Südamerikanische Huftiere

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Südamerikanische Huftiere
Macrauchenia

Macrauchenia

Zeitliches Auftreten
Paläozän bis Pleistozän
60 bis 0,01 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Amnioten (Amniota)
Säugetiere (Mammalia)
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Laurasiatheria
Panperissodactyla
Südamerikanische Huftiere
Wissenschaftlicher Name
Meridiungulata
McKenna, 1975

Die Südamerikanischen Huftiere (Meridiungulata) sind eine Gruppe ausgestorbener Säugetiere, die während weiter Teile des Känozoikums in Südamerika lebten und erst im Pleistozän ausstarben. Heute sind 280 Gattungen bekannt von denen die kamelartige Macrauchenia und den flusspferdartigen Toxodon die bekanntesten sind. Fossilien beider Gattungen wurde zuerst von Charles Darwin während seiner Reise mit der Beagle gesammelt.

Merkmale[Bearbeiten]

Aufgrund der geographischen Isolation Südamerikas während großer Teile des Känozoikums kam es innerhalb der Südamerikanischen Huftiere zu einer großen Radiation und zu einer Besetzung unterschiedlicher ökologischer Nischen. Es gab Arten, die heutigen Pferden, Kamelen oder Nashörnern ähnelten, ohne mit ihnen verwandt zu sein.

Gemeinsame Merkmale dieser Tiergruppe stellen unter anderem die breiten, zum Mahlen geeigneten Backenzähne und die behuften Füße dar. In der Regel waren es Pflanzenfresser, die sich je nach Lebensraum von unterschiedlichsten Pflanzen ernährten.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Die oben erwähnte Isolation führte zur Entstehung einer völlig eigenen Säugetierfauna, vergleichbar mit der Situation in Australien. So gab es dort relativ wenige Säugetiertaxa, darunter eine vielfältige Beuteltierfauna, die Nebengelenktiere und eben die Südamerikanischen Huftiere. Die Nagetiere (Meerschweinchenverwandte) und die Primaten (Neuweltaffen) sind erst zu einem späteren Zeitpunkt (vermutlich im Oligozän) über den damals viel kleineren Atlantik treibend nach Südamerika eingewandert.

Aus dem Eozän sind auch vereinzelte Funde vom antarktischen Kontinent bekannt, der damals noch ein wärmeres Klima aufwies und bis vor 35 bis 30 Millionen Jahren noch mit Südamerika verbunden war.

Vor rund 2,5 Millionen Jahren schloss sich mit dem Isthmus von Panama die Landverbindung zwischen Nord- und Südamerika, und es kam zu einem großen Faunenaustausch. Zahlreiche Tiergruppen, die bislang nur in Nordamerika beheimatet waren, wanderten in Südamerika ein; für die bis dahin isolierte südamerikanische Fauna hatte dies fatale Folgen. Sie wurden von den überlegenen Kamelen, Pferden und Hirschen verdrängt, möglicherweise waren sie auch den neu eingewanderten Raubtieren, zu denen Hunde und Katzen gehörten, nicht gewachsen. Einige wenige Arten wie Macrauchenia überlebten allerdings bis zum Ende des Pleistozäns.

Systematik[Bearbeiten]

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Innere Systematik der Euungulata nach Welker et al. 2015[1]
 Euungulata 
 Cetartiodactyla 

 Artiodactyla (Paarhufer) 


     

 Cetacea (Wale) 



 Panperissodactyla 

 Perissodactyla (Unpaarhufer) 


     

 „Meridiungulata“ (Südamerikanische Huftiere †; speziell Notoungulata und Litopterna




Die Verwandtschaft der Südamerikanischen Huftiere blieb lange Zeit ungeklärt. Aufgrund der Hufe an den Füßen wurden die Südamerikanischen Huftiere zusammen mit anderen Tieren zur Gruppe der „Huftiere“ (Ungulata) zusammengefasst. Der genetische Befund der letzten Jahre zeigt jedoch, dass diese Huftiere keine natürliche Gruppe darstellen, sondern nur konvergente Entwicklungen als Anpassung an eine ähnliche Lebensweise durchgemacht haben. Unter anderem wurde eine Zugehörigkeit zu den Afrotheria diskutiert, wofür neben paläogeographischen Voraussetzungen auch anatomische Merkmale wie der Bau der Wirbelsäule oder des Sprungbeins sprachen,[2] ebenso wie die mögliche nahe Verwandtschaft der Afrotherien mit den Nebengelenktieren, der zweiten großen, endemisch in Südamerika verbreiteten Gruppe.[3] Auch ist die systematische Einheitlichkeit der „Meridiungulata“ weitgehend ungeklärt und wurde teilweise aufgrund der gemeinsamen Verbreitung in Südamerika angenommen.[4] Einzelne Bearbeiter sahen unter anderem auch für einige Vertreter eine nähere Beziehung zu den ebenfalls ausgestorbenen Dinocerata.[5] Allerdings konnte mit Hilfe von Proteinsequenzierungen und dem Vergleich mit fossilem Kollagen, welches an Überresten einiger stammesgeschichtlich junger Vertreter der Meridiungulata gewonnen wurde (speziell Macrauchenia aus der Gruppe der Litopterna und Toxodon aus der Gruppe der Notoungulata), eine enge Beziehung zu den Unpaarhufern herausgearbeitet werden. Beide Verwandtschaftsgruppen, die Unpaarhufer und die Litopterna-Notoungulata, werden nun in dem übergeordneten Taxon der Panperissodactyla zusammengefasst, das innerhalb der Euungulata den Paarhufern (Artiodactyla) und Walen (Cetacea) gegenübersteht (Cetartiodactyla). Die Trennung der Vorfahren der beiden Gruppen der Südamerikanischen Huftiere von den Unpaarhufern muss aufgrund des weit zurückreichenden Fossilberichts ersterer noch vor der Kreide-Tertiär-Grenze stattgefunden haben. Der Ursprung der beiden Gruppen lag vermutlich innerhalb der „Condylarthra“, einer heterogenen Gruppe urtümlicher Huftiere, die im Paläogen hauptsächlich die nördliche Hemisphäre bewohnte.[6][1]

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die Südamerikanischen Huftiere werden meist in fünf Ordnungen geteilt:

Literatur[Bearbeiten]

  • T. S. Kemp: The Origin & Evolution of Mammals. Oxford University Press, Oxford 2005. ISBN 0-19-850761-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Meridiungulata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Frido Welker, Matthew J. Collins, Jessica A. Thomas, Marc Wadsley, Selina Brace, Enrico Cappellini, Samuel T. Turvey, Marcelo Reguero, Javier N. Gelfo, Alejandro Kramarz, Joachim Burger, Jane Thomas-Oates, David A. Ashford, Peter D. Ashton, Keri Rowsell, Duncan M. Porter, Benedikt Kessler, Roman Fischer, Carsten Baessmann, Stephanie Kaspar, Jesper V. Olsen, Patrick Kiley, James A. Elliott, Christian D. Kelstrup, Victoria Mullin et al. Ancient proteins resolve the evolutionary history of Darwin’s South American ungulates. Nature, 2015 DOI: 10.1038/nature14249
  2. Federico L. Agnolin und Nicolás R. Chimento: Afrotherian affinities for endemic South American “ungulates”. Mammalian Biology 76, 2011, S. 101–108
  3. Sen Song, Liang Liu, Scott V. Edwards und Shaoyuan Wu: Resolving conflict in eutherian mammal phylogeny using phylogenomics and the multispecies coalescent model. PNAS 109 (37), 2012, S. 14942–14947
  4. Richard A. Fariña, Sergio F. Vizcaíno und Gerardo De Iuliis: Megafauna. Giant beasts of Pleistocene South America. Indiana University Press, 2013, S. 1–436 (S. 86–87) ISBN 978-0-253-00230-3
  5. Bruce J. Shockey und Federico Anaya Daza: Pyrotherium macfaddeni, sp. nov. (Late Oligocene, Bolivia) and the pedal morphology of pyrotheres. Journal of Vertebrate Paleontology 24 (2), 2004, S. 481–488
  6. Ross MacPhee, Frido Welker, Jessica Thomas, Selina Brace, Enrico Cappellini, Samuel Turvey, Ian Barnes, Marcelo Reguero, Javier Gelfo und Alejandro Kramarz: Ancient protein sequencing resolves litoptern and notoungulate superordinal affinities. In: Esperanza Cerdeño (Hresg.): 4th International Palaeontological Congress. The History of Life: A view from Southern Hemisphere. September 28 – October 3, 2014 Mendoza, Argentina. Mendoza, 2014, S. 186