Rykestraße

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Rykestraße Ecke Knaackstraße Richtung Danziger Straße

Die Rykestraße ist eine Nebenstraße im Berliner Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg. Sie verläuft parallel zur Prenzlauer Allee von der Knaackstraße bis zur Danziger Straße durch den Kollwitzkiez. Überregionale Bekanntheit hat sie wegen der dortigen Synagoge Rykestraße, die als einer von wenigen jüdischen Sakralbauten die Reichspogromnacht 1938 und den Zweiten Weltkrieg überstand und die größte Synagoge Deutschlands ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal von Sigismund von Luxemburg mit dem Bürgermeister Bernd Ryke (re.) in Berlin
Gedenktafel an Franz Huth in der Rykestraße 3

Die damalige Straße Nr. 35 (des Bebauungsplans Abt. XII) erhielt ihren heutigen Namen am 2. April 1891. Die angrenzenden Grundstücke wurden im Auftrag der Stadt durch die „Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr“ mit einfachen Wohnhäusern bebaut. Die Mietskasernen verfügten nur über geringen Komfort; sie besaßen teilweise nur eine Latrine im Hof. Seit 1993 gehört die Straße zum Sanierungsgebiet Kollwitzplatz.

Neben den Einrichtungen der jüdischen Gemeinde im Haus Rykestraße 53 ist der Wasserturm am Kopf der Straße/Ecke Knaackstraße von historischer Bedeutung. Er war bei seiner Erbauung 1877 der erste Wasserturm Berlins. Heute dient er nach Rekonstruktion und Umbau nur noch als Wohngebäude.

Neuere Bekanntheit erlangte die Straße durch die Album-Namensgebung der norwegischen Musikerin Hanne Hukkelberg, die damit ihren vermeintlichen Wohnort Rykestraße 68 während eines halbjährigen Arbeitsstipendiums verewigte. Tatsächlich lebte sie jedoch in der Danziger Straße 68, einem Haus an der Ecke Danziger Straße und Rykestraße.

Bernd Ryke[Bearbeiten]

Bernd Ryke († 1417) war von 1368 bis 1417 mehrfach Bürgermeister von Berlin. Seine Familie Ryke, auch als Reiche (hochdeutsche Form von Ryke) bekannt, war eine weit verzweigte märkische Patrizierfamilie, welche mehrfach kommunale Ämter in Berlin und Cölln während des 14. und 15. Jahrhunderts ausübten. Andere Quellen geben einen Bernd Ryke (1390–1449) als Namensgeber an.

Für die Berliner Siegesallee gestaltete Eugen Börmel eine marmorne Büste Rykes als Nebenfigur der Denkmalgruppe 14.

Gedenktafel[Bearbeiten]

  • Des deutschen Widerstandskämpfers Franz Huth (1906–1933), Leiter der KPD-Parteischule in Zepernick-Röntgental, wird an dessen Wohnhaus in der Rykestraße 3 mit einer Gedenktafel gedacht. Diese wurde 1957 erstmals angebracht und 1977 restauriert.[1] Nach 1989 wurde sie entfernt, befindet sich inzwischen jedoch wieder am Haus.
  • In der Rykestraße 22 wird, ebenfalls mit einer Gedenktafel, an den Widerstandskämpfer Johannes Wolf (1898–1943) gedacht:
In diesem Hause / wohnte der / Antifaschistische / Widerstandskämpfer / Johannes / Wolf / der von Hitlerbanditen / am 18.August 1943 / ermordet wurde. / Ehre seinem Andenken

Wasserturm[Bearbeiten]

Am südlichen Ende der Rykestraße befindet sich inmitten einer erhöhten Grünanlage der sogenannte „Wasserturm Prenzlauer Berg“, der heute nicht mehr als solcher genutzt wird. Das Gebäude wurde 1852-1877 als Wasserreservoir für die neu entstehenden Wohngebiete im Berliner Nordosten errichtet und wird von den Berlinern „Dicker Herrmann“ genannt.[2] Neben dem Turm befinden sich auf dem Gelände ein schmalerer und höherer Steigrohrturm und weitere Nebengebäude, in denen sich Büros der Verwaltung, Werkstätten und Maschinenhallen befanden. Das erhöhte Gelände beinhaltet außerdem unterirdische Tiefspeicher. Im Turm existieren Wohnungen in sechs Stockwerken, die früher als Werkswohnungen dienten. Die Wasserturmanlage mit den beiden Tiefbehältern steht heute unter Denkmalschutz.

Der Turm war als Symbol seit 1920 Bestandteil des inoffiziellen und ab 1987 des offiziellen Wappens des Bezirks und Stadtbezirks Prenzlauer Berg.

Im Frühjahr 1933 wurde hier das „KZ Wasserturm“ durch die Berliner SA im Maschinenhaus I eingerichtet[3].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rykestraße (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefanie Endlich, Nora Goldenbogen, Beatrix Herlemann, Monika Kahl, Regina Scheer: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus – Eine Dokumentation, Band II, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999
  2. Informationstafel des Bezirks Pankow zum Wasserturm in der Knaackstraße, Text: Kulturamt Pankow 2005
  3. KZ Wasserturm (PDF; 6 kB)

52.53694444444413.421111111111Koordinaten: 52° 32′ 13″ N, 13° 25′ 16″ O