Süßdolde

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Süßdolde
Süßdolde (Myrrhis odorata)

Süßdolde (Myrrhis odorata)

Systematik
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Untertribus: Scandicinae
Gattung: Süßdolden
Art: Süßdolde
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Myrrhis
Mill.
Wissenschaftlicher Name der Art
Myrrhis odorata
(L.) Scop.

Die Süßdolde, auch Myrrhenkerbel genannt (Myrrhis odorata, syn. Scandix odorata) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist nach aktuellem Stand (früher war das nicht immer so) der einzige Vertreter der damit monotypischen Gattung der Süßdolden (Myrrhis).

Zuchtform 'Sweet Cicely', Fruchtstand

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Süßdolde ist eine 60 bis 200 cm große ausdauernde Staude. Sie ist oberwärts ästig verzweigt und duftet stark nach Anis. Die Blätter schlagen sehr früh nach dem Frost im zeitigen Frühjahr aus. Sie sind auffallend groß, gestielt und zwei- bis dreifach gefiedert, sie tragen große Blattscheiden und sind besonders unterseits weich behaart. Die Knoten und die Blattscheiden sind zottig behaart. Die Blattspreite ist viel größer als bei dem ähnlichen Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) oder den Kälberkropf (Chaerophyllum)-Arten.

Die Dolden haben 4 bis 24 Strahlen, eine Hülle fehlt, das Hüllchen besteht aus fünf bis sieben Blättern, die fast völlig weißhäutig sind und die zur Blütezeit aufrecht abstehen. Die Dolden sind teils zwittrig, teilweise rein männlich; die Stiele der männlichen Dolden sind dann kürzer als die der zwittrigen und außerdem kahl. Die Enddolde hat zwittrige Blüten mit männlichen gemischt, diese männlichen sind dann im Inneren angeordnet. An den später aufblühenden Seitendolden findet man meist nur männliche Blüten (ohne Fruchtknoten und ohne Griffel). Die Blütenkronblätter sind weiß, verkehrt-herzförmig und ausgerandet, die äußeren der Dolde etwas größer als die andern, daher sieht die Dolde strahlend aus.

Die Frucht ist 15 bis 25 mm lang, fast kahl, nur an der Spitze etwas behaart, sie ist reif dunkelbraun und wie lackiert glänzend, sie hat vorspringende Rippen und einen Schnabel. Die Pflanze ist ein Frostkeimer. Die Samen sind 2 cm lang und dunkelbraun.

Die Pflanze blüht von Mai bis Juli. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Verbreitung[Bearbeiten]

Ursprünglich kommt die Süßdolde in den Alpen (besonders in den Voralpen), den Pyrenäen, Apenninen und auf der westlichen Balkanhalbinsel sowie im Kaukasus vor. Sie ist aber sonst in Europa oft verwildert und eingebürgert, sogar in Chile, sodass sich das ursprüngliche Areal nicht genauer ermitteln lässt. Die Art steigt im Gebirge bis etwa 1900 m auf.

Sie kommt meist in Fettwiesen, Weiden, Grasgärten, in Hochstaudenfluren, an Waldrändern, auch in Auenwäldern vor mit einer Vorliebe für kalkhaltigen Untergrund.

Systematik[Bearbeiten]

Die Pflanze wurde zunächst vom schwedischen Botaniker Carl von Linné unter der Bezeichnung Scandix odorata beschrieben. Die heute gültige Einordnung in die Gattung Myrrhis durch den österreichischen Botaniker Giovanni Antonio Scopoli wurde 1771 veröffentlicht.[1]

Folgende früher in die Gattung der Süßdolden (Myrrhis) eingeordnete Arten werden aktuell anderen Gattungen zugeordnet:

Nutzung[Bearbeiten]

Die Blätter sind essbar; sie können vom frühen Frühjahr bis in den Herbst geerntet werden. Die Samen werden als Gewürz verwendet; sie werden im Herbst geerntet, wenn sie hart geworden sind.

Alle Teile der Süßdolde haben einen anisähnlichen, süßen Geschmack. Salate, Saucen und Fischgerichte kann man mit den Blättern würzen. Mit den Früchten werden Kohlgerichte und Gebäck verfeinert. Setzt man die Früchte saurem Kompott zu, kann man die Zuckerzugabe deutlich reduzieren. (Wichtig für Diabetiker) Aus den Wurzeln kann Gemüse zubereitet werden. Die gekochten Wurzeln sind fein geschnitten, mit einer Essig/Öl-Marinade ein geschmackvoller Salat. Die Süßdolde ist Bestandteil des Chartreuse und verschiedener Liköre.

Die Süßdolde ist eine Gewürz- und Duftpflanze (Anisduft), deshalb wird sie für Potpourris, Duftsträuße, Duftrasen, Dufthecken, Duftgarten verwendet. Sie ist aber auch blütenökologisch von Bedeutung als Nektarpflanze für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln.

Als Heilkraut wird sie in der Volksheilkunde als Blutreinigungsmittel verwendet, weiter auch gegen Husten und Magenschwäche.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Pflanze enthält ätherische Öle, hauptsächlich trans-Anethol, Germacren, Caryophyllen, Limonen, Myrcen, Estragol und Flavonoide.

Literatur[Bearbeiten]

  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Albert Thellung: Myrrhis. In  Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 2: Angiospermae: Dicotyledones 3 (2) (Cactaceae – Cornaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1966, ISBN 3-489-74021-1, S. 1041–1046 (unveränderter Nachdruck von 1926 mit Nachtrag).
  • John Francis Michael Cannon: Myrrhis. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae, Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 327 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Süßdolde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelreferenzen[Bearbeiten]

  1. Fl. carniol. ed. 2, 1: 207. 1771. Siehe Eintrag bei GRIN Taxonomy for Plants.