Ruthenische griechisch-katholische Kirche

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Die Ruthenische griechisch-katholische Kirche oder Ruthenische Kirche ist eine der griechisch-katholischen Kirchen. Sie ist daher mit der römisch-katholischen Kirche uniert und erkennt den Papst als ihr geistliches Oberhaupt an. Ihren Hauptsitz hat sie in Uschhorod (Ukraine). Die Sprache der Liturgie ist vornehmlich kirchenslawisch oder eine Landessprache.

Die Kirche umfasst etwa 650.000 Gläubige. Unter „Ruthenische Kirche“ versteht man heute ausschließlich die Griechisch-Katholische Kirche im äußersten Westen der Ukraine und angrenzenden Gebieten und die Diasporakirche in den USA.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Kirche liegen in den ostkarpatischen Regionen Karpatoukraine, Ostslowakei und Nordostungarn. Hierher gelangte der christliche Glaube schon im 9. Jahrhundert zu Zeiten des Großmährischen Reiches. Es folgte wohl von Anfang an dem byzantinischen Tradition, als Erstverkündiger werden die „Slawenapostel“ Kyrill und Method verehrt. Ein Bischof von Mukacevo ist 1491 urkundlich.[1]

Im 17. Jahrhundert war fast der gesamte ungarische Raum protestantisch geworden, um das Übergreifen in den Osten zu verhindern, versuchte Rom die seinerzeit orthodoxen Ruthenen für sich zu gewinnen. Am 24. April 1646, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, bekannten sich 65 orthodoxe Priester im Königreich Ungarn in der Kirchenunion von Uschhorod zur katholischen Kirche. 1664 und 1713 folgten weitere regionale Unionen. Rund 100 Jahre später gab es fast keine orthodoxen Gläubigen mehr in diesem Gebiet (daher gibt es, anders als bei den meisten anderen griechisch-katholischen Kirchen, keine „Ruthenisch-orthodoxe Kirche“ mehr).

In den folgenden Jahrhunderten hatten die ruthenischen Katholiken keine eigene Struktur, galten doch die ruthenischen Priester als Kaplane der lateinischen Pfarrer und ihr Bischof in Mukatschewe nur als Ritual-Vikar des lateinischen Bischofs von Eger. Erst die Bitte der Kaiserin Maria Theresia brachte Papst Clemens XIV. 1771 dazu, dass die Ruthenische Kirche in Mukatschewe ihre eigene Eparchie erhielt. Sieben Jahre später erhielten sie in Uschhorod ihr eigenes Priesterseminar.

Durch die starke Emigration des frühen 20. Jahrhunderts entstand eine kräftige Diaspora in den USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ruthenen von den Machthabern der Sowjetunion systematisch verfolgt, das Priesterseminar 1946 geschlossen und die Kirche 1949 mit der Russisch-Orthodoxen Kirche zwangsuniert.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blühten die Gemeinden wieder auf; 1997 gab es in der Eparchie Mukatschewe 264 Gemeinden und 141 Priester. 1995 konnte in Uschhorod ein neues Priesterseminar eingerichtet werden.

Charakteristik[Bearbeiten]

Die Ruthenisch-Katholische Kirche hat unter den Byzantinern in Osteuropa eine Sonderstellung, da die Ruthenische Kultur (Russinen) nie eine Nationalstaatlichkeit aufbaute.[1] Für die ruthenische Kirche ist im Prinzip das Kirchenslawisch als Liturgiesprache charakteristisch,[1] das Ruthenische ist dessen ursprüngliche Volkssprache und Vorläufer des Ukrainischen, Weißrussischen und Russinischen. Im Mutterland muss sich die Gemeinschaft heute beständig der Vereinnahmung durch die Ukrainisch-Katholische Kirche erwehren. Zudem haben die Jahre des Untergrundes zu Entfremdungen und Trennungen geführt, so dass ihr Exarchat in Prešov seit 1996 der Sitz einer neuen, der Slowakischen griechisch-katholischen Kirche ist (nurmehr im tschechischen Raum gibt es noch slowakisch-ruthenische Gemeinden), und das Exarchat Miskolc zur Ungarischen Kirche zählt.

Die heute etwa 663.000 Gläubigen leben in der Ukraine, in Tschechien und in den USA. Sie sind in drei Metropolien unterteilt.[1]

  1. Zur Eparchie Mukatschewe gehören 380.000 Gläubige; Sitz des Bischofs ist Uschhorod. Der Apostolische Exarch von Mukatschewe, dessen Gebiet in der Ukraine liegt, untersteht direkt dem Heiligen Stuhl und besitzt keine Suffragane. Gegenüber den anderen beiden Metropoliten genießt er einen Ehrenvorrang, hat jedoch keinen juristischen Primat.
  2. Das Apostolische Exarchat Tschechien mit 180.000 Gläubigen und Sitz in Prag wurde 1996 errichtet. Vorher gehörten die tschechischen Gläubigen zur Eparchie von Prešov in der Slowakei.
  3. Zum Ruthenian Byzantine Catholic Metropolitanate in the United States gehören vier Diözesen mit 243 Gemeinden und rund 90.000 Gläubigen. Der Metropolit hat seinen Sitz in Pittsburgh. Die Gläubigen feiern ihren Gottesdienst vornehmlich auf Englisch. Es ist jurisdiktionell von der Mutterkirche unabhängig.[1] Den Priestern ist es seit 1999 gestattet, verheiratet zu sein.

Das Apostolische Exarchat Miskolc wurde am 4. Juni 1924 für die 21 Gemeinden der Ruthenen in Ungarn begründet. Da diese bald zur ungarischen Liturgie wechselten, wird sie seit dieser Zeit durch den ungarischen Eparchen, den Bischof von Hajdúdorog, verwaltet und wird in jüngsten Jahren auch förmlich zur Ungarischen Griechisch-katholischen Kirche gerechnet.[2]

Wichtige Personen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Ruthenisch Griechisch-Katholische Kirche, pro-oriente.at
  2. Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn, pro-oriente.at

48.623195122.30215Koordinaten: 48° 37′ 24″ N, 22° 18′ 8″ O