Heliodoros-Säule

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Säule des Heliodoros)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heliodoros-Säule

Die Säule des Heliodoros bei Vidisha/Sanchi im Herzen des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh wurde um 100 v. Chr. von dem – wahrscheinlich aus Taxila stammenden – indo-griechischen Gesandten Heliodoros errichtet.

Entdeckung[Bearbeiten]

mittlerer und oberer Teil des Schafts mit Kanelüren, Girlanden und Kapitell
Fächerrosetten und Teil der Inschrift

Die Säule wurde im Jahre 1877 von Alexander Cunningham, dem Begründer des Archaeological Survey of India, entdeckt. Da sie von einer roten Schmutzschicht bedeckt war, datierte sie der Forscher in die Gupta-Zeit (4./5. Jahrhundert n. Chr.). Erst die Entfernung der Schmutzschicht durch John Hubert Marshall zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte die beiden Inschriften sichtbar, deren Übersetzung in der Fachwelt als Sensation aufgefasst wurde. Im Jahre 1955 legte der indische Archäologe M. D. Khare die Grundmauern eines ehemaligen Tempelkomplexes in der unmittelbaren Umgebung der Säule frei.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der etwa 4,80 Meter hohe monolithische Säulenschaft ist in drei – sich nach oben verjüngende – Teilabschnitte gegliedert; die Übergänge sind optisch von Fächerrosetten und kleinen Lotosblumen sowie von Girlanden getrennt. Über einem abschließenden Schaftring erhebt sich ein etwa 1,20 Meter hohes Kapitell, das mit einer stilisierten hängenden Lotosblüte nach unten abschließt.

Die beiden Inschriften befinden sich auf drei Feldern des unteren – oktogonalen – Teils des Schaftes; darüber leiten acht Fächerrosetten über zum kanelierten Mittelteil der Säule. Das Kapitell trug einst – wie die erste Inschrift andeutet – eine Statue von Garuda. Die Säule stand möglicherweise vor einem – nicht mehr erhalten – hölzernen(?) Tempel des Vasudeva/Krishna, dem das Monument geweiht ist.

Inschriften[Bearbeiten]

Stifterinschrift[Bearbeiten]

Die siebenzeilige, in Brahmi abgefasste Inschrift berichtet, dass Heliodoros, der Stifter des Monuments, ein Gesandter des indo-griechischen Königs Antialkidas von Taxila (etwa 115 bis 95 v. Chr.) am Hof des Shunga-Herrschers Bhagabhadra (= Bhagavata?) war und die Säule im 14. Regierungsjahr des Herrschers errichtet wurde.

Originaltext (7 Zeilen)
1) Devadevasa Va[sude]vasa Garudadhvajo ayam
2) karito i[a] Heliodorena bhaga-
3) vatena Diyasa putrena Takhasilakena
4) Yonadatena agatena maharajasa
5) Amtalikitasa upa[m]ta samkasam-rano
6) Kasiput[r]asa [Bh]agabhadrasa tratarasa
7) vasena [chatu]dasena rajena vadhamanasa
Freie Übersetzung
Münze des Antialkidas – das Stirnband (Königsbinde) und das Reiten auf einem Elefanten symbolisieren seine Königswürde.
Diese Garuda-Säule zu Ehren Vasudevas, dem Gott der Götter, wurde errichtet von Heliodorus, der dem Bhagavata-Pfad der Hingabe folgte, dem Sohn Dions und der Einwohner Taxilas; er kam als Gesandter des griechischen Königs Antialkidas zu König Kasiputra Bhagabhadra, dem Retter, im 14. Jahr seines mit Wohlstand gesegneten Königtums.
Bedeutung
Vasudeva war auch eine volkstümliche Bezeichnung für Krishna. Die Inschrift kann gedeutet werden als Bekehrungsdokument eines – wahrscheinlich philosophisch gebildeten, aber bereits in Taxila (seiner Heimatstadt?) mit dem Hinduismus in Berührung gekommenen – Griechen zu Krishna oder zum frühen Vishnuismus. Es wird sogar vermutet, dass sogar Antialkidas dem hinduistischen Glauben anhing.

Gebots-Inschrift[Bearbeiten]

Originaltext (2 Zeilen)
1) Trini amutapadani-[su] anuthitani
2) nayamti svaga damo chago apramado
Freie Übersetzung
Drei unsterbliche (ewige) Gebote (Schritte) ... wenn praktiziert, führen zum Himmel: Selbstkontrolle, Wohltätigkeit und Bewusstsein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Umgebung[Bearbeiten]

In der näheren Umgebung befinden sich die hinduistischen Höhlentempel von Udayagiri und die buddhistische Kultstätte von Sanchi.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. K. Narain: The Indo-Greeks. Oxford 1957, S. 118–119, Tafel VI (mit Übersetzung der Inschrift).

Weblinks[Bearbeiten]

23.54972222222277.8Koordinaten: 23° 32′ 59″ N, 77° 48′ 0″ O