Sächsische Staatskapelle Dresden

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Logo der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Die Sächsische Staatskapelle Dresden gilt als eines der führenden und traditionsreichsten Orchester der Welt. Sie wurde am 22. September 1548 im Auftrag des Kurfürsten Moritz von Sachsen von Johann Walter gegründet und gilt als einziges noch existierendes Orchester, das über mehr als viereinhalb Jahrhunderte hinweg ununterbrochen musiziert hat und zugleich – wie zeitgenössische Berichte belegen – stets zu den führenden Klangkörpern der verschiedenen Epochen gehörte. Herausragende Kapellmeister und international geschätzte Instrumentalisten haben die einstige Hof- und heutige Sächsische Staatskapelle seit ihrer Gründung geprägt. 2013 übernahm das Orchester unter Christian Thielemann die Bespielung der Salzburger Osterfestspiele.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hofkapelle war das bedeutendste Musikensemble ihrer Zeit. Sie erreichte im 17. Jahrhundert unter Heinrich Schütz ihre erste Blüte, aber am Ende des Dreißigjährigen Krieges auch einen Tiefstand.

Die Kurfürstlich-Sächsische und Königlich-Polnische Kapelle bestand zwischen 1697 und 1756 unter der Herrschaft von Friedrich August I. und seinem Sohn Friedrich August II. Die damalige Bezeichnung des Ensembles hatte ihren Grund darin, dass beide Herrscher (mit kleineren Unterbrechungen) nicht nur Kurfürsten von Sachsen waren, sondern auch als Könige über Polen herrschten.

Am sächsischen Hof zu Dresden stand die Hofmusik vor allem unter den Kurfürsten Johann Georg II. (1656–1680) und Johann Georg III. (1680–1691) schon in hoher Blüte. Doch im Zeichen des Hochbarock erlebte sie einen weiteren Aufschwung. 1697, im Jahr der Königskrönung von Friedrich August, war das Deputat der Hofmusik zwar im Vergleich mit 1691 von über 15000 Talern auf nur mehr knapp 7600 Taler zusammengestrichen worden, steigerte sich dann aber über fast 17000 Taler bis 1719 sogar auf 26400 Taler. Darin enthalten ist allerdings auch der Etat für die nach Friedrich Augusts Konversion notwendig gewordene katholische Hofkirchenmusik. Kapellmeister war Johann Christoph Schmidt, der anfänglich immerhin schon über 31 Musiker (Kapellknaben mitgerechnet) verfügen konnte.

Als Glücksfall erwies sich die 1709 erfolgte Verpflichtung des Violinisten Jean-Baptiste Volumier zum Konzertmeister, dem das stolze Jahresgehalt von 1200 Talern zugesprochen wurde. 1712 wurde der junge aufstrebende Violinist Johann Georg Pisendel eingestellt, 1715 der damals bereits hochberühmte „Pantalonist“ Hebenstreit, 1716 als zweiter Kapellmeister Johann David Heinichen, 1717 als dritter Antonio Lotti. Dazu kamen u.a. dessen Frau, die Sopranistin Santa Stella, der Kastrat Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (für ein Gehalt von 70000 Talern) und der italienische Violinvirtuose Francesco Maria Veracini. Während der längeren Krankheit Heinichens bis zu seinem Tod im Jahr 1729 vertrat ihn der Komponist Jan Dismas Zelenka in seiner Funktion als Kapellmeister der Kurfürstlich-Sächsischen und Königlich-Polnischen Kapelle.

1716/1717 wurde Pisendel nach Italien geschickt, um sich über den neuesten Stand der Violinkunst zu informieren. Dort lernte er vor allem Antonio Vivaldi kennen, dessen Musik er sehr bewunderte. Am Hof zu Dresden betrachtete man sich damit allmählich für die anstehenden Vermählungsfeierlichkeiten des Thronfolgers mit der österreichischen Erzherzogin Maria Josepha gerüstet.

Nach 1763 nun wieder kurfürstlich-sächsische Kapelle wurde aus dieser ab 1807 die Königlich-sächsische musikalische Kapelle und nach 1918 die Sächsische Staatskapelle. In der DDR-Zeit wurde sie „Staatskapelle Dresden“ oder auch „Dresdner Staatskapelle“ genannt und erhielt erst nach der Wende ihren heutigen Namen.

Die öffentliche Konzerttätigkeit des Orchesters begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts; Abonnementskonzerte wurden 1858 eingeführt.

Die Sächsische Staatskapelle ist seit dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts Opernorchester – bis 1945 und nach der Wiedereröffnung 1985 spielt sie in der Semperoper.

Gegenwart[Bearbeiten]

Von 1992 bis zu seinem plötzlichen Tod am 20. April 2001 stand Giuseppe Sinopoli an der Spitze des Orchesters. Anschließend übernahm 2002 Bernard Haitink interimsmäßig die Position des Chefdirigenten, verließ jedoch im Jahr 2004 vorzeitig das Orchester. Sein letztes Konzert als Chefdirigent gab er im November 2004 im Rahmen einer Tournee in Wien. Im September 2007 übernahm Fabio Luisi, Chefdirigent der Wiener Symphoniker, die Position des Generalmusikdirektors. Seit der Spielzeit 2012/2013 wurde Christian Thielemann für vorerst sieben JahreVorlage:Zukunft/In 5 Jahren zum neuen Chefdirigenten verpflichtet.

Pro Saison gibt die Sächsische Staatskapelle heute 12 bis 15 Sinfonie- und Sonderkonzerte und spielt bei sämtlichen Opernproduktionen, also nahezu täglich. Zu den Sonderkonzerten zählen Konzerte in der Frauenkirche sowie spezielle Aufführungsabende. Außerdem gibt es Matineen und Jugendprojekte.

Die Komponistin Isabel Mundry erhielt in der Saison 2007/2008 den Titel Capell-Compositeur, die Reihe wurde mit Bernhard Lang, Rebecca Saunders, Johannes Maria Staud, Lera Auerbach, Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm fortgesetzt, in der Saison 2014/2015 wird Sofia Gubaidulina den Titel innehaben. Die Staatskapelle ist Mitglied im KlangNetz Dresden.

Am 26. April 2007 erhielt die Sächsische Staatskapelle Dresden im Palais Beaux-Arts in Brüssel den erstmals von der Europäischen Kulturstiftung ehrenhalber verliehenen „Preis für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes“.

Salzburger Osterfestspiele[Bearbeiten]

Seit der Saison 2013 ist die Sächsische Staatskapelle das Orchestra in Residence der Salzburger Osterfestspiele, als Nachfolgerin der Berliner Philharmoniker. Alljährlich stehen in Salzburg eine Opernproduktion und mehrere Orchesterkonzerte auf dem Programm. Die Osterfestspiele stehen seit 2013 unter der Leitung von Christian Thielemann, der auch die meisten Salzburger Programmpunkte dirigiert.

Tourneen[Bearbeiten]

Konzerttourneen führten die Sächsische Staatskapelle bislang in verschiedene deutsche Städte, nach Japan, in die Schweiz, die Niederlande, Österreich, Großbritannien, Spanien, in die USA, Griechenland, Ungarn und Frankreich sowie zu den Festivals in Luzern, Edinburgh, London Proms, Salzburg, Prag, Bukarest und auf die Kanarischen Inseln.

Kammermusik[Bearbeiten]

Neben der eigentlichen Orchestertätigkeit wird von Orchestermitgliedern auch die Kammermusik der Sächsischen Staatskapelle gepflegt, die auf den 1854 gegründeten Tonkünstler-Verein zurückgeht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Kapellmeister und Dirigenten[Bearbeiten]

450 Jahre Sächsische Staatskapelle Dresden: Sonderbriefmarke von 1998

Die wichtigsten Kapellmeister und Dirigenten im Laufe der Geschichte der Kapelle:

Ehrendirigent ab 1991: Sir Colin Davis († 2013)

In neuerer Zeit wurde das Orchester auch von Carlos Kleiber, Georges Prêtre, Christian Thielemann, Sir John Eliot Gardiner, Daniele Gatti, Herbert von Karajan, Myung-Whun Chung, Kent Nagano, Charles Dutoit, Daniel Harding, Nikolaus Harnoncourt, Sylvain Cambreling und Michail Pletnjow dirigiert.

Bekannte Solisten und Instrumentalisten[Bearbeiten]

Mitglieder der sächsischen Staatskapelle, die teilweise auch solistisch auftreten, waren:

Geiger (Violinist)

Gambist

Cellist

Kontrabassist

Lautenist

Pantaleonist

Flötist

Oboist

  • François le Riche
  • Johann Christian Richter

Klarinettist

  • Johann Gottlieb Kotte (um 1817)

Hornist

Posaunist

Tubist

Paukist

Komponisten und Werke[Bearbeiten]

Der Staatskapelle wurden verschiedene Werke gewidmet, andere wurden von ihr uraufgeführt. Dazu zählen Werke von Vivaldi über Wagner, Schumann, Liszt, Strauss, Hindemith, Weill, Blacher u. a. bis zu neueren Kompositionen von Geißler, Kochan, Zimmermann, Matthus, Rihm, Kantscheli und Ruzicka.

Besonders Richard Strauss war dem Klangkörper, der heute international oft noch als „Strauss-Orchester“ betrachtet wird, über 60 Jahre als Komponist, Dirigent und Freund verbunden, insbesondere seinem „Leibdirigenten“[1] Schuch, der ihn beförderte; neun seiner Opern wurden in Dresden uraufgeführt (darunter Salome, Elektra und Der Rosenkavalier). Die Alpensinfonie widmete er der Dresdner Kapelle.

Aufnahmen[Bearbeiten]

Die Diskographie des Orchesters weist seit Anfang der 1920er Jahre eine Vielzahl von Aufnahmen des sinfonischen und des Opernrepertoires mit renommierten Dirigenten aus. Im Studio der Lukaskirche in Dresden entstanden zahlreiche Aufnahmen für das DDR-Label Eterna, auch heute wird die Kirche für Aufnahmen der Staatskapelle genutzt. Mit dem Echo Klassik-Preis wurde 2007 eine Edition von Hänssler gewürdigt, die archivierte Opern- und Konzertmitschnitte aus frühen Schallplattenzeiten bis heute dem Publikum wieder zugänglich machte. Daneben war und ist die Staatskapelle weiterhin Vertragspartner großer Plattenlabel.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Hunt: Sächsische Staatskapelle Dresden. Complete discography. Hunt, London 2002, ISBN 1-901395-10-3.
  • Eberhard Kremtz: Die Staatskapelle Dresden und ihre Dirigenten, in: Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Teil I: 1900-1933, hrsg. von Matthias Herrmann und Hanns-Werner Heister, Laaber 1999, S. 237-246 (Musik in Dresden 4), ISBN 3-89007-346-8.
  • Eberhard Kremtz: Die Staatskapelle und ihre Chefdirigenten von Karl Böhm bis Kurt Sanderling (1933-1966), in: Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Teil II: 1933-1966, hrsg. von Matthias Herrmann und Hanns-Werner Heister, Laaber 2002, S. 177-188 (Musik in Dresden 5), ISBN 3-89007-510-X
  • Michael Heinemann: Staatskapelle und Neue Musik, in: Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Teil III: 1966-1999, hrsg. von Matthias Herrmann und Stefan Weiss, Laaber 2004, S. 243-268 (Musik in Dresden 6), ISBN 3-89007-511-8
  • Hans-Günter Ottenberg: Der Klang der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Kontinuität und Wandelbarkeit eines Phänomens. Bericht über das Symposium vom 26. bis 27. Oktober 1998 im Rahmen des 450jährigen Jubiläums der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2001, ISBN 3-487-11454-2.
  • Werner Schmidt: Wunderharfe. 450 Jahre Sächsische Staatskapelle Dresden. Katalog zur Ausstellung im Georgenbau des Dresdner Schlosses vom 12. September bis 29. November 1998 und im Forum der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG vom 12. Januar bis 19. Februar 1999. Staatliche Kunstsammlungen, Dresden 1998, ISBN 3-932264-08-8.
  • Eberhard Steindorf: 450 Jahre Sächsische Staatskapelle Dresden: „Wie Glanz von altem Gold“. Bärenreiter, Kassel/Basel/London/New York/Prag 1998, ISBN 3-7618-1389-9.
  • Ortrun Landmann: The Dresden Hofkapelle during the lifetime of Johann Sebastian Bach. In: Early Music XVII, 1989, ISSN 0306-1078.
  • Ortrun Landmann: Die Entwicklung der Dresdner Hofkapelle zum „klassischen“ Orchester. Ein Beitrag zur Definition dieses Phänomens. In: Basler Jahrbuch für historische Aufführungspraxis, XVII, 1993, ISBN 3-905049-60-0.
  • Ortrun Landmann: Die Dresdener Königliche Kapelle als Opernorchester im 19. Jahrhundert mit einem Rückblick auf das 18. Jahrhundert. In: N. M. Jensen und F. Piperno (Hrsg.). The Opera Orchestra in 18th- and 19th-Century Europe. Vol. I: The Orchestra in Society. Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1487-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Andert: Ernst von Schuch − der Hofkapellmeister in der Lößnitz. In: Radebeuler Amtsblatt 03/2014, S. 1.