Südbrücke (Mainz)

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49.9913888888898.2938888888889Koordinaten: 49° 59′ 29″ N, 8° 17′ 38″ O

f1

Südbrücke (Mainz)
Südbrücke (Mainz)
Mainmündung kurz vor Sonnenuntergang mit der Eisenbahnbrücke über den Rhein
Überführt

Rhein-Main-Bahn, Mainbahn

Unterführt

Rhein

Ort Mainz-Altstadt, Ginsheim-Gustavsburg
Konstruktion Pauliträger (auch Linsenträger)
Gesamtlänge 1028 m
Breite 12,6 m
Längste Stützweite 2x106,6 m
Durchfahrtshöhe 9 m
Baubeginn 1860, 1948
Eröffnung 1862, 1949
Planer Heinrich Gottfried Gerber
Lage
Südbrücke (Mainz) (Rheinland-Pfalz)
Südbrücke (Mainz)

Die Mainzer Südbrücke (zeitweise auch: Mainz-Gustavsburger Eisenbahnbrücke) ist eine Eisenbahnbrücke, die in Mainz über den Rhein führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Sie war seit römischer Zeit die zweite feste Brücke über den Rhein bei Mainz und die vierte Rheinbrücke, die in Deutschland errichtet wurde. Im Eisenbahnverkehr ersetzte sie ein Trajekt, das der Rhein-Main-Bahn seit dem 1. August 1858 für die Rheinquerung diente. Die Südbrücke wurde zwischen 1860 und 1862 errichtet, wurde am 20. Dezember 1862 in Betrieb genommen und seit dem 3. Januar 1863 im fahrplanmäßigen Betrieb befahren.[1]

Die Südbrücke fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Sie wurde in den letzten Kriegstagen am 17. März 1945 von Pionieren der Wehrmacht gesprengt, um die vorrückenden amerikanischen Truppen aufzuhalten. Amerikanische Pioniere errichteten daraufhin oberhalb der zerstörten Brücke eine eingleisige, teilweise hölzerne Behelfsbrücke, die „Franklin D. Roosevelt Memorial Bridge“.[2] Diese Behelfskonstruktion behinderte mit ihren engen Feldern den Schiffsverkehr stark und hatte nur eine sehr eingeschränkte Kapazität. Von 1948 bis 1949 erfolgte der Wiederaufbau der Südbrücke mit zwei nebeneinander liegenden parallelgurtigen K-Stahlfachwerkträgern. Nur noch die westlichen Brückentürme zum Stadtpark Mainz hin sind erhalten geblieben. Die Brücke quert die Landesgrenze zwischen dem Bahnhof Mainz-Gustavsburg in Hessen und dem Bahnhof Mainz Römisches Theater in Rheinland-Pfalz. Auf hessischer Seite ist sie ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.[3]

Architektur[Bearbeiten]

Die Brücke hatte ursprünglich vier große Linsenträger, auch Pauliträger genannt (nach dem Ingenieur Friedrich August von Pauli), an die sich rechtsrheinisch eine lange Flutbrücke mit 31 weiteren Feldern anschloss. An beiden Brückenköpfen wurde sie mit Brückentürmen ausgestattet, die im Falle eines Krieges zur Verteidigung der Brücke dienen sollten.

Ihr Planer war der Kreisbaumeister Ignaz Opfermann (1799–1866). Ingenieur war Heinrich Gottfried Gerber (Namensgeber für die so genannten Gerberträger), ausführendes Unternehmen war die Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett (später: Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg - MAN) aus Nürnberg. Gerber hatte bereits mit Friedrich August von Pauli die Großhesseloher Brücke bei München, 1857 die höchste Eisenbahnbrücke der Welt, konstruiert.

Cramer-Klett errichtete bei Gustavsburg ein Baulager, aus dem dann später eine Produktionsstätte der MAN wurde, das "Werk Gustavsburg".

Nach wenigen Jahrzehnten war die Brücke den gestiegenen Belastungen nicht mehr gewachsen. Daher wurden sämtliche Träger zwischen 1902 und 1911 durch modernere Halbparabelträger ersetzt.

Die Brücke führt über vier Stromfelder mit Stützweiten von 106,6 – 105,6 – 105,6 – 106,6 m. Es ist eine Hilfsbrücke vom Typ SKR 6 (Schaper; Krupp; Reichsbahn; 6 Meter Feldweite) mit der zweistöckigen Bauart als permanente Brücke.[4] Die Fachwerkträger haben ein K-Fachwerk von zwölf Metern Höhe. Die Weiten der unmittelbar im Osten anschließenden Vorlandbrücke sind 6 × 35 – 13 × 15,8 – 2 × 26 – 7 × 15,8 m.

Sanierung[Bearbeiten]

Die Brücke war nach 60 Jahren dringend sanierungsbedürftig. Die erforderlichen Arbeiten wurden 2008 begonnen. Auch die sich anschließende rechtsrheinische Vorlandbrücke wurde zwischen 2008 und 2010 saniert. Dazu wurde zunächst ein eingleisiger Betrieb eingerichtet, um dann zunächst die eine, danach die andere Seite instand zu setzen. Um die Bauarbeiten möglichst effektiv durchführen zu können, wurden im Fahrplan Änderungen vorgenommen, mit denen ein Teil der Züge auf die Umgehungsbahn Mainz umgeleitet wurde.

Außerdem war der kombinierte Rad- und Fußweg für heutige Verhältnisse viel zu schmal und wurde im Zuge der Sanierung verbreitert; hierzu wurde von Mitte April 2009 bis April 2010[5][6] der Weg für die Verbreiterung komplett gesperrt. Diese Kosten für die Verbreiterung tragen die anliegenden Kommunen. Die Deutsche Bahn AG hatte den Rad- und Fußweg bei der Sanierung beseitigen wollen.[7][8][9][10]

Trivia[Bearbeiten]

An das Schutzgitter der Mainzer Südbrücke zwischen Fußgängerweg und Bahnschienen angebrachte Liebesschlösser.

Das Schutzgitter, das den kombinierten Rad- und Fußweg von den Gleisanlagen trennt, wird seit einiger Zeit für die Anbringung von Liebesschlössern benutzt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brücken bei Mainz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Mainz-Mainbahn-Rheinbruecke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Paetz: Datensammlung zur Geschichte der Eisenbahnen an Main, Rhein und Neckar. Bensheim-Auerbach 1985, S. 9.
  2. Scharf, S. 140.
  3. Eisenbahn in Hessen, S. 234–235.
  4. Rolf H. Pfeifer, Tristan M. Mölter: Handbuch Eisenbahnbrücken. DVV Media Group, Hamburg 2008, ISBN 978-3-7771-0378-5, S. 302.
  5. „Brücke länger gesperrt“ (AZ vom 30. November 2009)
  6. „Brücke wieder offen“(AZ vom 23. April 2010)
  7. „Einen breiteren Rad- und Fußgängerweg fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) an der südlichen Eisenbahnbrücke.“ (Mainzer Allgemeine Zeitung vom 18. Oktober 2006)
  8. „Tragplatten oberhalb der Mainspitze werden ab dem Jahr 2008 saniert - Stadt will dies zur Verbreiterung des Radwegs nutzen“ (Mainzer Rhein-Zeitung vom 5. August 2006)
  9. „Auf ganzer Breite über Eisenbahnbrücke - Fuß- und Radweg zwischen Stadtpark und Mainspitze soll 2009 komplett verbreitert werden“ (Allgemeine Zeitung Mainz vom 29. November 2006)
  10. „Bald breiterer Weg für Radfahrer und Fußgänger - Eisenbahnbrücke über den Rhein soll ab 2007 saniert werden“ (Allgemeine Zeitung Mainz vom 22. Dezember 2006)