Söll (Tirol)

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Söll
Wappen von Söll
Söll (Tirol) (Österreich)
Söll (Tirol)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Kufstein
Kfz-Kennzeichen: KU
Fläche: 45,94 km²
Koordinaten: 47° 30′ N, 12° 12′ O47.50361111111112.191944444444703Koordinaten: 47° 30′ 13″ N, 12° 11′ 31″ O
Höhe: 703 m ü. A.
Einwohner: 3.535 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 6306
Vorwahl: 05333
Gemeindekennziffer: 7 05 26
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorf 84
6306 Söll
Website: www.soell.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Alois Horngacher (Die Heimat - Bauernliste für alle Söller)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
6 Die Heimat - Bauernliste für alle Söller
4 Gemeinsam für Söll - Team Gschwendtner
2 Söller Gemeinschaftsliste - Wirtschaft & Tourismus
3 Söller Zukunft
Lage der Gemeinde Söll im Bezirk Kufstein
Alpbach Angath Angerberg Bad Häring Brandenberg Breitenbach am Inn Brixlegg Ebbs Ellmau Erl Kirchbichl Kramsach Kufstein Kundl Langkampfen Mariastein Münster Niederndorf Niederndorferberg Radfeld Rattenberg Reith im Alpbachtal Rettenschöss Scheffau am Wilden Kaiser Schwoich Söll Thiersee Walchsee Wildschönau Wörgl Tirol (Bundesland)Lage der Gemeinde Söll (Tirol) im Bezirk Kufstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Söll ist eine Gemeinde mit 3535 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Kufstein, Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Kufstein.

Geografie[Bearbeiten]

Söll liegt in einem Talkessel des Sölllandls (nicht im Leukental, das man ortsüblich weiter östlich bei St. Johann sieht), das die Grenze zwischen den nördlichen Kalkalpen und den Schiefergebirgen der Kitzbüheler Alpen bildet. Streusiedlungen und Weiler sind charakteristisch für die Gemeinde. Der Ort befindet sich am nördlichen Rand eines flachen Passplateaus, das nach Süden ins Brixental (Brixentaler Ache) und nach Norden ins Sölllandl (Weißache) abfällt.

Der Ort liegt zwischen Hoher Salve im Südosten, und Wildem Kaiser im Nordosten, und Pölvenstock im Westen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Söll besteht aus einer einzigen, gleichnamigen Katastralgemeinde und Ortschaft.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Kufstein Schwoich, Scheffau am Wilden Kaiser
Itter, Bad Häring, Kirchbichl Nachbargemeinden Scheffau am Wilden Kaiser, Ellmau
Hopfgarten im Brixental Westendorf Brixen im Thale


Geschichte[Bearbeiten]

Bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Besiedlung Sölls geht auf das Jahr 600 n. Chr. zurück. Alte Bauernhöfe auf den Namen „-ing“ beweisen das Alter der Gemeinde. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte jedoch erst 1217 als man das Bistum Chiemsee eingerichtet hat. Zu dieser Zeit nannte man den Namen „sel“, 1480 dann „seel“ und ab 1615 „Söll“. Der Name „sel“ kommt hier wohl vom mittelhochdeutsch Wort „selida“, das so viel wie Herberge, Ort oder Haus heißt.

Im Jahre 1342 erhielt die Tiroler Landesfürstin Margarete Maultasch die Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel als „Morgengabe“. Vermutlich hat sich die Fürstin zur Jagd gelegentlich in Söll aufgehalten, denn die Bauweisen sowie verschiedene Dokumente zu Juffing auf dem Paisslberg weisen darauf hin.

Im Jahre 1504 kam Söll schließlich zu Tirol. Das damals bäuerliche Dorf blieb aufgrund der schlecht ausgebauten Verkehrswege großteils von Kriegen verschont, jedoch kam es 1809 im Tiroler Freiheitskampf zu Auseinandersetzungen. Eine Tafel beim Heldendenkmal im Schnapfwald berichtet darüber genaueres. Bis 1814 war Söll unter bayerischer Verwaltung, danach kam das Dorf beim Wiener Kongress wieder zu Tirol.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es für die Gemeinde Söll nochmals gefährlich. Generaloberst Georg Ritter von Hengl befahl Söll, eine vorrückende US-amerikanische Armee aufzuhalten. Ansässige Bewohner gingen in die Berge, als man die letzte Verteidigungslinie im Ort aufgebaut hatte. Als es schlussendlich zum Gefecht kam, wurden einige US-amerikanische Panzer zerstört. Schließlich erteile man den Befehl, das Feuer einzustellen, und somit entging Söll einer größeren Katastrophe. Am 7. Mai 1945 ergab sich Ritter von Hengl im Gasthof Post.

Seit den 1950er Jahren zog der Tourismus in die Gemeinde ein. Schon 1953 verbrachten hier 250 Gäste ihren Sommerurlaub. 1959 gründete man die Lift AG und der erste Lift wurde auf die Hohe Salve gebaut. Als man in späteren Jahren noch den Fremdenverkehrsverein gegründet hatte, kamen jährlich immer mehr Besucher und der Tourismus erlebte neuerlich einen großen Aufschwung.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Söll

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Im Zentrum des Ortes befindet sich die 1764 bis 1768 errichtete Barockkirche St. Peter und Paul, umgeben von einem Friedhof mit traditionellen Grabkreuzen. Der Innenraum der Kirche ist mit Malereien und Altären von Christoph Anton Mayr ausgestattet. Vor der Kirche befindet sich eine kleine Kapelle, die an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert.
  • In der Hauptstraße sind noch einige Gebäude im typischen Baustil Tirols mit Wandmalereien zu sehen. Unweit der Touristeninformation wurde ein Brunnen errichtet, der an den Hl. Nepomuk erinnert.
  • Im Stampfangergraben befindet sich eine Wallfahrtskapelle, die auf einem Felsen errichtet wurde und vom Weg über eine Brücke zu erreichen ist.
  • Im Norden von Söll ist an einem Wanderweg ein Kriegerdenkmal sehenswert, das an eine Schlacht der Napoleonischen Kriege erinnert, die am 13. Mai 1809 in der Nähe von Söll stattfand.

Ortsbildgestaltung[Bearbeiten]

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Söll 2013 zum „Schönsten Blumendorf Europas“ gekürt und damit mit einer Goldmedaille in der Kategorie Dorf ausgezeichnet.[2]

Sport[Bearbeiten]

In Söll gibt es zahlreiche Sportvereine, wie:

Tourismus[Bearbeiten]

Mit etwa 512.500 Übernachtungen (2008) mit circa 4000 Gästebetten ist Söll eine aufstrebende Tourismusgemeinde, daneben spielt die Landwirtschaft eine gewisse Rolle. Vor allem in den Hauptsaisonen finden viele Veranstaltungen statt, zum Beispiel das „Z'sammkemma“, eine Art Bauernmarkt, der die vielen Handwerksberufe aus der Region näher bringt.

Ferner gibt es in Söll eine Gondelbahn auf die Hohe Salve, die im Winter einen Einstieg in die SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental ermöglicht und auch im Sommer betrieben wird. Außerdem befindet sich an der Mittelstation in Hochsöll auf einem Areal von etwa 600 Metern Länge das Hexenwasser, ein Erlebnispark mit einem Barfußpfad, Wildgehege, Hexenwald, Souvenirshop und diversen Wasserspielen und Kneipp-Becken.

In der Gemeinde Söll liegt der 9200 m² große, vier Meter tiefe Moorsee, der im Sommer zum Angeln und im Winter zum Eislaufen und Eisstockschießen genutzt wird.[4]

Seit Sommer 2012 kann der Ahornsee, ein 10.000 m² großer Beschneiungsteich, im Sommer als Badesee genutzt werden. Das örtliche Hallen- und Freischwimmbad (Panoramabad Söll) wurde abgerissen, somit ist der Ahornsee Sölls einzige Bademöglichkeit. Über ein Hallen- und Freischwimmbad verfügt die Gemeinde nicht.[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Söll liegt an der vielbefahrenen Loferer Straße B 178 von Wörgl nach Salzburg. Vom Bahnhof Kufstein aus ist Söll untertags mit häufig verkehrenden Linienbussen leicht zu erreichen. Auch nach Wörgl und St. Johann in Tirol besteht mehrmals am Tag eine Busverbindung. An Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen ist der Linienverkehr eingeschränkt, am Abend und in der Nacht verkehren keine Busse.[6]

Umweltgerechte Umgestaltung der B 178[Bearbeiten]

Söll, neuer Umfahrungstunnel der Bundesstraße

Söll liegt an einem der meistbefahrensten Verkehrswege Österreichs. Da auf der Loferer Straße B 178 reger Transitverkehr herrscht, sollte die Neutrassierung des Straßenverlaufs zu einer Verbesserung der Lebensqualität in Söll beitragen. Zwar hat die umweltgerechte Umgestaltung zu einer Verbesserung der Verkehrssicherheit geführt. Doch ist der Ort seit der Neueröffnung der Straße im Oktober 2012 mit einer massiven Verkehrslärmbelastung konfrontiert. Im Vergleich zum alten Straßenverlauf wurde ein Lärmpegelanstieg um bis zu 15 Dezibel verzeichnet. Durch die derzeit geplanten Verbesserungsmaßnahmen soll der Lärmpegel um nur 3 Dezibel reduziert werden. Da dadurch keinesfalls die ursprüngliche Lebensqualität der Bürger wiederhergestellt wird, beschäftigt bis dato ein Dringlichkeitsantrag den Tiroler Landtag mit dem Lärmproblem.[7] Die Medien haben ausführlich darüber berichtet[8].

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

  • 6 Die Heimat - Bauernliste für alle Söller – stellt den Bürgermeister
  • 4 Gemeinsam für Söll - Team Gschwendtner
  • 2 Söller Gemeinschaftsliste - Wirtschaft & Tourismus – stellt den Vizebürgermeister
  • 3 Söller Zukunft

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Alois Horngacher (Die Heimat - Bauernliste für alle Söller) seit 18. Mai 2014.[9]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein linksgewendeter schwarzer Habicht mit silbernem Halsfleck, mit silberbelegten gespreizten Flügeln, silberbelegtem Stoß und silbernem Fang auf einem grünen Zweig sitzend.“
Das Wappen erinnert an das Siegel des urkundlich frühest bekannten Pfarrers von Söll, Heinrich von Habichowe, aus dem Jahre 1287 und gedenkt somit auch des hohen Alters der Urpfarre, welche bis in die Mitte des 8. Jahrhunderts zurückreicht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zu Söll[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Panorama[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Söll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Söll und seine Geschichte. Abgerufen am 3. März 2012.
  2. http://www.blumenbuero.or.at/
  3. http://www.soell.tirol.gv.at/system/web/gelbeseite.aspx?typ=8&cmd=az&menuonr=219117544
  4. http://www.tirol.at/at/xlayout/guide/184921sy,de,SCH1/objectId,SPF32030at,_area,771761,_lang,de,parentId,RGN16at,season,at2,selectedEntry,sport/intern.html, http://www.soell.tirol.gv.at/system/web/sonderseite.aspx?menuonr=220605313&detailonr=220605313 (Sport und Freizeit), http://www.moorsee.at/, abgerufen am 20. Juli 2011
  5. http://www.wilderkaiser.info/de/ahornsee-soell.html
  6. http://efa.vvt.at/vvtadr/mdv.html
  7. http://www.listefritz.at/images/Medien_Unterlagen/dringlichkeitsantrag_brugger_laermschutz_soell.pdf
  8. http://tirol.orf.at/news/stories/2621297/
  9. Mit einer Blitzkarriere auf den Sessel des Ortschefs, Tiroler Tageszeitung Online, abgerufen am 21. Mai 2014
  10. http://www.oepc.at/en/QQoption-com_mkgalleryQQtask-view_catQQid-2QQItemid-119.html http://tirol.orf.at/stories/410501/