Ruine Reußenstein

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Ruine Reußenstein
Blick aus dem Tal auf die Ruine Reußenstein

Blick aus dem Tal auf die Ruine Reußenstein

Entstehungszeit: 1270
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ministeriale
Ort: Neidlingen
Geographische Lage 48° 33′ 41″ N, 9° 34′ 2″ O48.5613888888899.5672222222222760Koordinaten: 48° 33′ 41″ N, 9° 34′ 2″ O
Höhe: 760 m ü. NN
Ruine Reußenstein (Baden-Württemberg)
Ruine Reußenstein
Reußenstein vom Gleitschirm aus

Die Ruine Reußenstein ist die Ruine einer Felsenburg oberhalb von Neidlingen im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Heute ist der Reußenstein ein beliebtes Ziel für Kletterer und Wanderer und gehört zu den meistbesuchten Burgen der Alb.[1] Die Ruine Reußenstein wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Dezember 2012“ ernannt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ruine befindet sich in einer Höhe von 760 Metern über dem Meeresspiegel. Auf einem Felsriff am Albtrauf gelegen bietet sie eine schöne Aussicht auf das Neidlinger Tal.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Burg wurde gegen 1270 als Ministerialburg der Herrschaft Teck gebaut um bis in das Spätmittelalter den einzigen Albaufstieg aus dem Neidlinger Tal zu kontrollieren.

Ritter Diethoh von Kirchheim-Stein war seit etwa 1301 der erste Herr der Burg. Sein Sohn verkaufte sie an seine Vettern, Konrad und Heinrich Reuß.

Die Burg wurde erstmals 1371 Reußenstein genannt. In den nächsten 50 Jahren ging die Burg an elf Besitzer. 1381 auch an die Württemberger. 1441 gelangten die Grafen von Helfenstein in den Besitz der Burg. Der letzte Graf, der auf der Burg wohnte, war Ludwig Helferich von Reußenstein.

Mit dem Aussterben der Helfensteiner ab 1550 war die Burg unbewohnt und begann zu zerfallen. 1752 wurde der Reußenstein Eigentum der bayerischen Hofkammer. 1806 wurde sie württembergische Staatsdomäne. 1835 schenkte der König von Württemberg die Burg seinem Adjutanten Oberst von Fleischmann. 1846 wurde bei der Ruine der angeblich vorletzte Luchs in Deutschland erlegt.

Im März 1862 kaufte die Hofkammer (damals Hofdomänenkammer) die Burgruine und das dazugehörige große Gut von Generalmajor v. Fleischmann um 73.000 Gulden. Am 4. Oktober 1888 ersteigerte die Hofdomänenkammer bei einer Zwangsversteigerung den Anteil des Nikolaus Aierle am Ziegelhof, welcher an die Domäne Reußenstein grenzt, um 18000 Gulden. Nur wenig später folgte die Erwerbung des restlichen Anwesens von Julius Aierle um 18500 Gulden. Der Ziegelhof wurde meist zusammen mit der Domäne Reußenstein verpachtet.

Folgende Pächter bewirtschafteten die Güter:

  • Johannes Eberhardt, Mehrstetten, Oberamt Münsingen (1862-1877)
  • Wilhelm Rall, Jakobs Sohn, Dettingen unter Teck (1877-1901)
  • Wilhelm Rall (Ziegelhof) (1901-1904)
  • Wilhelm Rall jun. (Ziegelhof) (1904-1915)
  • Friedrich Kober, Pfullingen (1901-1915)
  • Friedrich Kober und Jakob Kober (1915-1925)
  • Jakob Kober (Ziegelhof) (1925-1937)
  • Jakob Schilling, Böhringen (1925-1950)

Im Jahr 1928 richtete man eine Wasserleitung mit einem Pumpwerk ein. Im Zuge der Bodenreform wurden die Domänen Reußenstein und Ziegelhof 1950 enteignet. Am 5. Oktober 1964 erfolgte der Verkauf der Ruine Reußenstein an den Kreis Nürtingen. In den Jahren 1965/66 wurde der Reußenstein vom Landkreis Nürtingen (heute Landkreis Esslingen) und dem Schwäbischen Albverein unter der Aufsicht des württembergischen Denkmalamtes renoviert.[2]

Am 13. Juni 2010 ist ein Motorsegler gegen eine Steilwand an der Burgruine geprallt und zerschellt. Dabei kamen zwei Personen ums Leben.[3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die spaetstaufische Burganlage verfügte über eine Haupt-, Vor- und Unterburg, einen etwa 19 Meter hohen Bergfried mit 2 Meter starken Mauern auf einer Grundfläche von 5,66 mal 5,95 Metern mit nördlich angebrachten Anbau mit Satteldach, einen Palas mit schildmauerartiger, hoher Frontmauer sowie eine Burgkapelle im Burghof. Die Schildmauer war 14 Meter hoch und 2 Meter stark.

Sage von Wilhelm Hauff[Bearbeiten]

Nach der von Wilhelm Hauff verfassten Sage ließ der Riese Heim vom Heimenstein, der bis dahin in der Felshöhle in den gleichnamigen Schwammstotzen auf der gegenüberliegenden Talseite gelebt hatte, die Burg auf dem Reußenstein erbauen. Um auf den Reußensteinfelsen zu gelangen, musste er erst mit einem großen Schritt das Tal durchqueren, trat dabei aber zu kurz und blieb mit einem Fuß in dem morastigen Talgrund stecken. Als er ihn wieder herauszog, entsprang dem Fußstapfenloch eine Quelle, wodurch er ganz nebenbei die Lindach geschaffen hatte. Zuletzt fehlte an der fast fertigen Burg noch ein Nagel. Keiner der Handwerker wagte es jedoch, diesen in luftiger Höhe einzuschlagen. Da kam ein junger Geselle aus dem Neidlinger Tal, der es wagen wollte. Der Riese hielt den jungen Mann mit seiner mächtigen Faust zum Fenster hinaus über den Abgrund, bis er sein Werk beendet hatte. Als Lohn bekam er Reichtum und die Tochter des Meisters zur Frau.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Band 4 – Alb Mitte-Nord: Wandern und entdecken zwischen Aichelberg und Reutlingen. Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach an der Riß 1991, ISBN 3-924489-58-0, S. 35-46.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Reußenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Baumhauer: Baden-Württemberg, Bild einer Kulturlandschaft, Verlag Theiss, 1983, Seite 116.
  2. Frank Hohlfeld: Wandern auf der schwäbischen Alb, DuMont aktiv, 35 Touren, 2007, Seite 103.
  3. Flugzeugabsturz nahe Stuttgart. Zwei Tote. In: t-online-Nachrichten vom 13. Juni 2010.