Ryszard Kukliński

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem polnischen CIA-Agenten Ryszard Kukliński. Für den US-amerikanischen Schwerverbrecher, siehe Richard Kuklinski.
Ryszard Kukliński

Ryszard Jerzy Kukliński (* 13. Juni 1930 in Warschau; † 11. Februar 2004 in Tampa, Florida) war ein Oberst der polnischen Volksarmee sowie Agent der CIA (Deckname: Jack Strong, Codename: Gull).

Leben[Bearbeiten]

Familie, Beginn[Bearbeiten]

Kukliński stammte aus einer Arbeiterfamilie mit sozialistischen Traditionen. Sein Vater wurde während des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht verhaftet und kam im KZ Sachsenhausen um. Nach dem Krieg ging Ryszard zur Polnischen Volksarmee, wo er zunächst als Stabsoffizier tätig war. Zwischen 1967 und 1968 war er für die Internationale Kommission zur Einhaltung der Dekrete der Indochinakonferenz in Vietnam tätig. 1968 wirkte er an der Vorbereitung der Invasion der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei mit.

Mitarbeit mit Geheimdiensten[Bearbeiten]

Dienstausweis von Ryszard Kukliński.

Nach der blutigen Niederschlagung der Arbeiterunruhen in Danzig im Dezember 1970 entschied er sich für die Zusammenarbeit mit der CIA. Während eines Aufenthaltes in Wilhelmshaven im August 1972 schickte er einen Brief an die US-Botschaft in Bonn, in dem er um ein Treffen mit einem US-Offizier in Amsterdam bat.[1] Weitere Treffen folgten in Rotterdam, Kiel und Hamburg. Zwischen 1972 und 1981 übermittelte er ca. 40.000 Seiten streng geheimer Informationen, insbesondere über die Stationierung sowjetischer Einheiten in Polen und der DDR, Angriffspläne des Warschauer Paktes und Entwicklung neuer sowjetischer Waffen, wie des Panzers T-72 und der Luftabwehrrakete Strela-2.

Kurz vor der Verhängung des Kriegszustandes in Polen am 13. Dezember 1981, von der Kukliński wusste, wurde er mit seiner Familie in einem Fahrzeug der US-Botschaft nach West-Berlin gebracht, von wo aus sie in die USA ausgeflogen wurden, wo er Militärberater des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten wurde. Im Mai 1984 verurteilte ihn ein polnisches Militärgericht in Abwesenheit zum Tode.

Die 1990er Jahre[Bearbeiten]

Gedenktafel in Warschau
Kuklińskis Grab auf dem Powązki-Friedhof

William Joseph Casey, Direktor der CIA, schrieb in einem Brief an Ronald Reagan: Kein anderer Mensch auf der Welt hat in den letzten 40 Jahren dem Kommunismus so geschadet wie dieser Pole. Inzwischen ist bekannt, dass Gesandte der USA damals regelmäßig Papst Johannes Paul II. von ihren Erkenntnissen unterrichteten. Insgesamt, so heißt es, hat Kukliński den Amerikanern über die Jahre 40.265 Seiten Dokumente zugespielt – über geplante Führungsbunker des Warschauer Paktes, neue Waffen und Organisationsstrukturen. Wie Ryszard Kukliński später sagte, habe er 1970 der CIA die Zusammenarbeit mit sieben gleichgesinnten polnischen Offizieren angeboten. Doch die Amerikaner hätten sich aus Sicherheitsgründen auf ihn konzentriert.

Nach seiner Ausschleusung wurde der Oberst in einem Geheimprozess in Polen zum Tode verurteilt, sein Haus und seine Yacht beschlagnahmt. Seine beiden Söhne kamen unter ungeklärten Umständen in den USA ums Leben. 1990 wurde das Todesurteil von 1984 in 25 Jahre Gefängnis umgewandelt. 1995 wurde dieses Urteil vorläufig aufgehoben. Eine Neuauflage des Ermittlungsverfahrens kam unter anderem durch die Intervention Zbigniew Brzezińskis zu dem Schluss, dass Kukliński aus "höherer Notwendigkeit" gehandelt hat. Mit Einstellung dieses Ermittlungsverfahrens wurde das Urteil am 22. September 1997 endgültig aufgehoben, so dass Kukliński 1998 zum ersten Mal wieder seine Heimat besuchen konnte.

In den 1990er Jahren entbrannte in Polen ein heftiger Streit um seine Person: Die einen sahen ihn weiterhin als Verräter, die anderen als Nationalhelden.

Nach seiner offiziellen Rehabilitierung ernannten ihn die Städte Danzig und Krakau zu ihrem Ehrenbürger.

Kukliński starb im Jahre 2004 in den USA an einem Gehirnschlag. Sein Leichnam wurde gemeinsam mit dem seines Sohnes, der ebenso wie der zweite Sohn des Oberst unter ungeklärten Umständen in den USA ums Leben gekommen war, nach Polen überführt und auf dem Warschauer Heldenfriedhof Powązki beigesetzt.

Verfilmungen[Bearbeiten]

2008 entstand ein Dokumentarfilm über Kuklińskis Wirken als Agent mit dem Titel Gry wojenne – War Games, der am 21. Februar 2010 und 10. März 2013 auf arte ausgestrahlt wurde.[2] 2014 folgte ein Spielfilm zum gleichen Thema unter dem Titel Jack Strong in der Regie von Władysław Pasikowski.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ryszard Kukliński – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ryszard Kuklinski – Cold War spy for the West. The Independent, 13. Februar 2004
  2. Ryszard Kukliński in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Ryszard Kukliński in der Internet Movie Database (englisch)