Rutherford Alcock

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Rutherford Alcock

Sir Rutherford Alcock KCB (* 1809; † 2. November 1897 in London) war ein britischer Arzt, der später als Diplomat in Japan und China tätig war.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Approbation erhielt er 1831 seine Membership of the Royal College of Surgeons (M.R.C.S.) Im folgenden Jahr meldete er sich als Freiwilliger in der Britischen Marine Brigade und nahm als Stabsarzt von 1832 bis 1834 im Miguelistenkrieg teil. Danach wechselte er im Mai 1835 zur Britischen Hilfslegion von Spanien und war so von 1835 bis 1837 Teilnehmer des 1. Karlistenkriegs. Nach einem Jahr wurde er in den Rang eines Stellvertretenden Generalinspekteurs des Krankenhauswesens eingesetzt. Zunächst hatte er gehofft, am King's College Hospital in London den Lehrstuhl für Militärchirurgie zu bekommen, der mit einer Wundarzt-Assistenzstelle am Westminster Hospital verbunden war, aber da er zunehmend an rheumatischen Fieberattacken litt, konnte er seine Daumen nicht mehr richtig gebrauchen und musste seine Arztkarriere aufgeben. 1839 wurde ihm ein Lehrauftrag für Chirurgie am Sydenham College angetragen und 1842 wurde er Inspektor für Anatomie im Innenministerium. Er beschloss daraufhin, seine Zukunft anders zu gestalten und wurde zunächst Britischer Konsul in Fuzhou, China (1944), in Shanghai (1846) und in Canton (1854).[1]

1858 trat er endgültig in den Diplomatischen Dienst ein und wurde 1858 zum ersten britischen Konsul in Japan ernannt. Er traf 1859 in Edo ein, wo er mit Unterbrechungen bis 1865 residierte. Alcock bemühte sich, Japan dem britischen Handel zu öffnen. 1864 war er maßgeblich an den Vorbereitungen zum Bombardement von Shimonoseki der europäisch-amerikanischen Allianz beteiligt, das, neben anderen Zielen, die Inlandgewässer öffnen sollte.

Zwischen 1865 und 1871 war er als britischer Minister (Botschafter) in Peking. Das „Alcock-Abkommen“ (Alcock convention) aus dem Jahr 1869 ist nach ihm benannt.

Von Mai 1882 bis Juli 1891 war Alcock Aufsichtsratsvorsitzender der North Borneo Chartered Company.[2]

Sir Rutherford Alcock starb am 2. November 1897 in London.[3]

The Capital of the Tycoon[Bearbeiten]

Während seines Londonaufenthaltes 1862 verfasste er The Capital of the Tycoon. Tycoon war zwischen 1854 und 1868 die Bezeichnung des Shogun unter den Ausländern in Japan. Dieses Werk, „ohne Frage die bedeutendste literarische Erscheinung über Japan seit dem Werk über Perry's Expedition“ (Petermanns Mitteilungen 1864, S. 157), kommt auch ein speziell geographischer Wert zu durch die Beschreibung des Berges Fuji. Alcock hat das Verdienst, diesen Berg „unter allen Fremden zuerst bestiegen und zuerst eingehendere Nachrichten über ihn verbreitet zu haben.“ (Petermanns Geographische Mitteilungen 1879, S. 371).

Werke[Bearbeiten]

  • Vorlesungen über die Amputation, besonders über die Verletzungen, welche sie erheischen, und über die Frage, wann und wie sie bei denselben vorzunehmen, gehalten in der mediz. Schule des Sydenham - Kollegiums. Ins Deutsche übertr. unter Redaktion des Dr. Fr. J. Behrend. Kollmann Leipzig, 1844
  • The Capital of the Tycoon: A narrative of a three years' residence in Japan. 2 vols. London, Longman, 1863

Literatur[Bearbeiten]

  • Katalog Japan und Europa 1543-1929. Berlin 1993
  • Petermanns Mitteilungen 1864 und 1879

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The military career of Mr (later Sir) Rutherford Alcock (1809-97), abgerufen am 25. Juni 2011
  2. British North Borneo Company: Views of British North Borneo , London, 1899
  3. Eintrag Sir Rutherforde Alcock in der 11. Edition der Encyclopedia Brittanica (1911)