Ruslan Chagayev

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Ruslan Chagaev)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ruslan Chagayev

Daten
Geburtsname Ruslan Shamilovich Chagayev
Kampfname(n) Der weiße Tyson
Gewichtsklasse Schwergewicht
Nationalität Usbekisch
Geburtstag 19. Oktober 1978
Geburtsort Andijon
Todestag
Todesort
Stil Rechtsauslage
Größe 1,85 m
Reichweite
Kampfstatistik
Kämpfe 27
Siege 25
K.-o.-Siege 17
Niederlagen 1
Unentschieden 1
Keine Wertung
Ruslan Chagayev besiegt Nikolai Walujew
Ruslan Chagayev (Mitte) steht mit seinem Trainer Michael Timm (rechts) im Ring Rob Calloway (links) gegenüber (7. Januar 2006).

Ruslan Chagayev (kyrillisch: Руслан Шамилович Чагаев/Ruslan Schamilowitsch Tschagajew; englische Transkription: Ruslan Chagaev; * 19. Oktober 1978 in Andijon, Usbekistan) ist ein usbekischer Boxer tatarischer Herkunft und momentan Weltmeister im Wartestand der WBA im Schwergewicht.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Amateurkarriere

Chagayevs erster internationaler Erfolg war 1995 der Sieg im Schwergewicht bei den in Taschkent stattfindenden Asien-Meisterschaften. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1996 in Havanna gewann er Bronze. Im selben Jahr nahm er für Usbekistan an den Olympischen Spielen in Atlanta teil, scheiterte allerdings bereits im ersten Kampf aufgrund einer Punktniederlage am späteren Bronzemedaillengewinner Luan Krasniqi.

Im Oktober 1997 wurde er in Budapest Amateurweltmeister im Schwergewicht und besiegte dabei im Finale Félix Savón nach Punkten (14:4). Dieser Titel wurde ihm allerdings wenig später aberkannt, da er zuvor bereits zwei Profikämpfe in den USA bestritten hatte. Um seinen Amateurstatus bewahren zu können, wurden diese Kämpfe zu Schaukämpfen deklariert. Dennoch erhielt Chagayev vom Amateurboxweltverband AIBA eine einjährige Sperre.

Nach Ablauf dieser Sperre gewann er 1998 den Titel bei den Asienspielen in Bangkok. Im Februar 1999 traf er im Finale eines Amateurturniers in Plowdiw, Bulgarien erneut auf Savón und siegte nach Punkten (7:2), unterlag ihm allerdings wenig später im August 1999 bei der Amateurweltmeisterschaft in Houston im Viertelfinale 1:9. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney schied Chagayev bereits im Viertelfinale gegen den georgischen Bronzemedaillengewinner Wladimir Tschanturia aus.

Im Juni 2001 konnte er in Belfast, Nordirland Amateurweltmeister im Superschwergewicht werden; er besiegte dabei im Finale den Ukrainer Olexij Masikin vorzeitig. Für diesen Erfolg erhielt er vom usbekischen Präsidenten Karimov 100.000 US-Dollar.

[Bearbeiten] Profikarriere

Nach seinem „ersten“ Profidebüt 1997 wurde Ruslan Chagayev 2001 endgültig Profi, zunächst in den USA. Nachdem er sich mit seinem US-amerikanischen Promoter zerstritten hatte, wurde er 2003 in Deutschland von Klaus-Peter Kohl für seinen Universum-Boxstall unter Vertrag genommen. In seinem zwanzigsten Profikampf gewann er durch einen umstrittenen Punktsieg über den ungeschlagenen Wolodymyr Wirtschis die WBO und WBA Intercontinental-Titel und verteidigte sie anschließend durch K.O. gegen Michael Sprott.

Im November 2006 besiegte er in einem Ausscheidungskampf um die Position des WBA-Pflichtherausforderers den US-Amerikaner John Ruiz nach Punkten. Am 14. April 2007 holte er dann schließlich durch einen Punktsieg über Nikolai Walujew den Weltmeistergürtel nach Version der WBA.

Chagayev sollte am 13. Oktober 2007 in Moskau in einem Vereinigungskampf gegen den zu diesem Zeitpunkt amtiertenden russischen WBO-Weltmeister Sultan Ibragimow boxen. Der Kampf wurde von Chagayev jedoch abgesagt, als Begründung wurde eine Magenerkrankung genannt. In der Folge gab es dazu in den Medien widersprüchliche Aussagen: Laut der BoxSport-Ausgabe vom September 2007 litt er an einer Hepatitiserkrankung, auf der Webseite seines Promoters wurde hingegen zur selben Zeit berichtet, der Boxer habe eine „akute Entzündung“ überstanden und befinde sich wieder im Training. Seine erste Titelverteidigung bestritt Chagayev am 19. Januar 2008 erfolgreich mit einen unspektakulären Punktsieg gegen den 40-jährigen Briten Matt Skelton.

Chagayev sollte zunächst am 31. Mai in Oberhausen einen Rückkampf gegen Nikolai Walujew bestreiten, der Kampf wurde jedoch wegen einer Virusinfektion des Usbeken auf den 5. Juli 2008 verschoben. Außerdem wurde über Probleme Chagayevs mit dem linken Auge in Folge einer Netzhautablösung aus dem Jahre 2001 berichtet. Doch auch das für den Juli 2008 geplante Duell gegen Walujew in Halle/Westfalen musste Chagayev wegen eines in der Vorbereitung erlittenen Achillessehnenrisses absagen. Da er somit diese Pflichtverteidigung bereits zum zweiten Mal absagen musste, wurde ihm der offizielle WBA-Titel aberkannt und der Status des so genannten „Champion in recess“ (Weltmeister im Wartestand) zugesprochen. Dies bedeutet, dass er bis spätestens 26. Juni 2009 das Recht hat, den dann amtierenden WBA-Weltmeister direkt herauszufordern.

Im ersten Kampf nach dieser Erkrankung trat Chagayev am 7. Februar 2009 in der Stadthalle Rostock gegen den ungeschlagenen Costa-Ricaner Carl Davis Drumond an. In der dritten Runde zog er sich bei einem Kopfzusammenstoß eine stark blutende Platzwunde über dem linken Auge zu. Aufgrund dessen wurde der Kampf nach der sechsten Runde abgebrochen, entsprechend den Regeln die Punktezettel ausgewertet und Chagayev zum Sieger einer so genannten technischen Entscheidung erklärt.

Chagayev hätte in seinem nächsten Kampf gegen Walujew antreten müssen, der während Chagayevs Verletzungspause erneut den WBA-Titel gewann, um den alleinigen WBA-Weltmeister zu bestimmen. Jedoch scheiterte auch der dritte Versuch eines Rückkampfes, der für den 30. Mai 2009 in Helsinki geplant war. Aufgrund einer früheren Hepatitis-B-Erkrankung ist Chagayev Träger des Hepatitis-B-Antigens, die aber nach Aussage deutscher Ärzte nicht infektiös sei. Der finnische Boxverband schätzte die Virenkonzentration in den Blutwerten Chagayevs hingegen als ausreichend für das Vorhandensein einer Ansteckungsgefahr ein und verweigerte ihm die Kampferlaubnis in Finnland.

Da wenige Tage später der Brite David Haye seinen für den 20. Juni 2009 geplanten Weltmeisterschaftskampf gegen Wladimir Klitschko wegen einer Trainigsverletzung absagte, einigte sich Universum Box-Promotion mit dem Klitschko Management auf einen Kampf in der Gelsenkirchener Veltins-Arena, dem Stadion des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Da die WBA den Kampf nicht als Weltmeisterschaft sanktionierte, betrat Chagayev den Ring als Herausforderer für Klitschkos IBF- und WBO-Titel. Im Kampf gegen den Ukrainer war er allerdings weitestgehend chancenlos und musste in der zweiten Runde erstmals in seiner Profikarriere zu Boden. Nach der neunten Runde gab er bzw. sein Trainer Michael Timm nach vielen schweren Treffern den Kampf auf.

[Bearbeiten] Liste der Profikämpfe

25 Siege (17 K.o.-Siege, 8 Punktsiege), 1 Niederlage, 1 Unentschieden
Jahr Tag Ort Gegner Kampfziel Ergebnis für Chagayev
1997 21. August Hollywood Casino, Aurora, Illinois, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Donnie Penelton Sieg / KO 1. Runde
3. September Ramada Inn, Rosemont, Illinois, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Brian Jones Sieg / KO 2. Runde
2001 21. September Taschkent, Usbekistan United StatesUnited States Everett Martin Sieg / TKO 4. Runde
2002 14. April Hard Rock Hotel and Casino, Las Vegas, Nevada, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Val Smith Sieg / KO 1. Runde
11. Mai Grand Casino, Biloxi, Mississippi, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Chris Isaac Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden
5. Oktober Cobo-Hall, Detroit, Michigan, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Rob Calloway Unentschieden / 3 Runden
2003 22. Mai Yonkers Raceway, Yonkers, New York, Vereinigte Staaten United StatesUnited States Zakeem Graham Sieg / TKO 3. Runde
18. November Universum Gym, Wandsbek, Hamburg, Deutschland BrazilBrazil Daniel Frank Sieg / KO 2. Runde
2004 17. Februar Hansehalle, Luebeck, Schleswig-Holstein, Deutschland United StatesUnited States Sedreck Fields Punktsieg (einstimmig) / 6 Runden
30. März Saaltheater Geulen, Aachen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland RussiaRussia Alexei Varakin Sieg / KO 2. Runde
18. Mai Hansehalle, Luebeck, Schleswig-Holstein, Deutschland United StatesUnited States Wade Lewis Sieg / TKO 1. Runde
22. Juni Sportzentrum, Telfs, Österreich United StatesUnited States Sedreck Fields Sieg / KO 2. Runde
31. Juli Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland United StatesUnited States Garing Lane Sieg / KO 5. Runde
26. Oktober Scandlines Arena, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland United StatesUnited States Willie Williams Sieg / KO 3. Runde
16. November Kugelbake Halle, Cuxhaven, Niedersachsen, Deutschland CroatiaCroatia Asmir Vojnovic Sieg / TKO 4. Runde
14. Dezember Freizeit Arena, Soelden, Österreich United StatesUnited States Tommy Connelly Sieg / TKO 2. Runde
2005 26. März Erdgasarena, Riesa, Sachsen, Deutschland the Bahamasthe Bahamas Sherman Williams Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden
28. September Color Line Arena, Altona, Hamburg, Deutschland BrazilBrazil Jucimar Francisco Hipolito Sieg / TKO 1. Runde
22. Oktober Brandberge Arena, Halle an der Saale, Sachsen-Anhalt, Deutschland United KingdomUnited Kingdom Mark Krence Sieg / KO 5. Runde
2006 7. Januar Zenith - Die Kulturhalle, Munich, Bayern, Deutschland United StatesUnited States Rob Calloway Sieg / KO 2. Runde
11. März Color Line Arena, Altona, Hamburg, Deutschland UkraineUkraine Vladimir Virchis WBA Inter-Continental-Titel Punktsieg (Mehrheitsentscheidung) / 12 Runden
15. Juli Color Line Arena, Altona, Hamburg, Deutschland United KingdomUnited Kingdom Michael Sprott WBA Inter-Continental-Titelverteidigung Sieg / TKO 8. Runde
18. November Burg-Wächter Castello, Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland United StatesUnited States John Ruiz Punktsieg (Geteilte Entscheidung) / 12 Runden
2007 14. April Porsche-Arena, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland RussiaRussia Nikolai Sergejewitsch Walujew WBA-Weltmeisterschaft Punktsieg (Mehrheitsentscheidung) / 12 Runden
2008 19. Januar Burg-Wächter Castello, Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland United KingdomUnited Kingdom Matt Skelton WBA-Titelverteidigung Punktsieg (einstimmig) / 12 Runden
2009 7. Februar Stadthalle, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland Costa RicaCosta Rica Carl Davis Drumond WBA-Titelverteidigung Punktsieg nach Kopfzusammenstoß 6. Runde / Technische Entscheidung
20. Juni Veltins-Arena, Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland UkraineUkraine Wladimir Klitschko IBF- und WBO-Weltmeisterschaft Niederlage / Abbruch durch Schiedsrichter 9. Runde
(Quelle: BoxRec-Datenbank)

[Bearbeiten] Sonstiges

Der 1,85 m große Boxer wohnt und trainiert in Hamburg, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist Muslim. Seine Frau, eine armenische Ärztin, ist vor der Hochzeit zum Islam konvertiert.

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen