Sântana

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Sântana im Kreis Arad (Rumänien). Für die Gemeinde Sântana de Mureș im Kreis Mureș (gleichfalls Rumänien), siehe dort.
Sântana
Sanktanna
Újszentanna
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Sântana (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Arad
Koordinaten: 46° 21′ N, 21° 30′ O46.34722222222221.506111111111112Koordinaten: 46° 20′ 50″ N, 21° 30′ 22″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 112 m
Fläche: 107,15 km²
Einwohner: 11.428 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 107 Einwohner je km²
Postleitzahl: 317280
Telefonvorwahl: (+40) 02 57
Kfz-Kennzeichen: AR
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: Sântana, Caporal Alexa
Bürgermeister: Daniel-Sorin Tomuța (PNL)
Postanschrift: Str. Muncii nr. 120A
loc. Sântana, jud. Arad, RO–317280
Website:

Sântana (deutsch Sanktanna, ungarisch Újszentanna) ist eine Marktgemeinde im westlichen Teil Rumäniens, auf einer Höhe von 112 Metern. Inmitten einer fruchtbaren Gegend, genannt Arader Ebene, die ein Teil der Theiß-Ebene an der östlichen Grenze des Pannonischen Beckens ist, vermittelt die Umgebung den Anblick einer Puszta, mit Blick auf die Ausläufer des Apuseni-Gebirges im Osten.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lage von Sântana im Kreis Arad

Der Ort Sântana gehört zum Kreis Arad und liegt ca. 22 km nördlich der Kreishauptstadt. Die Nord-Süd-Ausdehnung von 15 km und die Ost-West-Ausdehnung von 10 Kilometern umfasst nahezu 11.000 ha Gemeindefläche. Sântana ist der zweitgrößte Ort des Kreises und wurde im Jahr 2004 in den Rang einer Stadt erhoben.

Sântana ist ein Verkehrsknotenpunkt der Eisenbahnlinien Timișoara - Oradea und Arad - Brad (Hunedoara). Die Kreisstraße Pâncota - Curtici bildet den Anschluss an die 6 km entfernte Europastraße 671 von Timișoara nach Oradea. Über die Kreisstraße anschließend der E 671 ist der Flughafen Arad (25 km) schnell erreichbar.

Sântana besteht verwaltungstechnisch aus der eigentlichen Stadt und dem eingemeindeten Dorf Caporal Alexa.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

Die aus der Steinzeit stammenden Funde auf der Gemarkung von Sântana sind gültige Beweise für die Annahme, dass in dieser Gegend schon in der Steinzeit vor 4000 Jahren Menschen lebten. Das flache Land um Sântana weist nur im Süden gegen Arad größere Erhebungen auf; die „Awaren-Hügel“, heute genannt „Cetatea Veche“.

Hier wurden Objekte wie auf einer Stange befestigte Steinmeißel, die als Waffenlanzen dienten, Hirschgeweihstiele und gebrannte Steinkugeln gefunden. Aus der Bronzezeit fehlen Nachweise der Existenz einer Bevölkerung in der Region Arad.

Nach Jordanis Clos wurde ein Teil Dakiens - zwischen Mureș und Criș - nach dem Abzug der Römer gegen Ende des 3. Jahrhunderts von den germanischen Vandalen überfallen und besetzt. Nach der Vertreibung der Vandalen durch die Goten drangen die Hunnen in dieses Gebiet ein. Der „Goldschatz von Sanktanna“ beweist, dass in dieser Gegend auch zur Zeit der Hunnen Germanen lebten.

Nach dem Jahr 566 fiel das Gebiet an den des awarischen Klans „Khan Bajan“ und wurde Bestandteil eines neuen Staatengebildes, des Awarischen Reiches. Erdeinbrennungen, die man hier vorgefunden hat, sind Hauptmerkmale von Awarenfestungen. In den Urkunden aus dem 11., 12. und 13. Jahrhundert wird die ursprüngliche Siedlung von Sântana, nämlich Komlosch, noch nicht erwähnt. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert ist bekannt, dass es in dieser Gegend viele Stifte und Klöster gab und reiche Adelige in befestigten Behausungen wohnten.

Am 21. April 1888 förderten Erdarbeiten an der Eisenbahnlinie Arad - Sanktanna aus dem Awarenring mehrere Gegenstände zutage: ein gebranntes Tongefäß, die Reste eines menschlichen Skeletts, ein Grab und daneben mehrere Gegenstände aus Gold. Den wichtigsten Gegenstand stellte ein aus Gold geschmiedeter Kranz dar. Er setzt sich aus 12 Lorbeerblättchen zusammen, die auf einem Reifenarmband befestigt waren. Zu diesem Fund gehört noch ein Reifenarmband und ein mit massiven Goldringen besetztes Armband. Alle Gegenstände befinden sich heute im Museum von Budapest.

Publikationen (veröffentlicht in den Jahren 1950 bis 1970) berichten, dass bei Ausgrabungen am Bahnhof von Sântana zerbrochene Tongefäße und eine gebrannte Tasse aus spezifischem Material dakischer Herkunft gefunden wurden. Diese keramischen Fragmente kann man durchaus der mit dem Rad hergestellten grauen Keramik zuordnen. Des Weiteren wurden Gefäße mit verkalkten Knochen, kurvenförmigen Messern aus Stahl und eine Fibel jeweils aus Gold, Stahl und Bronze in einem Sarg gefunden. Aufgrund dieser Funde und den Beerdigungsritualen folgerte der damalige Direktor des Arader Museums, Egon Dörner, dass es hier eine Siedlung freier Dakier aus dem 2. und 3. Jahrhundert gegeben haben muss.

Archäologische Funde aus den Ausgrabungen, die in Anwesenheit der Professoren Aneta Cordos und Johann Gehl auf dem Gelände der Dorfschule Sântana durchgeführt wurden, beweisen, dass das Territorium um Sântana als Bestandteil der rumänischen Siedlungsgeschichte anzusehen ist.

Deutsche Besiedlung[Bearbeiten]

Baron Jakob de Bibich wird als Gründer und Kolonisator der Gemeinde Sanktanna genannt. Er war Grundherr über alle Ländereien in der Region Zarand, gründete die Marktgemeinde Sanktanna in Anlehnung an das Besiedlungsprogramm des Banats von Kaiserin Maria Theresia, verabschiedet durch das ungarische Parlament im Jahr 1723 in Bratislava.

Über die Besiedlungen der Gemeinde Sanktanna gibt es zwei zusammenfassende Dokumentationen. Die Autoren vertreten zum Teil unterschiedliche Thesen hinsichtlich Ankunftszeiten, Herkunftsorte und Gruppenstärke der deutschen Siedler.

  • Andreas Oster hat nach langjähriger Arbeit durch aufwändige Recherchen die Ankunft der ersten Siedler sowie deren Ursprungsorte erforscht und nachgewiesen. Grundlage für die Erkenntnisse des Autors waren Einsichtnahme in die Kirchenbücher am Siedlungsort und deren Abgleich mit den Kirchenmatrikeln in den Herkunftsorten, Auskünfte durch das österreichische Staatsarchiv und die eingehende Analyse der ungarischen Monographie des Komitates Arad von Sandor Marki.
1742: Gründungsjahr der Gemeinde Sanktanna
8. Juni 1751: Eintreffen der ersten größeren deutschen Siedlergruppe mit 17 Familien. Neun Familien kommen aus dem Kraichgau.
4. Dezember 1751: Eintreffen einer zweiten Siedlergruppe, bestehend aus 12 Kraichgauer Familien
8. April 1752: Eintreffen einer dritten Siedlergruppe, bestehend aus 39 Familien, ein Drittel der Siedler sind Kraichgauer.[2]
1753: Eintreffen einer letzten Gruppe, bestehend aus sechs Familien
  • Jakob Hübner nennt in seiner Monographie der Großgemeinde Sanktanna als Quellennachweis die Historiker Sandor Marki und Christian Zenter, die Jahrbücher der Bürgerschule Sanktannas von 1896 bis 1897 und des Piaristengymnasiums von 1937 bis 1938.
1736: Eintreffen der ersten Siedlergruppe, bestehend aus sechs Familien
1742: Eintreffen einer zweiten Siedlergruppe, bestehend aus 29 Familien
1744: Eintreffen einer dritten Siedlergruppe, bestehend aus 17 Familien

Namen des Ortes von 1742 bis heute waren Uj-Szennt Anna, Pankota, Szennt Anna, Komlos, Alt Sanktana, Sanktana, Neu Sanktana, Sfânta Ana, Sîntana und Sântana.

Bevölkerung[Bearbeiten]

April 2002[Bearbeiten]

Gesamt Rumänen Roma Deutsche Ungarn Andere
12.963 10.258 1.942 466 253 43
Jahre 0-4 5-9 10-14 15-19 20-24 25-29 30-34 35-39 40-44 45-49 50-54 55-59 60-64 65-69 ≥70
Anzahl 875 845 965 925 1025 620 730 740 670 470 600 640 600 500 710
Anteil 6,4% 6,1% 7,0% 6,7% 7,4% 4,5% 5,3% 5,3% 4,8% 3,4% 4,3% 4,7% 4,3% 3,7% 5,2%

Rückblick[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der Gemeinde Sanktanna/Sântana von 1755 bis 1997

Jahr Ort Einwohner Rumänen Deutsche Ungarn Andere
1755 Comlos 1.189 -- -- -- --
1755 Sanktanna 1224 -- -- -- --
1755 Gesamt 2.413 -- -- -- --
1799 Comlos 1.508 -- -- -- --
1799 Sanktanna 2.040 -- -- -- --
1799 Gesamt 3.548 -- -- -- --
1839 Comlos 3.887 2.566 1.302 19 --
1839 Sanktanna 4.168 283 3.852 22 11
1839 Gesamt 8.055 2.849 5.154 41 11
1900 Comlos 4.835 2.703 1.514 237 381
1900 Sanktanna 5.830 170 4.693 955 12
1900 Gesamt 10.665 2.873 6.207 1.012 393
1941 Comlos -- -- -- -- --
1941 Sanktanna -- -- -- -- --
1941 Gesamt 12.133 4.902 7.039 154 38

Einwohnerzahlen ab 1956

Jahr Ort Einwohner Rumänen Deutsche Ungarn Andere
1956 Sântana 13.423 6.391 6536 423 73
1964 Sântana 14.077 7.049 6488 346 194
1977 Sântana 15.023 9.412 6450 244 917
1992 Sântana 12.083 9.460 1090 277 1256
1996 Sântana 12.957 8.382 464 85 4.026
1997 Sântana 13.204 8.254 565 112 4.273

Kultur & Tradition[Bearbeiten]

Bauweise[Bearbeiten]

Die Planer des Wiener Ärars entwarfen den Dorfplan für Sanktanna. Wirft man einen Blick auf den so genannten "Schachbrettdorfplan" von Neusanktanna aus dem Jahr 1783/84, so ist sofort erkennbar, dass die einzelnen Parzellen unterschiedliche Ausdehnungen haben. Die Planer legten in der Mitte des Dorfes einen überdimensionalen Marktplatz an, um den sich die quadratischen Parzellen gruppieren. Damit war bereits der Grundstein eines Landstädtchens gelegt. Die im 18. Jahrhundert in Sanktanna eingetroffenen Siedler waren auf Selbsthilfe und persönliche Initiative angewiesen. Was sie zum Hausbauen benötigten, fanden sie vor: Erde, Holz und Stroh.

Klima[Bearbeiten]

Durchschnittlicher Niederschlag in mm[Bearbeiten]

Niederschlagsmenge
Monat Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Monatsdurchschnitt in mm 35,7 34,3 38,4 48,1 62,6 67,6 57,2 48,0 47,9 48,0 47,1 42,1

Bildung[Bearbeiten]

In Sântana sind 4 Schulen vor Ort zu finden:

  • Schule "Sf. Ana"
  • Schule Nr. 2 Komlosch
  • Schulkomplex
  • Bürgerschule

Jugend und Freizeit[Bearbeiten]

Die Schulleitung der Sankt-Anna (Sfânta-Ana)-Schule organisiert alljährlich Jugend-Festspiele. Jugendvereine sind hauptsächlich durch die Schulen organisiert.

Kirchen[Bearbeiten]

Die Herz-Jesu-Kirche
  • Mutter-Anna-Kirche
  • Rumänisch-Orthodoxe Kirche Komlosch
  • Herz-Jesu-Kirche
  • Rumänisch-Orthodoxe Kirche Sântana 2
  • Rumänisch-Orthodoxe Kirche Satul-Nou

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Stefan Hell (* 1962), Physiker und Chemie-Nobelpreisträger (ist in Sântana aufgewachsen)
  • Mara Kayser (* 1966), deutsche volkstümliche Schlagersängerin

Literatur[Bearbeiten]

  • Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber, Walter Wolf: Das Banat und die Banater Schwaben, Band 5: Städte und Dörfer, München 2011, ISBN 978-3-922979-63-0.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sântana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. Folgende Kraichgauer Orte werden in Sanktanna aufgelistet: Au am Rhein, Bauerbach (Bretten), Büchig, Bretten, Elsenz, Eppingen, Flehingen, Knaudenheim, Landshausen, Massenbachhausen, Mingolsheim, Neibsheim, Rohrbach (Eppingen), Tiefenbach (Kraichtal), Weingarten (Baden)