Ruhrstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Verwaltungsstruktur im Regionalverband Ruhr; Regierungsbezirke Münster und Arnsberg im LWL, Düsseldorf im LVR
Siedlungsstruktur im Regionalverband Ruhr
Metropolregion Rhein-Ruhr

Die Bezeichnung Ruhrstadt steht für Pläne einer Städtefusion des Ruhrgebietes. Bisher besteht mit dem Regionalverband Ruhr eine übergreifende Zusammenarbeit von 15 kreisfreien Städten und Landkreisen des Ruhrgebietes.

Nach der Initiative Ruhrstadt soll der Name Ruhrstadt als ein erster Schritt in diese mögliche Richtung das Zusammengehörigkeitsgefühl der Städte des Ruhrgebietes fördern.[1] Der Name Metropole Ruhr wirbt vor allem für die kulturelle Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Städte.[2] In diesem Zusammenhang führte das Ruhrgebiet (und stellvertretend die Stadt Essen) 2010 den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt (RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas).

Grundlage[Bearbeiten]

Das Ruhrgebiet ist der größte Ballungsraum Deutschlands und ein Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Im Allgemeinen versteht man unter dem Begriff Ruhrgebiet heutzutage das Gebiet des Regionalverbands Ruhr (RVR).

Die verwaltungsrechtliche Teilung des Ruhrgebietes ist zurückzuführen auf die 1815 gegründeten preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Preußen richtete sich 1815 bei der Gründung der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz an den alten Stammesgrenzen zwischen Franken und Sachsen aus. Die Grenzen verliefen durch eine damals dünnbesiedelte und landwirtschaftlich geprägte Region. Mit der Industrialisierung, vor allem dem Steinkohlebergbau und der Stahlerzeugung, wuchsen die alten Hellwegstädte und die Dörfer im Emscherland zu Großstädten. Die alten Grenzen führen seitdem mitten durchs Ruhrgebiet, was zu einer Verwaltung durch drei Bezirksregierungen führt: Regierungsbezirk Münster, Regierungsbezirk Arnsberg und Regierungsbezirk Düsseldorf.

Koordinierungaufgaben übernahm der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, aus dem der Kommunalverband Ruhrgebiet bzw. der heutige Regionalverband Ruhrgebiet entstand. Die Region ist einem ständigen Strukturwandel unterworfen, was die Frage nach mehr Koordination und Zusammenarbeit anstand einer Konkurrenzsituation zum Beispiel beim Werben um Gewerbeansiedlung aufwirft.

Allerdings führen die einzelnen Großstädte des Ruhrgebietes vielfach ein Eigenleben und sträuben sich in der Tendenz gegen die Vereinigung zu einer Ruhrstadt. Insbesondere die Flügelstädte berufen sich dabei auf die historisch gewachsenen Strukturen. So wirbt beispielsweise die Stadt Dortmund als Herz Westfalens oder als westfälische Metropole für sich.

Lösungsmodelle und Zwischenlösungen[Bearbeiten]

Eine Stadt[Bearbeiten]

Schon in den 1920er Jahren war der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) der Ansicht, dass das Ruhrgebiet aus Rheinland und Westfalen herausgelöst auch verwaltungsrechtlich zu einer Einheit werden sollte. Auch die Nachfolger des SVR, der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) und der heutige RVR forderten eine solche Ruhrstadt, um die Zersplitterung und die Fernsteuerung des „Reviers“ von außen aufzuheben.

Diese weitestgehende Lösung, die Gründung einer die ganze Stadtregion umfassenden, polyzentrischen Regionalstadt, forderten unter anderem die Grünen und der Verein Pro Ruhrgebiet. Diese Forderungen sind insbesondere bei den beiden Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) umstritten.

Vier Städte[Bearbeiten]

Eine mögliche Zwischenlösung wäre ein Vier-Städte-Modell, nach dem die übrigen Städte des Kern-Ruhrgebietes den vier großen Kernstädten Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund zugeteilt werden. Die Stadt Mülheim könnte in diesem Modell beispielsweise Stadtteil von Essen, und die Stadt Oberhausen ein Stadtteil von Duisburg werden. Entsprechende Pläne bestanden bereits in den 1920er Jahren, z. B. zur Ruhrmündungsstadt um Duisburg.

Für die Neugliederung des Ruhrgebiets zum 1. Januar 1975 wurde von dem damaligen nordrhein-westfälischen Innenminister Willi Weyer am 18. Oktober 1972 der Öffentlichkeit ein Städteverbandsmodell vorgestellt. Es sah die Bildung von vier Städteverbänden (Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund) mit jeweils mehr als einer Million Einwohnern vor. Wegen der Befürchtung, dies sei eine Vorstufe zur Bildung von vier Millionenstädten im Ruhrgebiet, wurde das Modell damals verworfen.

Mehrere Städte[Bearbeiten]

Ein alternatives Modell zur Eingemeindung der kleineren Städte nach Kernstädten wäre die Vereinigung der kleineren Städte. So könnten Mülheim an der Ruhr und Oberhausen oder Gelsenkirchen und Herne zu neuen Städten zusammengelegt werden. Dieses Modell ähnelt der Grundlage der gebietsreformerischen Maßnahmen der 1920er Jahre.

Solche Städtefusionen und die Schaffung neuer Städte haben nicht nur im Ruhrgebiet zahlreiche Vorbilder (z. B. Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Duisburg), sondern auch im Rheinland (Wuppertal, Leverkusen, Krefeld) und im übrigen Deutschland (Groß-Berlin, Groß-Hamburg). Die Eingemeindungen im Jahre 1975 (Wattenscheid, Kettwig, Glabotki etc.) werden im eigentlichen Sinn nicht zu den Städtefusionen gerechnet, da die entstandene Stadt zu keinem Zeitpunkt einen Doppelnamen trug.

Einführung von Regionaldirektionen[Bearbeiten]

Für die zuvor genannten Modelle gibt es gegenwärtig keine politischen Mehrheiten. Realistisch ist jedoch die Schaffung eines eigenen „Regierungsbezirks Ruhr“, um diese größte Stadtregion Mitteleuropas politisch zu stärken. Bei der nach der Landtagswahl 2005 regierenden Koalition aus CDU und FDP stand die Schaffung eines Ruhrbezirks auf der Agenda. Bis 2012 sollten die beiden Landschaftsverbände und die fünf Regierungsbezirke in NRW abgeschafft und durch drei Regionaldirektionen ersetzt werden. Neben dem Rheinland und Westfalen sollte auch das Ruhrgebiet eine eigene Regionaldirektion erhalten. Regierungssitz sollte die Ruhrgebietsgroßstadt Essen werden.

Bei den Verbänden RVR, LVR und Landschaftsverband Westfalen-Lippe wuchs der Widerstand, da sie nach der Landesplanung aufgelöst werden sollten.

Diese Pläne wurden vor der Landtagswahl 2009 jedoch schon von der Regierung Rüttgers aufgegeben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.initiative-ruhrstadt.de/index.php?page=Ziel
  2. http://www.metropoleruhr.de