Russenfeindlichkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Russophobie)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Ein Artikel dieses textlich und historischen Umfangs mit derartig vielen, zum großen Teil wertenden und umstrittenen Aussagen bedarf mehr Quellen als einem einzigen Weblink und zwei Einzelnachweisen, die lediglich Nebenaussagen belegen.

Die Russophobie oder Russenfeindlichkeit ist eine ablehnende Haltung gegenüber Russland, dem Russen oder der russischen Kultur. Sie ist eine Ausprägung der Xenophobie und ist das Gegenteil von Russophilie. Das Phänomen der Russophobie und des negativen Russlandbilds begleitet die Geschichte Europas seit etwa 500 Jahren.

Zeitgeschichte[Bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Die ersten negativen Darstellungen der Russen datieren aus dem 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kampf des Deutschen Ordens gegen die „Schismatiker“ im Osten. So werden die Russen beispielsweise in der Livländischen Reimchronik als Ungläubige bezeichnet, die Ländereien der Christen plündern. Von einer systematischen Russenfeindlichkeit kann zu dieser Zeit aber noch nicht gesprochen werden.

Um die Wende zum 16. Jahrhunderts intensivierten sich Russisch-Litauische Kriege zwischen dem erstarkten Großfürstentum Moskau und dem Großfürstentum Litauen um das Erbe der Kiewer Rus. Der Anspruch der Rurikiden-Fürsten von Moskau, legitime Herrscher der ganzen Rus zu sein, stieß auf Widerstand in den durch Personalunion verbundenen Staaten Litauen und Polen. Um mögliche Allianzen der Russen in Europa zu verhindern, schrieb König Sigismund I. daraufhin an alle Höfe Europas und an den Papst, die „Moskowiter“ seien Feinde des Christentums und hätten sich mit Türken und Tataren verschworen, um das Christentum zu zerstören[1].

Im Zusammenhang mit dem Livländischen Krieg begannen diverse europäische Russlandreisende verstärkt von der Tyrannei des russischen Zaren Iwans „des Schrecklichen“ (richtige Übersetzung: der Furchteinflößende) zu berichten und das Bild einer überaus repressiven russischen Herrschaft zu manifestieren. Neueste Forschungen zeigen hingegen, dass während der 37-jährigen Herrschaft Iwans IV. etwa 6000 Menschen hingerichtet wurden.

Neue und moderne Zeit[Bearbeiten]

Vormarsch der russischen Barbarei. Französische Lithografie aus der Zeit der Napoleonischen Kriege

Eine neue Welle der Russophobie kam im 19. Jahrhunderts in Frankreich auf. Napoléon Bonaparte betrachtete die Russen als rückständige Barbaren, die seinen liberalen und revolutionären Ideen im Wege stünden. Während des Russlandfeldzugs 1812 zeigten die französischen Soldaten eine überaus hohe Respektlosigkeit vor der russischen Zivilbevölkerung, die sie misshandelten, und vor der russischen Kultur. So wurden die russischen Kirchen ausgeplündert und als Pferdeställe genutzt. Vor seinem Abzug aus Moskau unternahm Napoléon einen erfolglosen Versuch, die Türme des Moskauer Kremls zu sprengen. Nach der französischen Niederlage blieb die ablehnende Haltung gegenüber den Russen bestehen. Der französische Reisende Astolphe de Custine bereiste das Russische Kaiserreich in den 1830er Jahren und hinterließ eine Reisebeschreibung, die eine scharfe Kritik der Autokratie und des Lebens im zeitgenössischen Russland enthielt.

Das Bild Russlands als des „Gendarmen Europas“ wurde im 19. Jahrhundert von zahlreichen liberalen Kreisen aufgegriffen und weiterverbreitet. Es ging auf Russlands tragende Rolle in der reaktionären Heiligen Allianz zurück. So wurde die Unterdrückung nationaler Unabhängigkeitsbestrebungen im russisch beherrschten Polen angeprangert. Zeitgleich wurde ein zu starker Machtgewinn Russlands auf Kosten des Osmanischen Reiches befürchtet. England sorgte sich um seinen Überseehandel. Es unternahm große Anstrengungen, um ein russisches Vordringen zum Mittelmeer, insbesondere an den Bosporus, sowie eine russische Expansion nach Persien und Zentralasien – und möglicherweise sogar Indien – zu verhindern. Dieser britisch-russische Interessenskonflikt wurde als Great Game bekannt und hatte seine erste Ausprägung im Krimkrieg, an dem auch Frankreich teilnahm. Zahlreiche liberale und linksrevolutionäre Publizisten, darunter Karl Marx und Friedrich Engels, beteiligten sich an der Verbreitung des negativen Russlandbildes. Zusätzlich erschienen zahlreiche Pamphlete von Exil-Polen, die den Russen sogar eine asiatisch-turanische Herkunft bescheinigten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts näherten sich Frankreich und England politisch wieder Russland an, wohingegen die Beziehungen Deutschlands und Österreich-Ungarns zu Russland stark abkühlten. Beide wollten eine russische Machterweiterung auf dem Balkan im Zeichen des Panslawismus eindämmen. Die Russophobie in diesen beiden Staaten war stark mit der aufkommenden Slawophobie und Nationalismus verflochten, hinzu kamen österreichisch-russische Gegensätze auf dem Balkan. 1914 konnten sich auch große Teile der Linken in Deutschland mit dem Kampf gegen ein vom fortschrittsfeindlichen Zarismus beherrschtes Russland identifizieren. Dies erleichterte den Eintritt in den Ersten Weltkrieg und kam der sogenannten Burgfriedenspolitik zugute. Während des Krieges ließ Österreich-Ungarn zahlreiche russophile Ruthenen in Konzentrationslager wie Thalerhof oder Theresienstadt deportieren, wo Tausende von ihnen starben.

Die Oktoberrevolution von 1917 im Gefolge des für Russland katastrophal verlaufenen Ersten Weltkrieges und der anschließende Bürgerkrieg mit seinen Grausamkeiten auf beiden Seiten endeten Anfang der 1920er Jahre mit dem Sieg der Bolschewiki, den die anderen Großmächte vergeblich durch Militärinventionen zu verhindern gesucht hatten. Dies hatte einen internationalen Anstieg der Russophobie zur Folge, nachdem die kommunistische Bewegung bald von Moskau dominiert wurde und Sowjetrussland bzw. die Sowjetunion den kapitalistischen Mächten mit der Weltrevolution drohte. Eine brutale Repression im Innern, besonders seit dem Beginn des Stalinismus, sowie Abschließung und diplomatische Isolation der Sowjetunion begünstigten auch russenfeindliche Tendenzen der Zwischenkriegszeit.

Sowjetische Kriegsgefangene im KZ Mauthausen. Die sowjetischen Gefangenen wurden grausamer behandelt als Gefangene anderer Nationen.

Den Höhepunkt erreichte die rassistische Russophobie, als Kombination von Antisemitismus und Antibolschewismus, dem zu bekämpfenden so genannten Jüdischer Bolschewismus in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Hitler beschrieb die Russen in seinem Buch Mein Kampf als zur Selbstorganisation unfähige Untermenschen, die lediglich dank der „germanischen Oberschicht“ ein Reich aufbauen konnten. Die Nationalsozialisten sahen Russland als wichtigen Lebensraum im Osten für die deutsche Herrenrasse. Nach dem Endsieg war im Generalplan Ost eine Dezimierung, Versklavung und großangelegte Deportation der russischen Bevölkerung vorgesehen, wobei Städte wie Leningrad und Moskau dem Erdboden gleichgemacht werden sollten. Auch wenn diese Pläne nie realisiert wurden, steht die großflächige Vernichtung von Menschenleben und Kulturgut in Russland, insbesondere die Aushungerung von über einer Million Menschen während der Leningrader Blockade im Deutsch-Sowjetischen Krieg, mit der nationalsozialistischen Ideologie und Planung in Verbindung.

Im Zeitalter des Kalten Kriegs speiste sich die Russenfeindlichkeit aus dem politisch-ideologischen Kampf zwischen der westlichen Welt und dem sozialistischen Ostblock. Insbesondere konservative und rechte Kreise Westdeutschlands beschworen in der Nachkriegszeit die Einheit des christlichen Abendlands gegen die Bedrohung aus dem Osten. Die Angst vor den Kommunisten und der atomaren Bedrohung prägte das Bewusstsein der USA seit den frühen 1950er Jahren. Vor allem in der Ära Ronald Reagan griffen Hollywood-Produktionen immer wieder stereotypenhafte Bilder von Russen auf und transportierten sie in die ganze Welt. Nach der politischen Wende und dem Zerfall des Ostblocks waren es vor allem ehemalige Sowjetologen und Dissidenten aus Mittelosteuropa, die ihren alten Hass auf die kommunistischen Regime in eine national orientierte Russophobie ummünzten. Viele neue Staaten wie die baltischen Staaten oder die Ukraine bauten ihre nationale Identität rund um die Gegenüberstellung zu Russland auf. Ein weiterer Faktor der Russophobie war die Angst vor der sich ausbreitenden russischen Mafia, die in den 1990er Jahren das Bild eines kriminellen und kleptokratischen Russlands prägte. Andererseits unterstützte der Westen den Kurs des russischen Präsidenten Boris Jelzin und vermied weitgehend Kritik an seiner Politik.

Die Russlandberichterstattung in Deutschland ist weiterhin von einer überwiegend ablehnenden Haltung und einem Mangel an Meinungsvielfalt und Differenziertheit geprägt.[2] Parallel findet eine Reduktion des allgemeinen Nachrichtenflusses auf überwiegend negative Nachrichten statt. Beobachter bringen das mit einer selbstbewußteren russischen Interessenspolitik unter Wladimir Putin in Verbindung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Poe, Marshall T. (2001). People Born to Slavery: Russia in Early Modern European Ethnography, 1478–1748. Cornell University Press. p. 21. ISBN 0-8014-3798-9
  2. Crudopf, Wenke: Russland-Stereotypen in der deutschen Medienberichterstattung. Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, 2000.