Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

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Росси́йская Сове́тская Федерати́вная Социалисти́ческая Респу́блика
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Flagge Russlands (1954–1991)
Wappen Russlands (1978–1992)
Flagge Wappen
Wahlspruch: Пролета́рии все́х стра́н, соединя́йтесь!

(Proletarii wsech stran, sojedinjaites!)
deutsch: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!

Amtssprache Russisch
Hauptstadt Moskau
Fläche 17,075,200 km²
Einwohnerzahl 147 Millionen
Bevölkerungsdichte 8,6 Einwohner pro km²
Soviet Union - Russia.svg

Die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) (russisch Росси́йская Сове́тская Федерати́вная Социалисти́ческая Респу́блика; Rossijskaja sowetskaja federatiwnaja sozialistitscheskaja respublika) war die älteste, größte und bevölkerungsreichste Unionsrepublik der Sowjetunion.

Sie wurde kurz nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 gegründet und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Ende 1922 konstituierten Sowjetunion. Kurz vor deren Auflösung im Dezember 1991 wurde sie dann als Russische Föderation beziehungsweise Russländische Föderation unter Wahrnehmung aller Rechte und Pflichten der UdSSR unabhängig.

Geschichte[Bearbeiten]

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Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Februarrevolution 1917 beendete die Zarenherrschaft in Russland. Daraufhin trat eine Doppelregierung aus Parlament (Duma) sowie Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjet) die Nachfolge an. Die Oktoberrevolution durch die kommunistischen Bolschewiki im Jahr 1917 veränderte den Charakter beziehungsweise das Handeln der Sowjets (Räte) grundlegend. Der „begrenzte“ Pluralismus, der in der Selbstbezeichnung des Jahres 1917 in der revolutionären Demokratie zum Ausdruck kam, ging zu Ende. Die Sowjets verstanden sich zunächst zwar entschieden parteilich als Interessenvertretung der ausgebeuteten Klassen, wovon sie Repräsentanten bzw. Vertreter der bürgerlichen Schichten und des politischen Liberalismus ausschlossen. Aber sie ließen Raum für unterschiedliche Auffassungen über die geeignetsten Mittel und Wege, das Los der Unterdrückten zu verbessern.

Die Bolschewiki und ihre Verbündeten lehnten diesen Pluralismus ab. Ihre Delegierten im zweiten Allrussischen Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte wählten noch am Abend des 25. Oktober ein Allrussisches Zentrales Exekutivkomitee (Ausübendes Komitee) aus den eigenen Reihen. Obwohl mit Lew Kamenew ein Befürworter einer sozialistischen Allparteienkoalition an seiner Spitze stand, war die Gleichstellung damit faktisch bereits vollzogen. Der oberste Sowjet wurde zum Instrument der Bolschewiki.

Gründung[Bearbeiten]

Erste Flagge der RSFSR (1918/20–1937)
Flagge der RSFSR (1937–1954)
Zweite Flagge der RSFSR (1954–1991)
Letzte Flagge der RSFSR (ab 22. August 1991)

Die neuen Machthaber bauten den Sowjet (Rat) systematisch zu einem alternativen Repräsentationsorgan der Vollbürger ihrer Definition aus. Ein erster Schritt bestand in der Einverleibung des Allrussischen Bauernsowjets, die der dritte Allrussische Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputierten in der zweiten Januarwoche 1918 förmlich vollzog. Damit wurde ein zentrales Gremium geschaffen, das als Gegenmodell zum bürgerlichen Parlament fungieren konnte und auf die Provinz übertragbar war. Der zweite Schritt bestand in der Ausarbeitung einer förmlichen Verfassung, die eine solche Hierarchie von Räten auf vier Ebenen (ländliche Bezirke [russ.: wolosti], Kreise [uezdi], Gouvernements [gubernii] und Großregionen [oblasti]) etablierte und die jeweiligen Kompetenzen regelte. Dieses Dokument, mit dem die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) offiziell in die Staatenwelt eintrat, fixierte auch die prinzipiellen Eigenarten der Räteordnung im Unterschied zur parlamentarischen Demokratie.

Zu nennen sind dabei:

  1. die Beschränkung des Wahlrechtes auf diejenigen, die ihren Lebensunterhalt aus produktiver und gesellschaftlich nützlicher Arbeit bestritten. Wer Lohnarbeiter beschäftigte oder von Renten und Wertpapieren lebte, war ausgeschlossen; Kaufleute und Priester entmündigte man per definitionem.
  2. die Trennung zwischen Exekutive (ausübende) und Legislative (gesetzgebende Gewalt), wie sie Baron de Montesquieu (Vom Geist der Gesetze, 1748) erstmals gefordert hatte und seit der Französischen Revolution zur Grunde der liberalen Demokratie geworden war, bestand nicht. Da sich der Arbeiter- und Bauernstaat exklusiv als Instrument seiner Klientel verstand, büßte auch die Justiz ihre Unabhängigkeit ein. In der Sowjetverfassung existierte also keine Gewaltenteilung.
  3. der Verzicht auf eine Direktwahl der höheren Räte und deren pyramidale Bestellung. Auf diese Weise war der Selektion der wichtigen Entscheidungsträger Tür und Tor geöffnet. Um sie zu konterkarieren, hätte es eines starken Pluralismus auch im Zentrum der Macht bedurft. Einen solchen vermochte Lenin auch am Ende des Bürgerkrieges (und auch darüber hinaus) zu verhindern.

Unabhängigkeitsbewegungen[Bearbeiten]

Nachdem das zaristische Russland im Februar 1917 zusammenbrach und von einer nachfolgenden Doppelregierung regiert wurde, die im Oktober desselben Jahres durch die bolschewistische Revolution gestürzt wurde, sprachen sich einige Nationalbewegungen der nichtrussischen Bevölkerung für einen eigenen Nationalstaat aus, nachdem sie bis dahin nur mehr Selbstbestimmung forderten. Von Sowjetrussland und seiner Roten Armee ging zwischen den Jahren 1918 und 1921 außerdem eine Restitution des früheren Russischen Reiches und des damaligen Vielvölkerreiches aus. Von den Gebieten, die zum ehemaligen Zarenreich gehörten, wurden das vom Russischen Reich besetzte Polen als Zweite Polnische Republik sowie die baltischen Staaten und Bessarabien unabhängig.

Gebietsänderungen[Bearbeiten]

Mit der Gründung der UdSSR wurden weite Teile Sowjetrusslands als eigenständige Unionsrepubliken in diese aufgenommen. Aber schon kurz nach der Gründung der Union erweiterte sich das Gebiet der RSFSR. So wurden Anfang der 1920er Jahre die fernöstlichen Pufferstaaten zwischen dem Japanischen Kaiserreich und Sowjetrussland (also die Fernöstliche Republik beziehungsweise die Küstenrepublik) und 1925 das Gebiet um die damalige kasachische Hauptstadt Orenburg russisch.

Die größten Änderungen des Gebietstandes der Russischen SFSR geschahen jedoch um den Zweiten Weltkrieg. Die im Winterkrieg 1939/40 eroberten finnischen Gebiete wurden teilweise der RSFSR zugeschlagen, zum Teil aber mit den russischen Teilen Kareliens zur Karelo-Finnischen SSR vereinigt.

1944 trat die faktisch seit den 1920er Jahren sowjetische Tuwinische Volksrepublik der UdSSR bei, um zuerst autonomes Gebiet, später dann autonome Republik innerhalb der RSFSR zu werden. Im Zuge der gewaltsamen Wiedereingliederung der baltischen Staaten in die UdSSR wurden einige Grenzorte Lettlands und Estlands in die RSFSR eingegliedert.

Nachdem Finnland den Fortsetzungskrieg 1941–1944 verloren hatte, musste es 1947 weitere kleinere Gebiete (vor allem den einzigen Zugang Finnlands zum Nordmeer) an die Sowjetunion abtreten. Im Westen gliederte die UdSSR den Norden Ostpreußens um Königsberg, die heutige Oblast Kaliningrad, in die RSFSR ein. Im Osten fielen die lange zwischen Russland und Japan umstrittenen und im Zweiten Weltkrieg durch die UdSSR eroberten Inseln Sachalin und die Kurilen an die RSFSR.

1954 verringerte sich die Fläche der russischen Sowjetrepublik, als auf Anweisung Nikita Chruschtschows die Krim an die Ukraine abgegeben wurde. 1956 wurde die Karelo-Finnische SSR aufgelöst und als Karelische ASSR in die RSFSR eingegliedert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der RSFSR lebten nach der letzten Volkszählung im Jahre 1989 etwa 147 Millionen Menschen, dies stellte ungefähr 51 % der gesamten Bevölkerung in der UdSSR dar. Die Bevölkerung setzte sich zu dieser Zeit, größtenteils, aus den folgenden Bevölkerungsgruppen zusammen:

Nationalität Bevölkerungsanzahl Nationalitätenanteile
Russen 120 Mio.¹² 81,5 %¹
Tataren 5,5 Mio.¹² 3,8 %¹
Ukrainer 4,3 Mio.¹² 3,0 %¹
Tschuwaschen 1,8 Mio.¹² 1,2 %
Baschkiren 1,3 Mio.¹² 0,9 %
Mordwinen 1,0 Mio.¹² 0,7 %
Gesamte RSFSR 147 Mio.¹² 100,0 %

¹ Bevölkerungszahlen und Prozentzahlen laut Roland Götz/Uwe Halbach.[1]
² Bevölkerungszahlen laut R. A. Mark.[2]

Von den über 27 Millionen Nicht-Russen in der RSFSR lebten nur 9,4 Millionen (Stand: 1989) in ihren eigentlichen jeweiligen nationalen bzw. historischen Gebieten, da sie durch Flucht, Umsiedlung oder aus eigenem Antrieb diese Gebiete verlassen hatten. Das Verbreitungsgebiet einiger Völker wie der Tataren ist traditionell sehr gestreut und konnte von vornherein nicht vollständig in einem kompakten Autonomiegebiet erfasst werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Sowjetunion – Überblick über vorhandene Artikel zum Themengebiet

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Dönninghaus: Minderheiten in Bedrängnis. Sowjetische Politik gegenüber Deutschen, Polen und anderen Diaspora-Nationalitäten 1917–1938 (= Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im Östlichen Europa; 35). Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-58872-9.
  • Roland Götz, Uwe Halbach: Politisches Lexikon GUS (= Beck’sche Reihe 852, Länder). 3., neubearbeitete Auflage, Beck, München 1995, ISBN 3-406-40597-5.
  • Andreas Kappeler: Rußland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall. Beck, München 1992, ISBN 3-406-36472-1.
  • Rudolf Mark: Die Völker in der ehemaligen Sowjetunion. Die Nationalitäten der GUS, Georgiens und der baltischen Staaten. Ein Lexikon. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage, Opladen 1992, Westdeutscher Verlag, Opladen 1992, ISBN 3-531-12075-1.
  • D. S. Polyanski: Russian Socialist Federative Soviet Republic. The Whole Republic a Construction Site. Soviet Booklets, London 1959 (online).
  • Gerhard Simon, Nadja Simon: Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums (= dtv-Wissenschaft 4598). Mit zahlreichen Dokumenten. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München München 1993, ISBN 3-423-04598-1.
  • Gerhard Simon: Nationalismus und Nationalitätenpolitik in der Sowjetunion. Von der totalitären Diktatur zur nachstalinistischen Gesellschaft (= Osteuropa und der internationale Kommunismus; Bd. 16). Nomos-Verlags-Gesellschaft, Baden-Baden 1986, ISBN 3-7890-1249-1 (Zugleich: Köln, Univ., Habil.-Schr.).
  • Norbert Wein: Die Sowjetunion (= Uni-Taschenbücher 1244). 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Schöningh, Paderborn [u. a.] 1985, ISBN 3-506-99366-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland Götz/Uwe Halbach: Politisches Lexikon GUS, 3. Aufl. 1995.
  2. Mark, R. A.: Die Völker in der ehemaligen Sowjetunion: Die Nationalitäten der GUS, Georgiens und der baltischen Staaten, Ein Lexikon, 2. Aufl. Opladen 1992.