Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1910/11

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1910/11 entschied der amtierende deutsche Meister, der Südkreismeister Karlsruher FV, zum siebten Mal für sich. Im Westen und Osten konnten sich mit der Mannheimer FG 1896 und dem FC Bayern München ebenfalls die Meister des Vorjahres für die Endrunde qualifizieren, im Norden setzte sich erstmals der SV Wiesbaden durch.

Erstmals wurde auch der Meister des Ostkreises in einer eingleisigen A-Klasse ermittelt, so dass die regionalen Ligen in allen vier Kreisen im gleichen Modus ausgetragen wurden. Bezüglich des Abstiegs bzw. des Aufstiegs aus der B-Klasse gab es hingegen noch keine einheitliche Regelung.

Nordkreis[Bearbeiten]

In der „Mammutliga“ mit 13 Vereinen lagen nach der Vorrunde die Frankfurter Kickers, Hanau 93, der FSV Frankfurt und der SV Wiesbaden fast gleichauf. Die Spielzeit war von zahlreichen Streitereien begleitet, Proteste nach verlorenen Spielen waren an der Tagesordnung, und in der Folge wurden einige Spiele annulliert und mussten wiederholt werden. Als der Termin der süddeutschen Meisterschaftsendrunde immer näherrückte und noch nicht alle Nachholspiele terminiert waren, lieferten sich der FSV und der SVW ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Tabellenspitze. Um einen Meister rechtzeitig zu ermitteln, erwog man sogar, kurzfristig eine K.o.-Runde mit sechs Mannschaften durchzuführen. Als aber der FSV sein Spiel in Hanau verlor und der SVW dort eine Woche später gewann, war die Kreismeisterschaft entschieden, die Mannschaft um Lehnhardt, den Gebrüdern Roth und Torjäger Safran lag am Ende vier Punkte vor dem FSV. Die Gelb-Blauen hatten bereits in den Jahren zuvor mit guten Platzierungen geglänzt, zu einem Nordkreistitel hatte es bisher aber nie gereicht.

01. SV Wiesbaden 24 17 5 2 59:015 39–09
02. FSV Frankfurt 24 16 3 05 83:041 35–13
03. Kickers Offenbach 24 14 3 07 68:040 31–17
04. 1. Hanauer FC 93 24 14 3 07 59:040 31–17
05. FVF Kickers[N 1] 24 12 4 08 62:041 28–20
06. Viktoria 1894 Hanau (M) 24 12 4 08 45:026 28–20
07. FFC Victoria[N 1] 24 11 3 10 54:051 25–23
08. Germania Bockenheim 24 08 6 10 52:069 22–26
09. FFV Amicitia und 1902 24 09 3 12 54:065 21–27
10. Germania Bieber 24 08 3 13 54:066 19–29
11. Britannia Frankfurt 24 06 6 12 44:058 18–30
12. Germania 94 Frankfurt 24 04 5 15 42:076 13–35
13. Bockenheimer FVgg 24 00 2 22 27:115 02–46
  1. a b FVF Kickers und FFC Victoria fusionierten am 13. Mai 1911 zum Frankfurter FV.

Westkreis[Bearbeiten]

In der A-Klasse des Westkreises setzte sich erneut der älteste Mannheimer Verein, die Fußballgesellschaft 1896, durch, lediglich eine Niederlage bei Olympia Darmstadt (0:1) und ein Unentschieden in Kaiserslautern (2:2) leistete man sich, demgegenüber standen einige hohe Siege, darunter ein 9:2 gegen den alten Rivalen Union. Die FG 1896 blieb aber in der süddeutschen Endrunde wie schon im Vorjahr chancenlos. Die großen Mannheimer Vereine entschlossen sich schließlich in der nächsten Spielzeit zu einer Fusion zum VfR Mannheim.

1. Mannheimer FG 1896[W 1] (M) 16 14 1 01 60:16 29–03
2. Mannheimer FC Viktoria 1897[W 1] 16 10 2 04 61:27 22–10
3. FC Pfalz 03 Ludwigshafen 16 08 2 06 45:38 18–14
4. FV Kaiserslautern 16 07 3 06 46:38 17–15
5. Mannheimer VfB Union[W 1] 16 06 5 05 47:43 17–15
6. Ludwigshafener FG 03 16 07 2 07 37:42 16–16
7. Phönix Mannheim 16 06 3 07 45:37 15–17
8. FC Olympia Darmstadt 16 03 2 11 21:53 08–24
9. SC Germania Ludwigshafen 16 01 0 15 16:84 02–30
  1. a b c Mannheimer FG 1896, Mannheimer FC Viktoria 1897 und Mannheimer VfB Union fusionierten in der Folgesaison am 2. November 1911 zum VfR Mannheim.

Südkreis[Bearbeiten]

Mühelos sicherte sich der Karlsruher FV mit einem gegenüber dem Meisterjahr nahezu unveränderten, mit Nationalspielern gespickten Kader erneut die Südmeisterschaft. Lokalrivale Phönix, stärkster Konkurrent der vorangegangenen Spielzeiten, geriet in diesem Jahr ins Hintertreffen, einige Spieler des Deutschen Meisters von 1909 hatten ihren Zenit überschritten, andere Leistungsträger mussten aus beruflichen Gründen kürzertreten.

01. Karlsruher FV (M) 18 16 1 01 89:17 33–03
02. Stuttgarter Kickers 18 11 4 03 54:17 26–10
03. Freiburger FC 18 09 3 06 34:28 21–15
04. Sportfreunde Stuttgart 18 08 4 06 46:39 20–16
05. Phönix Karlsruhe 18 09 2 07 38:32 20–16
06. 1. FC Pforzheim 18 07 2 09 42:38 16–20
07. FC Union Stuttgart 18 08 0 10 33:36 16–20
08. Straßburger FV 18 08 0 10 18:54 12–24
09. Alemannia Karlsruhe 18 03 2 13 17:54 08–28
10. Germania Beiertheim 18 04 0 14 17:73 08–28

Ostkreis[Bearbeiten]

Der Vorjahresmeister FC Bayern verteidigte seinen Titel souverän, verlor in dieser Runde nur ein Spiel gegen den FC Wacker (1:2) und konnte mit zwei Siegen über den 1. FC Nürnberg den schärfsten Rivalen auf Distanz halten. Der FCN verlor darüber hinaus auch das Frankenderby bei der SpVgg. Fürth (1:2), so dass man die Saison mit drei Punkten Rückstand auf den FC Bayern abschloss.

01. FC Bayern München (M) 18 16 1 01 107:21 33–03
02. 1. FC Nürnberg 18 15 0 03 090:25 30–06
03. SpVgg. Fürth 18 10 2 06 049:41 22–14
04. MTV München 1879 18 10 1 07 050:45 21–15
05. Wacker München 18 07 3 08 036:54 17–19
06. FC Pfeil Nürnberg 18 07 2 09 049:54 16–20
07. TV München 1860 18 07 0 11 033:47 14–22
08. MTV Augsburg 18 05 2 11 041:55 12–24
09. 1. FC Bamberg 18 04 2 12 033:70 10–26
10. FC Noris Nürnberg[O 1] 18 02 1 15 023:99 05–31
  1. Der FC Noris Nürnberg fusionierte im Anschluss an die Saison mit dem FC Franken Nürnberg und FC Vorwärts Nürnberg zum VfB Nürnberg.

Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft[Bearbeiten]

Der amtierende Deutsche Meister Karlsruher FV gab sich keine Blöße, gewann alle sechs Spiele der Endrunde und sicherte sich damit erneut den süddeutschen Meistertitel. Die Trainingsarbeit von William Townley und überragende Spielertalente vor allem im Offensivbereich – das Innentrio FördererFuchsHirsch galt als beste Angriffsformation Deutschlands – sorgten dafür dass selbst der Zweitplatzierte FC Bayern chancenlos blieb und im Stadion an der Telegrafenkaserne mit 5:0 deutlich geschlagen wurde.

In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft traf der KFV im Halbfinale auf den VfB Leipzig und musste sich auf dem Platz der Frankfurter Victoria der Mannschaft um Camillo Ugi mit 0:2 geschlagen geben. Dieses Spiel, bei dem KFV-Mittelläufer Max Breunig verletzungsbedingt fehlte, konnten die Badener lange offen gestalten und zogen nach der Pause, als man 0:1 zurücklag, ein Powerplay auf, konnten aber keinen Treffer landen, und als die Sachsen auf 0:2 erhöhten, steckte der KFV schließlich auf.

1. Karlsruher FV 6 6 0 0 23:04 12–00
2. FC Bayern München 6 3 0 3 17:15 06–06
3. Mannheimer FG 1896 6 2 0 4 08:18 04–08
4. SV Wiesbaden 6 1 0 5 07:18 02–10

Die Endrundenspiele (unvollständig):

SV Wiesbaden Karlsruher FV 0:5
FC Bayern München SV Wiesbaden 4:1 und 0:4 am 2. und 17. April 1911
FC Bayern München Karlsruher FV 1:3 und 0:5 am 9. und 30. April 1911
FC Bayern München Mannheimer FG 1896 9:0 und 3:2 am 14. und 23. April 1911

Quellen[Bearbeiten]

Überregional
  • Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963 (= Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1). Agon Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1
  • Süddeutscher Fußball-Verband (Hrsg.): 100 Jahre Süddeutscher Fußball-Verband. Vindelica-Verlag, Gersthofen 1997, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Der deutsche Fußball (1900 – 1920) (= Libero, Spezial deutsch, Nr. D3, 1992). IFFHS, Wiesbaden 1992, hier insb. S. 84–94 (DNB-Link)
Regional
  • Ulrich Matheja: Schlappekicker und Himmelsstürmer. Die Geschichte von Eintracht Frankfurt. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-538-9
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Die Bayern. Die Geschichte eines Rekordmeisters. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-669-0
  • Harald Schock, Christian Hinkel: Ein Jahrhundert FSV Frankfurt 1899 e.V. Die Geschichte eines traditionsreichen Frankfurter Sportvereins (Festschrift). FSV Frankfurt 1899 e.V. (Hrsg.), Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-89784-189-4
  • 90 Jahre Karlsruher Fussballverein. Eine illustrierte Chronik (Festschrift). Karlsruher FV (Hrsg.), Karlsruhe 1981, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Gerhard Zeilinger: Die Pionierzeit des Fussballspiels in Mannheim. Die ersten 25 Jahre von 1894 bis 1919. Fussball-Archiv, Mannheim 1992, ISBN 3-89426-044-0
  • Eintracht-archiv.de - Spielzeiten (private Website über Eintracht Frankfurt)
  • Greuther-fuerth.de - Saisonhistory (offizielle Website der SpVgg Greuther Fürth)
  • Kickers-archiv.de - Spieljahre (private Website über die Stuttgarter Kickers)