Russophile Bewegung in Galizien

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Die russophile Bewegung in Galizien war eine kulturelle Strömung unter den Ruthenen (Ostslawen) der Habsburgermonarchie. Die Vertreter der Russophilen propagierten die Zugehörigkeit der Ruthenen zum gesamtrussischen Volk und betonten die gemeinsamen kulturellen Bande mit den Russen, die seit der Epoche der Kiewer Rus existieren. Zu den Zielen der russophilen Bewegung zählte die Aufrechterhaltung der ostslawischen Identität und die Rückkehr zum russisch-orthodoxen Christentum anstelle der in der Union von Brest oktroyierten Anbindung an den Katholizismus.

Die österreichisch-ungarischen Behörden betrachteten die russophile Bewegung in Galizien, Transkarpatien und Bukowina mit großem Argwohn und unterstützten als ihr Gegengewicht die ukrainophile Bewegung unter den Ruthenen. Diese propagierte die größtmögliche Distanz zu den Russen (was sich nicht zuletzt im neugewählten Ethnonym widerspiegelte) und war der Habsburgermonarchie gegenüber sehr loyal. Die ukrainophile Bewegung wurde auch von den polnischen Kreisen unterstützt.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden viele führende Intellektuelle und Anhänger der russophilen Bewegung von staatlicher österreichischer Seite starken Repressalien ausgesetzt. Viele von Ihnen starben in den Internierungslagern Thalerhof und Theresienstadt, andere flohen mit der zurückweichenden russischen Armee, nachdem diese zwischenzeitlich Galizien erobert hatte. In der Folge war die russophile Bewegung in Galizien marginalisiert und hatte kaum noch Einfluss. Zu der Krise der überwiegend konservativen Bewegung führte auch das Ende der russischen Monarchie und die Machtergreifung der Bolschewiki in Russland.

Zu den führenden Persönlichkeiten der russophilen Bewegung zählten:

Iwan Naumowytsch, einer der führenden Russophilen Galiziens
  • Anton Beskid (1855—1933) — Rechtswissenschaftler und Politiker
  • Andrij Brodij (1895—1946) — Journalist und Politiker
  • Bohdan Didyzkyj (1827—1909) — Schriftsteller und Journalist
  • Adolf Dobrjanský (1817—1901) — Politiker und Schriftsteller
  • Alexander Duchnowytsch (1803—1865) — Dichter, Schriftsteller und Priester
  • Iwan Franko (1856—1916) — ukrainischer Schriftsteller und Sozialist, in der Jugend Anhänger der russophilen Bewegung
  • Jakiw Holowazkyj (1814—1888) — Dichter, Historiker, Publizist, Rektor der Lemberger Universität
  • Ignatij Hudyma (1882—1944) — orthodoxer Priester
  • Jossyp Losynskyj (1807—1889) — Ethnograph, Priester, Schriftsteller
  • Iwan Naumowytsch (1826—1891) — Schriftsteller und Verleger, Journalist, unierter (später russisch-orthodoxer) Priester
  • Antonij Petruschewytsch (1821—1913) — Historiker, Sprachwissenschaftler, Ethnograph
  • Isidor Scharanewytsch (1829—1901) — Historiker und Archäologe
  • Denys Subryzkyj (1777—1862) — Historiker und Ethnograph
  • Alexis Toth (1853—1909) — russisch-orthodoxer Missionar in den USA ruthenischer Herkunft

Literatur[Bearbeiten]

  • Пашаева Н. М., Очерки истории Русского Движения в Галичине XIX—XX вв. / /Гос. публ. ист. б-ка России. — М., 2001.
  • Москвофільство: документи і матеріали / Львів. нац. ун-т ім. І.Франка; Вступ. ст., комент. О.Сухого; За заг. ред. С. А. Макарчука. -Львів, 2001.
  • Wendland, Anna Veronika (2001) Die Russophilen in Galizien. Ukrainische Konservative zwischen Österreich und Russland, 1848–1915. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (VÖAW), Wien, 2001. 624 Seiten. ISBN 978-3-7001-2938-7