Ryszard Kaczorowski

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Ryszard Kaczorowski (2008)

Ryszard Kaczorowski (* 26. November 1919 in Białystok; † 10. April 2010 in Smolensk, Russland) war ein polnischer Politiker. Vom 19. Juni 1989 bis zum 22. Dezember 1990 war er der letzte Staatspräsident von Polen im Exil.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Kaczorowski kam, wie sein Amtsvorgänger Kazimierz Sabbat, aus den Reihen der polnischen Pfadfinderbewegung. Während der sowjetischen Besetzung Ostpolens im September 1939 wurde er Kontaktmann zwischen der Untergrundorganisation der Pfadfinder "Graue Reihen" und der polnischen Heimatarmee. Im Juli 1940 wurde er von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und im Februar 1941 zum Tode verurteilt. Nach 100 Tagen in der Todeszelle wurde das Urteil in 10 Jahre Gulag-Haft in Kolyma verwandelt. 1942 wurde Kaczorowski, wie die meisten inhaftierten Polen, von Stalin, der die Bildung einer polnischen Armee in der Sowjetunion genehmigte, begnadigt und trat in das 2. Polnische Korps ein. Als Soldat nahm er an der Italien-Kampagne teil und kämpfte unter anderem in der Schlacht um Monte Cassino.

Nach dem Krieg studierte Kaczorowski in London an einer Hochschule für Außenhandel und arbeitete später als Angestellter in der britischen Industrie. Gleichzeitig war er weiterhin in der Pfadfinderbewegung tätig, so als Vorsitzender der polnischen Pfadfinderorganisation im Exil, Kommandant des Welttreffens der Pfadfinder auf Monte Cassino 1969 und in Belgien 1982 sowie der polnischen Delegation auf dem Internationalen Jamboree im Jahr 1957.

Am 19. Juni 1989 wurde Kaczorowski durch den Rücktritt des erkrankten Kazimierz Sabbat Exilpräsident. Wenige Monate nach seiner Amtsübernahme entstand die 3. Polnische Republik und im Dezember 1990 wurde Lech Wałęsa zum ersten frei gewählten polnischen Präsidenten. Die Institutionen der Exilregierung in London lösten sich auf und am 22. Dezember 1990 überreichte Kaczorowski während einer feierlichen Zeremonie auf dem Warschauer Königsschloss die Präsidentschaftsinsignien der 2. Republik an Wałęsa.

Nach 1990 verschaffte sich Kaczorowski durch zahlreiche Vorträge, Interviews und Reisen große Achtung in Polen und wurde zum Ehrenbürger der Städte Białystok, Krakau, Warschau und Gdynia sowie zum Ehrendoktor der Universitäten Breslau, Białystok und Opole ernannt.

Ryszard Kaczorowski lebte zuletzt in London.

Am 10. April 2010 gehörte Kaczorowski zu einer polnischen Delegation um Staatspräsident Lech Kaczyński, die anlässlich des siebzigsten Jahrestages des Massakers von Katyń zur Gedenkstätte nach Russland reisen sollte. Bei dem Flugzeugabsturz der Delegation nahe dem Militärflugplatz Smolensk-Nord kam er jedoch gemeinsam mit weiteren hochrangigen Repräsentanten Polens ums Leben. Am 19. April 2010 fand die Beisetzung Kaczorowskis in der Tempel der Göttlichen Vorsehung in Warschau statt. Nach Analyse der Dokumentation und der DNS-Proben lag jedoch die Vermutung nahe, dass die dort bestattete Leiche vom stellvertretenden Außenminister Jacek Najder, der den ehemaligen Präsidenten nicht gut kannte, irrtümlich als Kaczorowski identifiziert wurde. Als Ergebnis der am 22. Oktober 2012 durchgeführten Exumierungen und der anschließenden Obduktionen dieser und einer weiteren, auf dem Powązki-Friedhof begrabenen Leiche bestätigte sich die falsche Zuordnung der Leichname.[1] Die erneute Bestattung Kaczorowskis in der Tempel der Göttlichen Vorsehung fand am 3. November 2012 statt.[2]

Ehrungen [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. toch: Były prezydent Ryszard Kaczorowski nie spocznie na Wawelu. Pogrzeb w sobotę w Świątyni Opatrzności Bożej. In: Gazeta Wyborcza. 31. Oktober 2012, abgerufen am 1. November 2012 (polnisch).
  2. Jerzy S. Majewski: Ciało Ryszarda Kaczorowskiego złożono w Panteonie Wielkich Polaków. In: Gazeta Wyborcza. 3. November 2012, abgerufen am 5. November 2012 (polnisch).
  3. AAS 89 (1997), n. 10, p. 742.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Ryszard Kaczorowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien