Ruth Metzler-Arnold

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ruth Metzler-Arnold (2003)

Ruth Metzler-Arnold (* 23. Mai 1964 in Sursee; heimatberechtigt in Reiden/ehemals Richenthal, Willisau und Balgach) ist eine Schweizer Managerin und Politikerin (CVP). Sie war von 1999 bis 2003 Mitglied des Bundesrats und führte das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement.

Ausbildung, Beruf und Privates[Bearbeiten]

Metzler absolvierte von 1977 bis 1984 das Gymnasium in Willisau und Sursee. Von 1984 bis 1989 studierte sie Rechtswissenschaft an der Universität Freiburg und schloss mit dem Lizenziat ab. Von 1990 bis 1999 war Metzler als Wirtschaftsprüferin bei PricewaterhouseCoopers in St. Gallen tätig. 1991 bis 2011 war sie mit Lukas Metzler verheiratet[1]. Nach dem Studium zogen sie in den Kanton Appenzell Innerrhoden. 1994 erwarb sie das Diplom als eidg. diplomierte Wirtschaftsprüferin. Heute wohnt sie in Appenzell.

Kantonspolitikerin[Bearbeiten]

Nebenamtlich war Metzler von 1992 bis 1995 als Bezirksrichterin und von 1995 bis 1996 als Kantonsrichterin tätig. 1996 wurde sie von der Landsgemeinde in die Standeskommission des Kantons Appenzell Innerrhoden gewählt und zur «Säckelmeisterin» (Vorsteherin des Finanzdepartements) bestimmt, auch dies eine nebenamtliche Tätigkeit.

Bundesrätin[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer schwindenden Wählerstärke musste die CVP 1999 befürchten, nach den im Oktober fälligen Parlamentswahlen eigentlich nicht mehr Anspruch auf zwei Sitze im Bundesrat zu haben. Deshalb traten die beiden CVP-Bundesräte Arnold Koller und Flavio Cotti schon im Frühling, neun Monate vor dem ordentlichen Auslaufen ihrer Amtszeit, zurück, um unverbrauchten Kräften als Wahllokomotiven Platz zu machen, und in der Hoffnung, dass es das Parlament nicht wagen würde, bei der Gesamterneuerungswahl der Landesregierung im Herbst ein eben erst gewähltes Mitglied der Landesregierung nicht im Amt zu bestätigen.

Für die Nachfolge des Appenzeller Bundesrates Arnold Koller trat dabei schon früh eine Frauenkandidatur in den Vordergrund. Die ausserhalb Appenzells gänzlich unbekannte Metzler galt zunächst aufgrund ihrer geringen Erfahrung und ihrer fehlenden Kenntnisse des eidgenössischen Politbetriebes nur als Aussenseiterin. Jedoch vermochte sie mit ihrer Jugend und ihrem unbekümmerten, sympathischen Auftreten bald eine positive Grundstimmung aufzubauen. So wurde sie von der CVP neben der St. Galler Volkswirtschaftsministerin Rita Roos als offizielle Kandidatin aufgestellt.

Bei den Ersatzwahlen vom 11. März 1999 wurde Metzler im vierten Wahlgang und mit acht Stimmen Mehrheit (126:118) von der schweizerischen Bundesversammlung in den Bundesrat gewählt. Die Stimmen kamen dabei hauptsächlich aus dem rechten Parteienspektrum, da Metzler als technokratischer und weniger sozial eingestellt galt als Rita Roos. Bei den Gesamterneuerungswahlen vom 15. Dezember 1999 wurde sie bestätigt.

In der Landesregierung übernahm sie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement. Dort hatte sie sogleich mehrere aktuelle Dossiers zu bearbeiten, vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle im Gefolge des Kosovokrieges. In den folgenden Jahren wurden die vom EJPD eingebrachten Vorlagen des Parlamentes in der Volksabstimmung angenommen. 2003 war Metzler Vizepräsidentin des Bundesrats.

Die Schweizer Parlamentswahlen 2003 führten zu weiteren Stimmenverlusten der CVP. Dagegen legte die Schweizerische Volkspartei erneut stark zu und erhob Anspruch auf einen zweiten Sitz in der Landesregierung. Bei den Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats vom 10. Dezember 2003 wurde Metzler als erstes amtierendes Regierungsmitglied seit 1872 nicht wiedergewählt. An ihrer Stelle wählte das Parlament Christoph Blocher von der SVP. Metzler war nach Ulrich Ochsenbein und Jean-Jacques Challet-Venel erst das dritte Mitglied des Bundesrates, das nicht wiedergewählt wurde.

Weitere berufliche Karriere[Bearbeiten]

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundesrat nahm sie 2004/05 einen Lehrauftrag der Universität St. Gallen wahr. Im April 2005 wurde Metzler Leiterin der Rechtsabteilung und Mitglied der Geschäftsleitung von Novartis Frankreich in Paris. Von November 2006 bis Ende März 2010 war sie bei der Novartis als Leiterin des Bereichs Investor Relations für die Beziehungen des Unternehmens zu Analysten und Grossinvestoren mit Arbeitsort Basel zuständig. Metzler ist seit 2010 Inhaberin des Beratungs- und Kommunikationsunternehmen Metzler Strategie, Führung, Kommunikation AG[2] in Appenzell. Seit 2011 arbeitet sie mit zwei Partnern als Klaus-Metzler-Eckmann zusammen.

Seit Mai 2011 ist sie Präsidentin des Verwaltungsrats des Aussenwirtschaftsförderers Switzerland Global Enterprise (ehemals OSEC).[3] Ausserdem ist sie Mitglied des Verwaltungsrats der AXA Winterthur[4], des Technologiekonzern Bühler und Vizepräsidentin des Spitalverbundes Appenzell Ausserrhoden.[5] Seit 2012 ist sie Mitglied des Universitätsrates der Universität St. Gallen[6]. Von 2008 bis 2011 war Metzler Mitglied des Verwaltungsrats und gleichzeitig Mitglied des Audit Committees der SIX Group.[7]

Werke[Bearbeiten]

  • Grissini und Alpenbitter. Meine Jahre als Bundesrätin. Appenzeller Verlag, Herisau 2004, ISBN 3-85882-388-0.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ruth Metzler-Arnold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschieden: Metzler schreibt Wikipedia-Profil um. In: Der Sonntag vom 25. Dezember 2011
  2. Ueli Kneubühler: Ruth Metzler: Umfirmiert. In: Bilanz 17/2013 vom 23. August 2013
  3. Ruth Metzler ist zurück im Rampenlicht. In: Tages-Anzeiger vom 28. Mai 2011
  4. Ex-Bundesrätin Ruth Metzler im Verwältungsrat der Axa Winterthur. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 29. Juni 2012
  5. Ruth Metzler neu im Verwaltungsrat von Bühler. Medienmitteilung vom 16. Dezember 2011
  6. Curriculum Vitae auf der Website von Ruth Metzler-Arnold, abgerufen am 24. August 2013
  7. Barbara Kessler neu im Verwaltungsrat der SIX Group AG. Medienmitteilung vom 26. Mai 2011 (PDF-Datei)


Vorgänger Amt Nachfolger
Arnold Koller Mitglied im Schweizer Bundesrat
1999–2003
Christoph Blocher