Russland

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Dieser Artikel befasst sich mit dem gegenwärtigen russischen Staat; zu weiteren Bedeutungen siehe Russland (Begriffsklärung).
Russische Föderation
Российская Федерация
Rossijskaja Federazija
Flagge Russlands
Wappen Russlands
Flagge Wappen
Amtssprache Russisch, Sprache der Nationalitäten in den Teilrepubliken und Autonomen Kreisen
Hauptstadt Moskau
Staatsform Semipräsidiale Republik
Staatsoberhaupt Präsident Dmitri Medwedew
Regierungschef Premierminister Wladimir Putin
Fläche (1.) 17.075.400 km², davon in Europa: 3.952.550 km², in Asien: 13.122.850 km²
Einwohnerzahl (8.) 142.400.000 (europ. Teil: 104.400.000 / asiat. Teil: 38.000.000 Stand: März 2008)
Bevölkerungsdichte (179.) 9 Einwohner pro km²
BIP 2007
$1290 Mrd. (11.)
BIP/Einwohner $9075 (2007)
Währung 1 Rubel = 100 Kopeken
Gründung 12. Juni 1990 (Souveränitätserklärung)
26. Dezember 1991 (Auflösung der Sowjetunion)
Nationalhymne Hymne der Russischen Föderation
Nationalfeiertag 12. Juni (Unabhängigkeitstag)
Zeitzone MEZ +1 bis +11
Kfz-Kennzeichen RUS
Internet-TLD .ru und .su
Telefonvorwahl +7

Russland (russisch Россия  Aussprache ?/i, Transkription Rossija; amtlich Russische Föderation, russisch Российская Федерация,  Aussprache ?/i/ Transkription Rossijskaja Federazija) ist ein Staat im nördlichen Eurasien und flächenmäßig der größte der Erde. Russland entwickelte sich aus der Expansion des Großfürstentums Moskau, später des Russischen Zarenreiches zu einem von ethnischen Russen dominierten Vielvölkerstaat. Seine größte territoriale Ausdehnung hatte Russland im 19. Jahrhundert.

Die Russische Föderation ist als Nachfolger der Sowjetunion Atommacht und ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrates. Das Land gilt nach der partiellen Erholung von den verschiedenen Transformationskrisen insbesondere wegen des Reichtums an natürlichen Ressourcen als wichtige Industrienation und wurde deshalb in die G8 aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Angrenzende Staaten und Meere

Im Folgenden sind die an Russland angrenzenden Nachbarländer und Meere entgegen dem Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben.

Russland und die Volksrepublik China haben mit jeweils vierzehn die größte Anzahl von Nachbarstaaten mit einer Landgrenze.

Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen (196 Kilometer) und Finnland (1.340 Kilometer), gefolgt von einem kurzen Küstenstreifen zur Ostsee. Danach teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Ländern Estland (294 Kilometer) und Lettland (217 Kilometer), weiter südlich gefolgt von Weißrussland (959 km) und der Ukraine (1.576 Kilometer).

Das Schwarze Meer trennt die europäischen Grenzen Russlands von den asiatischen. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 Kilometer) und Aserbaidschan (284 Kilometer) an. Es folgt ein Küstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan (6.846 Kilometer).

In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 Kilometer) und dann an die Mongolei (3.485 Kilometer). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit dem der Volksrepublik China zusammen (3.605 Kilometer). Mit Nordkorea (19 Kilometer) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat. Danach folgen die Küstenlinien zum Japanischen/Ost, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 Kilometer schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstraße ist Russland im äußersten Osten von Alaska getrennt.

Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort liegen verschiedene zu Russland gehörende Inseln, als nördlichste Franz-Josef-Land. Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.017 Kilometer, die Küstenlinie umfasst 37.653 Kilometer.

Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave, den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, die heutige Oblast Kaliningrad. Die Exklave grenzt an Litauen (227 Kilometer) und Polen (206 Kilometer) und gehörte bis 1945 zu Deutschland.

Großlandschaften

Topografie von Russland
Topografie von Russland

Hauptartikel: Russische Großlandschaften

Russland gliedert sich geografisch betrachtet hauptsächlich in die folgenden Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):

Flüsse

Im europäischen Teil Russlands ist der wichtigste Fluss die Wolga. Sie ist der längste Fluss Europas und verläuft ausschließlich in Russland. Nach 3.534 Kilometern mündet sie schließlich ins Kaspische Meer. Als Wasserweg erfährt die Wolga besondere Bedeutung, da sie Nordeuropa mit Zentralasien verbindet. Eine große Bedeutung für die slawischen Staaten besitzt auch der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Weißrussland und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit dem polnischen Fluss Bug und mit Weichsel und Memel verbunden, was den Dnepr zu einer wichtigen Wasserstraße macht.

Flüsse, die in das Kaspische Meer entwässern:

  • Die Wolga entspringt in den Waldaihöhen beim Dorf Wolgowerchowe (228 m ü. NN) und mündet ins Kaspische Meer (-28 m), hat also ein Gefälle von 256 Metern und ist mit 3.534 Kilometer Länge der längste Fluss Europas.
    • Die Kama ist ein 1.805 Kilometer langer, linker und der größte Nebenfluss der Wolga im europäischen Teil von Russland.
      • Die Wjatka ist ein 1.314 Kilometer langer Zufluss der Kama im Osten des europäischen Teils von Russland.
    • Die Oka ist ein rechter, 1.480 Kilometer langer Nebenfluss der Wolga im europäischen Teil Russlands.
      • Die Moskwa entspringt in den Smolensker Höhen, fließt von dort durch die zentralrussischen Oblaste Smolensk und Moskau und mündet in die Oka.
  • Der Ural entspringt im gleichnamigen Gebirge und verläuft in Richtung Süden nach Kasachstan. Da er erst jenseits der kasachischen Grenze schiffbar wird, hat er für Russland nur geringe wirtschaftliche Bedeutung, jedoch wird er allgemein als Teil der Innereurasischen Grenze angesehen.

Flüsse, die in den Atlantik entwässern:

Die Newa in Sankt Petersburg
Die Newa in Sankt Petersburg

Flüsse, die in das Polarmeer entwässern:

  • Die Petschora (Fluss) ist ein 1.809 Kilometer langer, zum Nordpolarmeer fließender Strom im nördlichen, europäischen Teil Russlands.
  • Der Ob entwässert 2.430.000 km² mit etwa 13.070 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1994). Er fließt aus dem Altai in den Arktischen Ozean.
    • Der Tschulym ist ein 1.799 km langer Nebenfluss des Ob. Mit seinem rechten Quellfluss Weißer Ijus ist er 2.023 Kilometer lang.
    • Der Irtysch ist mit 4.248 Kilometer der längste Nebenfluss des Ob.
      • Der Tobol ist ein 1.591 Kilometer langer Zufluss des Irtysch in Kasachstan und Russland.
  • Der Jenissei entwässert 2.440.000 km² mit etwa 20.022 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1995) und fließt aus dem Sajangebirge in den Arktischen Ozean.
    • Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikalsees und mündet in den Jenissei.
      • Die Selenga ist ein Zufluss des Baikalsees und damit der Angara. Sie entspringt in der Mongolei.
    • Die Steinige und die Untere Tunguska münden in den Jenissei.
  • Die Lena entwässert 2.460.000 km² mit etwa 16.440 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1994) und entspringt im Baikalgebirge. Sie mündet bei Tiksi.
    • Die Indigirka entspringt südwestlich des Tscherskigebirges und mündet bei Polarnoje, bei Yurty führt der Fluss 4.9 m³/sec (Januar 1990) und 967 m³/sec (Juli 1990).[1]

Flüsse, die in den Pazifik entwässern:

  • Der Amur, 2.824 km, mit Quellflüssen sogar 4.411 km lang, bildet oberhalb der Ussurimündung seit 1858/1860 einen Teil der Grenze zwischen Russland und China.
    • Der Ussuri ist ein rechter Nebenfluss des Amur in Russland und China. Der 588 Kilometer lange Fluss entspringt in Russisch-Fernost nordöstlich von Wladiwostok im Süden des Sichote-Alin-Gebirges.
    • Die Seja (russisch Зея) ist ein linker und etwa 1.200 Kilometer langer Nebenfluss des Amur in der Oblast Amur.

Gebirge und Berge

Satellitenaufnahme des Kaukasus: Im Norden der Große, im Süden der Kleine Kaukasus
Satellitenaufnahme des Kaukasus: Im Norden der Große, im Süden der Kleine Kaukasus

Die russische Topografie ist sowohl von vielen Gebirgen und Gebirgszügen als auch von Senken geprägt.

Die bedeutendsten Gebirge in Russland sind (alphabetisch):

Altai, Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putoranagebirge, Sajangebirge, Stanowoigebirge, Stanowoihochland, Tannu-ola-Gebirge, Tscherskigebirge, Ural, Werchojansker Gebirge.

Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5.642 Meter) im Kaukasus.

Städte

Die 10 größten Städte Russlands:

  1. MoskauZentralrussland (10,10 Millionen Einwohner)
  2. Sankt Petersburg (Leningrad)Nordwestrussland (4,58 Millionen Einwohner)
  3. NowosibirskSibirien (1,42 Millionen Einwohner)
  4. Nischni Nowgorod (Gorki)Wolga (1,35 Millionen Einwohner)
  5. Jekaterinburg (Swerdlowsk)Ural (1,26 Millionen Einwohner)
  6. Samara (Kujbyschew)Wolga (1,16 Millionen Einwohner)
  7. OmskSibirien (1,15 Millionen Einwohner)
  8. KasanWolga (1,11 Millionen Einwohner)
  9. TscheljabinskUral (1,07 Millionen Einwohner)
  10. UfaWolga (1,04 Millionen Einwohner)

Für weitere Städte siehe Liste der Städte in Russland.

Klima

Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Die vier Klimastationen Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Bomnak liegen alle etwa auf 55° nördlicher Breite von West nach Ost. An ihnen lässt sich die zunehmende Kontinentalität mit immer ausgeprägteren Differenzen zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monat des Jahres gut erkennen. Im Nordosten Sibiriens – beim Ort Oimjakon – liegt der Kältepol der Nordhalbkugel.

Die Klima- und Ökozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass stark schematisiert folgende Nord-Süd-Abfolge entsteht:

Klimazone
Klima
Ökozone Verbreitung
Polare Zone
Eisklimate
Kältewüste Inseln im Nordpolarmeer, nördlicher Teil der Taimyr-Halbinsel
Tundrenklimate Kältesteppe (Tundra) 200-800 Kilometer breite Zone nördlich des Polarkreises, im Mittelsibirischen Bergland nördlich 70° nördlicher Breite
Gemäßigte Zone
Kaltgemäßigte Klimate
borealer Nadelwald, in SibirienTaiga 1000-2000 km breite Zone nördlich der Linie St. Petersburg–Ufa–IrkutskSachalin
Kühlgemäßigte Klimate sommergrüner Laub- und Mischwald im europäischen Russland das Dreieck St. Petersburg–Odessa–Ufa, in Westsibirien der Streifen Tscheljabinsk–Krasnojarsk; Amur-Gebiet
Trockenklimate der mittleren Breiten winterkalte Steppe
winterkalte Halbwüste
am Unterlauf von Don und Wolga, Nordkaukasus
Kaspische Senke, Tuwa
Subtropische Zone
Mittelmeerklima
Hartlaubwald Schwarzmeerküste zwischen Noworossisk und Sotschi

Bevölkerung

Auferstehungskirche in Sankt Petersburg
Auferstehungskirche in Sankt Petersburg

Völker und Sprachen

Russland ist ein Vielvölkerstaat. So leben neben den Russen, die mit 79,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, noch fast 100 andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 Prozent), die Ukrainer (2,2 Prozent), die Armenier (1,9 Prozent), die Tschuwaschen (1,5 Prozent), die Baschkiren (1,4 Prozent), die Deutschen (0,8 Prozent) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten jüdischen Glaubens. Sie sprechen meistens Sprachen aus dem Kreis der Uralische Sprachen (Samojedische Sprachen), Altaische Sprachen und Paläosibirische Sprachen.

Für viele nichtrussische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. Diese wurde in den letzten Jahren jedoch wieder erheblich eingeschränkt. In den letzten Jahren erlebt Russland einen deutlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 670.000 Einwohnern pro Jahr. Dennoch ist Russland das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. Herkunftsländer sind hierbei vor allem die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Südostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun mit ihren Familien nach Russland zurückkehren.

Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken oftmals die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen in Kyrillisch zu schreiben sind. Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansässigen russischsprachigen Bevölkerung ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Praxis verbot das Russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der Begründung, dass für die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei.[2]

Mehr als 80 Prozent der Russen leben in den westlichen Gebieten des Landes sowie im Süden Russlands.

Während manche Minderheiten wie etwa Armenier und Deutsche auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind, gibt es auch auf europäischem Boden, also zwischen dem traditionellen russischen Siedlungsgebiet und dem Ural mehrere indigene Völker. Groß ist die Zahl der Ethnien im Kaukasusgebiet, das erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu Russland kam.


Die zahlenmäßig bedeutendsten indigenen Minderheiten des europäischen Russland:
Name Nationalität in: Russ. Föderation / Föderationskreis / eigener Republik Sprache Muttersprachler
Link zur Sprache
Sprachfamilie Bevölkerungsanteil in der eigenen Republik Historischer Bezug
Wolga-Tataren 5,6 Mio. 4 Mio. (Wolga) 2 Mio. 7 Mio. (Tatarisch), ? Turksprache Tatarstan (52,9 %) Goldene Horde, zeitweise Oberhoheit über Moskau
Baschkiren 1,7 Mio. 1,4 Mio. (Wolga) 1,2 Mio. 2.2 Mio. 1 Mio. Turksprache Baschkortostan (30 %)  
Tschuwaschen 1,6 Mio. 1,4 Mio. (Wolga) 89.000   1,8 Turksprache Tschuwaschien (67,7 %) Wolgabulgaren
Tschetschenen 1,4 Mio. 1,3 Mio. (Süd) 1,0 Mio.   1 Mio. nachisch Tschetschenien (93 %)  
Mordwinen 977.000 788.000 (Wolga) 410.000   1,2 Mio. finnougrisch Mordwinien (36,2 %) Wolgamadjaren
Awaren 814.000 785.000 (Süd) 758.000   700.000 ? kaukasisch Dagestan (29,44 %) keine Beziehung zu den mittelalterlichen Awaren
Osseten 515.000 477.000 (Süd) 446.000   1 Mio. iranisch Nordossetien-Alanien (62,70 %) Alanen; dazu etwa 70.000 in Südossetien außerhalb Russlands
Tscherkessen, 700.000 einschl.
Kabardinern
und
Adyge
(61.000) 58.000 (Süd) 50.000   (Tscherkessisch) kaukasisch Karatschai-Tscherkessien (11 %) nach 1770 mehr als die Hälfte ins Osmanische Reich vertrieben, heute 1,5 Mio. in der Türkei
(512.000) 512.000 (Süd) 499.000   (Kabardinisch) Kabardino-Balkarien (48 %)
(128.000) 126.000 (Süd) 108.000   (120.000) Adygeja (24%)
Mari (Volk) 604.000 512.000 (Wolga) 312.000   500.000 finnougrisch Mari El (43 %)  
Udmurten 637.000 561.000 (Wolga) 461.000   464.000 finnougrisch Udmurtien (37 %)  
Komi (Syrjänen) 309.000 281.000 (Nordwest) 269.000   110.000 finnougrisch Republik Komi (35 %)
Komi-Permjaken 125.000 107.000 (Wolga) 80.000 Kreis der Komi-Permjaken
Darginer 510.000 489.000 (Süd) 425.526   370.000 kaukasisch Dagestan (16,52 %)
Inguschen 413.000 392.000 (Süd) 360.000   240.000 nachisch Inguschetien (79 %)
Lesgier 412.698 360.000 (Süd) 337.000   260.000 kaukasisch Dagestan (13,07 %) dazu etwa 300.000 außerhalb Russlands in Aserbeidschan
Kumyken 422.000 399.000 (Süd) 366.000   280.000 Turksprache Dagestan (14,20 %) möglicherweise Chasaren
Kalmücken 176.000 167.000 (Süd) 156.000   280.000 Mongolisch Kalmückien (53 %) nahe den Oiraten (Mongolei und China) verwandt

Die unter „Nationalität“ genannten Zahlen steht für die Identifikation, also wieviele Bürger Russlands und seiner Gliederungen sich bei der Volkszählung von 2002 [3] zu der jeweiligen Nationalität bekannt haben. In der amtlichen Statistik sind Mordwinen und Osseten sind jeweils zwei, bei den Komi eine Splittergruppe getrennt aufgeführt, die aber jeweils mehrheitlich in der selben Teilrepublik wohnen.

Siehe auch

Religionen

Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum – vor allem der russisch-orthodoxe Glaube – sowie der Islam. Vertreten sind darüber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie Judentum, Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen bei einigen Volksgruppen. Mindestens ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich jedoch als Atheisten oder Konfessionslose.

Christentum

Als entscheidendes Ereignis der Christianisierung Russlands gilt die Taufe des Kiewer Großfürsten Wladimir im Jahre 988. Schon 957 hatte sich zumindest die Fürstinmutter Olga taufen lassen, seit dem gescheiterten Angriff auf Konstantinopel waren ab 911 verstärkt orthodoxe Missionare ins Land gekommen. Angeblich sollen bereits Waräger und Russen des ersten gescheiterten Angriffs auf Konstantinopel (860) getauft zurückgekehrt sein.

Russisch-Orthodoxe Kirche
Symbol der Russisch-Orthodoxen Kirche
Symbol der Russisch-Orthodoxen Kirche

Nach der Vernichtung der Kiewer Rus durch die Mongolen übersiedelte der Kiewer Metropolit im 14. Jahrhundert zunächst nach Wladimir, dann 1328 nach Moskau. Im 15. Jahrhundert löste sich die Russisch-Orthodoxe Kirche endgültig vom der Griechisch-Orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel und errichtete 1589 ein eigenes Patriarchat. Zar Peter der Große hob das Patriarchat auf und setzte 1721 statt dessen einen Synod an die Spitze der Kirche, erst 1917 stellten ausgerechnet die Sowjets das Patriarchat wieder her.

Im Zarenreich gab es strenge Vorschriften für die Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche. Sie durften beispielsweise nicht zu einer anderen Konfession, auch wenn sie christlich war, hinübertreten, sie durften „Nichtchristen“ nicht heiraten. Der Russisch-Orthodoxen Kirche war es als einziger Religion erlaubt zu missionieren. Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert. Nach der Herrschaftsübernahme der Kommunisten wurden hauptsächlich Mitglieder dieser Kirche unterdrückt, da sie als Symbol für die zaristische Monarchie galt. Zwischen 1918 und 1939 wurden ca 40.000 orthodoxe Geistliche hingerichtet. Während es 1917 noch 77.800 Gemeinden gab, wurden 1941 nur noch etwa 3.100 gezählt.

Heute erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Art Wiederbelebung. Viele Klöster wurden gegründet. Die Kirche zählt gegenwärtig etwa 100 Millionen Mitglieder, von denen jedoch nur 5 bis 10 Prozent regelmäßige Gottesdienstbesucher sind. Auch in der Politik spielt die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder vermehrt eine Rolle. Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 eingeführt. 2007 wurde Boris Jelzin nach russisch-orthodoxem Ritus beerdigt. Es war das erste Staatsbegräbnis nach russisch-orthodoxem Ritus seit mehr als 100 Jahren.[4]

Abspaltungen von der Russisch-Orthodoxen Kirche
Anhänger der Duchoborzensekte, 1893
Anhänger der Duchoborzensekte, 1893

Die älteste Abspaltung dürften die sogenannten Altorthodoxen oder Altgläubigen sein, die von der offiziellen Hierarchie auch Raskolniki (deutsch: Abspalter) genannt werden. Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen. Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor. Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab, versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu führen und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft. Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegründet. Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament. Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkürlichen Verfolgungen ausgesetzt und wurden zu großen Teilen nach Sibirien oder in den Kaukasus verbannt, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten.

Römisch-Katholische Kirche

Die Römisch-katholische Kirche war im Zarenreich von jeher verhasst, da die Regierung eine Einflussnahme des Papstes über das katholische Königreich Polen befürchtete. Peter I. erlaubte im Jahre 1705 erstmals den Bau einer römisch-katholischen Kirche. Die Katholiken waren während der Herrschaft der Zaren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt.

Im Laufe der Jahre nach der Oktoberrevolution wurden die Katholiken wieder mehr beobachtet (einige Zeit kümmerten sich die Bolschewiki in erster Linie um die Kontrolle der Orthodoxen Kirche). Bis 1930 waren alle kirchlichen Strukturen der Kirche zunichte gemacht. Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden, denen es allerdings untersagt war, Verbindungen untereinander aufzubauen. Heute existieren ungefähr 200 katholische Gemeinden in Russland.

Evangelisches Christentum

Das evangelische Christentum war früher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet. Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch für Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert. Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevölkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze.

Der Protestantismus erlebte in den 1920er Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine Blütezeit (insbesondere die Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler). Jedoch wurden die Baptisten, Evangeliumschristen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen, um sie besser kontrollieren zu können. Mit den Siebenten-Tags-Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963. In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Strömungen hingerichtet und verfolgt.

Islam

Hauptartikel: Islam in Russland

Moschee in Kasan
Moschee in Kasan

Der Islam ist im Nordkaukasus schon seit dem 7. Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet älter als die erste russische Staatsgründung und die Christianisierung des Landes. Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam über und gaben ihn im 13. Jahrhundert an die Tataren weiter. Die einheimischen Völker des Kaukasus und die Turkvölker sind zumeist sunnitische Gläubige. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimischer Herkunft. Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebensogroß wie er einst in der Sowjetunion war.

Seit 1990 existiert in Russland eine islamische Partei, die sich Wiedergeburt nennt. Sie gibt es auch in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Seitdem sind zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen entstanden. Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan.

Judentum

Hauptartikel: Geschichte der Juden in Russland

Ansiedlungsrayon
Ansiedlungsrayon

Seit dem 4. Jhd. lassen sich Juden in Armenien und auf der Krim nachweisen. Im späten 8. oder frühen 9. Jhd. konvertierten die Chasaren zum Judentum. Nach der Vernichtung des Chasaren-Reiches durch Swjatoslaw I. (969) beschränkt sich das Judentum im wesentlichen auf Kiew, die Krim und den Kaukasus. Im Großfürstentum Moskau werden Juden 1471 das erste Mal erwähnt. Bis zur Zeit Iwan des Schrecklichen (1533-84) wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert. Ab 1721 wurden Juden aus dem Russischen Reich ausgewiesen, bis dies durch die Eingliederung der östlichen Teile Polens (1793 und 1795) (siehe auch Geschichte der Juden in Polen) unmöglich wurde. Die Juden mussten jedoch weiterhin innerhalb des Ansiedlungsrayons leben, der sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Weißrusslands und des Baltikums befand.

Im 19. Jahrhundert unterstützten die zaristischen Beamten antisemitsche Strömungen in der Bevölkerung. So kam es im südlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen, nachdem den Juden fälschlich der Anschlag auf Alexander II. unterstellt wurde. Die Gesetzgebung vertrieb die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den ländlichen Gebieten, und begrenzten mit Quoten die Anzahl der Juden, die zu höherer Bildung zugelassen wurden, auf 3 bis 10 Prozent. Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland, besonders nach Amerika. 1903 brachen neue Pogrome aus, die sich in der Russischen Revolution nochmals verstärkten und zu zwischen 70.000 und 250.000 Opfern in der jüdischen Zivilbevölkerung führten.Während des Stalinismus wurde das Jüdische Autonome Gebiet in Russisch-Fernost gegründet, wo allerdings nur wenige Juden ansiedelten, da dort bis in die 1920er Jahr kein Jude gelebt hatte.

Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor, gibt es heute nur noch wenige Juden, da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika, die meisten aber nach Israel, ausgewandert sind.

Heute gibt es in ganz Russland 87 Synagogen, die meisten davon allerdings in Sankt Petersburg und in Moskau.

Fast alle in Russland lebenden Juden sind Aschkenasim, aber es gibt auch noch einige wenige Bergjuden und Bucharische Juden.

Buddhismus

Ursprünglich war der Buddhismus nur unter asiatischen Völkern verbreitet (Kalmücken, Tuwiner). Auch buddhistische Mönche wurden während der kommunistischen Herrschaft verfolgt und unterdrückt, wie jede Religion in der Sowjetunion. Seit der politischen Wende in Russland und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion verzeichneten die buddhistischen Gemeinschaften Mitgliederzuwachs von den Angehörigen der traditionell buddhistischen Völker, aber auch von Russen und anderen Nationalitäten. In Russland ist die tibetische Form des Buddhismus verbreitet.

Schamanismus

Schamane während einer Zeremonie bei Kyzyl, Tuva.
Schamane während einer Zeremonie bei Kyzyl, Tuva.

Der Schamanismus ist unter der indignen Bevölkerung in Sibirien wieder weit verbreitet. In vielen Gebieten und autonomen Republiken werden die schamanistischen Feiertage von vielen Menschen begangen. Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen, dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren.

Situation heute

Was die Zugehörigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht, gibt es keine zuverlässigen Zahlen, da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden. 2007 bezeichneten sich 51 Prozent der Befragten als Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche,[5] Sieben Prozent bekannten sich zum Islam, ein Prozent zu anderen Konfessionen. 11 Prozent glaubten an eine übernatürliche Kraft, ohne sich an eine Glaubensrichtung gebunden zu fühlen. 30 Prozent bezeichneten sich als Atheisten. [6]

Das CIA-World-Factbook geht für das laufende Jahr von folgenden groben Schätzungen für praktizierende Gläubige aus, also von solchen die ihren Glauben aktiv ausüben: 15 bis 20 Prozent Russisch-Orthodoxe, 10 bis 15 Prozent Muslime, 2 Prozent übrige christliche Konfessionen.[7]

Bevölkerungsentwicklung

Russland verliert ca. 365.000 Einwohner im Jahr (ca. 1.000 Einwohner am Tag). Die Bevölkerungsdichte:

  • 8,46 Einwohner/km² (2004)
  • 8,40 Einwohner/km² (2005)
  • 8,35 Einwohner/km² (2006)

73 % der Russen leben in Städten.

Geschichte

Die ungefähre Ausdehnung der Kiewer Rus um 1000 n. Chr.
Die ungefähre Ausdehnung der Kiewer Rus um 1000 n. Chr.
Großfürstentum Moskau
Großfürstentum Moskau
Entwicklung und Ausdehnung des russischen Reiches
Entwicklung und Ausdehnung des russischen Reiches

Hauptartikel: Geschichte Russlands

Etymologie

Der alte ostslawische Name für das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europäischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe auch Kiewer Rus), auf Griechisch Rossia. Auf diese Form geht auch der heutige russische Name Rossija zurück.

Streng genommen würde Rossijskaja Federazija wörtlich übersetzt ‚Russländische Föderation‘ (von Rossija ‚Russland‘) und nicht ‚Russische Föderation‘ heißen. Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija (‚Russische Föderation‘) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (‚russisch‘). Ist dagegen von den Staat Russland betreffenden Sachverhalten die Rede, verwendet man das Adjektiv rossijskij (‚russländisch‘). Trotzdem wird im Deutschen in beiden Fällen zumeist das Adjektiv ‚russisch‘ verwendet. Der Gebrauch des Wortes ‚russländisch‘ beschränkt sich weitgehend auf Fachpublikationen. Auch die amtliche Übersetzung der Staatsverfassung verwendet diese Variante.

Entstehung

Die früheste Geschichte des europäischen Russlands (für die Geschichte des asiatischen Teils, siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprägt von finno-ugrischen Völkern und Balten, und im Süden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Alanen; später kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In die Mitte, zwischen Dnepr und Bug, kamen die slawischen Völker, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen.

Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der „Kiewer Rus“ mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch mehrfach Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus.

Aufgrund des ungünstigen Senioratsprinzips bei der Regelung der Erbfolge begann die Kiewer Rus im 12. Jahrhundert zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen Fürstentümer zu unterwerfen. Die Goldene Horde beherrschte nun für zwei Jahrhunderte einen großen Teil der Rus, ein anderer Teil wurde dem Großfürstentum Litauen und später Polen-Litauen eingegliedert. Das Großfürstentum Moskau, das sich als politischer Nachfolger von Wladimir-Susdal etablieren konnte, konnte sich schließlich von der mongolischen Fremdherrschaft befreien, und Großfürst Iwan IV. ließ sich 1547 zum ersten „Zar der ganzen Rus“ krönen. Unter seiner Herrschaft begann auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen

Hauptartikel: Russisches Reich

An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das teilweise in mittelalterlichen Strukturen erstarrte russische Reich westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 gründet er die Stadt Sankt Petersburg, die das Symbol für den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im über 20 Jahre währenden Großen Nordischen Krieg und der damit erlangten Vormachtstellung im Ostseeraum machte er Russland zu einer gesamteuropäischen Großmacht.

Zarin Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb konsequent Expansionspolitik, im Laufe derer sie die Schwarzmeerküste vom Osmanischen Reich eroberte (Neurussland) und sich an den Teilungen Polens beteiligte. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Zar Alexander I. als „Retter Europas“ in Paris ein. Russland gehörte nun zu den führenden Mächten in Europa und erlebte ein goldenes Zeitalter.

Europäischer Teil Russlands (1888)
Europäischer Teil Russlands (1888)

Ab 1825 gab es im unzufriedenen Volk, in den annektierten Gebieten (Polen, Litauen etc.) und bei der Intelligenzija immer wieder Aufstände, Unruhen und Attentate (siehe Dekabristen), und in den 1860er Jahren kam es zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Der Grund hierfür war die Ineffizienz des staatlich kontrollierten Aufbaus der Industrie, der nur in den städtischen Ballungszentren vorangetrieben wurde. Während in den großen Städten wie Moskau und St. Petersburg aufgrund der Landflucht ein Industrieproletariat entstand, verharrte das übrige Land in Armut und der Rechts- und Sozialordnung der Feudalgesellschaft.

Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor, sondern beschränkte sich hauptsächlich auf Moskau, Sankt Petersburg, Warschau und Łódź. Mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme, wie das Zarenreich erstmals im Krimkrieg und schließlich 1905 bei der Niederlage gegen Japan schmerzlichst erfahren musste. Allerdings war Zar Nikolaus II. nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten. So ließ er ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit später wieder auflösen.

Russische Revolution

Kustodijew: Der Bolschewik, 1920
Kustodijew: Der Bolschewik, 1920

Hauptartikel: Russische Revolution

Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste das zaristische Russlands neuerlich eine patriotische Welle, die nach dem verlorenen Russisch-Japanischen Krieges von 1904-1905, praktisch verloren ging. Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden jedoch bald abgelöst von einem zermürbenden Stellungskrieg, bis schließlich 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Im russischen Reich gab es einen langen Winter 1916/1917 und dazu Ernteausfälle, die eine Hungersnot zu folge hatte. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die trostlose Versorgungslage waren die Ursachen, dass es in der damaligen Hauptstadt Petrograd (Sankt Petersburg) zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern kam. Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten durch den Befehl des Zaren kochte die Stimmung in Gewalt über und die Masse stürmte den Winterpalast, den damaligen Sitz des Zaren Nikolaus, und der Zar wurde zum Abdanken gezwungen.

Eine bürgerliche Doppelregierung von provisorischer Regierung unter Alexander Kerenski mit der Beteiligung von Wladimir Dmitrijewitsch Nabokow (dem Vater von Vladimir Nabokov) einerseits und den Arbeitersowjets andererseits kam an die Macht. Dieser republikanischen Herrschaft machte kurz darauf die von Lenin, Leo Trotzki und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende.

Russischer Bürgerkrieg

Hauptartikel: Russischer Bürgerkrieg

Aus dem der Oktoberrevolution folgenden Bürgerkrieg zwischen „roten“ kommunistischen und „weißen“ monarchistischen, republikanischen und anderen anti-kommunistischen Kräften gingen die Kommunisten im russischen Kernland als Sieger hervor. Nachdem die Roten ihre Macht im Kerngebiet des ehemaligen Zarenreiches politisch und militärisch gefestigt hatten, war es nun naheliegend, diese Macht auch an der Peripherie zu sichern. Hierbei ergaben sich bereits erste Widerstände gegen den Umsturz, die die Konfliktlinien des Bürgerkriegs vorzeichneten. Sie verliefen entlang sozialen, regionalen und nationalen Grenzen innerhalb des Vielvölkerstaats. Diese Periode des Bürgerkrieges wird als „Eisenbahnkrieg“ bezeichnet, da sich die militärischen Aktionen der Roten vor allem auf Verschiebung von revolutionären Verbänden über das auf Petrograd (Sankt Petersburg) und Moskau zentrierte Eisenbahnnetz an die verschiedenen Krisenherde stützten.

Durch die Abwehr der kommunistischen Roten Armee erkämpften so die baltischen Staaten Estland und Lettland ihre Unabhängigkeit von Russland. Im Laufe dieses Bürgerkriegs, sowie des darauf folgenden polnisch-russischen Kriegs, verlor Russland ebenso 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine („Ostpolen“) an Polen. 1921 wurde dann die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der späteren Sowjetunion darstellte.

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Hauptartikel: Geschichte der Sowjetunion

Am 30. Dezember 1922 wurde der Zusammenschluss aller Sowjetischen Sozialistischen Republiken zur Sowjetunion beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher von „rechts“ (u. a. Bucharin) und „links“ (Leo Trotzki, später Sinowjew und Kamenew) sowie jeden, der im Verdacht stand, mit ihnen zu sympathisieren. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Fünfjahrplänen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.

Der Zweite Weltkrieg

Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Deutschland und sicherte sich in einem geheimen Zusatzabkommen die Wiedereingliederung der infolge des Polnisch-Sowjetischen Krieges verlorenen ostpolnischen Gebiete, des Baltikums und Bessarabiens. Nach der Besetzung genannter Gebiete und Länder durch die Rote Armee wurden diese in die Sowjetunion eingegliedert.

Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 trat diese an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein (in der Sowjetunion Großer Vaterländischer Krieg genannt). In den ersten Kriegsmonaten verlor die Rote Armee Millionen von Soldaten, große Teile der westlichen Landesteile wurden verwüstet, später verhungerte bei der Belagerung Leningrads über eine Million Zivilisten. Bei Moskau (Winter 1941/1942), Stalingrad (Winter 1942/1943) und Kursk (Sommer 1943) fügte die Rote Armee den deutschen Truppen schwere Niederlagen zu und eroberte schließlich im Mai 1945 Berlin. Insgesamt kamen zwischen 1941 und 1945 auf sowjetischem Gebiet mindestens 20 Milionen Menschen ums Leben, davon fast die Hälfte Zivilisten.

Gegen Ende des Krieges eroberten und besetzten sowjetische Truppen schließlich japanisches Gebiet im Fernen Osten (Mandschurei, Süd-Sachalin, Korea und die Kurilen). 1945 bekam die RSFSR nach dem Potsdamer Abkommen das nördliche Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad, daneben gewann sie das südliche Sachalin und die Kurilen von Japan.

Der Kalte Krieg

Nach Ende des Krieges, aus dem die Sowjetunion als Siegermacht hervorging, traten die Spannungen zwischen Stalin und den Alliierten zunehmend hervor. Im Laufe der Friedensverhandlungen sicherte sich die Sowjetunion großen Einfluss auf die angrenzenden Länder Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien sowie auf Bulgarien und die DDR, zeitweise auch auf Albanien. In diesen Ländern blieben Hunderttausende sowjetische Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik.

Zerfall der Sowjetunion

Nach der Perestroika, dem vom sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow eingeleiteten Prozess zum Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion 1987, und Glasnost, der ebenfalls von Gorbatschow eingeführten Politik einer größeren Transparenz und Offenheit der Staatsführung gegenüber der Bevölkerung 1985, entwickelten sich Unabhängigkeitsbestrebungen in den einzelnen Unionsrepubliken. Kurz vor der bevorstehenden Unterzeichnung eines neuen Unionsvertrages putschten konservative Kommunisten im Augustputsch in Moskau 1991 gegen Gorbatschow, um die Unterzeichnung des Unionsvertrages sowie weitere Reformen zu verhindern. Nach dem misslungenen Putschversuch beschlossen der russische Präsident Boris Jelzin und Vertreter der Sowjetrepubliken die Auflösung der Sowjetunion zum 31. Dezember 1991. Die Russische Föderation hat mit dem Jahr 1992 als größte ehemalige Sowjetrepublik (siehe RSFSR) die Rechtsnachfolge der Sowjetunion angetreten.

In der russischen Verfassungskrise 1993 löste Jelzin per Ukas den – zu Sowjetzeiten gewählten – Kongress der Volksdeputierten sowie den Obersten Sowjet Russlands auf, die sich seinen Bemühungen widersetzt hatten, unpopuläre neoliberale Reformen durchzusetzen. Jelzin ordnete eine gewaltsame Stürmung des Parlamentsgebäudes (Weißes Haus) an, in dem sich etwa 100 Parlamentarier und weitere Anhänger verbarrikadiert hatten. Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines weiteren Aufstandes gegen ihn am 3. und 4. Oktober, gab es in Moskau 190 Tote. Im Dezember billigte die russische Bevölkerung per Volksabstimmung die neue Verfassung der Russischen Föderation (Zweikammersystem, Präsidialverwaltung). Bei den Wahlen zur wiedereingeführten Duma (die letzte wurde 1917 aufgelöst) im Dezember 1993 erstarkten die nationalistische Liberaldemokratische Partei sowie die kommunistische KPRF.

1996 zählte Russland zu den Gründungsmitgliedern der Shanghai Five, der heutigen Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Das moderne Russland

Unter Boris Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und demokratische Reformen durchgeführt. Beide verfehlten jedoch ihr Ziel und führten zum Zusammenbruch der Wirtschaft, hoher Inflation und politischer Destabilisierung. Nach Ansicht vieler Russen hat sich sowohl die politische als auch wirtschaftliche Lage des Landes nach dem Amtsantritt Wladimir Putins 2000 deutlich verbessert. Die hohen Rohstoffpreise (Öl, Gas, Stahl), Steuerreform und Kapitalrückfluss fördern diese Entwicklung.

Ein international beachteter Konfliktherd bleibt jedoch die Situation in der abtrünnigen Republik Tschetschenien, siehe Kapitel Politik. Der Krisenherd veranlasste Präsident Putin, Maßnahmen zur Stärkung der Terrorabwehr einzuleiten, die demokratische Mechanismen einschränken.

Politik

Politisches System

Hauptartikel: Politisches System Russlands

Nach der russischen Verfassung vom 12. Dezember 1993 ist das Staatsoberhaupt der Präsident Russlands, der vom Volk für jeweils vier Jahre direkt gewählt wird. Die Legislative wird durch die Föderationsversammlung ausgeübt, die aus zwei Kammern besteht, dem Föderationsrat als dem Vertreter der Föderationssubjekte und der Staatsduma, die aus gewählten Abgeordneten besteht. Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Föderation, deren Ministerien aber teilweise dem Präsidenten direkt unterstellt sind. Der Premierminister von Russland, auch als Ministerpräsident bezeichnet, wird vom Präsidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestätigt werden.

Strittige Gebiete

Südlich der russischen Halbinsel Kamtschatka liegt die Inselgruppe der Kurilen. Die Kette von etwa 30 Inseln erstreckt sich bis 4 Kilometer vor die Küste Japans. Die Inseln standen seit 1875 unter japanischer Hoheit, als das sowjetische Russland sie 1945 im Zweiten Weltkrieg eroberte. Die südlichen Kurilen werden bis heute von Japan beansprucht. Seit 2005 laufen wieder Verhandlungen zwischen den beiden Staaten, die den Gebietsstreit beenden sollen. Siehe auch: Kurilenkonflikt

In der russischen Teilrepublik