Rundbogenstil
Der Rundbogenstil ist ein Baustil des späten Klassizismus und der Romantik, der die Stildiskussion in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte.
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Beschreibung [Bearbeiten]
In Anlehnung an klassische frühchristliche Vorbilder der Romanik als auch am Formenkanon der antiken Baukunst stellt der Rundbogenstil mit seiner schlichten und streng geordneten Fassadenarchitektur eine Weiterentwicklung des Klassizismus dar, der das frühe 19. Jahrhundert beherrscht hatte. Außerdem schafft der Rundbogenstil die erste zeitgenössische Antwort auf die Frage nach einem angemessen Baustil seiner Zeit, die gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen vor dem Hintergrund der aufkeimenden Deutschen Nationalbewegung und der beginnenden Industriellen Revolution gestellt wurde. Damit ist der Rundbogenstil ein frühes Beispiel für den Historismus, der Stilformen als Ausdruck einer bestimmten Bauaufgabe definierte.
Vertreter [Bearbeiten]
Ein einflussreicher Vertreter und theoretischer Vordenker des Rundbogenstils war unter anderem der Karlsruher Architekt Heinrich Hübsch, der mit seiner 1828 erschienenen Schrift „In welchem Style sollen wir bauen?“ gedankliche Grundlagen für den Rundbogenstil schuf. In Norddeutschland verwendete die von Conrad Wilhelm Hase begründete Hannoversche Architekturschule den Rundbogenstil (weitere Vertreter waren Ludwig Droste und Edwin Oppler), in Preußen war es die Schinkelschule.
Beispiele [Bearbeiten]
- Ludwigskirche München, 1829-44, Friedrich von Gärtner
- Königsbau und Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz, 1826-35, Leo von Klenze
- Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptgebäude, 1840, Friedrich von Gärtner
- Bayerische Staatsbibliothek, München, 1832-43, Friedrich von Gärtner
- Kunsthalle Karlsruhe, 1836-46, Heinrich Hübsch
- Heilandskirche Potsdam, 1841-44, Ludwig Persius
- Friedenskirche Potsdam, 1845-54, Ludwig Persius, Friedrich August Stüler
- St.-Marcus-Kirche Wettmar, 1855
- Johanneskirche (Düsseldorf), 1875-81[1]
- Friedenskirche Starnberg am See, 1891-92, Distriktsbautechniker Härtinger
- Unterbarmer Hauptkirche in Wuppertal, 1828-1832, Heinrich Hübsch
- viele Bahnhofsgebäude der „ersten Generation“ (bis ca. 1870), oftmals jedoch durch spätere Bauten ersetzt, z.B.:
- Leipzig Bayerischer Bahnhof, 1841-44 (z.T. erhalten)
- Karlsruhe Hauptbahnhof, Altbau, 1844-46, Friedrich Eisenlohr (nicht erhalten)
- Hamburger Bahnhof (Berlin), 1846-47, Friedrich Neuhaus, Ferdinand Wilhelm Holz (erhalten)
- München Centralbahnhof, 1847-49, Friedrich Bürklein (nicht erhalten)
- Völklingen Alter Bahnhof, Saarland (erhalten)[2]
- Tübingen Hauptbahnhof, 1861-62 (erhalten)[3]