 1. April 1904 wurde die Bürgermeisterei Beeck nach Ruhrort eingemeindet. 18 Monate später, am 1. Oktober 1905, wurde Ruhrort zusammen mit Duisburg und Meiderich zu einer Großstadt vereinigt und deren Häfen durch eine einheitliche Verwaltung zusammengeschlossen.

1924 erbauten die Rheinischen Stahlwerke ihr Verwaltungsgebäude im monumentalen Backsteinexpressionismus, das Haus Ruhrort, im Volksmund auch „Tausendfensterhaus“ genannt.

1974 erfolgte die Eröffnung des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt. Es erinnert an die lange Schifffahrtstradition Ruhrorts. In den 1990er Jahren wurde es in das alte Hallenbad im Ortsteil Laar umgesiedelt, da das alte Gebäude den Flächenanforderungen nicht mehr gewachsen war.

Die Aletta-Haniel Gesamtschule (ehemals Gesamtschule Ruhrort) ist im Stadtteil die einzige weiterführende Schule. Sie bietet alle Abschlüsse bis zum Abitur an.

Ruhrort ist Bestandteil der Route der Industriekultur – Duisburg: Stadt und Hafen.

Calvinistische Kirche[Bearbeiten]

Gemeindehaus in der Ruhrorter Dr.-Hammacher-Straße

Zwischen den Jahren 1898 und 1904 entstanden in Duisburg und Ruhrort vier niederländische Gemeinden, von denen zwei streng calvinistisch und zwei gemäßigt ausgerichtet waren. Von 1902 bis 1903 errichtete Karl Siebold den Betsaal in der Dr.-Hammacher-Straße. In jener Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich am Niederrhein und auch in Ruhrort Arbeit suchende Niederländer an. Das Gebäude gehört seit 2008 einem Architekten.[3] Seit Mai 2013 wird es in der Themenroute 26 – Sakralbauten der Route der Industriekultur aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort verbunden sind[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kornelius Haarbeck: Geschichte der Stadt Ruhrort nebst historischen Urkunden. Brendow, Ruhrort 1882. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Kath. Kirchengemeinde St. Maximilian Ruhrort, Evang. Kirchengemeinde Ruhrort (Hrsg.): 500 Jahre Kirche in Ruhrort 1489–1989. Geschichte – Kunst und Architektur – Vereine, Verbände und Gemeinschaften. Duisburg 1989.
  • Albert Bakker: Die Niederländischen Kirchen in Duisburg und Ruhrort. In: Duisburger Forschungen, Band 17 (1972), S. 47–52.
  • Festschrift zum Andenken an die 50jährige Feier der Einweihung der Evangelischen Kirche in Ruhrort am 11. Dez. 1892. Ruhrort 1892.
  • Reinhold Trapp: 275 Jahre Rhein-Ruhr Hafen Duisburg. Die Geschichte des Hafens von 1716–1991. Duisburg 1991.
  • Rhein-Ruhr-Hafenbetriebsverein (Hrsg.): Die Rhein-Ruhr-Häfen. Ein Führer. Duisburg 1926.
  • Hans Weber: Von der Kuhweide zum Welthafen. Zwei Jahrhunderte Geschichte der Duisburg-Ruhrorter Häfen. Duisburg 1961.
  • Szenen einer Stadtgeschichte. DVD, Stadthistorische Aufnahmen von 1914 bis 1944, möglich geworden durch einen spektakulären Fund in den 1960er Jahren während Bauarbeiten in den Kellergewölben des Steigenberger Hotels. Veröffentlicht und ergänzt durch weiteres bisher kaum bekanntes Archivmaterial durch das filmforumStadtwerke Duisburg (Internet Archive, PDF; 304 kB), Friedrich-Wilhelm-Str. 47, 47051 Duisburg
  • Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Oorts-Zeit. Stadtentwicklung in Duisburg-Ruhrort. 2. verbesserte Auflage, Tübingen, Berlin 2001, ISBN 3-8030-0400-4.
  • Heinz Zander: Geheimnisvolles Duisburg. Tübingen, Berlin 2003, ISBN 3-8313-1299-0.
  • Heinz Pischke, Nadine Heinze, Marc Dietschreit: Duisburg-Ruhrort. Lebenswertes Hafenquartier am Rheinkilometer 780. Clenze 2010, ISBN 3-8603-7403-6.
  • Kurt Walter: Jüdisches Leben in Ruhrort. Duisburg 2011, ISBN 978-3-00-036541-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg vom 31. Dezember 2013 (PDF; 21 kB)
  2. Ein „Enkel“ der ersten deutschen Rheindampfer aus Ruhrort, Website des Landschaftsverbands Westfalen Lippe
  3. Calvinistische Niederländer strömen nach Duisburg auf: fremde impulse

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Duisburg-Ruhrort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien