Rum and Coca-Cola

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Rum and Coca-Cola ist der Titel eines Calypso, der während des Zweiten Weltkriegs auf Trinidad entstand. 1944 wurde er als größter Millionenseller der Andrews Sisters deren erfolgreichster Titel, der das Interesse an der Karibik und dem Calypso wecken sollte. Das Stück war Gegenstand zweier Plagiatsprozesse.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Rupert Westmore Grant, der in seiner Heimat Trinidad Lord Invader genannt wurde, hatte den Calypso-Text in Trinidad Ende 1942 geschrieben und im Februar 1943 urheberrechtlich registrieren lassen. Er hatte US-amerikanische GIs am Strand von Point Cumana (Ortsname kommt im Song vor) beobachtet, als sie ihr amerikanisches Coke mit karibischem Rum vermischt tranken. Ab März 1943 begann er seinen Text auf der Grundlage einer Melodie zu singen, die bereits im Jahre 1906 in Trinidad von Lionel Belasco und Massie Patterson unter dem Titel L'année passée (deutsch: „Das vergangene Jahr“) komponiert worden war. Belasco wird als Mitautor erwähnt[1], seitdem er seinen Song erst im Jahre 1943 hat urheberrechtlich registrieren lassen. Im September 1943 kam Komödiant Morey Amsterdam als Entertainer für die US-Soldaten nach Trinidad, als Lord Invaders Song bereits auf der ganzen Insel bekannt war. Zurück in New York im November 1943, bot Amsterdam den Song einer längst vergessenen Sängerin, Jeri Sullivan an und beauftragte den Musikverlag Leo Feist Inc., das Urheberrecht registrieren zu lassen. Amsterdam beteuerte später, nicht gewusst zu haben, dass sowohl Text als auch Musik bereits urheberrechtlich geschützt waren.

Aufnahmesession mit den Andrews Sisters[Bearbeiten]

Andrews Sisters - Rum and Coca Cola

Am 18. Oktober 1944 hatten die Andrews Sisters in den Decca-Studios bereits zwei Titel (I'm in a Jam (With Baby) / One Meat Ball) aufgenommen und noch 30 Minuten freie Studiozeit, in der sie unter Produktionsregie von Milt Gabler unvorbereitet und ohne ausgearbeitetes Arrangement den ihnen kaum bekannten Song Rum and Coca-Cola zusammen mit dem Orchester von Vic Schoen improvisierten.[2] In weniger als zehn Minuten war die Aufnahme fertig.[3] Im Dezember 1944 wurde die Single Rum and Coca-Cola / One Meat Ball (Decca #18636) veröffentlicht. Noch im selben Monat stellten sie den Calypso im Radio in den Programmen von „G.I. Journal“ und „Command Performance“ vor.

Seit Veröffentlichung stand der Song unter keinem guten Stern. Zunächst wurde der Text stark kritisiert, weil mit „Rum“ der Alkohol verherrlicht wurde und mit „Coca-Cola“ eine eindeutige Schleichwerbung verbunden war. Den sonst um Schutz des Markennamens vom braunen Brausegetränk besorgten Konzern störte die ungenehmigte Werbung diesmal nicht. Zudem enthielt der Text Andeutungen über mögliche Prostitution.[4] Die Andrews Sisters und alle Beteiligten hatten sich - angeblich - keine weiteren Gedanken über die Bedeutung des Textes gemacht.[5] Die britische BBC war erst bereit, den Song zu spielen, als der Titel in England in „Rum And Limonada“ abgeändert wurde.

Verkaufserfolg[Bearbeiten]

Trotz – oder gerade wegen – der vielfältigen Kritik gewann der Titel schnell an Popularität, als er am 6. Januar 1945 in die Pop-Charts kam. Am 10. Februar erreichte er die Nummer Eins, die er dann für zehn Wochen bis zum 17. März 1945 innehatte. Dem Star-Magazin Variety zufolge hatte der Song innerhalb der ersten vier Wochen seit Veröffentlichung 650.000 Exemplare umgesetzt,[6] bis Ende 1946 waren 2,5 Millionen Platten in den USA verkauft.[7] Weltweit wurden etwa 7 Millionen Stück verkauft, wobei Decca sich knappheitsbedingt Schellack bei anderen Plattenfirmen leihen musste, um die große Nachfrage zu befriedigen.[8]

Urheberrechtsstreit[Bearbeiten]

Die obige Entstehungsgeschichte deutet die Zweifel über die Urheberschaft des Songs bereits an. Die ersten 200.000 Singles der Andrews Sisters erwähnten Morey Amsterdam als alleinigen Komponisten und Texter (siehe Bild). Bereits ab Dezember 1944 wurden dann Amsterdam, Sullivan und Baron als Autoren auf dem Label notiert. Der enorme Erfolg beflügelte die Beteiligten, die Urheberschaft gerichtlich überprüfen zu lassen. Am 26. Oktober 1946 verklagte dem Billboard-Magazin zufolge[9] der Lord Invader vertretende Musikverlag den Mory Amsterdam vertretenden Musikverlag Leo Feist Publishing Company auf Urheberrechtsverletzung. Der Kläger behauptete, dass der Text von Morey Amsterdam während seines Trinidad-Aufenthaltes unberechtigt von Lord Invaders geschütztem Text als Plagiat verbreitet wurde. In einem parallelen Prozess verklagte dann Lionel Belascos Musikverlag ebenfalls die Leo Feist Publishing Company, weil die Melodie von L'année passée unrechtmäßig übernommen wurde.

Die Prozesse reflektierten auch die vorprozessualen Handlungen der Beteiligten. Rupert Westmore Grant hatte sich im Februar 1943 den Text zu Rum and Coca-Cola urheberrechtlich sichern lassen, im Januar 1944 wurde das Copyright für L'année passée gesichert. Der erste Vertrag zwischen dem Musikverlag Feist, Amsterdam und Baron vom 18. Oktober 1944 sprach zwei Drittel der Tantiemen Amsterdam zu, während Baron nicht als Komponist genannt wurde. Ein neuer Vertrag vom 14. Dezember 1944 drittelte nunmehr die Einnahmen zwischen Amsterdam als Texter und Sullivan/Baron als Komponisten. Letztlich entschied das Appelations-Gericht am 20. Dezember 1947, dass hohe Ähnlichkeiten von Rum and Coca-Cola mit dem Originaltext vorhanden waren und deshalb die Andrews Sisters-Version ein Plagiat darstelle. Das zweite Verfahren behandelte die Musik. „Der Rhythmus, die Konstruktion und Harmonien beider Songs…sind beinahe identisch“, urteilte das Gericht in zweiter Instanz am 16. März 1949. Lord Invader und Belasco erhielten als Schadensersatz je US $ 132.000 zugesprochen, die Urheberrechtsverletzer behielten jedoch ihr Copyright.[10]

Statistik[Bearbeiten]

Nach dem Aufnahmedatum dürfte Lord Invader der Originalinterpret sein, weil er den Song wohl in Trinidad bereits 1943 aufgenommen hatte. Dann dürfte die Aufnahme von Louis Prima vom Juni 1944 folgen. Nächste Version dürfte die von Jeri Sullivan sein, diese entstand 1945 in Hollywood, wurde aber nicht veröffentlicht. Während der zweijährigen Prozessdauer hielt sich Lord Invader oft in New York auf, und so existiert eine Live-Aufnahme aus der Townhall (123 W 43rd St), New York City, vom 21. Dezember 1946 unter Regie von Alan Lomax. Im Mai 1945 brachte Champion Jack Dupree unter dem Titel Rum Cola Blues (Joe Davis Records #5100) eine Variante über dieses Mixgetränk heraus.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 39
  2. John Sforza, Swing It! The Andrews Sisters Story, 2004, S. 228
  3. John Sforza, a.a.O., S. 75
  4. u.a. “Both, mother and doda (daughter) working for the Yankee Dollar, oh beat it, man, beat it“ (Beide, Mutter und Tochter, sind am arbeiten für den Dollar der Yankees, schlag' es aus, Mann, tu' es nicht!) und auch “Young girls say, they treat 'em nice, make Trinidad like paradise.“ (Die jungen Mädchen sagen, sie (die GIs) behandeln sie lieb/nett, machen Trinidad zum Paradies)
  5. John Sforza, a.a.O., S. 76
  6. Variety vom 14. Februar 1945, S. 43
  7. Variety vom 25. Dezember 1946, S. 35
  8. John Sforza, a.a.O., S. 186
  9. Billboard-Magazin vom 2. November 1946, Rum And Coke In Two Legal Actions, S. 15
  10. Metropolitan News-Enterprise vom 13. April 2006, Courts Find Rum and Coca-Cola Was Plagiarized, S. 11