Süßwasserqualle

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Süßwasserqualle
Süßwasserqualle

Süßwasserqualle

Systematik
Klasse: Hydrozoen (Hydrozoa)
Unterklasse: Trachylinae
Ordnung: Limnomedusae
Familie: Olindiidae
Gattung: Craspedacusta
Art: Süßwasserqualle
Wissenschaftlicher Name
Craspedacusta sowerbii
Lankester, 1880

Die Süßwasserqualle (Craspedacusta sowerbii[1][Anmerkung 1], fälschlich auch C. sowerbyi, C. sowerbyii oder Microhydra sowerbyi), auch Süßwassermeduse genannt, ist eine Art der Limnomedusae aus dem Stamm der Nesseltiere. Mit 99,3 % hat die Süßwasserqualle den höchsten bei Tieren festgestellten Wassergehalt.[2]

Sie ist die einzige im Süßwasser vorkommende Art der Gattung Craspedacusta, die sich über Ostasien hinaus verbreitet hat.[3] Sie kommt in langsam fließenden und stehenden Gewässern vor, in denen sich die Uferzone stark erwärmen kann. Die bevorzugte Nahrung besteht aus Kleinkrebsen, Rädertieren und Einzellern.

Süßwasserquallen sind für Menschen harmlos und haben auch nichts mit einer mangelhaften Wasserqualität zu tun.

Aus dem Rotliegend (Perm) Mitteleuropas sind die Süßwasserquallen Medusina limnica Müller, 1978, Medusina atava (Pohlig, 1898) und Medusina strigillata Müller, 1982 nachgewiesen[4].

Merkmale[Bearbeiten]

Der Durchmesser beträgt bis 2,5 cm. Das ausgewachsene Tier trägt am Schirmrand bis über 600 nesselbesetzte, fadenförmige Tentakel. Der Magenstiel endet in vier Mundlappen.[5] An den vom Zentralmagen ausgehenden Radiärkanälen sitzt bei geschlechtsreifen Tieren je ein Geschlechtsorgan.[6]

Biologie[Bearbeiten]

Der Polyp, aus dem die Qualle (Meduse) durch Knospung hervorgeht ist sehr klein (0,5 bis 2 mm) und tentakellos. Die Meduse als Geschlechtsform des Nesseltiers vermehrt sich sexuell, wodurch wieder Polypen entstehen.

Die in Europa vorkommenden Süßwasserquallen vermehren sich nicht sexuell, da die von Vögeln eingeschleppten Polypen fast immer gleichgeschlechtlich sind. Die Polypen vermehren sich durch Knospung oder Querteilung.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der erste europäische Nachweis erfolge 1880 in den Royal Botanic Gardens in London, wo sie in einem Seerosenbecken auftraten. Vermutet wird, dass sie aus Brasilien eingeschleppt wurden.[7] Alternativ könnte Craspedacusta sowerbyi 1880 auch aus Ostasien nach Europa eingeschleppt worden sein. Heute ist die Art weltweit, außer in der Antarktis, zu finden[3].

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. World Hydrozoa Database - Craspedacusta sowerbii
  2. Herbert W. Ludwig: Tiere und Pflanzen unserer Gewässer. Merkmale, Biologie, Lebensraum, Gefährdung, BLV Verlag, ISBN 978-3405164874
  3. a b NOBANIS - Invasive Alien Species Fact Sheet: Craspedacusta sowerbyi (englisch, abgerufen am 11. Dezember 2009; PDF; 180 kB)
  4. Heinz Kozur: Die Verbreitung der limnischen Meduse Medusina limnica MÜLLER 1978 im Rotliegenden Mitteleuropas. Paläontologische Zeitschrift, 58(1/2): 41-50, Stuttgart, 1984 doi:10.1007/BF02990326
  5. Steckbrief Süsswassermeduse bei neobiota.umwelt.vdst.de (abgerufen am 11. Dezember 2009)
  6. Mario Ludwig u. a.: Neue Tiere und Pflanzen in heimischer Natur ISBN 3-405-15776-5
  7. Lexikon der Biologie, Elsevier, 1. Auflage 2004

Literatur[Bearbeiten]

  • Edwin Ray Lankester: On Limnocodium (Craspedacustes) Sowerbii, a new Trachomedusa inhabiting Fresh Water. Quarterly Journal of Microscopical Science, 20: 351–371, London 1880 PDF.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Craspedacusta sowerbii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Die von Lancester (1880) gewählte Schreibweise ist sowerbii. Es handelt sich um die Genitivform des latinisierten Namens Sowerbius. Diese Schreibweise ist nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur beizubehalten.