Sönke Neitzel

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Sönke Neitzel (* 26. Juni 1968 in Hamburg) ist ein deutscher Historiker mit dem Schwerpunkt Militärgeschichte und Professor für International History an der London School of Economics.

Leben[Bearbeiten]

Akademischer Werdegang[Bearbeiten]

Nachdem Neitzel im Jahre 1987 an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau-Dudenhofen sein Abitur erlangte, absolvierte er in den Jahren 1987 und 1988 seinen Wehrdienst.[1] Anschließend studierte er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Hauptfach Mittlere und Neuere Geschichte sowie Publizistik und Politikwissenschaft in den Nebenfächern. Er wurde am 15. Juli 1994 zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel Der Einsatz der Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939-1945 und wurde 1996 mit dem Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften (3. Preis) ausgezeichnet.

Ab Oktober 1994 war Neitzel zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab Dezember 1998 bis Juni 1999 als Privatdozent am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig. Neitzel habilitierte sich am 18. Dezember 1998 mit der Habilitationsschrift Die Weltreichslehre im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ab Juli 1999 war Neitzel ebenfalls am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Hochschuldozent auf Zeit. In der Zeit von Oktober bis Dezember 2001 war er als Visiting Lecturer an der Universität Glasgow am Department of History tätig. Im Sommersemester 2002 vertrat Neitzel eine Professur für Zeitgeschichte sowie in den Wintersemestern 2003/04 und 2004/05 eine Professur für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Obwohl Sönke Neitzel im Oktober 2003 einen Ruf an die Universität Glasgow als Lecturer for British History and History of War erhalten hatte, wurde er am 17. März 2005 außerplanmäßiger Professor in Mainz. Im Wintersemester 2006/07 folgte er einem Lehrauftrag an die Universität Karlsruhe. Seit März 2008 war Neitzel Akademischer Rat auf Zeit an der Universität Mainz.

Im Sommersemester 2008 nahm er einen Lehrauftrag an der Universität Bern an, wo er im Wintersemester desselben Jahres auch eine Vertretung des Lehrstuhls für Neueste Geschichte übernahm (Ordinariat Förster).[2] 2010 war er Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Lehrstuhlvertreter für westeuropäische Geschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Zum Wintersemester 2011/12 folgte er einem Ruf an die University of Glasgow auf eine Professur für Modern History.[3] Neitzel hat 2012 einen Ruf an die London School of Economics auf einen Lehrstuhl für International History angenommen.

Er ist seit September 2006 mit Gundula Bavendamm, der Direktorin des AlliiertenMuseums und Tochter des Historikers Dirk Bavendamm, verheiratet.[4]

Autor und Fachberater[Bearbeiten]

Neitzel ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge, insbesondere über Deutschen Geschichte und Militärgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[5] Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Hochimperialismus und das Zeitalter der Weltkriege.[6] Besondere Aufmerksamkeit erreichte sein Buch Abgehört: Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945 (2005, englische Ausgabe 2007: Tapping Hitler's generals: transcripts of secret conversations, 1942-45), in dem er Mitschnitte von Gesprächen hochrangiger deutscher Soldaten veröffentlichte, die als Kriegsgefangene in Trent Park bei London inhaftiert waren; die Abhörbänder ermöglichen Einblicke in die Gedankenwelt der Wehrmachts-Offiziere, die sich u. a. über den „Spaß am Töten“ unterhielten.[7]

Als Fachberater ist Neitzel seit 1996 regelmäßig für Redaktionen von historischen Fernsehdokumentationen tätig, vorwiegend für Guido Knopps ZDF-Redaktion Zeitgeschichte bzw. die Sendungsreihe ZDF-History, aber auch für ARD und n-tv, sowie für die Hessische und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.[8] Er war u.a. für Stauffenberg – Die wahre Geschichte (2009), Rommel (2012) und Unsere Mütter, unsere Väter (2013) tätig.

Mitgliedschaften und Beiräte[Bearbeiten]

Neitzel ist Zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises Militärgeschichte[9] sowie Mitglied der Deutschen Kommission für Militärgeschichte, des Deutschen Komitees für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, der Preußischen Historischen Kommission, der Ranke-Gesellschaft und des Verbandes der Historiker Deutschlands.

Außerdem sitzt er in folgenden Beiräten: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Gedächtnis der Nation, Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte und Werner-Hahlweg-Preis.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit Harald Welzer & Christian Gudehus (Hrsg.): »Der Führer war wieder viel zu human, viel zu gefühlvoll«. Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht deutscher und italienischer Soldaten. Fischer, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-596-18872-7.
  • mit Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-10-089434-2.
  • Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942–1945. List, Berlin 2007, ISBN 978-3-548-60760-3.
  • Die deutschen Ubootbunker und Bunkerwerften. Bau, Verwendung und Bedeutung verbunkerter Ubootstützpunkte in beiden Weltkriegen. Bernard & Graefe, Koblenz 1991, ISBN 3-7637-5823-2.
  • Der Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee, 1939–1945. Dissertation. Bernard & Graefe, Bonn 1995, ISBN 3-7637-5938-7.
  • Weltmacht oder Untergang. Die Weltreichslehre im Zeitalter des Imperialismus. Habilitation. Schöningh, Paderborn [u.a.] 2000, ISBN 3-506-76102-1.
  • (Hrsg.): Preußen und Europa. Preußeninstitut Remscheid 2001, ISBN 3-933421-03-9.
  • (Hrsg.): 1900. Zukunftsvisionen der Großmächte. Schöningh, Paderborn [u.a.] 2002, ISBN 3-506-76103-X.
  • Kriegsausbruch. Deutschlands Weg in die Katastrophe 1900–1914. Pendo-Verlag, München [u.a.] 2002, ISBN 3-85842-550-8 (Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert).
  • Blut und Eisen. Deutschland und der Erste Weltkrieg. Pendo-Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-85842-448-X.
  • Die Kriegsbücher Fontanes. In: Bernd Heidenreich (Hrsg.): Theodor Fontane. Dichter der deutschen Einheit. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8305-0295-8, S. 121–131.
  • mit Wolfgang Elz (Hrsg.): Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag. Schöningh, Paderborn [u.a.] 2003, ISBN 3-506-70140-1.
  • Epochenjahr 1917. Politische und militärische Weichenstellungen. Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 2007.
  • (Hrsg.): gemeinsam mit Daniel Hohrath (Hrsg.): Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76375-4.
  • Weltkrieg und Revolution. 1914–1918/19. be.bra-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89809-403-0 (Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. 3)
  • mit Bernd Heidenreich (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. Verlag Ferdinand Schöningh und Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76710-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Rodgau, Jahressplitter 1999 auf www.rodgau.de, gesehen 22. Juli 2013; Sönke Neitzel: Vita, gesehen 24. April 2010.
  2. Historisches Institut Universität Bern 2008; Sönke Neitzel: Vita, gesehen 24. April 2010.
  3. Universität des Saarlandes: Forschung und Lehre – Habilitationen und Berufungen 09/2011
  4. Arbeitskreis Militärgeschichte e. V.: Aus dem Arbeitskreis / Editorial. Newsletter Jg. 11, 2006, No. 2, S. 5
  5. Sönke Neitzel: Schriftenverzeichnis, gesehen 24. April 2010.
  6. Sönke Neitzel: Prof. Dr. Sönke Neitzel, gesehen 24. April 2010
  7. Rezension: „Buch über Wehrmacht erschüttert“: n-tv, gesehen 14. Februar 2012
  8. Sönke Neitzel: Fachberatungen Prof. Dr. Sönke Neitzel, gesehen 14. Februar 2012
  9. www.akmilitaergeschichte.de