Berg- und Lusthaus Hoflößnitz

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Das Berg- und Lusthaus ist das Hauptgebäude der Hoflößnitz. Diese, ehemals ein Landsitz der Wettiner, ist das ehemals kurfürstlich- beziehungsweise königlich-sächsische, heute städtische Weingut in Radebeul (Stadtteil Oberlößnitz) in der Landschaft Lößnitz. Als solches war es fast 500 Jahre das Zentrum des höfischen sächsischen Weinbergsbesitzes. Das seit dem Historismus auch romantisierend Schloss Hoflößnitz genannte Weinbergsschlösschen war das Herrenhaus für den sächsischen Herrscher, wenn er auf dem höfischen Weingut Hoflößnitz weilte.

Das Berg- und Lusthaus, mit der Grauen Presse davor

Im 21. Jahrhundert stellt das Berg- und Lusthaus das Hauptgebäude des Sächsischen Weinbaumuseums Hoflößnitz dar: Im Erdgeschoss wird die Geschichte des sächsischen Weinbaus präsentiert, während das Obergeschoss mit dem Festsaal und den beiden Wohn- und Schlafzimmern des Kurfürsten und der Kurfürstin als „eines der bemerkenswertesten Beispiele der Dekorationsweise des 17. Jahrhunderts“[1] die eigentliche Attraktion darstellt.

Die Hoflößnitz: Gesamtanlage vom Bismarckturm aus. Das Berg- und Lusthaus liegt li. auf halber Bildhöhe.

Die Hoflößnitz mit Berg- und Lusthaus, Presshaus, Kavalierhaus, Weinpresse sowie der Spitzhaustreppe und den rechts und links angrenzenden Weinbergen steht heute einschließlich Bismarckturm und Spitzhaus als denkmalpflegerische Sachgesamtheit (Ensembleschutz) unter Denkmalschutz.[2] Darüber hinaus gilt die gesamte Frei- und Grünfläche einschließlich der umgebenden Weinbergslandschaft inklusive des Weinbergs Goldener Wagen als Werk der Landschafts- und Gartengestaltung, das innerhalb des Denkmalschutzgebiets Historische Weinberglandschaft Radebeul liegt.[3] Zur Hoflößnitz gehören auch das unterhalb und rechts des Aufgangs beziehungsweise der Toranlage gelegene Winzerhaus mit angebautem Backhaus sowie der links zum Grund hin gelegene ehemalige Holzhof, ebenfalls mit einem Winzerhaus.

Beschreibung[Bearbeiten]

Lageplan der Hoflößnitz-Gebäude (aus Gurlitt, 1904) mit südlichem Zugang; auf dem Gutshof re. unten das Berg- und Lusthaus
Hauptartikel: Hoflößnitz #Kulturdenkmal

Die Weingutanlage Hoflößnitz wird in der Radebeuler Denkmalliste insbesondere unter der Adresse Knohllweg 37 aufgeführt als „Hoflößnitz, Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz, Berg- und Lusthaus mit Kavaliershaus, ehemaligem Presshaus, Wirtschaftsgebäuden, Weinpresse, Toranlagen, Treppen (u. a. Spitzhaustreppe mit Muschelpavillon), Reiterstein und angrenzenden Weinbergen.“[2]

In der Radebeuler Denkmaltopografie[3] wird auf der zugehörigen Denkmalkartierung von Radebeul im Maßstab 1:5000 das Kulturdenkmal Hoflößnitz als Sachgesamtheit dargestellt, die komplett auch ein Werk der Landschafts- und Gartengestaltung ist. Diese denkmalgeschützte Weinbergslandschaft liegt gänzlich innerhalb des Denkmalschutzgebiets Historische Weinberglandschaft Radebeul.

Das eigentliche Gutshofensemble steht als etwa querrechteckige Gebäudegruppe auf der oberen Heidesandterrasse unterhalb des Steilanstiegs des Elbhangs, eines Teils der Lausitzer Verwerfung, der zur Hochfläche der Lausitzer Platte führt. Westlich liegt der Ausläufer des Lößnitzgrunds und weiter im Osten geht die Terrasse in die Junge Heide über.

Aus südlicher Richtung führt etwa mittig der Treppenaufgang zum Gutshof: Rechts, also im südöstlichen Eck, steht das Berg- und Lusthaus, direkt westlich liegt die mit großen Rosskastanienbäumen bestandene Kastanienterrasse, an die sich das Südwesteck bildend die Winzerstube und dann über Eck das Wohnhaus anschließen.

Auf der Nordseite liegt links das Presshaus, zwischen dem und dem Wohnhaus es auf der nordwestlichen Ecke mit einem Fußweg zur Hoflößnitzstraße hinausgeht. Rechts steht das Kavalierhaus, rechts daneben geht es zum unteren Teil der Spitzhaustreppe, die nach Norden hin aus dem Gutshof herausführt.

Die Ostseite des Hofs wird durch ein mächtiges Eingangstor gebildet, auf das der Knohllweg zwischen Weingärten hinführt.

Der Innenhof ist vor den Gebäuden auf mehreren Laufwegen mit einer wassergebundenen Decke befestigt, die auch die Fläche der Kastanienterrasse bedeckt. Dazwischen finden sich größere Flächen Rasen, der etwas erhöht eingefasst ist.

Vor der linken Seite des Berg- und Lusthauses steht eine Zwei-Spindel-Weinpresse unter einer 1952 aufgestellten Einhausung. Es handelt sich um die Graue Presse aus dem gleichnamigen Weingut im nördlich benachbart gelegenen Wahnsdorf.

Das Berg- und Lusthaus ist ebenso wie die anderen Gutsgebäude zusätzlich zum Ensemble auch als Einzeldenkmal ausgewiesen.[2]

Außenstilisierung als Weinbergshaus[Bearbeiten]

Berg- und Lusthaus mit dem charakteristischen Wendelstein, dort der Eingang ins Innere

Das Berg- und Lusthaus, oft auch romantisierend Schloss Hoflößnitz genannt, ist das Hauptgebäude der kurfürstlich- beziehungsweise königlich-sächsischen Weingutsanlage Hoflößnitz. Als nicht hauptsächlich zu staatstragenden Repräsentationszwecken geschaffenes, sondern als Sommersitz des Weinbergsbesitzers dienendes, herrschaftliches Lustschlösschen auf einem Landgut entspricht es eher dem Typus des Herrenhauses. Von diesen wurden zu jener Zeit viele in der Region von herrschaftlichen, meist Dresdner Weingutsbesitzern geschaffen, angefangen bei dem wohl ältesten, dem Bennoschlösschen im Stil der Renaissance, über eher schlichte wie dem Kynast bis hin zu äußerlich repräsentativen wie dem Haus Sorgenfrei im Dresdner Zopfstil.

Das zweigeschossige Haupthaus des Hofweinguts entspricht in seiner äußeren Stilisierung mit einem unten verputzten, massiven Erdgeschoss, einem Obergeschoss in Fachwerk und dem hohen Walmdach der in der Lößnitz üblichen Bauweise vieler der dortigen Weinbergs- beziehungsweise Winzerhäuser. Im Gegensatz zu den meisten davon steht es jedoch nicht auf dem üblichen tonnengewölbten Weinkeller, sondern auf ebener Erde. Der Bau ist 20,8 Meter breit und 10,5 Meter tief. Das Fachwerk ist mit Fuß- und Kopfstreben ausgeführt. In den Hauptansichten befinden sich vier symmetrische Fensterachsen, in den Nebenansichten jeweils zwei. Alle Fenster bis auf jene neben dem Treppenturm sind als Zwillingsfenster ausgeführt. Die Erdgeschossfenster werden durch profilierte Sandsteingewände eingefasst. Im ziegelgedeckten Dach befinden sich auf beiden Langseiten je eine untere Reihe von vier Walmgauben und eine obere Reihe von zwei Fledermausgauben. Kurz vor den Firstenden ragen zwei Schornsteine aus der Dachhaut.

Im Gegensatz zu den sonstigen Lößnitz-Herrenhäusern kennzeichnet das Berg- und Lusthaus der auf der Bergseite vor den Baukörper vorgesetzte achteckige Treppenturm. Dieser Wendelstein ist verputzt; er wird auf der Nord- und auf der Ostseite durch im Winkel der Treppensteigung verzerrte Fenster belichtet. Auf der Westseite befindet sich die Eingangstür, über dieser das teilweise vergoldete kursächsische Wappen über der Datierung 1650. Der Turmschaft reicht bis zur halben Höhe des Walmdachs, dann kommt eine kupferbelegte geschweifte Haube. Darauf sitzt eine vergoldete Kugel und darüber eine vergoldete Wetterfahne mit dem sächsischen Kurwappen und der Datierung 1677.

Innenausgestaltung im repräsentativen Manierismus beziehungsweise Frühbarock[Bearbeiten]

Erdgeschoss[Bearbeiten]

Aufteilung und Raumfunktionen[Bearbeiten]

Das Erdgeschoss, das das Museum zur historischen Dokumentation des Weinbaus zeigt, wird vom Treppenturm aus betreten. Der dem Festsaal im Obergeschoss entsprechende Raum wird durch eine vor der Gebäudemitte liegende Querwand geteilt, so dass sich nach dem Eintritt ein schmaler querliegender Flur ergibt, der nach rechts in die Marschallstube und nach links in das Tafelzimmer führt. An der dem Eingang gegenüberliegenden Querwand ist in einem Schaukasten eine kolorierte Ausgabe von Moritz Retzschs Winzerzug von 1840 ausgestellt.

Das auf der Ostseite, also links von Eingang, gelegene Tafelzimmer oder auch Tafelstube erstreckt sich über die gesamte Tiefe des Gebäudes und wird von zwei Kreuzgraten überspannt.

Das Pendant zur Tafelstube auf der Westseite des Gebäudes wird durch eine hinter der Gebäudemitte liegende Querwand geteilt, sodass sich vom Flur aus ein etwas größerer (die Marschallstube) und ein etwas kleinerer Raum ergeben.

Der Platz auf der Südseite, der hinter der Querwand des Flurs liegt, wird wiederum durch eine rechtwinklig dazu stehende Wand in zwei Räume geteilt. Auf der östlichen Seite liegt der Zehrgarten im Anschluss an die Tafelstube, westlich daneben liegt die Küche. Diese wird außermittig durch eine Säule gestützt. Alle Räume sind so mit Türen verbunden, dass der Besucher einmal im Kreis durch das Erdgeschoss gehen kann. Die Küche mit den beiden beidseitig angrenzenden Räumen wurden im ersten Inventar von 1659 als Küchengewölbe bezeichnet.[4]

Auch die Decken der anderen Räume weisen Kreuzgratgewölbe auf. Die Böden sind mit Sandsteinplatten belegt. Alle Erdgeschossräume mit Ausnahme der Küche waren mit Rebenmotiven bemalt.

Im Tafelzimmer wurde der höfischen Tafelgesellschaft aufgetragen. Das höfische Tafelgeschirr wurde ebenfalls im Erdgeschoss des Berg- und Lusthauses verwahrt. Den Marschällen des Hofes war es vorbehalten, in einem separaten Raum zu speisen.

Restaurierungsfortschritt[Bearbeiten]

Im Dezember 2013 wurden die beiden frisch restaurierten Repräsentationsräume des Erdgeschosses, die größere Tafelstube im Osten (links vom Eingang) und die Marschallstube auf der Westseite, der Öffentlichkeit präsentiert. Nach der Auswertung der vorliegenden Berichte der Restaurierungen in den 1980er Jahren und minimal-invasiven Untersuchungen der Wandflächen wurden diese mit historischen Quellen verglichen und die Ergebnisse einem Kolloquium deutscher Denkmalpfleger und Restauratoren vorgelegt. Dieses erarbeitete dann die Empfehlungen zur jüngsten Fassung der entsprechenden Wandflächen sowie Türen und Fenster.[5]

Obergeschoss[Bearbeiten]

Grundriss des Obergeschosses bei Gurlitt, 1904 (Norden ist unten). Es fehlen im Bild die Türen vom Festsaal zu den Schlafräumen.

Im Obergeschoss sind die kurfürstlichen Wohn- und Repräsentationsräume eingerichtet. Die Gemächer gelten als eines der wenigen Beispiele unversehrt erhaltener Innenarchitektur des 17. Jahrhunderts in Sachsen an der stilistischen Grenze zwischen spätem Manierismus und frühem Barock. Sie stammen einschließlich der Kamine und der Kachelöfen aus der Zeit Johann Georgs II. Das Mobiliar ist nicht erhalten, es wurde Ende des 19. Jahrhunderts versteigert.

Anordnung und Ausgestaltung[Bearbeiten]
Blick nach Nordwesten Blick nach Nordosten
Blick zum nördlichen Treppenhauseingang (li.: Nordwest-Ecke, re.: Nordost-Ecke)
Jeweils am Kamin: li.: Tür zum Schlafraum des Kurfürsten und re. zu dem der Kurfürstin
Blick nach Nordwesten Radebeul Hoflößnitz Festsaal SW.jpg
Blick zum südlichen Prunkplatz (li.: Südost-Ecke, re.: Südwest-Ecke)
Jeweils am Kamin: li.: Tür zum Wohnraum der Kurfürstin und re. zu dem des Kurfürsten

Vom Treppenhaus aus betritt der Besucher den mittig gelegenen Festsaal. Dieser ist gut 8 mal 8 Meter groß. Er wird auf der Südseite durch zwei Doppelfenster belichtet, auf der Nordseite befindet sich jeweils ein Einzelfenster auf jeder Seite des Treppenturms.

Mittig vor beiden Seitenwänden befindet sich jeweils ein Kamin. Auf beiden Seiten jedes Kamins führt jeweils eine in der Bemalung verborgene Tür in die beiden dahinterliegenden Räume. Auf der Westseite, also rechts, befinden sich das Wohn- und das Schlafzimmer des Kurfürsten (Gemach und Schlafkammer). Auf der linken Seite vom Treppenturm aus, also im Osten, liegen spiegelbildlich der Wohn- und der Schlafraum der Kurfürstin.

Beide Zimmerfluchten haben einen Kachelofen, der hinter dem Kamin liegt und an den Schornstein angeschlossen ist, und eine Abseite. Jeder Raum wird von zwei Doppelfenstern belichtet. Der Boden des Festsaals ist mit Sandsteinplatten belegt, während die vier seitlichen Räume Holzdielen aufweisen.

Die bemalten hölzernen Rahmen und Füllungen der Wand- und Deckenverkleidungen sind noch erhalten. Die Wandverkleidungen werden bis auf etwa zwei Drittel der Wandhöhe durch Pilaster und Säulen auf Postamenten gegliedert. Über einem Gesims folgen bis zur Decke Füllungen. Die Bemalung erfolgte vor Ort auf die aus Nadelholz bestehenden Paneele. Die verwendeten Farben sind Kalkkaseinbindungen in Tempera mit Ölansätzen.

Die Decke der Räume ist eine Balkendecke mit sichtbaren, künstlerisch verzierten Balken, dazwischen sind vertieft Einschubbretter angebracht. Auf die Einschubbretter sind auf Leinwand gemalte und auf Rahmen aufgezogene Bilder aufgebracht. Die hauptsächliche malerische Ausgestaltung stammt von den beiden Hofmalern Christian Schiebling (1603–1663) und Centurio Wiebel (1616–1684), die wohl bei den Emblemen durch Gesellen oder Schüler unterstützt wurden.[4] Die 1912/13 durch teilweise Übermalung restaurierten Wandpaneele wurden seit 1978 durch Abnahme der Übermalung sowie der vergilbten Firnis erneut restauriert.[4]

Festsaal[Bearbeiten]
Eingangsportal im Festsaal mit dem Allianzwappen, dahinter der Wendelstein

Die Pilaster des Festsaals sind gemäß Vitruvs Säulenordnung als Dorische Ordnung ausgeführt, um dort im Zusammenhang mit den im Folgenden beschriebenen Bildnissen die von Architekturtheoretikern der Renaissance (z. B. Sebastiano Serlio) betonten Prinzipien von „Stärke und Heldenhaftigkeit“ zum Ausdruck zu bringen.[4] Die gleichartig gestalteten Säulen am Eingangsportal werden bei Dehio 1996 jedoch als Toskanische Ordnung bezeichnet, da sie eine Basis haben,[6] was auch auf die Pilaster zutrifft. Beide, Säulen und Pilaster, sind jedoch auch kanneliert, was eigentlich der Toskanischen Ordnung widerspricht.

Das von den eben besprochenen Säulen flankierte Eingangsportal wird von einem Gesprenge gekrönt, darin befindet sich das kurfürstlich-sächsische Allianzwappen.

Tugenden[Bearbeiten]

Die Wandvertäfelungen zeigen sechzehn fast lebensgroße, junge „barock bewegte Frauenfigur[en]“ als Allegorien der Tugenden, zumeist gekleidet in antikisierende Gewänder. Jedes Paneel sitzt zwischen den Pilastern der unteren Wand, jeweils vier je Wand. In einer gemalten Rundbogennische liegt unten eine räumlich nach hinten verzerrte Sockelplatte, auf der die Figur steht. Auf dem Scheitel des Rundbogens steht jeweils in Großbuchstaben der lateinische Name (in Klammern die deutsche Übersetzung).[4] Jeweils von links nach rechts zeigt die Nordwand mit dem Eingang: „Benevolentia“ (Wohlwollen), „Vigilantia“ (Wachsamkeit), „Fortitudo“ (Stärke, Tapferkeit) und „Mansuetudo“ (Wohlwollen); die rechts davon gelegene Ostwand zeigt: „Heroitas“ (Heldenmut), „Temperantia“ (Mäßigkeit), „Pietas“ (Frömmigkeit) und „Magnanimitas“ (Hochherzigkeit); die Südwand zeigt: „Iustitia“ (Gerechtigkeit), „Sapientia“ (Weisheit), „Dignitas“ (Würde) und „Intellectus“ (Verstand); und die Westwand zeigt: „Animositas“ (Tapferkeit), „Constantia“ (Beständigkeit, Gelassenheit), „Artium Cognitio“ (Kenntnis der Künste) und „Prudentia“ (Klugheit).

Die Südwand des Festsaals: Mitte rechts die Dignitas, links daneben Sapientia.

Neben den vier Kardinaltugenden finden sich weitere Tugenden, die im Umfeld gesehen als Herrschertugenden interpretiert werden; die drei Christlichen Tugenden dagegen fehlen. Dignitas und Heroitas tragen sogar Herrscherornate: Die Dignitas befindet sich genau gegenüber der Eingangstür, neben der Sapientia. In der rechten Hand hält sie ein Szepter, in der Linken eine „goldene edelsteingeschmückte Mitrakrone als Symbol des Kaisers“.[4] Ergänzt wird dies durch ein goldenes Obergewand, einen Umhang mit rotem Futter sowie eine Laubkrone auf dem Kopf. Die Heroitas wird in einem Herrscherornat mit orientalischer Kopfbedeckung dargestellt. Die Fortitudo mit Lorbeerkranz und imperatorischem Feldherrnpanzer sowie die Constantia, die sich auf eine antike Feldherrnbüste stützt, vervollständigen die Bezüge auf Herrscher-Personifikationen, von denen sich die sächsischen Fürstentugenden ableiten sollen.

Verlorene Herrscherporträts[Bearbeiten]

Im oberen Bereich der Wand gibt es eine Reihe von weiß gestrichenen Paneelen mit einer angedeuteten Umrahmung. Vor diesen hingen fünfzehn Porträts von Herrschern: In der Mitte der Südwand, dem Eingangsportal gegenüber, hingen oder standen Bildnisse von Kaiser Ferdinand III. und seiner Gemahlin Eleonora. Vor der Westwand zu den Kurfürstenräumen hin hingen Bilder von Kaiser Leopold I., Kaiser Ferdinand II. und den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. und Johann Georg II., dazu der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm und Kurfürst Carl Ludwig zu Pfalz-Heidelberg. Gegenüber an der Ostwand fanden sich auf der linken Seite die drei geistlichen Kurfürsten, die Erzbischöfe von Mainz, Johann Philipp von Schönborn, von Köln, Maximilian Heinrich von Bayern sowie der von Trier, Karl Kaspar von der Leyen. Übers Eck vor der Nordwand gab es noch das Bild von Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern. Auf der rechten Seite der Ostwand kamen die drei Brüder von Johann Georg II., die Herzöge Moritz von Sachsen-Zeitz, Christian von Sachsen-Merseburg und August von Sachsen-Weißenfels.

Diese Herrscherporträts waren im Zusammenhang mit und deshalb über den Tugenddarstellungen angebracht. In einer inhaltlichen Parallele zu den Neun Guten Helden führten die gezeigten Tugenden zum „Bild des guten Fürsten“. Diese Form des „Reichs- und Tugendspiegels“ war ein typisches Ausstattungsmerkmal der Herrschersäle des 16. und 17. Jahrhunderts; sie führten die Idee des schriftgebundenen Fürstenspiegels weiter. Die Fürstengemälde wurden zusammen mit einigen wenigen Ausstattungsmobiliaren vor der Versteigerung 1889 dem Finanzministerium übergeben. Ihr Verbleib ist nicht bekannt.[4]

Embleme[Bearbeiten]
Die Südwand des Festsaals: Die vier Embleme über den Fenstern (von li.): „Der Höchste Vogel in der Luft“, „Der gröste Fisch in Meer“, „Der behertzte Vogel in Fewer“, „Der Meister aller Thiere“. Sie können als die vier Elemente interpretiert werden.
Deckendetail: Bemalte und verzierte Balkendecke mit den Vogel-Bildern

Auf den bisher noch nicht beschriebenen Wandfeldern finden sich 32 emblematische Darstellungen (Sinnbilder). Diese humanistische Kunstform ursprünglich der Renaissance setzt sich in der Literatur aus jeweils drei Teilen zusammen: der Überschrift (Motto, Lemma), dem Bild (Pictura, Icon) und dem Erklärungstext (Subscriptio, Epigramm). In der Bildenden Kunst verkürzt sich die Darstellung auf das Bild, dem das kurze Motto hinzugegeben wird; die Bedeutung des Emblems wird in der Regel jedoch nur durch das Epigramm deutlich. Teilweise wurden Embleme aus den Künstlern jener Zeit bekannten Vorlagenbüchern entnommen, so Schoonhovens Emblemata. Partim Moralia partim etiam Civilia.[7]

Die Sinnbilder in der Hoflößnitz bestehen aus einem Bild sowie einem erläuternden Kurztext, der bis auf zwei Ausnahmen in Deutsch verfasst ist und meist in Frakturschrift im unteren Bildbereich oder auf dem Rahmen vermerkt wurde. Sieben der 32 Embleme der Hoflößnitz stammen unmittelbar von Schoonhoven, für die weiteren konnte bisher keine Vorlage ermittelt werden.[4] Jedoch gibt es emblematische Darstellungen mit ähnlichem Inhalt: der wachsame/nicht schlafende Löwe, der brennende Altar, der Adler als Herrschaftssymbol oder der Phönix als Auferstehungssymbolik.

Dem Wein beziehungsweise dem Weinbau sind nur zwei Embleme gewidmet. Moralisierende Inhalte insbesondere bezogen auf gute Regentschaft oder auf Gottesfurcht bilden eine große Gruppe. Sodann finden sich zahlreiche Sinnbilder mit dem Thema des Heiligen Römischen Reich, gefolgt von solchen mit Bezug auf die sächsische Regentschaft.

Die jeweils zwei Embleme auf den Türen in die Gemächer des Kurfürsten und der Kurfürstin sind besonders auf die Herrscher bezogene Sinnbilder, vor den jeweiligen Wohnzimmern wohl sogar persönliche Impresen des Herrscherpaars.[4]

Exotische Vogelbilder[Bearbeiten]

Die Decke wird von 80 exotischen Vogelbildern des niederländischen Malers Albert Eckhout (* ca. 1607 in Groningen; † 1665 oder 1666 ebenda) geschmückt, die meist brasilianische Vögel zeigen. Eckhout hatte die Skizzen zu den Bildern selbst von seiner vorherigen Brasilienexpedition (1637–1644) mit Johann Moritz von Nassau-Siegen mitgebracht. Diese Vogeldarstellungen sind „von besonderem naturhistorischen Belang.“[3]

Wohnraum des Kurfürsten[Bearbeiten]
Blick ins Kurfürstenzimmer

Im Wohnraum steht in der Ecke, hinter der sich der Kamin im Festsaal befindet, ein mit Reliefs verzierter und reich gegliederter Kachelofen. Die Pilaster zwischen den Wandpaneelen sind sowohl in den beiden Räumen des Kurfürsten wie auch denen der Kurfürstin nicht von Dorischer Ordnung, sondern es wurde die Gestalt der zu jener Zeit modernen Terme mit sich nach unten verjüngendem Schaft gewählt. Verziert sind diese Paneelteilungen durch sparsame Juwelenornamentik.

Jagdgöttin mit Nymphen und Leibhunden[Bearbeiten]

Der Wohnraum des Kurfürsten wird an der Wand durch weibliche, mythologische Gestalten in Rundbogennischen verziert, die, bis auf zwei von ihnen, Jagdhunde im Bildvordergrund mit sich führen. Namentlich benannt ist die Jagdgöttin Diana, die neben ihren Jagdattributen auch ein kleines Namensschild mitbekam. Ihre Nymphen dagegen sind ohne Namen. Die Hunde jedoch, die sehr sorgfältig ausgearbeitet sind und individuell dargestellt werden, tragen unterschiedliche Halsbänder zum Teil mit Initialen, die auf Johann Georg I. hinweisen (I.G.H.Z.S. wie „Johann Georg Herzog Zu Sachsen“). Herz vermutet daher, dass es sich dabei um die möglichst genaue Darstellung kurfürstlicher Leibhunde handelt.[4]

Kurfürstliche Wildstrecke[Bearbeiten]

An der Decke finden sich 24 Wildmotive von Tieren, die den Beischriften nach der Kurfürst selbst erlegt hat oder die zumindest zu seiner Regierungszeit erlegt wurden. Es handelt sich um Darstellungen von Bären, Dachsen, Eichhörnchen, Füchsen, Hasen, Hirschen, Luchsen und Wildschweinen. Einige der Inschriften geben Größe und Gewicht der Tiere an sowie den Ort und das Datum der Jagd.

Schlafraum des Kurfürsten[Bearbeiten]
Najaden und Putti[Bearbeiten]

Die Wände des Schlafgemachs werden von Najaden geschmückt, während sich an der Decke Putti befinden. Die Najaden werden teilweise durch Algen umkränzt, während die im Zusammenhang mit Wasser dargestellten Putti oft von Schilf begleitet werden. Beide Figurentypen spielen oder ringen mit Krebsen, Fischen und anderen Tieren.

Fische[Bearbeiten]

Die im Schlafraum des Kurfürsten meist im Zusammenhang mit Najaden oder Putten dargestellten Fische wurden wohl von einem Fischlaien gemalt. Nicht nur gewisse künstlerische Freiheiten fallen auf, sondern auch ungenaue Vorstellungen über das natürliche Leben der jeweiligen Fischarten. Während manche der Details sehr genau dargestellt sind, fällt dem Kenner auf, das insbesondere typische Farbmerkmale der lebenden Fische fehlen und die Farbgestaltung eher der eines bereits längere Zeit verwahrten Exemplars entspricht.[4]

Die abgebildeten Fische sind Zander, Flunder, Meerneunauge, Lachs, Aal, Wels, Bachforelle oder Meerforelle, Hecht, Plötze, Brachse und Karpfen.

Wohnraum der Kurfürstin[Bearbeiten]
Kachelofen im Gemach der Kurfürstin
Europäische Sibylle im Raum der Kurfürstin

Im Wohnraum steht in der Ecke, hinter der sich der Kamin im Festsaal befindet, ein mit Reliefs verzierter und reich gegliederter Kachelofen. Die Pilaster zwischen den Wandpaneelen sind sowohl in den beiden Räumen des Kurfürsten wie auch denen der Kurfürstin nicht von Dorischer Ordnung, sondern es wurde die Gestalt der zu jener Zeit modernen Terme mit sich nach unten verjüngendem Schaft gewählt. Verziert sind diese Paneelteilungen durch sparsame Juwelenornamentik.

Freie Künste[Bearbeiten]

Im unteren Bereich des Wohnraums der Kurfürstin werden in den bereits beschriebenen Rundbogennischen auf den räumlich nach hinten verzerrten Sockelplatten die Sieben Freien Künste als Putten dargestellt, die am Scheitelbogen der Nische benamt sind. Trivium und Quadrivium werden gemischt, über die Wände verteilt (Ostwand beidseits der Fenster: „Aritmethica.“ (mit Zahlentafel) und „Geometria.“ (mit Zirkel und Papier), Südwand beidseits der Fenster: „Astronomia.“ (mit Fernrohr und Weltkugel) und „Rhetorica“ (mit erhobenen Händen), Westwand: „Dialectica“ (mit Buch) und „Musica“ (mit Posaune) sowie auf der Nordwand die „Gramatica.“ (mit einem Schriftstreifen in den Händen mit einem lateinischen Alfabet)) und auf der Nordwand durch eine achte Kunst aus den Artes mechanicae ergänzt, die „Pictura.“ (mit Palette und Pinsel).[4] Auf der Nordwand findet sich auch direkt neben dem Ofen ein neunter, unbenannter Putto mit nicht identifizierbaren Merkmalen, der in seiner künstlerischen Darstellung stark gegen die anderen abfällt. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine nachträgliche Wandfüllung nach der Ofenumsetzung nach 1660 durch einen der Nebenkünstler.

Sibyllen[Bearbeiten]

Im oberen Bereich der Wand, über dem Gebälk, finden sich die zwölf Sibyllen, also Varros zehn sowie die im Mittelalter geschaffenen weiteren zwei, die Agrippinische Sibylle und die Europäische Sibylle. Die Sibyllen sind als Büsten in Grisaillemalerei dargestellt; sie sitzen auf bräunlichen Sockeln, die sich wiederum auf einer zweidimensionalen Plinthe abstützen. Diese übernimmt die Funktion eines Namensschildes für die auf Französisch bezeichneten Sibyllen, was einen Hinweis auf die Herkunft der verwendeten Vorlage geben könnte.

Die Haare der als junge Frauen dargestellten Weissagerinnen werden von weißen Tüchern bedeckt, die sehr unterschiedlich drapiert sind. Lediglich die Persische Sibylle in der rechten Ecke der Nordwand wird traditionsgemäß als alte Frau dargestellt. Diese Sibylle ist über der achten Kunst „Pictura“ platziert, die nicht zu den Freien Künsten gehört.

In der Reihenfolge der Wände wie bei den Freien Künsten verteilen sich die Sibyllen wie folgt: Ostwand: „Sibyl: Cimaine.“, „Sibyl: Samienne.“, „Sibyl: Helespontiqve.“ und „Sibyl: Tiburtine“, Südwand: keine, Westwand: „Sibyl: Cymeriene.“, „Sibyl: Delphiqve.“, „Sibyl: Agrippine.“ und „Sibyl: Lubiqve.“, Nordwand: „Sibyl: Eristree.“, „Sibyl: Europeane.“, „Sibyl: Phrigiene.“ und die „Sibyl: Persiqve.“.

Die Sibyllen wurden wohl auch als Anspielung auf die Namen der hiesigen Herrscherinnen gesehen, da sowohl die zweite Gemahlin wie auch die Tochter von Johann Georg I., aber auch die Gemahlin von Johann Georg II. den Vornamen Sibylle trugen.[4]

Putten mit Blumen und Wolken[Bearbeiten]

An der Kassettendecke von Wohn- und Schlafraum finden sich 24 beziehungsweise 16 Kassetten mit Putten zwischen Wolken und mit Blumen, bei denen es sich um die Modeblumen jener Zeit, vorwiegend Tulpen, aber auch Lilien, Rosen, Nelken, Narzissen sowie um eine Kaiserkrone, handelt, so wie sie in vielen zeitgenössischen Florilegien als Vorlage dargestellt wurden. Eine einzige der Putten umarmt einen Pfau, statt eine Blume zu halten.

Im Wohnraum der Kurfürstin enthalten achtzehn der Kassetten Bilder der prestigeträchtigsten Blume jener Zeit, der Tulpe. Hinzu kommen wohl viermal Rosen, zweimal Lilien, zweimal Nelken, dazu Ackergauchheil, Tazetten, Goldstern, Milchstern, Scilla, Glockenblume, Winde, Milchstern oder Narzisse und die Kaiserkrone.[4]

Schlafraum der Kurfürstin[Bearbeiten]
Amazonen[Bearbeiten]

Elf Büsten an der Wand des Schlafraums der Kurfürstin sind einer Inschrift nach als Amazonen dargestellt. Die Köpfe der wie die Sibyllen als junge Frauen dargestellten Kriegerinnen werden jedoch meist von Helmen bedeckt. Die Amazonen sind ebenfalls als Büsten in Grisaillemalerei dargestellt, die auf bräunlichen Sockeln sitzen.

Die Amazonen wurden zu jener Zeit mit den Sibyllen im Wohnraum zu den Heroinen gezählt, den im Französischen so genannten „Femmes fortes“. Diese wurden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem der Standardmotive in Literatur und Kunst. Zahlreiche Bücher beschrieben und illustrierten das starke weibliche Geschlecht zum Lobe der herausragenden Barockfürstin. Dieses Thema des „Fürstinnenlobes“ bildet damit eine Analogie zur Ikonografie des Festsaals, zum „Bild des guten Fürsten“.

Putten mit Blumen und Wolken[Bearbeiten]

An der Kassettendecke von Wohn- und Schlafraum finden sich 24 beziehungsweise 16 Kassetten mit Putten zwischen Wolken und mit Blumen, bei denen es sich um die Modeblumen jener Zeit, vorwiegend Tulpen, aber auch Lilien, Rosen, Nelken, Narzissen sowie um eine Kaiserkrone, handelt, so wie sie in vielen zeitgenössischen Florilegien als Vorlage dargestellt wurden. Eine einzige der Putten umarmt einen Pfau, statt eine Blume zu halten.

Im Schlafraum der Kurfürstin enthalten sechs der Kassetten Bilder der prestigeträchtigsten Blume jener Zeit, der Tulpe. Hinzu kommen dreimal Rosen, zweimal Sonnenblumen, dazu Physalis, Maiglöckchen, Narzisse, Winde, ein Kirschzweig und eine nicht bestimmbare Blume. Die Blumendarstellungen im Schlafraum sind nicht so gut zu bestimmen wie die im Wohnraum.[4]

Historische Einschätzung der Denkmaleigenschaft[Bearbeiten]

Bereits in der sächsischen Großinventarisation des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt von 1904 (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen) wird die Hoflößnitz aufgelistet: Als eines von 32 Kunst- und Baudenkmalen in fünf Lößnitzorten werden die Lage sowie das Berg- und Lusthaus, die Wirtschaftsgebäude, die Spitzhaustreppe und am oberen Ende der muschelartige Bau auf drei Buchseiten beschrieben. Zusätzlich wird das Berg- und Lusthaus detailliert auf weiteren zehn Seiten vorgestellt, insbesondere der Festsaal mit seinen Nebenräumen, den Gurlitt zusammenfassend wie folgt beschreibt:

„eines der bemerkenswertesten Beispiele der Dekorationsweise des 17. Jahrhunderts.“

Hinzu kommen Bilder und Zeichnungen.[8] Das Spitzhaus bekam ein eigenes Kapitel, bestehend aus eineinhalb Seiten mit fünf Zeichnungen. Auch im Kurzinventar von Georg Dehio aus dem Folgejahr 1905 (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler) werden das Haupthaus der Hoflößnitz und das Spitzhaus als zwei von neun Kunstdenkmälern aufgelistet. Zur Hoflößnitz findet sich im ersten Dehio-Handbuch wie auch in den folgenden Ausgaben bis 1943 die folgende Beschreibung:

„Wohnhaus um 1653. Das in seiner alten Einrichtung erhaltene Obergeschoß bmkw. [bemerkenswert]. Beispiel der Dekorationsweise des 17. Jh.“[9]

Im darauffolgenden Dehio von 1965 wurde die Hoflößnitz bereits mit zwölf Zeilen dargestellt, im Gegensatz zu den zwei Zeilen im Jahr 1905. Insbesondere auf die Innenausstattung wird wesentlich detaillierter eingegangen. Im Dehio von 1996 werden zwei Seiten samt einem Lageplan aufgewendet, um die Anlage darzustellen. Allein für das Berg- und Lusthaus mit seiner Innenausstattung steht davon eine dreiviertel Seite zur Verfügung. Der Abschnitt zur Hoflößnitz wird mit einem Sternchen als eines der „Kunstdenkmäler von besonderem Rang oder exemplarischer Bedeutung“ ausgezeichnet, was innerhalb Radebeuls nur noch für Wackerbarths Ruhe vergeben wurde.[10]

Ebenso wie Dehio beschrieb auch der Historiker Hans Beschorner das in der Öffentlichkeit wenig bekannte Gebäude. Nach einem Aufsatz in den Dresdner Geschichtsblättern im Vorjahr schrieb er 1905 in der wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung:

„Schon lange steht nun das Hoflößnitzer Herrenhaus leer. […] Was wird sein künftiges Schicksal sein? Wird es vom Erdboden verschwinden? Oder wird es einen kunstsinnigen Eigentümer finden, der liebevoll seine Hand über all die Herrlichkeiten aus längst vergangenen Tagen breitet?“[11]

Im Jahr 1912 fand sich ein privater Verein zusammen, der Hoflößnitz-Verein, der in den folgenden drei Jahren den Kern der Hoflößnitz nicht nur erwarb und sicherte, sondern auch „das [laut Satzung] kunstgeschichtlich überaus wertvolle, namentlich in seiner Ausschmückung einzigartige“ Objekt in denkmalpflegerischer Hinsicht durch den Architekten Emil Högg auf das historische Original zurückführen ließ und ein Zukunftskonzept als Denkmal und Museum erarbeitete.

Nach dem Konkurs des Vereins, der das teure Vorhaben nicht stemmen konnte, übernahm die anliegende Kommune 1915 das Objekt und stellte es noch im selben Jahr mittels eines Ortsgesetzes auf Basis des sächsischen Verunstaltungsgesetzes von 1909 unter amtlichen Denkmalschutz.

Zu DDR-Zeiten war die Hoflößnitz als Denkmal der Kulturgeschichte, und zwar als Denkmalensemble, in der Kreisdenkmalliste aufgelistet. Bezüglich der Bewertung war dem Ensemble die höchste Wertgruppe I zuerkannt.

Dieser Schutzstatus wurde auch nach der Wende übernommen; die Hoflößnitz wurde nach dem neuen sächsischen Denkmalschutzgesetz weiterhin als Kulturdenkmal eingestuft.

Sächsisches Weinbaumuseum[Bearbeiten]

Die Graue Presse, eine Zweispindel-Weinpresse im Außenbereich des Museums

Das Heimatmuseum in der Hoflößnitz spezialisierte sich Mitte der 1980er Jahre auf den heimatlichen Weinbau; Ende der 1990er Jahre wurde daraus das Weingutmuseum Hoflößnitz. Anlässlich der sachsenweiten Veranstaltung 850 Jahre Weinbau in Sachsen wurde 2011 das Museum zum Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz aufgewertet, dem einzigen Weinbaumuseum in Sachsen. Im Jahr 2012 hatte das Museum etwa 24.000 Besucher.[12]

Das Museum präsentiert während eines Rundgangs durch das Erdgeschoss des Lust- und Berghauses die Geschichte des Weinbaus im Elbtal. Es zeigt die Arbeit der Winzer in den vergangenen Jahrhunderten. Dazu kommen Gerätschaften, Urkunden, Karten, Kunstgegenstände und Modelle. Die Entwicklung des ehemaligen kurfürstlichen beziehungsweise königlichen Weinguts wird gezeigt und wichtige, mit dem Weinbau verbundene Persönlichkeiten werden vorgestellt.

Am 25. Oktober 1840 fand ein großes bürgerliches Winzerfest mit dem Winzerumzug der Weinbau-Gesellschaft statt, der von der Hoflößnitz zum Gasthof Goldene Weintraube führte. Auf dem Fest wurden nicht nur ein Festmahl und Tanz geboten, sondern auch ein bengalisches Feuer auf den Berghöhen der Hoflößnitz und bei Cossebaude auf der anderen Elbseite. Dieser Winzerumzug ist der heute wohl bekannteste in Sachsen, da er von dem in der Oberlößnitz auf seinem Weingut Retzschgut ansässigen Maler Moritz Retzsch in einer Bilderreihe festgehalten und publiziert wurde. Die Bildvorlage von Retzsch beeinflusste alle folgenden Umzüge. Eine kolorierte Version der Retzschschen Bilderfolge wird im Flur des Weinbaumuseums gleich beim Eingang ausgestellt.

Im Obergeschoss findet sich der kunstgeschichtliche Höhepunkt des Museums, der barocke Festsaal mit seiner zeitgenössischen Ausmalung und Bebilderung, darunter den 80 Vogelbildern von Eckhout. Beidseits des Festsaals liegen die Wohn- und Schlafräume des Kurfürsten und der Kurfürstin.

Die unteren Räume des Kavalierhauses wurden 1995 restauriert. Sie dienen seitdem für Veranstaltungen oder auch Weinverkostungen; rechts des Eingangs liegt die Museumskasse mit dem Weinverkauf, links befindet sich ein Museumsraum, in dem 2010 die Ausstellung Erinnerung + Verantwortung. Sächsischer Weinbau im Nationalsozialismus eröffnet wurde, die an die Zwangsarbeiter im sächsischen Weinbau zur Zeit des Nationalsozialismus erinnerte.[13][14]

Geschichte des Berg- und Lusthauses[Bearbeiten]

In Erweiterung von:

geht der folgende Abschnitt speziell auf das Weinbergschlösschen ein, insbesondere auch auf die spezifischen Restaurierungen des Bauwerks und seiner künstlerischen Ausstattung.

Entstehung als Lustschlösschen des Kurfürsten[Bearbeiten]

Nach dem Erwerb von Besitz in der Lößnitz am 8. Mai 1401 durch Markgraf Wilhelm den Einäugigen während der Dohnaischen Fehde von der Adelsfamilie der Küch(en)meister, die die Landschaft um Kötzschenbroda vermutlich seit dem 13. Jahrhundert besessen hatten, brachten die Wettiner den verstreuten Weinbergsbesitz der Umgebung für fast fünf Jahrhunderte (bis 1889) unter ihre Kontrolle. Sie konzentrierten dabei den höfischen Weinbau auf das Gut Hoflößnitz. Den Kern der Anlage bildete lange Zeit das 1563 beschriebene Presshaus, das mit einer großen Baumpresse ausgestattet war, und bis 1688 den einzigen Weinkeller hatte.[15]

Der heutige Name „Hoflößnitz“ findet urkundlich zum ersten Male mit dem Datum des 14. Januars 1622 seine Erwähnung.[16]

Im 17. Jahrhundert kam ein Wohnungsanbau an das bestehende Presshaus für den Bergverwalter hinzu. Um 1650 entstand östlich des Presshauses das Küchen- und Stallgebäude, das heute beidseitig aus dem später daraus erweiterten Kavalierhaus herausschaut. Beide Gebäude ergeben die Nordseite des Gutshofs.

Ansicht Weinberge in der Lößnitz mit Weingut. Johann Paul Knohll: Klein Vinicultur-Büchlein. Frontispiz, 1667.

In den Jahren 1648 bis 1650, gleich nach dem Dreißigjährigen Krieg, baute Kurfürst Johann Georg I. mit Hilfe seines Landbaumeisters Ezechiel Eckhardt ein Lustschlösschen südlich des Küchengebäudes, wodurch dieses die Südostecke des Gutshofs ergibt und mit seiner Lage am Hang freien Blick in das Elbtal bietet. Eckhardt bekam den Auftrag, da sich der bisherige Oberlandbaumeister Wilhelm Dilich aufgrund seines fortgeschrittenen Alters aus dem Dienst zurückzog, sein offizieller Nachfolger Wolf Caspar von Klengel jedoch erst 1656 ernannt wurde. Das Lusthaus ist stilistisch dem Manierismus als Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock zuzuordnen. Von den Lößnitz-Weinbergshäusern unterschied es sich äußerlich durch den Turm mit der Wendeltreppe sowie die vergoldete Wetterfahne mit dem sächsischen Wappen.[17] Des Kurfürsten Sohn Johann Georg II., der nach des Vaters Tod 1656 die Ausmalung der Hoflößnitz fertigstellen ließ, beschäftigte den schon von seinem Vater geholten Niederländer Albert Eckhout als Hofmaler. Insbesondere auch durch die Hofmaler Wiebel und Schiebling entstand die prächtige Ausstattung des Festsaals mit den beiden seitlich gelegenen Wohn- und Schlafzimmern des Kurfürsten und der Kurfürstin. Der Innenausbau wurde wohl großenteils vor 1661 abgeschlossen, da das Provinzwappen der per kaiserlicher Order von 1661 in den sächsischen Schild aufzunehmenden Grafschaft Barby in der Hoflößnitz noch fehlt. Nach 1667 wurde der ursprünglich bis oben hin aus Holzfachwerk bestehende Treppenturm zu einem massiven Wendelstein umgebaut. Nach dem Lößnitzer Manual wurde das Lustschlösschen 1668 dem kaiserlichen Residenten Heinrich Julius von Blume und dem Pfalzgrafen und kaiserlichen Generalfeldmarschall Philipp von Sultzbach vorgeführt; 1670 durfte sich auch der französische Resident dort umsehen.[4]

Die westlich des Lusthauses gelegenen Bauten mit Weinkeller, Kellerstube, Winzerwohnung und Stall entstanden 1688, wodurch der Gutshof seine heute etwa rechteckige Form erhalten hatte.

August der Starke lud seine Jagdgesellschaften nach Hoflößnitz ein und veranstaltete Tanzfeste des Hofes mit Weinausschank. Das erste solche Fest zur Weinlese fand 1715 statt, dem weitere in den Jahren 1719 und 1727 folgten.

Landbaumeister Carl Mildreich Barth schuf 1843 die Pläne für den spätklassizistischen Bau des Bergverwalterhauses, das Teile des Küchen- und des Stallgebäudes integrierte. Die Ausführung dessen lag dabei bei Karl Moritz Haenel. Für dieses Gebäude bürgerte sich am Beginn des 20. Jahrhunderts die ahistorische, jedoch bis heute verwendete Bezeichnung Kavalierhaus ein.

Verkauf an Privat, historistischer Umbau[Bearbeiten]

Schloss Hoflößnitz, um 1910

In den 1880er Jahren richtete die Reblauskatastrophe in der Lößnitz schwere Schäden in den Weinbergen an. Im Sommer 1887 wurde amtlicherseits die Durchseuchung der Böden festgestellt. Die sächsische Regierung beschloss die Aufgabe des Weinbaus in der Hoflößnitz. Im Jahr 1889 wurde das Weingut parzelliert und versteigert, ebenso wie viele Teile des beweglichen Inventars.

Die Gutsanlage selbst kam nach zwei Besitzerwechseln 1899 in die Hände des russischen Generals und Gesandten am sächsischen Hof, Graf Boris Sukanov-Podkolzin (auch Suckanoff-Podkolzine). Dieser ließ auf das Berg- und Lusthaus nach Süden zum Tal hin einen sehr groß dimensionierten, verblechten Neorokoko-Turmaufbau aufsetzen. Vor das Haupthaus, zum Tal hin, wurde eine Balustrade mit einer Freitreppe vorgebaut. Zusätzlich erhielt das Hoftor ein neobarockes Gitter.

Bereits im Jahr 1900 verstarb der General, und neue Besitzerin wurde seine Erbin, die in St. Petersburg lebende Gräfin Anna von Zolotoff. Da ihr das im fernen Sachsen liegende Schlösschen wenig bedeutete und sie den Verkauf des nur für gelegentliche Sommeraufenthalte genutzten Anwesens erwog, bestand erneut die Gefahr der weiteren Parzellierung auch noch der Restflächen des ehemals weitläufigen Weinguts. Der Oberlößnitzer Bebauungsplan sah rundherum die Bebauung mit Villen vor, von denen 1905 die Villa Franziska nahebei in der Hoflößnitzstraße 58 entstand. Was mit dem restlichen Areal hätte geschehen können, hatte die Entwicklung der Villenkolonie Altfriedstein gezeigt, einschließlich des Eingriffs in die jahrhundertealte Bausubstanz eines herrschaftlichen Gebäudes.

Sicherung der Substanz und Rückbau, Bilder-Instandsetzung, Lokales Denkmalschutzgesetz[Bearbeiten]

Lust- und Berghaus heute, nach der Rückstilisierung

Im Jahr 1912 stand dann der Kern der Hoflößnitz, ein 2,8 Hektar großes Anwesen mit der Weingutsanlage, ein weiteres Mal zum Verkauf.

Um der weiteren Zerschlagung der Restflächen mit der Folge weiterer Zersiedlung wie auch der Zerstreuung noch vorhandener Kunstwerke entgegenwirken zu können, gründeten interessierte Bürger den Hoflößnitz-Verein. Am 20. März 1912 nahm der in der Grundschänke gegründete Verein unter der Leitung des aus Oberlößnitz stammenden Geheimen Finanzrats Georg Friedrich Haase seinen Sitz in der Oberlößnitz. Lippert wurde stellvertretender Vorsitzender und Beschorner Schriftführer; mit dabei war auch der Oberlößnitzer Gemeindevorstand Bruno Hörning als Schatzmeister. Der Vereinszweck bestand laut Satzung darin,

„das kunstgeschichtlich überaus wertvolle, namentlich in seiner Ausschmückung einzigartige ehemals kurfürstliche Weinbergsschlösschen Hoflößnitz mit dem es umgebenden Gelände aufzukaufen, instandzusetzen und zu erhalten, sowie ein im Erdgeschoss unterzubringendes Museum der Geschichte der Lößnitzorte und des sächsischen Weinbaues ins Leben zu rufen.“[18]

Dem durch die Unterstützung des Historikers Woldemar Lippert, Vorstandsmitglied im Königlich-Sächsischen Altertumsverein, bald auf 120 Mitglieder angewachsenen Verein gelang es innerhalb kurzer Zeit, einen Großteil der für den Erwerb und die Sanierung notwendigen Mittel in Höhe von 350.000 Mark insbesondere durch Spenden aus den Reihen der Industrie einzuwerben.

Nach dem Erwerb der Anlage sowie der östlich gelegenen Flächen (insbesondere des Schlossbergs) im Juli 1912 wurde die Leitung zur Sicherung der teilweise jahrhundertealten historischen Substanz, des notwendigen Rückbaus auf die historische Stilisierung sowie der nach damaligen Vorstellungen denkmalgerechten Sanierung dem Architekten und Vorstandsmitglied Emil Högg übertragen, der sich im selben Jahr im benachbarten Radebeul niederließ.

Die bautechnischen Untersuchungen hatten ergeben, dass das Weinbergsschlösschen „in hohem Grade baufällig war“,[19] schlimmer als vorher befürchtet. Durch die unsachgemäße Aufsetzung des überdimensionierten Dachreiters auf der Südseite war die Dachkonstruktion so stark verformt, dass eingedrungenes Regenwasser die Deckengemälde des Festsaals beschädigt hatte. Dazu kam, dass das wohl im 18. Jahrhundert verputzte Fachwerk im Obergeschoss stark geschädigt war. Höggs Maßnahmen wie der Abbau des Dachturms, die Freistellung des Fachwerks und der Austausch von Balken retteten das Bauwerk und versetzten es zugleich im Äußeren in eine der Erbauungszeit von 1650 gemäße Form. Zusätzlich wurde auch die Balustrade wieder abgebrochen. Alle diese Bauausführungen lagen in den Händen der Bauunternehmung Hörnig & Barth. Die historisch angemessene Restaurierung Höggs erfolgte „in einer auch heute noch musterhaften Weise“,[20] war jedoch so aufwendig, dass sie das Vereinsvermögen aufzehrte. Zudem rief das äußere Aussehen Proteste in der Bevölkerung hervor, die sich ein Schlösschen eben nicht wie ein schlichtes Winzerhaus vorstellte. Insbesondere der Abbau des Dachtürmchens, das bereits zum „Wahrzeichen der Lößnitz“[20] erklärt worden war, erregte großen Anstoß.

Die notwendige Restaurierung der schadhaften Wand- und Deckengemälde nahm der Dresdner Kunstmaler Gustav Löhr vor. Seine Restaurierung wurde bereits 1913 durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz kritisch gesehen,[21] hatte doch Löhr weitgehende Übermalungen vorgenommen. Löhrs Zeitgenosse, der Architekt Carl Zetzsche, fasste dies 1914 kritisch kommentierend folgendermaßen zusammen: „…die schwer beschädigte Deckenbemalung ist von Kunstmaler Löhr mit sachkundiger Hand einigermaßen wieder instand gesetzt worden.“[22]

Die Spendenquellen versiegten in kurzer Zeit. Dadurch kam es nur noch zu geringen Umbauten am Kavalierhaus und am Pressgebäude. Kostspielige Fehlentscheidungen von Haase kosteten ihn seinen Platz, er wurde zum Rücktritt gezwungen. Eine Steuernachforderung 1914 führte die faktische Insolvenz herbei. Die Schuldenlast hatte drei Jahre nach der Gründung ein geordnetes Konkursverfahren des Vereins zur Folge.[18]

Um das Erreichte zu sichern, wurde der Vereinsbesitz, also insbesondere das Hoflößnitz-Anwesen, bei dem Konkursverfahren für wenig Geld an die Gemeinde Oberlößnitz als Hauptgläubiger verkauft. Die Gemeinde erhielt die staatliche Auflage, das Anwesen denkmalgemäß zu pflegen und künftige Bodenspekulationen mit dem Hoflößnitzanwesen zu unterbinden. Oberlößnitz erließ somit noch im selben Jahr 1915 ein Ortsgesetz gegen die Verschandelung der Hoflößnitz nebst Anlagen und Umgebung,[18] um die weitere Aufteilung der Kernflächen des ehemals königlichen Weinguts Hoflößnitz gegen Zersiedlung zu schützen. Grundlage war das sächsische Gesetz gegen Verunstaltung von Stadt und Land von 1909.

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Malenswert: Landschaft von Georg Richter-Lößnitz, ohne Datum

Bereits zu Zeiten des Hoflößnitz-Vereins war der Niederlößnitzer Schuldirektor Emanuel Erler mit dem Aufbau eines Heimatmuseums beauftragt worden. Dieser leitete die Ortsgruppe des Vereins für sächsische Volkskunde, mit der er auf der Kötzschenbrodaer Gewerbeausstellung von 1909 bereits eine Schau der örtlichen Weinbaugeschichte gezeigt hatte. Insbesondere auch wegen der Ermunterung durch König Friedrich August III. wollte Erler diese Ausstellung zu einer Dauerpräsentation werden lassen.

Die Gemeinde Oberlößnitz richtete 1924[17] das Museum im Schlösschen ein (Heimathaus Hoflößnitz); unterstützt wurde sie dabei durch den ersten sächsischen Landeskonservator Walter Bachmann, der 1919 in die Lößnitz gezogen war. Zusätzlich eröffnete zu Pfingsten 1924 die Jugendherberge Oberlößnitz im Dachgeschoss des Schlösschens, ein Bettendomizil mit 40 Schlafplätzen. Die Jugendherberge durfte das Dachgeschoss bis 1935 nutzen, als das Stadtweingut geschaffen wurde.

Nach der Eingemeindung von Wahnsdorf und Oberlößnitz war die Stadt Radebeul Eigentümer von Lößnitz-Weinbergen. Der damalige Oberbürgermeister Heinrich Severit schuf 1935 das Stadtweingut Radebeul, dessen Sitz im traditionsreichen, ehemals königlichen Weingutsanwesen Hoflößnitz eingerichtet wurde.

Zwischenzeitlich diente die Hoflößnitz im Zweiten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager für Soldaten der Roten Armee. Nach dem Krieg, den die Hoflößnitz unversehrt überstanden hatte, wurde sie zum Sitz der sowjetischen Besatzungsmacht.[23]

Herauslösung aus dem Weingut, Verbleib als städtisches Museum[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1949 verblieb das Heimathaus Hoflößnitz mit seinem Museumsgebäude, dem Berg- und Lusthaus, in der Rechtsträgerschaft der Stadt Radebeul.

Der sonstige Betrieb des Stadtweinguts wurde abgelöst.[24] Dieser ging ebenso wie das Staatsweingut des Landes Sachsen am 1. Oktober 1949 in die Rechtsträgerschaft der Zentralen Vereinigung Volkseigener Güter (ZVVG) Südost über, die dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft des Landes Sachsen unterstand. Aus der Vereinigung beider Weingüter entstand das Volkseigene Gut Weinbau „Lößnitz“,[25] als dessen Sitz das Weingut Paulsberg im Stadtteil Zitzschewig bestimmt wurde. Später wurde der Sitz des Volksweinguts Lößnitz nach Wackerbarths Ruhe verlegt, wo eine neue Sektkellerei aufgebaut wurde.

Das Heimatmuseum spezialisierte sich ab Mitte der 1980er Jahre auf den heimatlichen Weinbau.

Wiedervereinigung mit dem wieder städtischen Weingut, Sächsisches Weinbaumuseum[Bearbeiten]

Lust- und Berghaus mit den Steillagen im Hintergrund (Weinberg Goldener Wagen), davor der gutseigene Schlossberg

Im Juli 1990 wurde das Volkseigene Gut zur Weinbau Radebeul − Schloß Wackerbarth GmbH umgewandelt. Schloss Wackerbarth übernahm das Land Sachsen im April 1992, während das in das Volksweingut eingebrachte Stadtweingut Radebeul als städtisches Weingut Hoflößnitz wieder abgetrennt und in städtisches Eigentum übertragen wurde. Weinbergsschlösschen und Weingut kamen wieder unter einen Eigentümer.

Die Stadt brachte das Anwesen 1998 in eine Stiftung mit der Bezeichnung Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz ein. Gleichzeitig lagerte sie das Weingut in eine GmbH aus. Mit der Umwandlung des Städtischen Museums Hoflößnitz in das Weingutmuseum Hoflößnitz wurde der Kunstbestand aufgeteilt: Der weinspezifische Teil verblieb bei der Hoflößnitz für deren Museum, die sonstigen Kunstwerke gingen in den Bestand der Städtischen Kunstsammlung über, die der Stadtgalerie Radebeul am Anger von Altkötzschenbroda angegliedert ist.

Im Jahr 2001 erschien mit der von dem Kunsthistoriker und ehemaligen sächsischen Landeskonservator Heinrich Magirius herausgegebenen Publikation 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage das wohl umfangreichste Standardwerk zur Hoflößnitz.

Anlässlich der sachsenweiten Veranstaltung 850 Jahre Weinbau in Sachsen wurde 2011 das Weingutmuseum Hoflößnitz zum Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz aufgewertet. Das Museum ist Mitglied bei ICOM Deutschland. Ebenfalls im Jahr 2011 rief die Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz den historischen Winzerzug von Moritz Retzsch aus dem Jahr 1840 nach historischer Vorlage wieder ins Leben; lediglich die Richtung des Zuges wurde umgedreht, um in der Hoflößnitz enden zu können. Im Oktober 2012 wurde er erneut durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hoflößnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cornelius Gurlitt: Oberlössnitz; Hoflössnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 26. Heft: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung, Theil 2: Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 136–149.
  2. a b c  Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Radebeul, 24. Mai 2012, S. 21 f. (Letzte von der Stadt Radebeul veröffentlichte Denkmalliste. Die seit 2012 beim Landkreis Meißen angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde hat noch keine Denkmalliste für Radebeul veröffentlicht.).
  3. a b c  Volker Helas (Bearb.), Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen). SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3, S. 173–176 nebst beiliegender Karte, DNB 984589732.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p Silke Herz: »Zur Lust gantz Fürstlich ausgezieret.« Die Innenräume des Berg- und Lusthauses: Nutzung, Ausstattung und ikonographisches Programm. In:  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 47–73, DNB 964451859.
  5. Radebeuler Amtsblatt 01/2014, S. 8.
  6.  Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath et al. (Bearb.): Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen I, Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 735, DNB 948231726.
  7. Florentius Schoonhovius: Emblemata. Partim Moralia partim etiam Civilia. Gouda 1618.
  8. Cornelius Gurlitt: Oberlössnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 26. Heft: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung, Theil 2: Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 135–157., abgerufen am 30. Dezember 2012.
  9. Oberlössnitz. In: Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Band 1: Mitteldeutschland. 1. Aufl., Wasmuth, Berlin 1905, S. 236.
  10.  Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath et al. (Bearb.): Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen I, Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 733–735, DNB 948231726.
  11. Zitiert nach: Frank Andert: Die Hoflößnitz – 100 Jahre öffentliches Denkmal. In: Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. Radebeuler Monatshefte e. V., Juli 2012, abgerufen am 22. Juli 2012.
  12. Ausstellung: Hoflößnitz will Emil Högg gedenken: Architekt hatte das Schloss des Guts vor hundert Jahren saniert. In: dnn-online.de vom 15. Februar 2013, abgerufen am 16. Februar 2013.
  13. Dietrich Lohse; Frank Andert: Kein »helles Schlaglicht«. Zur neuen Sonderausstellung der Hoflößnitz. In: Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. Radebeuler Monatshefte e. V., September 2010, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  14. Gefangen im Weinberg. Ausstellung über Zwangsarbeiter in sächsischen Winzereien. In: Jüdische Allgemeine vom 12. August 2010, abgerufen am 30. Dezember 2012.
  15. Ingrid Zeidler: Die Entwicklung des Weinbaus im Gebiet der heutigen Stadt Radebeul im 19. Jahrhundert. Polydruck, Radebeul 1985, S. 44.
  16.  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 17 f, DNB 964451859.
  17. a b Historische Weingutanlage Hoflößnitz. In:  Liselotte Schließer (Erarb.): Radebeul – Stadtführer durch Vergangenheit und Gegenwart. 1. ergänzte Auflage. Edition Reintzsch, Radebeul 2008, ISBN 978-3-930846-05-4, S. 53–58, DNB 960066837.
  18. a b c Hoflößnitz-Verein. In:  Frank Andert (Red.), Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9, S. 86 f, DNB 97909724X.
  19. Woldemar Lippert: Lößnitz-Heimat. Heft 7, Beilage zum Radebeuler Tageblatt, 2. Jahrgang 1926.
  20. a b Volker Helas: Der Hoflößnitzverein, Emil Högg und seine Wiederherstellung des Hoflößnitzweingutes und weitere Umbauten bis 1945. In:  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 168–173, DNB 964451859.
  21. Der Umbau des Hoflößnitz-Schlößchens. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Nr. 3, 1913, S. 64–66. Zitiert nach: Volker Helas: Der Hoflößnitzverein, Emil Högg und seine Wiederherstellung des Hoflößnitzweingutes und weitere Umbauten bis 1945. In:  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 168–173; Anm. 9: S. 207, DNB 964451859.
  22. Carl Zetzsche: Die Wiederherstellung des Weinbergschlößchen »Hof Lößnitz«. In: Die Denkmalpflege. Nr. 16, 1914, S. 52–54. Zitiert nach: Volker Helas: Der Hoflößnitzverein, Emil Högg und seine Wiederherstellung des Hoflößnitzweingutes und weitere Umbauten bis 1945. In:  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 168–173; Anm. 8: S. 207, DNB 964451859.
  23. Vom markgräflichen »weyngarten« zum Bio-Weinproduzenten, abgerufen am 30. Dezember 2012.
  24.  Heinrich Magirius (Hrsg.): 600 Jahre Hoflößnitz: Historische Weingutanlage. Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-60-1, S. 174, DNB 964451859.
  25. Volksweingut. In:  Frank Andert (Red.), Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9, S. 205, DNB 97909724X.
  26. Geschichtlicher Hintergrund: Das „Historische Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei“ 1943–1945. Abgerufen am 30. Dezember 2012.

51.11152777777813.662152777778Koordinaten: 51° 6′ 42″ N, 13° 39′ 44″ O