Ruth St. Denis

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Ruth Saint Denis, geborene Ruth Dennis, (* 20. Januar 1879 in Newark, New Jersey; † 21. Juli 1968 in Hollywood) war eine US-amerikanische Tänzerin, Choreografin und Pädagogin.

Biographie[Bearbeiten]

Theosophie und Amerikanischer Transzendentalismus prägten Ruth St. Denis bereits in frühen Jahren. Später setzte sie sich auch mit Buddhismus, Christian Science, Vedanta und den Lehren von Léonide Ouspensky (1902–1987) auseinander. Ersten künstlerischen Unterricht bekam sie durch ihre Mutter, die sie nach der Methode von François Delsarte unterrichtete. Dieses Delsarte-System bildete weitgehend die Basis ihrer Tanztechnik. Bei Karl Marwig lernte sie spanischen Tanz, Ballett bei Ernestina Bossi und Spitzentanz bei Marie Bonfanti. Mit 15 Jahren begann sie ihre Laufbahn zunächst als Skirt Dancer in Wjorth's Family Theatre and Museum und trat dann in verschiedenen anderer New Yorker Theatern im Bereich des Vaudeville wechselweise als „spanische Tänzerin“, „Highkicker“ oder als akrobatische Tänzerin auf.

David Belasco engagierte sie im März 1900 für ein Gastspiel seinen Stückes Zaza in London. Sie spielte die nächsten vier Jahre in seinen Produktionen wie Madame Du Barry und The Auctioneer. Ein Zigarettenplakat als Göttin Isis beeindruckte sie nachhaltig und inspirierte sie 1906 zu ihrer ersten Tanzschöpfung Radha, Dance of the five senses, die sie am 28. Januar 1906 im New York Theatre erstmals präsentierte. Im gleichen Jahre entstanden The Incense und The Cobras. Ihr erster und einziger Europa-Aufenthalt begann im Sommer 1906 im Londoner Aldwych Theatre. Auguste Rodin zeichnete sie während ihres Gastspiels im Pariser Théâtre Marigny.

Ruth Saint Denis und ihr Ehemann Ted Shawn

Große Erfolge feierte sie besonders in Berlin (Komische Oper und Wintergarten) und in Wien, wo Hugo von Hofmannsthal über sie seinen Essay Die unvergleichliche Tänzerin veröffentlichte. Am 9. Februar 1908 zeigte sie dort im Ronacher Palast ihre neuen Tänze The Yogi und The Nautch. Im Sommer 1909 kehrte sie nach New York City zurück und unternahm die erste von zahlreichen wiederkehrenden Amerika-Tourneen.

Ihr abendfüllende Tanzproduktion Egypta wurde am 12. Dezember 1910 im New Amsterdam Theatre in New York uraufgeführt. 1913 schuf sie die japanischen Tanzdramen O-Mika und Bakawali nach Erzählungen von Lafcadio Hearn. 1914 heiratete sie den zehn Jahre jüngeren ehemaligen Theologiestudenten Ted Shawn und gründete mit ihm 1915 in Los Angeles die Denishawn Tanzschule.

Beide verband das Interesse am religiösen Tanz. Eine ihrer gemeinsamen Unternehmungen war Dance Pageant of Egypta, Greece and India (1916). Ihr Einfluss auf den modernen Tanz in Amerika festigte sich nachhaltig durch ihre Schülerinnen Martha Graham, Doris Humphrey und Charles Weidmann. Der Einfluss der Denishawn Schule auf das frühe amerikanische Kino ist unverkennbar. Fast alle Studios in Hollywood sandten ihre Stars zu Denishawn. Ruth choreographierte u. a. persönlich die babylonischen Tänze in David Griffiths Monumentalfilm Intolerance (1916).

Mit ihrem Ensemble unternahmen beide 1925/26 eine große Tournee in den Fernen Osten. Neben den Gruppenstücken kreierte Ruth weiterhin Solotänze wie The Spirit Of The Sea, White Jade, Angkor-Vat. Nach der Auflösung von Denishawn (1931) wurden Madonnendarstellungen wie Masque of Mary (1934) ihr Thema. Sie veröffentlichte 1932 ihren Gedichtband Lotus Light und 1939 erschien ihre Biografie An Unfinished Life.

Zusammen mit La Meri (Russel Meriwether Hughes) gründete St. Denis ihre – dem orientalischen Tanz verpflichtete – School of Natya. Der Tanzkritiker Walter Terry bezeichnete Ruth als „the first lady of American Dance“.

1942 zog sie nach Hollywood. In den 40er und 50er Jahren filmte Phillip Baribault mehrere Tänze. Ihre letzte Vorstellung gab sie im Mai 1966 mit Incense im Orange Coast College in Kalifornien. Sie starb am 21. Juli 1968 in Hollywood.

Werke[Bearbeiten]

  • Lotus light. Poems, Houghton Mifflin, New York 1932
  • Radha. An East Indian idyl, a Hindoo play in one act without words, New York 1905
  • Unfinished life. An autobiography, Dance Horizons, New York 1939
  • Weisheit kommt tanzend. Tanz, Spiritualität und Körper, Santiago-Verlag, Goch 2002, ISBN 3-9806468-7-4

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Brady (Hrsg.): After the dance. Documents of Ruth Saint Denis and Ted Shawn, Theatre Library Assoc., New York 1996, ISBN 0-932610-17-X
  • Brygida M. Ochaim, Claudia Balk: Varieté-Tänzerinnen um 1900. Vom Sinnenrausch zur Tanzmoderne, Ausstellung des Deutschen Theatermuseums München 23. Oktober 1998–17. Januar 1999., Stroemfeld, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-87877-745-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ruth St. Denis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ruth Saint Denis